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IWWIT-Testwochen

Hintergründe zum Projekt „Testwochen“

Vom September bis November 2009 fanden im Rahmen der IWWIT Kampagne zum ersten Mal bundesweite Testwochen statt. Während dieses Zeitraums wurden bundesweit an 64 Orten Test- und Beratungsangebote zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STD) beworben und durchgeführt. 49 Aidshilfen und Vereine der schwulen Selbsthilfe und 42 Gesundheitsämter haben an der gemeinsamen Aktion teilgenommen.

Die IWWIT Testwochen richteten sich gezielt an MSM (Männer die Sex mit Männern haben). Erreicht werden sollten vor allem mit HIV infizierte MSM die noch nichts von ihrer Infektion wissen, MSM mit erhöhtem Risikoverhalten und MSM, die Testangebote sonst eher nicht in Anspruch genommen hätten. Aufgrund der erhöhten Prävalenz unter MSM und unserer begrenzten Ressourcen erschien uns die Fokussierung auf diese Zielgruppe plausibel.

Wir gehen heute davon aus, dass ca. ein Drittel der mit HIV infizierten Menschen nichts von der eigenen Infektion weiß. Seit längerer Zeit ist bekannt, dass die Behandlung dann besonders gut anschlägt, wenn zum richtigen Zeitpunkt damit begonnen wird. Etwa ein Drittel der neu mit HIV Infizierten gelten als „late presenter", das heißt, dass sie zu spät zum Test oder zur Therapie kommen. Den daraus resultierenden Nachteil kann wettmachen, wer über sein HIV Infektion Bescheid weiß.

Unterschiedliche Projekte verfolgen das gleiche Ziel

Um MSM besser erreichen zu können wurden sehr unterschiedliche Konzepte umgesetzt. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal war dabei der Ort bzw. das „Setting" an dem die Beratungsgespräche und Tests umgesetzt wurden. Der überwiegende Teil der im Rahmen der IWWIT-Testwochen durchgeführten Veranstaltungen wurde in Aidshilfen oder in Gesundheitsämtern angeboten. Es wurden aber auch neue, eher „untypische" Ideen und Angebote realisiert: 20 der 531 Veranstaltungen fanden an Orten statt, wo sich MSM begegnen, auf Cruisingparkplätzen oder in schwulen Saunen.

Alles in allem fanden während der Testwochen 531 einzelne Veranstaltungen statt. Auch in ihrer Angebotspalette unterschieden sich die Projekte zum Teil erheblich voneinander. Verwendet wurden unterschiedliche Testverfahren, („Schnelltests", Elisa etc.), möglich waren Tests zu HIV, aber auch zu Syphilis. Darüber hinausgehend, konnten in einigen Projekten auch andere STDs abgecheckt oder der Immunstatus zu den Hepatitiden A und B abgeklärt werden.

Nicht die Anzahl der Tests war für uns entscheidend

Die hohe Anzahl so vieler unterschiedlicher Projekte hat uns sehr überrascht. Wir wünschen uns, dass sich dadurch ein möglichst nachhaltiges Angebot etabliert. In ihrer Unterschiedlichkeit war das gemeinsame Anliegen aller teilnehmenden Projekte eine gute Beratung und Risikoabklärung zu HIV und STDs. Jedes der Projekte verpflichtete sich zur Einhaltung der gemeinsam entwickelten Standards zu Beratungs- und Testdurchführung. Standards als PDF

Uns war von Anfang an wichtig, dass nicht die Anzahl der durchgeführten Tests den Erfolg der Kampagne definieren sollte, sondern die Einhaltung bewährter Teststandards und die Nachhaltigkeit des Angebots.

In Kooperation mit Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und den beteiligten Projekte wurde ein Fragebogen zur Bewertung des Risikoverhaltens entwickelt, der während der Kampagne eingesetzt worden ist. Durch das „Erhebungsinstrument" wurde die Auswertung und Evaluierung der Testwochen ermöglicht, deren Ergebnisse im Frühjahr 2010 vorliegen und zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich gewährleisteten wir die Anonymität der Nutzer durch die involvierten Projekte.

Transparenz ermöglicht das Treffen informierter Entscheidungen

Einer der uns wichtigen Standards bezog sich auf den „informed consent“. Mit diesem etwas holprigen Fachbegriff ist gemeint, dass Tests nur dann durchgeführt werden, wenn die Nutzer über Vor- und Nachteile der Tests informiert sind. Erst wenn dies gewährleistet ist, können sie freiwillig, d.h., ohne dass Druck ausgeübt wird, darin einwilligen. Um den Nutzern der Tests eine „informierte Einwilligung" auf allen Ebenen zu ermöglichen hatten wir uns es zum Ziel gesetzt, das Angebot so transparent wie möglich zu gestalten: Nutzer sollten die jeweiligen Projekte, deren Konzepte und die dabei verwendeten Testverfahren voneinander unterscheiden können, um gegebenenfalls entscheiden zu können auf welchen Test oder Prozess sie sich einlassen möchten (oder nicht).

Abhängig von der HIV-Prävalenz der Zielgruppe gibt es durchaus Argumente die für oder gegen das eine oder andere Testverfahren sprechen. Die konkreten Angebote der einzelnen Projekte wurden deshalb mit Angaben zur Realisierung des Konzept, zu Ablauf, Ort, Art der verwendeten Testverfahren, Wartezeiten und Kosten detailliert dargestellt.

IWWIT-Kampagnenleitung: Matthias Kuske, matthias.kuske@dah.aidshilfe.de

Koordinator der Testwochen: Peter Wiessner, peter-wiessner@t-online.de

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