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Endlich mal raus aus der Heimat und rein in die Großstadt: Hier findet jeder, was er sucht, solange er sich nicht verläuft. Und was suchst du? Andere Schwule, neue Bekannte, echte Freunde, heftige Flirts, schnellen Sex, eine Beziehung?
Wie auch immer – wenn du neu in der Großstadt bist, könnten unsere Infos interessant für dich sein: Wir sagen dir, wo du auf die Pirsch gehen kannst und welche ungeschriebenen Gesetze dort gelten. Und wir geben Tipps, wie du möglichst sicher durch den Dschungel der Stadt (und wieder heraus) kommst.
In der Großstadt leben viel mehr Schwule als in Kleinstädten oder auf dem Land. Das zeigt meist schon ein kleiner Spaziergang durch die Geschäftsstraßen oder eine kurze Fahrt mit der U-Bahn. Viele sind hergekommen, weil man hier leichter schwul leben kann, ohne verurteilt, angefeindet oder angepöbelt zu werden. In fast jeder größeren Stadt gibt es eine über Jahre, zum Teil Jahrzehnte gewachsene (Sub-)Kultur mit Orten, an denen Homos unter sich sein können oder zumindest nicht schräg angeguckt werden. Oft konzentrieren sich diese Orte in bestimmten Stadtteilen oder Straßen und bilden ein „Bermuda-Dreieck“, in dem schon so mancher Besucher verschwunden ist. Zumindest für eine Nacht oder zwei…
Vielleicht hast du dir dein Ausflugsziel und die Angebote für Schwule im Internet schon genauer angeschaut.
Da gibt es zum Beispiel jede Menge Cafés, Bars, Kneipen oder Restaurants, in denen sich (auch) Homos treffen, um zu plaudern oder auch neue Leute kennenzulernen. Oder die vielen Angebote, bei denen der anonyme Sex im Vordergrund steht: Darkroom-Clubs, Pornokinos, Saunen oder Sex-Partys zum Beispiel. In manchen Großstädten kann man theoretisch rund um die Uhr Sex haben, wenn einem danach ist: Erstens ist die Wahrscheinlichkeit groß, einen anderen zu finden, dem es genauso geht. Und zweitens gibt es genügend Orte, an denen man sich genau zu diesem Zweck trifft. Dort wird allerdings meist gar nicht miteinander gesprochen – zumindest scheint das ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. In Bars mit angeschlossenem Darkroom zum Beispiel ist es manchmal still wie die Nacht – wenn man mal von der lauten Musik absieht. Das liegt daran, dass die meisten Gäste hergekommen sind, um zu kommen… Man(n) trinkt Bier und behält den Eingang (oder den Übergang zum Darkroom) im Auge, um ja niemanden zu verpassen. In einer schwulen Sauna ist es oft ähnlich. Dort musst du Eintritt bezahlen und darfst dafür stundenlang saunieren – zusammen mit anderen Männern, denen du leicht nahekommen kannst, ob in der Dampfsauna oder in einer der Kabinen. Völlig umsonst dagegen sind die Cruising-Gebiete, wo Männer auf die Pirsch gehen, zum Beispiel im Stadtpark: Es beginnt mit einem Blickkontakt, dann wechselt man seinen Standort. Wenn der andere folgt, hat man gute Chancen, ihm schon in wenigen Minuten die Hose aufzuknöpfen – natürlich funktioniert das Ganze auch umgekehrt. Einfach mal jemandem hinterhergehen oder jemanden locken.
Die Verständigung an Orten für anonymen Sex klappt meist ohne Worte. Das gilt auch in Sachen Safer Sex: Willst du jemanden ficken, zieh einfach ein Kondom drüber. Will dich jemand ficken, achte drauf, dass er einen Gummi drüber hat. Wenn nicht, kannst du ihm selbst ein Kondom überziehen – oder ihn sanft, aber bestimmt wegdrängen, wenn er mit Gummi nicht will. Du kannst natürlich auch jederzeit mit Worten eine klare Ansage machen, zum Beispiel „Nur mit Gummi“ oder beim Blasen „Raus, bevor’s kommt“. (Übrigens: Wenn das mal nicht klappt, Sperma ausspucken und Mund möglichst ausspülen, am besten mit Alkohol.) Wenn du diese beiden Regeln beachtest, bestehen beste Chancen auf „Genuss ohne Reue“.
