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Wenn es um den Schutz vor HIV geht, geistert viel Halb- und Falschwissen durch die Köpfe. Das kann zu riskantem Verhalten führen. Wir haben deshalb an dieser Stelle gängige Mythen gesammelt und ihnen gesicherte Fakten gegenübergestellt – damit du weißt, was du tust, und deine Risiken im Griff behältst.
Deine Strategie:
Du denkst vielleicht:
Der Passive kriegt dann ja kein Sperma ab, in dem HIV ist oder sein könnte.
Was scheint dafür zu sprechen?
HIV wird über Sperma oder Blut übertragen. Da scheint es logisch, aufs Abspritzen zu verzichten, um so den Partner zu schützen. Und als Aktiver kommst du ja auch nicht mit fremdem Sperma in Kontakt. Leider falsch gedacht!
Was spricht dagegen?
- Beim Ficken ohne Kondom kann HIV allein schon über den Kontakt zwischen der Penisschleimhaut des Aktiven und der Darmschleimhaut des Passiven übertragen werden. Also ohne dass im Darm abgespritzt wird und ohne dass Blut im Spiel ist. Immunzellen in der Darmschleimhaut können HIV aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Penisschleimhaut des eindringenden Partners direkt aufnehmen und so zu einer HIV-Infektion führen. Und von diesen Immunzellen gibt’s im Darm ganz besonders viele.
- Umgekehrt funktioniert das genauso: Die Immunzellen am Schwanz des eindringenden Partners können Virus aus der Darmschleimhaut des Passiven ebenfalls direkt aufnehmen – auch ohne dass Verletzungen im Spiel sind.
Fazit:
Ficken ohne Gummi ist und bleibt eine riskante Angelegenheit für beide Partner (solange man nicht sicher sein kann, dass von keinem Partner eine Infektionsgefahr ausgeht).
Was steckt dahinter?
- HIV befällt vor allem Immunzellen (körpereigene Abwehrzellen) – in erster Linie Helferzellen (CD4-Zellen), die andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern steuern.
- Besonders viele Immunzellen gibt’s im Darm, dem größten Immunorgan des Menschen. Sie können HIV direkt aufnehmen und weitergeben.
- Auch am Schwanz – vor allem am „Vorhautbändchen“ und auf der zarten Innenseite der Vorhaut – liegen „Zielzellen“ von HIV nahe an der Oberfläche und können HIV leicht aufnehmen (z. B. aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut des Passiven).
- Bei Entzündungen (z. B. durch sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Tripper) und kleinen Verletzungen der Schleimhaut (durch die es beim Analverkehr häufig kommt) ist das HIV-Risiko erhöht: In die Schleimhaut wandern zusätzliche Immunzellen ein, die HIV direkt aufnehmen bzw. abgeben können, und außerdem ist sie bei Verletzungen und Entzündungen durchlässiger für die Viren.
Du denkst vielleicht:
Die DAH sagt ja jetzt, dass eine Infektion beim ungeschützten Sex mit HIV-Positiven unwahrscheinlich ist, wenn diese eine stabile, erfolgreiche Therapie machen.
Was scheint dafür zu sprechen?
- Eine stabile und erfolgreiche HIV-Therapie senkt die HIV-Konzentration (Viruslast) bzw. die Zahl infizierter Zellen in den Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten und damit das Ansteckungsrisiko für andere.
- Bei sexuellen Kontakten ohne Kondom ist eine HIV-Übertragung unwahrscheinlich, wenn die Viruslast des HIV-positiven Partners seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt – solange die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen werden und bei den Sexualpartnern keine Schleimhautdefekte
z. B. als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vorliegen.
Was spricht dagegen?
Überprüfbar sind die genannten Bedingungen – Viruslast seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze, konsequente Einnahme der Medikamente, keine Schleimhautdefekte bzw. keine sexuell übertragbaren Krankheiten – in der Regel nur in Partnerschaften und bei enger ärztlicher Begleitung.
