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HepatiWas? Hepatitis C solltest du kennen.

  1. Hepatitis C: (K)ein Thema für dich?!
     
  2. Es gibt neue und bessere Therapien.
     
  3. Einfache Schutzregel: Ob beim Ficken oder Fisten - nichts teilen.
  1. Hepatitis C: (K)ein Thema für dich?!

    Wie bei jeder Infektionskrankheit ist es gut, wenn man die Übertragungswege kennt. Auch wenn Hepatitis C vor allem bei HIV-positiven schwulen Männern festgestellt wird, sollten auch HIV-negative Bescheid wissen. So kannst du dich vor einer (erneuten) Ansteckung schützen – oder Vorurteile vermeiden.

  2. Es gibt neue und bessere Therapien. Irgendwie. 
    Die Behandlungssituation hat sich seit Ende 2014 deutlich verbessert: Es gibt neue Medikamente mit deutlich weniger Nebenwirkungen und auch die Therapiezeiten verkürzen sich auf 12 Wochen erheblich. Die neuen Medikamente sind aber teuer. Manche Ärzte zögern daher mit der Verschreibung. Wer sich mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert hat, geht am besten zu einem Spezialisten (Adressen unter www.dagnae.de), um alles genau mit ihm abzuklären.
     
  3. Einfache Schutzregel: Nichts teilen.
    Da Hepatitis C durch Blut übertragen wird, kann jeder eine einfache Schutzregel beachten: nichts teilen! Beim Ficken also für jeden Partner ein neues Kondom, beim Fisten für jeden Partner einen neuen Handschuh verwenden. Und wenn Chems im Spiel sind, kannst du darauf achten, dass jeder sein eigenes Zubehör benutzt.
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Behandlung von Hepatitis C: Gestern – heute – morgen

Die bisherige Standard-Behandlung gegen Hepatitis C dauerte bis zu 1,5 Jahren, die Erfolgsaussichten schwankten ziemlich, und die Nebenwirkungen waren zum Teil erheblich. Das ändert sich allerdings gerade und bessere und nebenwirkungsarme Medikamente kommen auf den Markt.

Jahrelang gab es eine Standard-Behandlung gegen Hepatitis C. Je nach Genotyp dauerte sie sechs bis 18 Monate, die Erfolgsaussichten schwankten zwischen 30 und 90 Prozent. Insbesondere das eingesetzte Interferon hat viele Nebenwirkungen, neben Grippe-Symptomen auch Blutarmut, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Haarausfall, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und Depressionen.

2011 kamen neue Medikamente auf den Markt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht derzeit die Substanz Sofosbuvir. Sie wurde im Januar 2014 in Europa für die HCV-Therapie bei allen Genotypen zugelassen – immer in Kombination mit anderen Substanzen. Der Therapieerfolg bei nicht vorbehandelten Patienten mit Genotyp 1 liegt mit den neuen Substanzen deutlich über 90 Prozent. Die Behandlungsdauer sinkt auf drei Monate. Die WHO gab deshalb in ihren Hepatitis-C-Leitlinien der Sofosbuvir-Kombinationstherapie (d.h. das Hauptpräparat plus zwei weiteren Substanzen) den Vorrang vor der Behandlung mit den bisher gängigen Präparaten Interferon und Ribavirin. Auch in Deutschland werden gerade die Therapie-Leitlinien für Hepatitis C dahingehend geändert, dass die neuen Wirkstoffe für eine Hepatitis-C-Behandlung empfohlen werden.

2014 wurden mit Sofosbuvir, Daclatasvir und Simeprevir bereits drei neue Medikamente zugelassen, weitere sind in der Pipeline. Es sind dann für fast alle Genotypen Behandlungen ohne Interferon und Ribavirin möglich, die Therapiedauer könnte für den häufigsten Genotyp 1 auf bis zu acht Wochen sinken.

Ärzte und Patienten jubeln, die Krankenkassen stöhnen. Kein Wunder: Sofosbuvir ist teuer. Der Wirkstoff für eine 12-wöchige Therapie kostet in Deutschland derzeit rund 60.000 Euro. Mittelfristig werden sich die Kosten aber noch verändern.

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Was sagt der Experte?

Hepatitis C ist ein komplexes Thema. Was ist aus medizinischer Sicht wichtig dabei? Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, spricht im Interview mit Frauke Oppenberg über Symptome, Übertragungswege, Risiken sowie über die aktuelle Behandlungssituation.

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So schützt du dich vor Hep C:

  1. Beim Ficken
  2. Beim Fisten
  3. Bei Drogengebrauch

Sexspielzeuge wie Dildos nicht mit anderen teilen. Am besten immer ein neues Kondom drüberziehen oder die Toys gründlich reinigen bzw. desinfizieren.

Beim Ficken Kondome und beim Fisten Handschuhe verwenden – für jeden neuen Partner ein neues Kondom bzw. einen neuen Handschuh nehmen.

Für jeden Fistpartner einen eigenen Gleitmitteltopf verwenden.

Beim Spritzen oder Sniefen von Drogen das eigene Zubehör benutzen und es nicht weitergeben.

Mehr Infos zum Thema Drogen und Sexdrogen und wie du die Risiken minimieren kannst, findest du auf unserer Themenseite.

Was ist mit impfen?

Gegen Hepatitis C kann man sich nicht impfen lassen.

