Butz ist 64 Jahre, von Beruf ist er Bäcker und lebt in Köln.
Ich bin 1947 in einem kleinen Ort in der Nähe von Köln auf die Welt gekommen, als Sohn einer Bäckerfamilie. Und damals war es so, dass man die Berufswahl nicht infrage gestellt hat: Wenn es ein Geschäft in der Familie gab, wie eben eine Bäckerei, dann wurde man natürlich auch Bäcker. Es war nicht mein Wunschberuf, aber ich will am Ende des Tages ein Ergebnis sehen – und dafür ist dieser Beruf wirklich gut geeignet. Und es hat mir auch Spaß gemacht. Also fing ich mit 14 die Lehre an.
Schon etwas früher habe ich bemerkt, dass ich der Männerwelt zugetan bin. Aber das konnte man damals natürlich überhaupt nicht sagen: Ich bin homosexuell oder schwul. Es war ja eine ganz andere Zeit. Auch mit meinen Eltern hätte ich darüber nicht sprechen können. Ich komme aus einem streng katholischen Haushalt.
Trotzdem habe ich auch schon damals alles Mögliche ausprobiert, ich war einfach zu neugierig und wusste auch irgendwie: Ja, das ist es, was ich will, und das mache ich jetzt auch. Morgens war ich Messdiener und abends ließ ich mich von den Kerlen vernaschen, so ungefähr.
Natürlich kamen dann irgendwann die Fragen. Schließlich hatte ich keine Freundin und sollte ja auch die Bäckerei übernehmen – und da brauchte ich eine Frau. Mit 19 Jahren habe ich dann meine spätere Ehefrau kennengelernt. Sie liebte mich wirklich sehr, auch wenn ich das nicht so recht erwidern konnte. Trotzdem kamen wir zusammen und ich habe sie ein Jahr später auch geheiratet. Dabei habe ich ihr gegenüber sogar eine Andeutung gemacht, dass ich auch ab und an den Männern hinterher schaue und ich nicht wüsste, ob ich dieses Leben so immer führen könne. So richtig ernst genommen hat sie das wohl nicht, oder sie dachte, ihre Liebe würde reichen.