Fazit:
- Bei Gelegenheitskontakten empfiehlt sich nach wie vor Safer Sex.
- Festen Partnern empfehlen wir zur Frage „Kondomverzicht – ja oder nein?“ dringend folgendes Vorgehen: eine ausführliche Beratung in der Aidshilfe, dazu ein Gespräch mit dem Arzt, ob die genannten Bedingungen gegeben sind, dann eine gemeinsame Entscheidung, mit der beide gut leben können, und anschließend regelmäßige ärztliche Untersuchungen.
- HIV-Positiven mit sexuellen Gelegenheitskontakten neben ihrem festen Partner empfehlen wir eine regelmäßige ärztliche Kontrolle auf sexuell übertragbare Krankheiten, da diese häufig ohne auffällige Symptome verlaufen (bzw. da Symptome häufig nicht bemerkt werden) und oft nur durch ärztliche Untersuchungen bzw. im Labor festgestellt werden können.
Du denkst vielleicht:
Was soll schon groß passieren, solange ich kein Zahnfleischbluten habe?
Was scheint dafür zu sprechen?
- Eine intakte Mundschleimhaut ist tatsächlich widerstandsfähiger gegenüber HIV und anderen Erregern (außer dem Erreger der Syphilis) als andere Schleimhäute.
- Außerdem „spült“ der Speichel Erreger von der Schleimhaut ab und wirkt verdünnend.
- Durch das Ausspucken wird zusätzlich ein Teil der Viren entfernt.
Was spricht dagegen?
- Vorsicht: Im Mund- und Rachenraum können auch andere sexuell übertragbare Infektionen ablaufen – oft ohne dass man sie bemerkt. Syphilisgeschwüre, Rachentripper oder Herpesbläschen sind dann „Eintrittspforten“ für HIV, und außerdem sammeln sich dort Immunzellen an, die HIV aufnehmen können.
- Die Oberfläche der Gaumenmandeln ist zerklüftet, und darunter gibt es viele „Zielzellen“ von HIV. Bei einem tiefen Rachenfick werden die Mandeln gut strapaziert. Kommt dann Sperma in den Mund, könnte das möglicherweise eine Infektion an dieser Stelle verursachen.
- Rachen, Mundschleimhaut und Zahnfleisch sind oft leicht entzündet – besonders bei Rauchern – oder verletzt (z. B., wenn man kurz vor dem Blasen die Zähne geputzt hat). Das erhöht das Infektionsrisiko, wenn Sperma im Mund landet.
Fazit:
- Beim Blasen gilt nach wie vor: Raus bevor’s kommt (solange man nicht sicher sein kann, dass vom Partner keine Infektionsgefahr ausgeht).
- Solltest du doch mal Sperma in den Mund bekommen, spuck es aus und spül den Mund ohne Druck mit Wasser aus. Anschließend, falls vorhanden, mit alkoholhaltigem Getränk nachspülen (möglichst 40%ig). Nicht die Zähne putzen – damit massierst du dir nur Virenreste ins Zahnfleisch.
- Möglichst auch nicht unmittelbar vor dem Blasen die Zähne putzen.
Du denkst vielleicht:
Das ist doch eine reine Rechenaufgabe – 50 Prozent weniger Männer, 50 Prozent weniger Risiko.
Was scheint dafür zu sprechen?
Je seltener du dich in eine Risikosituation begibst, umso geringer ist tatsächlich auch die sogenannte kumulative, das heißt: sich anhäufende Wahrscheinlichkeit, dich mit HIV anzustecken. Umgekehrt heißt das: Das Infektionsrisiko steigt langfristig, je öfter du ungeschützten Sex hast.
Was spricht dagegen?
