Wer ist dein Typ?
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Christoph (27) und Maik (31) aus Oldenburg

Christoph: Sex ohne Kondom gab’s erst nach einem gemeinsamen HIV-Test.

Christoph ist 27 Jahre alt, Student und wohnt in Oldenburg

Schwul sein in Oldenburg: Das ist gar kein Problem

Ich bin in Oldenburg geboren und aufgewachsen. Ich habe hier die Schule besucht und mein Abi gemacht. Und jetzt mache ich hier auch mein Studium fertig. Das Leben als Schwuler in Oldenburg ist relativ entspannt. Mein Freund Maik und ich können ohne Problem Händchen haltend durch die Stadt, durch den Park oder durch Geschäfte laufen. Wir küssen uns auch in der Öffentlichkeit und haben damit noch nie Probleme gehabt. Klar, es drehen sich schon mal Leute um und es gibt natürlich auch Situationen, wo vielleicht mal Menschen auf uns zukommen, die sich dadurch eher provoziert fühlen als andere. Da wollen wir auch keinen Stress haben und dann lassen wir es lieber. Und wenn es zwischendurch mal irgendwo einen Spruch gibt, dann bin ich da auch eher unempfindlich. Maik fühlt sich dann eher persönlich getroffen. Für mich ist es so: Die sollen ihren Spruch machen, wenn sie das glücklich macht. Ich kann diese Leute einfach nicht ernst nehmen. Sie greifen mich nicht wegen meiner Persönlichkeit an, sondern aufgrund meiner Sexualität. Und da bin ich dann auch eher geneigt, irgendwelche Sprüche zurück zu machen.

In Oldenburg andere Schwule kennen zu lernen ist auch kein Problem, z.B. auf Partys oder wir sind auch hier beim schwul-/lesbischen Sportverein. Die Szene hier in der Kleinstadt unterscheidet sich vielleicht dadurch von der in Großstädten, dass hier einfach sehr viel getratscht wird. Also hier ist es schon so, dass jeder jeden kennt und Geschichten sind da ganz schnell rum. Als ich mit Maik zusammengekommen bin, da war das auch so. Viel Geläster und viel Getratsche. Ich habe ja einige Zeit zwischendurch mal in Berlin gewohnt und auch wenn ich da noch nicht so viel weg war, denke ich schon, dass es da anders ist. Hier in Oldenburg gibt es ja im Grunde nur eine Location, wo immer die Partys sind. Dadurch ist es eben wesentlich tratschiger.

Vor meinem Outing habe ich mir eine Auszeit genommen

So richtig offiziell als schwul geoutet bin ich noch gar nicht so lange. In gewisser Weise hatte ich einfach ein Problem mit der schwulen Lebensweise, wie ich sie auf Partys oder auch auf Internet-Plattformen erleben konnte. Damit konnte ich mich so gar nicht identifizieren. Ich bin eher auf eine langfristige Beziehung aus und nicht auf ein Sex-Abenteuer nach dem anderen. Ich habe mir gesagt: „Christoph, das ist nicht dein Leben!“, habe das dann weg geschoben und mich jahrelang mit Frauen versucht. Doch das ist immer in die Grütze gegangen und ich habe dann auch gesehen, dass es das einfach nicht bringt. Vor einiger Zeit habe ich eine zweimonatige Auszeit in London genommen. Da habe ich mir einen Kopf darum gemacht und bin dann, als ich zurück war, zu meinen Freunden und habe ihnen gesagt, wie es aussieht. Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Manche meinten, dass sie nicht damit gerechnet hätten. Viele enge Freunde haben aber auch gesagt, dass sie das nicht überrascht. Eine Freundin meinte sogar, dass sie es schon beim ersten Mal wusste, als sie mich gesehen hat.