Wer einmal Hep C hatte

ist nicht vor einer
weiteren Ansteckung
geschützt!

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Hep C in der (Sexparty-)Szene

Franz und Manuel fisten gerne. Ist die Hand im Arsch, haben sie oft Hepatitis C im Kopf. Denn als HIV-Positive können sie sich leichter eine Ko-Infektion holen. Hier erzählen sie, wie sie ihre Sex-Sessions mit Vorsicht genießen.

Franz mag es nicht, wenn es beim Sex ganz dunkel ist. „Ich möchte noch genug Licht haben, um zu sehen, ob auf meinem Handschuh eine auffällige Blutspur ist.“ Franz ist 56 Jahre alt, HIV-positiv, Leder-Fan, und Franz fistet gerne. „In letzter Zeit bin ich noch ein paar Prozente vorsichtiger geworden“, erzählt der Augsburger. Binnen drei Monaten hat er von vier guten Bekannten erfahren, dass sie sich mit Hepatitis C angesteckt haben. „Danach bin ich vorsichtshalber auch zum Check gegangen – außer der Reihe.“ Zweimal im Jahr lässt sich Franz sowieso auf sexuell übertragbare Krankheiten testen, auch ein Hep-C-Test ist dabei. „War aber nix“, sagt Franz erleichtert.

Schwule Männer mit HIV infizieren sich häufiger mit Hepatitis C als HIV-negative Männer. Ein möglicher Übertragungsweg: Sexpartys, auf denen die Partner häufig wechseln. Franz‘ Eindruck: „Das ist so eine Mischung aus Fist- und Fick-Szene. Wenn das die ganze Nacht durchgeht, bleibt es ja oft nicht bei einer Faust. Und kleinere Verletzungen passieren beim Fisten allemal.“

Sicherheitsgurt bei der Fist-Session

Auch Manuel (30) aus Berlin fistet gerne. Meist trifft er sich mit drei Fuckbuddys zu einer „Session“. 2011 hat es ihn erwischt: Hepatitis C – eine typische Ko-Infektion, denn auch Manuel ist HIV-positiv. Ein Jahr lang dauerte die Therapie. Sie hatte heftige Nebenwirkungen, aber war wirkungsvoll: Die Viren sind weg, Manuels Arzt bestätigte ihm gerade erst wieder „Leberwerte zum Vorzeigen“. Die heftige Erfahrung aber bleibt im Kopf. „Der Sex nach der Hep ist schon ein anderer als davor“, sagt der Journalist. „Wenn ich jetzt mit neuen Leuten anfange zu spielen, schaue ich erst mal, wie die agieren“, berichtet er.

„Fisten ist nun mal eine sexuelle Spielart, wo Entspannung im Kopf wichtig ist“, sagt Manuel. „Beim Fisten geht es um das tiefe Vordringen des Partners und das Ausgefüllt-Sein im Inneren“, erklärt Manuel. „Ob die Hand in mir einen Handschuh anhat oder nicht, ist da nicht so wichtig.“ Der Handschuh schaffe sogar einen kleinen zusätzlichen Moment der Sicherheit – und hilft so beim Entspannen.

„Von Hepatitis C fühlt sich kaum jemand betroffen“

Aus seiner Hepatitis-C-Infektion hat Manuel kein Geheimnis gemacht. Die Information stand damals sogar in seinem Gayromeo-Profil. „Die Reaktionen waren neutral“, erinnert er sich. „Im schlimmsten Fall wurden meine Anfragen freundlich abmoderiert.“ Nur einmal gab es einen User, der ihn mit Nachrichten beschoss: Ihr seid unverantwortlich! Ihr schädigt das Solidarsystem! „Da war ich aber nicht das einzige Opfer“, sagt Manuel. „Online hat man immer ein paar Verrückte.“

Insgesamt reagiert die schwule Fetisch-Community eher gleichgültig auf das gestiegene Hepatitis-C-Risiko, das hat auch Franz beobachtet. „Von Hepatitis C fühlt sich kaum jemand betroffen. Die Leute sagen sich: Mit Fisten hab ich eh nichts am Hut“, erzählt Franz. Und im Gegensatz zu HIV könne Hepatitis C geheilt werden. „Mit HIV hast du halt dein Lebtag zu tun“, sagt Franz, der seit über 20 Jahren mit HIV lebt. „Als HIV-Träger wirst du deshalb in der Szene nach wie vor mehr diskriminiert.“

Keine offene Diskriminierung, sondern höfliche Distanzierung – so reagieren die meisten Männer, wenn sie von Hepatitis C erfahren. Doch der Rückzug sei ein entscheidender Fehler, findet Manuel. „So erfährt man nie, wie die Infektion passiert ist und wie man sich schützen kann.“ Und dem Gegenüber entgeht die Chance, mal zu erzählen, was er gerade durchmacht. „So eine Hepatitis-C-Therapie ist halt kein Spaziergang“, betont Manuel. „Jeder hat da Momente, wo er am Hadern ist und wo er eine Umarmung oder einen Zuhörer braucht.“ Deshalb fordert Manuel: „Entspannt euch! Redet miteinander. Macht euch kundig.“ Der Austausch kann beide Seiten bereichern. „Bescheid zu wissen gibt dir ein Gefühl von Sicherheit. Und dieses gute Gefühl hilft dir auch dabei, besseren Sex zu haben.“

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