Das HIV-Übertragungsrisiko ist von vielen Faktoren abhängig. Die wichtigsten sind die Anwendung von Kondomen bzw. beim ungeschützten Sex die Viruslast, also die Konzentration von HIV im Blut, Sperma und den Schleimhäuten von Schwanz und Arsch – liegt sie unter der Nachweisgrenze, ist das HIV-Risiko unter bestimmten Bedingungen sehr gering. Bei höherer Viruslast - insbesondere kurz nach der Infektion mit dem Virus (Primoinfektion) - dagegen kann schon ein einziger Risikokontakt für eine Ansteckung genügen, auch wenn HIV zu den schwer übertragbaren Erregern gehört. Das Übertragungsrisiko ist eben Statistik – wenn es statistisch z. B. bei einem von 100 Mal ungeschütztem Sex zu einer Infektion kommt, kannst du sozusagen bei jedem Fick ohne Kondom dieses eine Mal erwischen – der sprichwörtliche „one wrong fuck“ (der eine falsche Fick) ist für einige zur Wahrheit geworden.
Fazit:
Verlass dich nicht auf dein persönliches Glück – Safer Sex schützt, da musst du gar nicht erst die Zahl deiner Männer reduzieren. Aber wenn schon weniger Partner, warum dann nicht wenigstens „Sexkumpel“ auswählen, über die du mehr Informationen hast und mit denen du dich offen austauschen kannst?!
Du denkst vielleicht:
Treue ist der beste Schutz. Da können wir’s in der Beziehung unbesorgt ohne Gummi machen.
Was scheint dafür zu sprechen?
Treue kann unter bestimmten Bedingungen tatsächlich Schutz bieten – wenn von keinem Partner ein Ansteckungsrisiko ausgeht (wie ihr das herausfindet, kannst du hier nachlesen) und wenn ihr tatsächlich nur Sex innerhalb der Beziehung habt.
Was spricht dagegen?
- Schätzungsweise jede vierte HIV-Infektion passiert innerhalb einer „monogamen“ Partnerschaft, bei HIV-Positiven unter 30 Jahren haben sich wahrscheinlich sogar zwei von drei innerhalb ihrer Beziehung infiziert. Das ist kein Wunder: Auch wenn man sich vielleicht ewige Liebe und Treue geschworen hat, machen sich die Triebe oft irgendwann auch anderweitig bemerkbar. Am besten sprichst du mit deinem Partner darüber – vielleicht geht es ihm ja ähnlich? Ein Seitensprung heißt ja nicht gleich, dass ihr euch nicht mehr liebt oder respektiert.
- Um in der Beziehung aufs Gummi verzichten zu können, müsst ihr im Fall des Falles „außerhalb“ konsequent Safer Sex machen. Und wenn doch mal was Riskantes läuft (oder z. B. das Gummi platzt), solltet ihr das auf jeden Fall bald mit dem Partner besprechen und mit ihm vorerst (bis zu einem neuen Test drei Monate nach der Risikosituation) wieder auf Safer Sex umsteigen. Das ist nicht leicht, schließlich will man den Partner nicht verletzen und ihn schon gar nicht verlieren. Aber ihr seid in der Beziehung nicht nur für euch selbst, sondern auch für den Partner verantwortlich.
Fazit:
Liebe an sich bietet euch keinen Schutz – es sind euer Handeln und eure Ehrlichkeit, die euch die größtmögliche Sicherheit bieten. Apropos Ehrlichkeit: Wenn einer von euch den Eindruck hat, dass der andere es mit der Ehrlichkeit nicht so genau nimmt, sollte er das lieber ansprechen, als möglicherweise Risiken einzugehen. (Übrigens: Um solche Schwierigkeiten zu umgehen, bleiben manche Paare von vornherein auch innerhalb der Beziehung bei Safer Sex.)
Mehr zum Thema findet ihr unter Partnerschaft.
Du denkst vielleicht:
Was soll’s – HIV habe ich ja eh schon, und jetzt will ich endlich mal den Kopf ausschalten.
Was scheint dafür zu sprechen?
Beim Sex mit einem positiven Partner kannst du dich in der Tat gehen lassen. Keine Angst, den Partner mit HIV zu infizieren. Und das Kondom einfach mal beiseite lassen.