Für so ein Outing gibt es ja nie den richtigen Moment: Man versucht da irgendwie in Gesprächen den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, in den man reingrätschen kann. Weil das eben nicht so gut geht, habe ich einfach losgeballert. Manchen, mit denen ich eher per Mail kommuniziere, denen habe ich es einfach geschrieben. Es gab durchweg positives Feedback. Auch meine beiden jüngeren Schwestern haben richtig gut auf mein Outing reagiert. Meinen Eltern habe ich es natürlich nicht mit der Holzhammermethode beigebracht wie den anderen. Ich habe einfach Maik mitgebracht und dann haben sie mitgekriegt, dass ich mit ihm in den Urlaub fahre und sie haben es irgendwann geschnallt. Natürlich habe ich mit beiden auch noch darüber gesprochen. Als mein Vater meinte, er könne sich das für sich nicht vorstellen, da habe ich ihm gesagt, dass er das ja auch nicht soll. Das ist eben mein Weg. Und er fragte mich dann noch, was er falsch gemacht hätte – so die klassische Frage. Überhaupt nichts, natürlich. Was meine Einstellung zu schwulen Leben betrifft muss ich übrigens noch sagen: Mittlerweile kenne ich immer mehr Leute, die auch den Stil leben, den ich bevorzuge.

Ich hätte nie gedacht, dass es mit jemandem so gut passen kann

Kurz bevor ich mir die zweimonatige Auszeit in London genommen habe, habe ich Maik kennen gelernt. Mein bester Freund hatte mich auf eine Grillparty mitgeschleppt. Die Gastgeber waren Maik und sein damaliger Freund, außerdem war eine Freundin der beiden dabei. Da hatten wir zum ersten Mal richtig Kontakt. Das war ein lustiger Abend, an dem wir dann noch zusammen auf ne Party sind. Als ich aus London wieder da war, habe ich auch Maik wieder gesehen. Und das hat sich dann intensiviert. Zum Beispiel macht er die Deko für eine der schwulen Partys hier und da habe ich ihm geholfen und wir haben Spieleabende gemacht und solche Sachen. Was wir auch gemerkt haben war, dass wir einen nahezu identischen Musikgeschmack haben. Wir haben ganze Abende damit verbracht, gemeinsam CDs durchzuhören und auch sonst haben wir einfach viel miteinander unternommen. Dadurch haben wir uns immer besser kennen gelernt. Auch haben wir uns viele SMS geschrieben und das war dann der große Knall, als sein damaliger Freund eine dieser Nachrichten gelesen hat. Da hatte ich dann ganz schnell eine ziemlich böse Nachricht auf dem Anrufbeantworter.

Ich war halt total verliebt in dieser Zeit und er war eben mit dem anderen zusammen. Meine Freunde hatten mir auch schon geraten, dass ich die Sache besser vergessen soll. Nach der SMS-Geschichte hatten wir ein halbes Jahr gar nichts miteinander zu tun. Funkstille. Maik hat sich komplett aus der Affäre gezogen und ich dachte nur: „Arschloch, bleib mir weg!“ Ich habe ihn gestrichen und mich in die Arbeit gestürzt. Außerdem bin ich viel nach Hamburg gefahren, habe da Freunde besucht. Zwischendurch hatte ich dann auch einen anderen Freund.

Irgendwann hat sich Maik dann wieder gemeldet, so von wegen: „Ich habe dir schon so viele Mails geschrieben aber keine abgeschickt.“ Aber da war ich gerade mit einem anderen zusammen und habe mich gefragt, was das jetzt soll. Ich habe nicht darauf reagiert, weil mir klar war, wenn ich jetzt damit anfangen würde, dann würde ich meinen Freund im Kopf schon betrügen. Es zeichnete sich aber auch bald ab, dass die Beziehung nicht funktionieren würde. Und am Abend als Schluss war, da habe ich mich bei Maik gemeldet. Als wir uns dann aber angenähert hatten, da habe ich schon zu ihm gesagt: „Jetzt aber mal Hosen runter! Was willst Du eigentlich?“ Ich war einfach noch zu sehr verletzt. Maik war inzwischen von seinem Freund getrennt und er sagte mir, er habe damals die falsche Entscheidung getroffen und sei total in mich verliebt. Seitdem sind wir praktisch zusammen. Ich hätte niemals gedacht, dass es einen Menschen geben kann, der so gut zu mir passt. Es ist einfach unglaublich! Wir ticken einfach sehr ähnlich, sind beide sehr emotional und sensibel. Auch überraschen wir uns gern mal mit kreativen Ideen. Kürzlich habe ich zum Beispiel Maiks Wohnung mit tausend extra dafür gedruckten Flyern tapeziert.

