Wer ist dein Typ?
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Fabian (21) aus Dortmund

Ich habe immer ein Kondom dabei, meinen Schwanz vergess’ ich ja auch nicht.

Fabian ist 21 Jahre alt und wohnt in Dortmund. Er ist Auszubildener als Fachangestellter für Bäderbetriebe und war bis vor Kurzem Mitarbeiter in einer Gay Disco

Wenn man wie Ich vom Dorf kommt, dann will man einfach in die Stadt!

Ich bin in einem ziemlich unscheinbaren Dorf im östlichen Ruhrgebiet aufgewachsen. Und ganz klassisch für diese Gegend komme ich aus einer Bergarbeiterfamilie. Schon sehr früh habe ich angefangen mich beim DLRG zu engagieren und war da bestimmt fünf Jahre lang im Vorstand der Ortsgruppe. Dort habe ich die ehrenamtliche Arbeit schätzen gelernt.

Vor zwei Jahren habe ich dann mein Abi gemacht. Danach wollte ich auf eigenen Beinen stehen und eine eigene Wohnung haben. Also wollte ich eine Ausbildung machen. Allerdings habe ich mich zu spät beworben und musste mich erst einmal zwei Semester an der Uni einschreiben. Parallel hatte ich aber auch verschiedene Vorstellungsgespräche und dann bekam ich schließlich meinen Ausbildungsplatz. Nach Dortmund bin ich ganz bewusst gegangen, auch wenn ich ein bisschen fahren muss, um meinem Arbeitsplatz zu erreichen. Wenn man wie ich vom Land kommt, dann will man einfach in die Stadt. Und Dortmund ist schon ganz in Ordnung – außerdem habe ich hier meinen Freundeskreis und mein bester Freund wohnt sogar gleich nebenan. Früher hat’s mich auch schon oft nach Dortmund gezogen. Das ehemalige „Blu“ hier in Dortmund war die erste schwule Kneipe, in die ich gegangen bin.

Mein Coming-out war eine prägende Erfahrung

Schon mit 13 habe ich gemerkt, dass bei mir was anders ist. Drei Jahre später hab Ich konkret gemerkt, dass Ich auf Männer stehe! Mit 16, hatte Ich mir dann überlegt: „Du musst damit raus – sonst wirst du bekloppt!“ Daraufhin habe ich zwei Extreme erlebt: Mein Freundeskreis und meine Großeltern haben es sehr gut aufgenommen. Auch meine jüngere Schwester fand es richtig gut, weil sie meinte, dass wir dann zusammen unsere Freunde aussuchen können. Aber mein Vater, der auf dem Pütt arbeitete, also auf´m Bergwerk, der hatte damit ein ziemliches Problem. Klar, sein Job ist eine richtige Männerdomäne und er war nicht begeistert, dass der einzige männliche Nachkomme auf Männer steht. Das war sehr turbulent – wie das halt bei einem richtigen Mann so ist. Der hat wohl im ersten Moment gedacht, dass er nicht genügend Tinte auf dem Füller gehabt hatte. Er wollte mich sogar rausschmeißen! Wir hatten zwei oder drei Monate kaum Kontakt. Unser Verhältnis war scheiße und völlig im Arsch! Einmal hat er mich dann ziemlich dumm angemacht und gesagt, er findet mich ekelig! Da hat meine Mom ihm spontan eine geballert. Das hat ihn wohl wachgerüttelt. Von da an konnten wir uns auseinandersetzen; heute können wir sogar sehr offen miteinander reden.

Unter anderem deswegen war das Coming-out zu Hause eine der wertvollsten und prägendsten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Mein Selbstbewusstsein ist dadurch gewachsen. Und heute habe ich viel Rückhalt durch meine Familie. In der Schule hat mich eine gute Freundin geoutet, der ich im Vertrauen davon erzählt hatte. Sie hatte dann nichts Besseres zu tun, als es auch dem Rest der Klasse mitzuteilen. Aber es ist nicht viel passiert. Natürlich kamen auch mal Sprüche von irgendwelchen Idioten, aber insgesamt war die Resonanz sehr positiv! Ich gehe auch jetzt noch sehr offen mit meinem Schwulsein um. So will ich vermeiden, dass ich mir irgendwelche Bemerkungen anhören muss. Denn so lange es zum Beispiel die Kollegen nicht wissen, kann immer mal was kommen. Und so halten sie dann eben den Mund. Ich finde es einfach okay und ehrlich. Meine Arbeitskollegen sind aber auch alles coole Leute. Es war von daher gar kein Problem, es ihnen zu sagen. Man ist so lange mit den Leuten zusammen, da kommt man gar nicht drum herum, auch mal über sein Privatleben zu sprechen. Man kann so das Verhältnis mit den Kollegen ein bisschen positiver gestalten.

Ich hab bis vor Kurzem in der Szene gearbeitet

Die meisten meiner Freunde und Bekannten sind älter als ich – ein guter Freund ist zum Beispiel schon 50 Jahre. Irgendwie hab Ich zu älteren Leuten den besseren Draht. Natürlich sind auch ein paar Frauen dabei, aber der größte Teil sind schwule Männer. Diese klassische beste Freundin, die hat es bei mir nie gegeben. Vor einigen Jahren habe ich Kontakt zur AIDS-Hilfe in Unna bekommen. Da gab es einen Abend für schwule Männer und da bin ich hingegangen. Irgendwann bin ich dann Mitglied dort geworden und im vorletzten Jahr wurde Ich in den Vorstand gewählt. Seitdem bin ich mit meinem ehrenamtlichen Engagement ein bisschen näher an Themen dran, die auch in meinem Privatleben eine Bedeutung haben. Natürlich habe ich auch die Notwendigkeit gesehen: der Club in dem ich gearbeitet habe hat auch einen Darkroom und mit der Zeit weiß man schon, was da so abgeht. Auf jeden Fall auch ein Grund für mein Engagement in der AIDS-Hilfe.