Was spricht dagegen?
- Weil dein Immunsystem geschwächt ist, hast du als HIV-Positiver ein höheres Risiko, dich mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit wie Syphilis, Tripper, Feigwarzen oder Hepatitis C zu infizieren.
- Diese Krankheiten können bei dir außerdem schneller und schwerer verlaufen und sind zum Teil schwieriger zu behandeln als bei Negativen. Außerdem schwächen sie zusätzlich dein Immunsystem.
- Wenn du noch keine Therapie machst (oder gerade in einer Therapiepause bist), kannst du dich unter Umständen mit einem weiteren, gegen bestimmte Medikamente resistenten Virusstamm infizieren. Das könnte bedeuten, dass deine Therapie nicht mehr richtig anspricht oder weitere Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Fazit:
Entscheide selbst. Wenn du eine stabile, wirksame HIV-Therapie machst, kannst du in punkto HIV bzw. anderer Virusstämme beim Sex mit positiven Partnern auf Gummis verzichten. Allerdings senken Kondome dein Risiko, dich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs) anzustecken oder sie weiterzugeben. (Da manche dieser STDs auch beim Sex mit Kondom übertragen werden, solltest du dich aber sowieso regelmäßig checken lassen.)
Du denkst vielleicht:
Was soll schon passieren? Wo kein Virus ist, kann auch keine Infektion stattfinden.
Was scheint dafür zu sprechen?
Wenn tatsächlich sichergestellt ist, dass keiner der Partner HIV-infiziert ist, besteht kein HIV-Risiko.
Was spricht dagegen?
- Ein negatives Testergebnis stellt nur sicher, dass du drei Monate vor der Blutentnahme noch HIV-negativ warst. Wenn in den drei Monaten vor der Blutentnahme etwas Unsafes passiert ist, ist alles wieder offen, weil du dich dabei infiziert haben könntest (erst nach drei Monaten kann der HIV-Test eine Infektion sicher ausschließen). Das gilt auch, wenn nach dem letzten negativen HIV-Test etwas Unsafes gelaufen ist: Du könntest dich angesteckt haben, und der Test fällt trotzdem negativ aus, weil die Antikörper noch nicht nachgewiesen werden können. Dann glaubst du, dass du kein Risiko für deinen Partner bist, während die Ansteckungsgefahr in Wirklichkeit gerade in den ersten Wochen der Infektion besonders hoch ist.
- Und woher weißt du, dass dein Partner (noch) negativ ist? Kannst du dich auf seine Angaben verlassen, gerade bei einem einmaligen Sexdate? Außerdem wissen oder vermuten viele Infizierte überhaupt nicht, dass sie sie sich angesteckt haben – nach Schätzungen haben bis zu einem Drittel der ca. 64.000 HIV-Infizierten noch keinen HIV-Test gemacht.
- Wenn du ohne Gummi ficken willst, weil du dich und deinen Partner für negativ hältst, hast du das vermutlich auch schon mit anderen Partnern getan (und deine Partner auch…). Wie sicher kannst du sein, dass da nichts passiert ist?
Fazit:
- Hände weg von dieser Strategie, wenn es um Sex mit Gelegenheitspartnern geht – in aller Regel sind da zu viele Unbekannte mit im Spiel.
- Wenn ihr in einer Beziehung auf Gummis verzichten wollt, gibt’s klare Spielregeln. Erster Schritt: 12 Wochen konsequent Safer Sex. So lange dauert es, bis man mit einem HIV-Test ausschließen kann, dass man sich angesteckt hat. Zweiter Schritt: Ihr lasst euch beide auf HIV testen. Bis zur Mitteilung des Testergebnisses ist gegebenenfalls weiterhin das Gummi angesagt. Dritter Schritt: Lautet das Testergebnis für beide "HIV-negativ", könnt ihr in der Beziehung auf Safer Sex verzichten. Außerhalb ist konsequenter Safer Sex angesagt - und falls mal was Unsafes laufen sollte, bis zu einem neuen Test auch wieder innerhalb der Beziehung.