Na ja und vor einigen Wochen, da habe ich ihm einen Heiratsantrag gemacht. Das war für uns schon immer irgendwie ein Thema und wir haben da auch mit meinem besten Freund vor einiger Zeit aus Scherz mal so gesprochen, wer denn dann wohl welchen Namen annehmen würde. Das hat den Stein ins Rollen gebracht… Wir orientieren uns auch beide gerade jobmäßig neu und werden dann zusammenziehen. Irgendwann 2008 dann die Hochzeit. Und ja, dann leben wir quasi die schwule Variante eines heterosexuellen kinderlosen Pärchens. Wir haben zwar auch schon über Adoption nachgedacht. Aber das ist ja sogar schon für Heteropaare sehr schwierig, da mache ich mir keine wirklichen Hoffnungen.

Etwas anderes als eine monogame Beziehung ist für uns nicht vorstellbar

Als ich zum ersten Mal Sex mit einem Mann hatte, war das schon, bevor ich mich damit befasst habe, dass ich schwul sein könnte. Es war auch ein bisschen Alkohol mit im Spiel. Das hat die Hemmschwelle gesenkt und ich habe gemerkt, dass mir das schon ganz gut gefällt. Ich habe mir aber gedacht, nur weil man einmal vegetarisch isst, ist man nicht Vegetarier. Klar, das ist eher so ein Spruch ist, um sich selber wieder daraus zu sortieren. In der Beziehung mit Maik spielt Sexualität schon eine sehr große Rolle. Wir führen eine monogame Beziehung und es ist für uns beide nicht anders vorstellbar. Eine offene Beziehung, Dreier und was weiß ich nicht noch alles – das geht gar nicht! Ich habe es ausprobiert, aber Sex ohne emotionale Beteiligung, das geht einfach nicht. Maik meinte neulich noch, dass er mich nur für sich will. Und ich sehe das genauso. Ich denke, wenn da irgendwie etwas anderes passieren würde, das würde dem Ganzen einen massiven Knacks geben. Das wäre der Anfang vom Ende.

Aber auch vor Maik habe ich schon so darüber gedacht. Ich will einfach jemanden, mit dem ich guten Sex habe und das nicht, weil ich täglich einen anderen habe, sondern weil es immer der Gleiche ist. Und ich finde, der Sex wird mit jedem Mal besser. Mit jedem Stück Vertrauen, das wir mehr zueinander haben. Am Anfang haben Maik und ich noch Kondome benutzt. Es war aber irgendwann auch klar, dass wir das nicht dauerhaft wollen. Als dann die zwölf Wochen rum waren, die es braucht, damit der Virus eventuell bei so einem Test nachweisbar ist, haben wir das thematisiert. Nachdem wir beide beim Test waren, zweimal negativ, haben wir schließlich auf Kondome verzichtet.

Mit HIV und AIDS habe ich mich schon früher beschäftigt. Ganz besonders, als ich zum ersten Mal beim Test war. In der Woche, in der ich auf das Ergebnis gewartet habe, hatte ich plötzlich Schiss. Ich habe vor meiner Beziehung immer Safer Sex betrieben – bis auf ein einziges Mal. Eine Jungendsünde. Diese Woche warten ist mir endlos lang erschienen. Ich habe mich gefragt, was ist, wenn ich mir bei diesem einen Mal HIV eingefangen habe. Eine gute Freundin hat damals parallel einen Test gemacht, das war wirklich ganz gut. Da konnte ich mit ihr drüber reden. Noch fieser war es aber eigentlich beim zweiten Test jetzt gemeinsam mit Maik. Irgendwie habe ich plötzlich daran gedacht, was wohl passiert, wenn sie damals die Nummern vertauscht haben und ich nun doch positiv bin. Wie würde er damit umgehen? Er hat zwar gesagt, dass das nichts ändern würde. Aber ich denke, wenn man sich dann wirklich damit auseinandersetzen muss, dann ist das was anderes. Dieser Test, der hat mich schon ganz schön aus der Bahn geworfen. Was ich sonst so über HIV weiß, habe ich wohl größtenteils aus den Kampagnen die man so sieht und eben aus der Schule. Und Schwule und AIDS, das war die ultimative Verknüpfung. Für mich stand das Kondom dann eben nie zur Debatte. Ich hatte immer welche dabei. In London fand ich es ganz praktisch, da stehen in allen schwulen Pubs und Discos immer diese Safer-Sex-Packs, Kondom und Gleitgel. Und mit den Leuten, mit denen ich Sex hatte, musste man auch nicht groß darüber diskutieren – im Gegenteil.


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