Vor ein paar Jahren hat die schwule Szene für mich noch eine sehr viel größere Rolle gespielt als heute. Es gab da einen festen Tag in der Woche, da war das „Blu“ rappelvoll und wir haben uns alle da getroffen. Na ja, dass Blu ist inzwischen dicht und Ich hatte bis vor Kurzem noch ne 7 Tage Woche – viel Zeit bleibt da nicht mehr.

Ich bin nicht scharf darauf, einen Tripper zu kriegen oder was anderes Lustiges

Ich hatte schon ein paar Beziehungen und mit meinem letzten Freund war ich fast ein Jahr zusammen. Wir haben eine monogame Beziehung geführt haben, haben aber nie ausgeschlossen, dass sich das irgendwann einmal ändern könnte. Das sollte man dann natürlich in bestimmte Regeln fassen. Als Single ist es normal, mal ein Date zu haben. Man lernt ja auch Leute auf Parties kennen. Na ja und wenn’s gepasst hat, dann hat man sich auch mal getroffen, für dies und das. Irgendwann hab Ich dann das Internet für mich entdeckt. Ich kann mir hier ganz locker mit Bekannten und Freunden verabreden und was unternehmen. Als ich noch zu Hause gewohnt habe, musste ich dabei noch aufpassen, dass die Eltern nicht zu Hause waren. Man hat sich dann irgendwo anders getroffen.

Ich bin nicht scharf darauf, einen Tripper zu kriegen oder irgendwas anderes Lustiges. Da ist die Sache mit der AIDS-Hilfe schon ganz gut, denn da kann ich mich auch mit Kondomen bevorraten. Das klingt jetzt so, als sei ich der wilde Hengst, der sich durchs Ruhrgebiet knallt, aber das ist nicht so. Ich denk’ halt nur: Klug baut vor. Und wenn es mal konkret wird, dann musste nicht erst zu DM Gummis besorgen.

Ich finde Sex auch viel schöner, wenn man einen Freund hat und ihn mit Liebe erlebt. Vielleicht klingt es blöd romantisch – aber wenn ich weiß, das was ich mache mag er und man kann sich fallen lassen und so. Das ist viel entspannter und geiler. Wenn man jemanden trifft, den man so gar nicht kennt, dann gibt es so eine halbe Nummer. Vielleicht denke ich auch so, weil ich nie lange Single war. Aber das finde ich auch in Ordnung.

Wenn die Leute voll sind, dann haben sie nur noch ihren Schwanz im Kopf

Mit den sexuellen Risiken habe ich mich schon direkt nach meinem Outing beschäftigt. Meine Mutter ist Krankenschwester und es war die größte Sorge meiner Eltern, dass ich mich mit dem Virus anstecken könnte. Ich habe mich viel mit ihnen zusammen informiert und viel auch alleine. Es war auch in der Schule ein Thema. Und da ich nicht scharf darauf war, so etwas zu kriegen, musste ich ja wissen, wie ich mich davor schützen kann. Beim HIV-Test war ich schon öfter. Der letzte ist noch gar nicht so lange her. Ich war krank und mein Arzt hat mich gefragt, ob er das mitmachen soll. Er ist negativ ausgefallen – hatte Ich nicht anders erwartet. Als mein damaliger Freund und ich gemerkt haben, dass unsere Beziehung andauert, da haben wir uns gefragt, ob wir immer Kondome benutzen wollen. Klar, dafür muss man sich schon sehr sicher sein mit seinem Freund. Man weiß ja nie wirklich, was der macht, wenn man nicht da ist. Ein Stück weit besteht da also immer ein Risiko. Aber ich habe ihm vertraut und er mir auch. Wir haben uns dann vorher beide testen lassen, das geht kostenlos und anonym. In der Beziehung kann man sich dann ohne Schutz viel näher sein. Hätten wir uns geeinigt auch außerhalb Spaß zu haben, hätten wir uns dort natürlich immer geschützt! Anders geht’s gar nicht!

Bisher habe ich keinen Test aus der Notwendigkeit heraus machen lassen. Ich habe noch nie gedacht, dass da vielleicht was ist. Weil ich eben auch als Single nicht ein Sex-Date nach dem anderen hatte. Und wenn, dann habe ich auch immer darauf geachtet, dass ich nicht so in die Gefahr rein renne. Wenn ich ein Date hatte oder jemanden klar machen wollte, dann waren immer Kondome mit an Bord. Es gibt da bei mir keinen Weg drum herum. Ohne Pariser läuft einfach nichts. Der Verstand fickt nun mal auch mit. Ich denke auch, dass die meisten Leute in meinem Umfeld eigentlich bescheid wissen. Die haben auch keinen Bock darauf, irgendetwas zu kriegen. Wobei in der Disco sind die Unterschiede schon krass. Und das Ding ist: Wenn die voll sind, interessiert sie das nicht mehr. Dann haben viele nur noch ihren Schwanz im Kopf!


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21
Azubi
Dortmund

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