Du denkst vielleicht:
Ich hab irgendwo gelesen, dass beschnittene Männer ein viel kleineres Risiko haben, sich mit HIV anzustecken. Das hat man in Studien herausgefunden.
Was scheint dafür zu sprechen?
- Die Innenseite der Vorhaut (die bei schlaffem Schwanz über der Eichel liegt und bei einer Erektion außen gewendet ist) und das „Vorhautbändchen“ sind am Schwanz die Haupteintrittspforten für HIV. Studien zufolge senkt die Beschneidung der Vorhaut das HIV-Infektionsrisiko für heterosexuelle Männer um ca. 60 %. Hauptgrund ist, dass die Schleimhautoberfläche des Penis verringert und der an HIV-Zielzellen reiche Teil der Vorhaut entfernt wird.
- Die Weltgesundheitsorganisation hat die Beschneidung heterosexueller Männer offiziell in die HIV-Präventionsmaßnahmen aufgenommen, vor allem für Länder mit weiter HIV-Verbreitung und vorwiegend heterosexuellem Übertragungsweg. Beworben wird sie allerdings nur zusammen mit weiteren Präventionsmaßnahmen (z. B. Kondomen), da sonst – aufgrund zu hoher Erwartungen an die Schutzwirkung – nach einer Beschneidung häufiger Risikokontakte eingegangen werden könnten als vorher – dadurch könnte die Schutzwirkung aufgehoben oder ins Gegenteil verkehrt werden.
Was spricht dagegen?
- Nicht alle Zellen, die HIV aufnehmen können, werden durch die Beschneidung entfernt. Zellen in deiner Harnröhre, an der Eichel und am „Bändchen“ (Frenulum) bleiben als Eintrittspforte für HIV bestehen.
- Wer beschnitten ist, fickt meist länger und heftiger, weil die Eichel weniger empfindlich ist. Dabei kommt es eher zu kleineren Verletzungen bzw. Blutungen im Darm des Passiven – dadurch steigt für dich das HIV-Risiko. Außerdem ist die Virenkonzentration in der Darmschleimhaut höher als in der Vaginalschleimhaut.
- Ob die Ergebnisse der Beschneidungsstudien auf Analverkehr übertragen werden können, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt - nach ersten Studienergebnisse ist das Infektionsrisiko für beschnittene Männer hier nicht geringer. Außerdem sind die meisten Männer, die Sex mit Männern haben, nicht nur rein aktiv, sondern nehmen oft beide „Rollen“ ein.
Fazit:
Für dich als Mann, der Sex mit Männern hat, bietet die Beschneidung keinen Schutz vor HIV. Wenn du aber tatsächlich rein aktiv bist, kann sie dir immerhin beim Ficken zusätzliche Sicherheit bieten – zum Beispiel für den Fall, dass ein Kondom platzt oder im Eifer des Gefechts vergessen wird.
Du denkst vielleicht:
Ich empfange ja kein Sperma. Deswegen habe ich auch kein HIV-Risiko.
Was scheint dafür zu sprechen?
HIV wird über Sperma oder Blut übertragen. Das hast du gelernt. Da scheint es logisch, ohne Gummi nur aktiv zu ficken, denn dann kommst du ja nicht mit fremdem Sperma in Kontakt. Leider falsch gedacht!
Was spricht dagegen?
- Beim aktiven Ficken ohne Kondom kann HIV allein schon über den Kontakt zwischen der Darmschleimhaut des Passiven und deiner Penisschleimhaut übertragen werden. Also ohne dass Sperma oder Blut im Spiel sind. Immunzellen an deinem Schwanz, vor allem in der Vorhaut und dem „Bändchen“, können HIV aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut direkt aufnehmen, in den Körper befördern und so zu einer Ansteckung führen. Das gilt auch für Beschnittene, weil ein Rest von Vorhaut und Bändchen und damit auch der Schleimhaut erhalten bleibt.
