Corrie ist 44 Jahre alt, wohnt in Köln und ist erwerbsunfähig
Ich wurde in Duisburg geboren und bin dort auch aufgewachsen. Nach meinem Hauptschulabschluss habe ich in einer Werkstatt für Behinderte zu arbeiten angefangen. Dort war ich aber der einzige körperlich behinderte Mitarbeiter. Alle anderen waren geistig behindert. Schließlich habe ich mich hier in Köln am Gymnasium für Behinderte beworben und bin genommen worden. Ich war 21 Jahre, als ich hierher gezogen bin. Zunächst einmal in ein Wohnheim, in dem ich darauf vorbereitet wurde, irgendwann mit der entsprechenden Unterstützung in einer eigenen Wohnung zu wohnen. Zwei Jahre später war es dann soweit: Ich bin in meine eigenen vier Wände gezogen. Nach Schule und einem Jahrespraktikum hatte ich endlich das Fachabitur in der Tasche. Danach kamen vier Semester Sozialarbeit an der Fachhochschule. Ich konnte nicht zu Ende studieren, da der Hochschule aufgefallen war, dass sie für mich keinen Platz für das Praktikum finden. Ehrlich gesagt fühlte ich mich da hinauskomplimentiert. Im Anschluss fing ich dann mit Psychologie an, habe das aber aus persönlichen Gründen abgebrochen. Dass ich mehr auf Jungs stehe, das habe ich schon immer geahnt. Aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, weil Sexualität eigentlich keine Rolle für mich spielte. Für mich war meine Behinderung immer ganz normal. Ich dachte deshalb auch immer, dass Sexualität aus diesem Grund eben nicht möglich ist. So nach dem Motto: Ich kann nicht laufen, also habe ich auch keinen Sex! Das war für mich eben so.
Mit 19 Jahren hatte ich dann aber doch meine erste sexuelle Erfahrung. Er war nicht behindert und sieben Jahre älter. Er hat mir einen runtergeholt mit der Begründung, dass ich das ja selber nicht könne. Es blieb auch nicht nur bei diesem einen Mal – das hat sich über zwei Jahre hingezogen. Danach ist aber sexuell erst einmal nicht mehr viel passiert.
So mit etwa 23 oder 24 Jahre habe ich dann angefangen, offener mit dem Schwulsein umzugehen. Ich habe zunächst einmal den Menschen davon erzählt, die mich in meiner Wohnung unterstützt haben, also den Zivis und den Assistenten. Niemand hat irgendwie komisch darauf reagiert. Gegenüber meinen Eltern habe ich es aber nicht erwähnt. Das kam erst sehr viel später, so vor ein paar Jahren. Nach einem ersten Schock bei meinem Vater ist das Verhältnis nun aber wieder genauso gut wie früher.