Wer ist dein Typ?
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Olaf (37) aus Dortmund

Bei mir zählt der Mensch

Olaf ist 37 Jahre alt, wohnt in Dortmund und ist Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit.

Nach heutigen Maßstäben war mein Outing reichlich spät

Geboren wurde ich in Essen, also mitten im Ruhrgebiet. Ich habe noch drei Geschwister, und einer meiner Brüder ist geistig behindert. Sicher hat das auch zu meinem sozialen Touch beigetragen. Meine Eltern haben sich dann bald in Castrop- Rauxel ein Haus gekauft. Da ist es so, wie man sich eben einen Vorort vorstellt. Jeder hat so ein Einfamilienhaus und keine nennenswerten Probleme. Entsprechend behütet war auch meine Kindheit. Ich habe nach der Schule Klempner gelernt. Aber nicht, weil es mein Traumberuf war, sondern weil ich keine Lust mehr auf die Schule hatte. Allerdings habe ich auch viel Zeit mit Partymachen verbracht und war viel in linksalternativen Zusammenhängen unterwegs.

So bin ich auch schließlich nach Berlin gekommen und habe da eine Zeit lang in einem besetzten Haus gewohnt. Nach meiner Lehre kam der Zivildienst, den ich im Schwerstbehindertenbereich absolviert habe. Und da habe ich dann so den Dreh bekommen, doch noch einmal die Schule zu besuchen. Also habe ich das Fachabitur gemacht und wollte dann erst einmal arbeiten. Angefangen habe ich in einem Jugendzentrum. In diesen sozialen Beruf bin ich also irgendwie reingerutscht und dann hängen geblieben. Irgendwann habe ich mich auch im Bereich HIV engagiert. Also auch Sterbebegleitung und diese ganzen Sachen und nicht nur reine Aufklärungsarbeit.

Meine ersten homosexuellen Erfahrungen habe ich in der Teenie-Zeit gesammelt. Erst einmal so der Klassiker mit Kumpels beim Porno irgendwie. Ja, da habe ich schon gemerkt, dass es schöner wäre, wenn der eine oder andere bei mir Hand angelegt hätte oder so. Natürlich habe ich mich nicht getraut, danach zu fragen. Doch mir war schon klar, dass das eher meins ist. Später hatte ich dann auch mal Freundinnen, doch das hat mir nun gar nichts gegeben, und ich habe es wieder gelassen. Mein schwules Outing hatte ich allerdings erst mit etwa 30 Jahren. Also nach heutigen Maßstäben recht spät. Klar, in einem gewissen Freundes- und Kollegenkreis war ich bereits geoutet – aber eben nicht der Familie gegenüber und auch nicht bei den Kollegen oder beim Arbeitgeber. Vor diesem Outing gab es natürlich auch schon so etwas wie ein nichtöffentliches schwules Leben. Zum Beispiel war ich im Internet aktiv, habe dort Leute kennengelernt und bin mit denen auch mal nach Köln gefahren. Das ist schon eine tolle Stadt. Gerade wenn man eigentlich noch selbst Vorbehalte hat und dann dort aber an jeder Ecke einen Schwulen sieht. Als ich mich dann schließlich geoutet habe, lag das im Grunde daran, dass ich keinen Bock hatte zu lügen. Ich war unglücklich verknallt, und das hat mich richtig weggerissen. Dann womöglich sagen zu müssen, das sei wegen einer Frau, das wollte ich nicht. Es war dann auch alles gut so – weder für meine Eltern noch für meine Kollegen war es irgendwie ein Problem.

Beim Sex kann ich mir nichts schönsaufen

Allein durch mein Engagement in der Aidshilfe-Arbeit bin ich viel in der Szene unterwegs. Wir gehen rein in die Läden und versuchen mit kleinen und netten Aktionen, auf uns und die Präventionsarbeit aufmerksam zu machen. Das kann auch einfach bedeuten, dass man mal mit den Leuten zusammen was trinkt und einfach quatscht. Manchmal ist dann mein Bedarf an Szene auch schon gedeckt. Ich muss nicht immer unbedingt schwul weggehen. Zum Beispiel mag ich auch alternative Studentenkneipen. Ich würde mich selber auch nicht als besonders umtriebig bezeichnen. Aber klar mache ich die eine oder andere Bekanntschaft übers Internet oder auch einfach mal, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Und es gibt da auch mal Leute, die man bereits kennt und mit denen man sich ab und zu trifft. Bei mir lief das bisher eigentlich immer safer ab. Es gibt da so einen Spruch: Wenn der Schwanz steht, ist der Verstand im Eimer. Das trifft auf mich einfach mal gar nicht zu – mir ist kein Kerl meine Gesundheit wert. Ich habe da einfach eine ganz gute Disziplin und kann mir auch nichts schönsaufen. Wenn mich etwas nüchtern nicht anmacht, dann kann ich das eben auch nicht unter Bedröhnung.