- Umgekehrt kann HIV auch auf den Passiven übertragen werden, ohne dass der Aktive im Arsch abspritzt, nämlich ebenfalls über den Flüssigkeitsfilm zwischen der Penis- und der Darmschleimhaut: Im Darm gibt’s besonders viele Immunzellen, die HIV aufnehmen und so zu einer Infektion führen können. Außerdem ist die Darmschleimhaut darauf spezialisiert, Flüssigkeit aufzunehmen.
Fazit:
- Ficken ohne Gummi ist und bleibt eine äußerst riskante Angelegenheit – solange du dir nicht sicher sein kannst, dass du dich beim Partner nicht anstecken kannst!
- Das HIV-Infektionsrisiko ist dabei für beide Partner (aktiv/passiv) hoch! Finger weg von dieser Strategie – nur aktiv zu ficken schützt dich nicht vor HIV!
Was steckt dahinter?
- HIV befällt vor allem Immunzellen (körpereigene Abwehrzellen) – in erster Linie Helferzellen (CD4-Zellen), die andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern steuern.
- Besonders viele Immunzellen gibt’s im Darm, dem größten Immunorgan des Menschen. Sie können HIV direkt aufnehmen und weitergeben.
- Auch am Schwanz – vor allem am „Vorhautbändchen“ und auf der zarten Innenseite der Vorhaut – liegen „Zielzellen“ von HIV nahe an der Oberfläche und können HIV leicht aufnehmen (z. B. aus dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut des Passiven). Bei Entzündungen (z. B. durch sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Tripper) und kleinen Verletzungen der Schleimhaut (durch die es beim Analverkehr häufig kommt) ist das HIV-Risiko erhöht: In die Schleimhaut wandern zusätzliche Immunzellen ein, die HIV direkt aufnehmen bzw. abgeben können, und außerdem ist sie bei Verletzungen und Entzündungen durchlässiger für die Viren.
Du denkst vielleicht:
Wer frisch und sportlich aussieht, ist doch gesund – also besteht da kein Risiko.
Was scheint dafür zu sprechen?
Gar nichts, aber auch absolut gar nichts.
Was spricht dagegen?
- Wie viele andere Krankheiten verläuft auch eine HIV-Infektion oft über Jahre unbemerkt und ist weder für den Infizierten noch für Außenstehende erkennbar. Das ist auch einer der Gründe, warum etwa ein Drittel der Männer, bei denen HIV festgestellt wird, erst sehr spät zum Arzt geht, wenn das Immunsystem schon schwer geschädigt ist.
- Gerade frisch infizierte Personen sind extrem ansteckend, weil bei ihnen besonders viele HI-Viren in Blut, Sperma und den Darm- und Genitalschleimhäuten vorhanden sind. Da kann das gebräunte, knackige und gesund aussehende Kerlchen zum unberechenbaren Risiko werden!
- Die Behandlung der HIV-Infektion führt immer seltener zu körperlichen Veränderungen. Dadurch wird HIV weniger sichtbar. Wenn jemand angeschlagen aussieht, hat er wahrscheinlich einfach nur ’ne Erkältung.
- Übrigens: Auch viele andere sexuell übertragbaren Krankheiten verlaufen (zunächst) ohne auffällige Symptome, und trotzdem kann man sich bei Infizierten anstecken. Kondome senken dieses Risiko.
Fazit:
Das Risiko, dich beim ungeschützten Sex mit einem frisch und gesund aussehenden knackigen Mann anzustecken, ist unkalkulierbar. Vielleicht ist der gerade, ohne dass er das ahnt, frisch infiziert – dann ist er sogar besonders ansteckend.