Das Schöne an der Großstadt ist ja, dass sie genau so ist, wie Eltern und Großeltern immer gesagt haben: verkommen, verludert und zügellos. Und das kann verdammt viel Spaß machen! Vor allem, weil man hier niemandem Rechenschaft schuldig ist – weder Verwandten oder Bekannten noch irgendeinem Passanten, der dich aus einem Lokal kommen sieht. Du bist hier frei und kannst ganz du selbst sein.
Frei sein und ganz du selbst sein heißt aber auch: Du trägst hier selbst die Verantwortung für dich. Dazu einige Tipps: Ein gesundes Maß an Vorsicht beim Cruisen und anderswo kann nicht schaden. Achte zum Beispiel auf deine Wertsachen: Nicht jeder ist nur an deinem Körper interessiert…
Und wer im Cruising-Gebiet unterwegs ist, sucht nicht immer nach Sex: Manchmal werden Schwule auch angegriffen.
Ein Wort zu Drogen: Wer so „gut drauf“ ist, dass er nicht mal mehr den Namen seiner Mutter weiß, hat vielleicht auch in Sachen Safer Sex Probleme. Das gilt natürlich auch für Alkohol. Was deinen eigenen Drogengebrauch betrifft: da handelst du voll und ganz auf deine Verantwortung. Informiere dich am besten vorher über Drogen und ihre Risiken und wie du möglichst sicher konsumierst, zum Beispiel unter www.eve-rave.de oder www.drugcom.de. Wenn du z.B. auf einer Dance-Party bist, sind Wassermangel und Überhitzung deine größten Feinde. Trinke also mindestens einen halben Liter Wasser pro Stunde und gönne deinem Körper ab und zu Pausen an der frischen Luft. Lass deine Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen, damit dir niemand etwas in den Drink mixt, was du nicht bestellt hast.
Wenn du neue Drogen ausprobieren willst, solltest du jemanden bei dir haben, dem du vertraust und der im Fall des Falles eingreifen kann. Fang am besten mit kleinen Mengen an und warte die Wirkung ab. Vorsicht beim Einwerfen mehrerer Drogen – hier kann es zu unvorhersehbaren und gefährlichen Wechselwirkungen kommen.
Was den Schutz beim Sex angeht: Geh doch einfach bei jedem Sexpartner davon aus, dass er theoretisch HIV-positiv sein könnte, und verhalte dich entsprechend: Ficken nur mit Kondom, kein Sperma in den Mund. Dann musst du weder große Worte machen noch dir große Fragen stellen. Außerdem senken Kondome auch das Risiko, sich eine andere sexuell übertragbare Krankheit wie Syphilis oder Tripper einzufangen. Übrigens: Ob jemand positiv ist, kannst du ihm meistens nicht ansehen. Und viele wissen es selbst nicht, weil sie noch nie oder schon länger nicht mehr beim HIV-Test waren.
Apropos Test: Wann hast du dich das letzte Mal testen lassen? Und ist danach wirklich nichts Riskantes mehr passiert? Vielleicht nutzt du ja den nächsten Aufenthalt in der Stadt, um einen anonymen HIV-Test zu machen, zum Beispiel im Gesundheitsamt (dort kannst du dich auch auf sexuell übertragbare Krankheiten untersuchen lassen), in einer Aidshilfe oder einem Präventionsprojekt. Infos dazu findest du in den Szenezeitschriften oder hier auf www.iwwit.de. Aber jetzt willst du dich wahrscheinlich erst mal amüsieren. Viel Spaß dabei – und pass auf dich auf!