ANDERSRUMportrait ist ein Kunstprojekt, der Fotografin Alexa Seewald, gegen Homophobie. Für ihr Projekt fotografierte die Diplom-Designerin bisher ca. 1800 schöne und sehr verschiedene Rückseiten von lesbischen, schwulen, queeren, bi-, inter- und transsexuellen Menschen. Sie alle wollen mit ihrem individuellen Portrait ein Zeichen setzen gegen Homophobie, Stigmatisierung und Schubladendenken.
Wenn man den Gedanken von ANDERSRUMportrait weiterführt, dann kommt es letztendlich gar nicht mehr darauf an, “wie-rum” man ist; ANDERSRUMportrait möchte zeigen, dass es die Individualität der Person, ihre Persönlichkeit und ihr Charakter sind, die sie auszeichnen.
“Wie haben Schwule oder Lesben auszusehen? Wer oder was bestimmt darüber, wie jemand auszusehen hat und noch viel wichtiger: woher nimmt sich jemand das Recht dazu?“ Das Projekt möchte die Zwischenbereiche zeigen, das bunte Grau zwischen den Schwarzweißbegriffen hetero- und homosexuell.
Dieser Ansatz und die daraus resultierenden Bilder sind so interessant, dass IWWIT Alexa Seewald dabei gern unterstützt.
Studien ergaben, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung im Alltag keine bewussten Berührungspunkte mit homosexuellen Menschen hat. Die darauf beruhende Unkenntnis ist ein idealer Nährboden für Vorurteile.
ANDERSRUMportrait will die Ergebnisse von mittlerweile einem Jahr Engagement wieder zurück in die Öffentlichkeit tragen und diese frei zugänglich machen. Nicht in einer Galerie soll die Ausstellung stattfinden, sondern Open-Air, so dass zufälllige Passanten auf sie stoßen und mit der Thematik konfrontiert werden. Diejenigen, die es am Nötigsten haben an ihren Vorurteilen gegenüber Schwulen und Lesben zu arbeiten, würden kaum freiwillig eine Veranstaltung zum Thema Homosexualität besuchen. Also kommt die Ausstellung zu ihnen: Nach Berlin ans Brandenburger Tor und ins Herz der Hamburger Innenstadt - an den Jungfernstieg. Dort werden erstmalig 100 lebensgroße Portraits präsentiert.
Das Interview mit Alexa Seewald erscheinen in der “escape”, Ausgabe März 2011:
In den Köpfen der hetero- wie auch der homosexuellen Welt sind formelhafte Prototypen wie “Holzfällerhemd plus Kurzhaarschnitt gleich Lesbe” noch immer fest verankert. Dass das Foto eines modisch-elegant gekleideten Mädchens im Minirock Reaktionen hervorruft wie, “Die sieht doch überhaupt nicht lesbisch aus“, liegt auf der Hand.
Alexa Seewald fragt zurück: “Wie haben Lesben auszusehen? [...] Wer oder was bestimmt darüber, wie jemand auszusehen hat und noch viel wichtiger: woher nimmt sich jemand das Recht dazu?” Bei vielen Fotos sieht man ja nicht einmal, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Oder – noch viel besser – man hinterfragt es gar nicht, weil man meint, es sei ein Mann, dabei ist es eine Frau und umgekehrt. Ebenso leicht passiert es, dass man eine heterosexuelle Person für schwul oder lesbisch hält, weil sie entsprechende Attribute aufweist – und umgekehrt. Und genau da setzt das Projekt an: Es möchte auch die ganzen Zwischenbereiche zeigen, die alle Facetten zwischen den vorhandenen Prototypen abbilden. Deswegen sind bei der Ausstellung von ANDERSRUMportrait Menschen zu sehen, die Klischees erfüllen, aber auch solche, die zwar schwul oder lesbisch sind – aber nicht so aussehen. Denn: “Nur so denke ich, habe ich mit dem Projekt eine Chance, Betrachtern zu zeigen, dass sie vielleicht in eigenen Denkfallen gefangen sind.”
So bist du bei ANDERSRUMportrait mit dabei:
Im Team der Aktion ist immer auch Platz für interessierte Helfer, die sich durch ANDERSRUMportrait engagieren wollen für Akzeptanz und Gleichberechtigung. Interessiert? Neugierig? Dann schreibe uns einfach über Facebook oder besuche uns auf einem der zahlreichen Events – wir freuen uns auf dich!
Alexa Seewald, Diplom-Designerin
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