Du denkst vielleicht:
Ich bin jung und hab auch nur Sex mit Typen in meinem Alter – HIV betrifft doch nur die älteren Schwulen. Oder: Was soll mir denn hier auf dem Land passieren? Die Positiven wohnen doch alle in den Großstädten.
Was scheint dafür zu sprechen?
Eigentlich nur die Statistik – aber die schützt dich nicht.
Was spricht dagegen?
- Klar, mag schon sein, dass der Anteil der HIV-Infizierten unter jüngeren Männern, die Sex mit Männern haben, niedriger ist als in höheren Altersgruppen. Aber auch hier gibt’s Positive – Jugend schützt nicht vor HIV.
- Es stimmt zwar, dass in Großstädten mehr Männer mit HIV wohnen – da gibt’s schließlich HIV-Spezialisten, HIV-Schwerpunktpraxen und Ambulanzen. Aber die schwule Welt ist mobil – und genauso mobil ist HIV. Das Virus kann dich überall treffen, im vermeintlichen „Sündenpfuhl“ Großstadt genauso wie auf dem Land, am Strand, im Urlaub oder bei einer Internetbekanntschaft.
Fazit:
Sich auf offizielle Statistiken oder eigene „Beobachtungen“ zu verlassen, ist nicht zu empfehlen. Statistik schützt nicht vor HIV!
Du denkst vielleicht:
Wer im Darkroom nicht auf Safer Sex besteht, kann nur positiv sein, sonst würde er sich ja schützen. Schließlich ist jeder für seine Gesundheit selbst verantwortlich, gerade an solchen Orten. Da wird schließlich nicht viel geredet – wer sich schützen will, nimmt eben einfach ein Gummi.
Was scheint dafür zu sprechen?
Klar, zum Sex gehören meistens zwei, und jeder trägt Verantwortung.
Was spricht dagegen?
Manche Negativen oder Ungetesteten denken aber, dass ein HIV-Positiver auf jeden Fall von sich aus ein Gummi ins Spiel bringen oder es ihnen sagen würde, dass er positiv ist. Sogar auf einer Barebackparty. Sie sehen die alleinige Verantwortung für ihren Schutz bei den Positiven, also bei dir – egal, wie du dazu stehst. Wenn also jemand nicht auf Safer Sex besteht, kann er genauso gut negativ sein.
Fazit:
Stell lieber keine Vermutungen an, sondern bring von dir aus das Gummi ins Spiel oder sprich das Thema HIV zumindest an – für das „gute Gefühl danach“.
Du denkst vielleicht:
Wenn jemand positiv ist, wird er mir das schon sagen – oder von sich aus ein Gummi ins Spiel bringen.
Was scheint dafür zu sprechen?
Klar, HIV-Positive haben Verantwortung für den Schutz ihrer Partner.
Was spricht dagegen?
- Zum Sex gehören meistens zwei – und die tragen auch beide Verantwortung für den Schutz vor HIV.
- Als Negativer kannst du nicht unbedingt davon ausgehen, dass ein Positiver von sich aus für den Schutz sorgt: Erstens könnte er davon ausgehen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, also auch für seinen Schutz. Und zweitens denkt er vielleicht: Jeder muss doch damit rechnen, dass er auf einen HIV-positiven Partner trifft. Wenn ich also kein Gummi nehme und mein Partner besteht auch nicht drauf, ist er wohl ebenfalls positiv.
- Außerdem: Wie sicher kannst du eigentlich sein, dass du (noch) HIV-negativ bist? Ist seit deinem letzten negativen Test wirklich nichts Unsafes mehr gelaufen? Und wie sicher kannst du sein, dass dein Partner (noch) negativ ist, selbst wenn er sich für negativ hält?
Fazit:
Falsche Vermutungen liegen so mancher HIV-Infektion zugrunde. Stell also lieber keine Vermutungen an, sondern bring von dir aus das Gummi ins Spiel oder sprich das Thema HIV zumindest an – das sollte dir deine Gesundheit schon wert sein.

