Natürlich habe auch ich mir schon mal was eingefangen. Das war so eine der ersten Geschichten, man könnte es Fickverhältnis nennen. Da ging es auch ohne Gummi ab, vielleicht war ich da einfach auch ein bisschen fatalistisch drauf. Jedenfalls habe ich mir eine Feigwarze geholt, und das hat echt gesessen. Lag wohl auch an der Behandlung mit Weglasern und so, das war wirklich sehr unangenehm. Ich habe auch gedacht, da könnte mehr passiert sein. Das wurde getestet, und es war nicht so. Seitdem habe ich mir aber gesagt: Lieber gar nicht, als in irgendwelchen unsicheren Zusammenhängen. So was will ich nicht noch einmal durchmachen. Safer Sex mache ich beim One-Night-Stand daher immer vorher schon klar. Bei mir läuft es eben nur so: Ficken nur mit Gummi, und beim Blasen gibt es kein Schlucken. Dann gibt es auch keine bösen Überraschungen. Wenn jemand nur unsafer Sex hat, dann würde ich wohl auch sagen „Nee, lass mal“. Den Gedanken daran, da könnte was passieren, diese Angst im Nacken, das finde ich einfach relativ ungeil.

Ich will es selber in der Hand haben

Wenn ich mir die schwule Szene so anschaue, dann unterscheide ich gern mal zwischen der realen und der virtuellen Szene. Wenn wir mit der Präventionsarbeit vor Ort sind und in die Läden gehen, dann habe ich schon das Gefühl, dass die Leute das gut finden. Aber im Internet ist es irgendwie anders. Vielleicht, weil man da das Gefühl hat, man muss weniger Verantwortung übernehmen. Da denke ich dann schon, dass das Risikoverhalten sich verändert hat. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man angegeilt zu Hause sitzt und der Fantasie freien Lauf lassen kann. Natürlich kann man nicht wissen, ob die Leute das alles auch so machen, wie sie es schreiben – aber trotzdem hat es irgendwie auch einen schlechten Vorbildcharakter.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass die Leute wieder mehr rausgehen ins echte Leben und sich nicht in der virtuellen Welt verstecken. Im richtigen Leben muss man für das, was man sagt oder tut, geradestehen. Und ich will den Menschen hinter der Fassade sehen. Manchen unterstelle ich da aber auch einen gewissen Fatalismus. So nach dem Motto: Sterben müssen wir doch alle mal. Das Problem ist irgendwie ähnlich wie beim Rauchen, weil es so abstrakt ist. Es passiert dir ja nicht sofort etwas. Mir persönlich ist einfach wichtig, dass ich selber der Chef bin, dass ich die Sachen für mich in der Hand habe. Informiert zu sein und entsprechend handeln können, so irgendwie. Dazu gehört es eben auch, auf meine Gesundheit zu achten. Safer Sex ist die eine Sache – aber ich habe mir gerade auch das Rauchen abgewöhnt, achte auf meine Ernährung und treibe Sport. So ein- bis zweimal Jahr gehe ich außerdem zum HIV-Test, einfach um sicherzugehen.

Ich meine, so wie mein Leben bisher verlaufen ist, muss ich wahrscheinlich mit 70 noch arbeiten – und da möchte ich halt fit bleiben, solange wie es geht.

Ich hüpfe nicht von Blümchen zu Blümchen

Bisher hatte ich mit Beziehungen nicht so besonders viel Glück. Und ich bin nicht der Typ, der so von Blümchen zu Blümchen hüpft. Also wenn Gefühle da sind und auch dann, wenn sich die Wünsche vielleicht nicht erfüllen, dann knabbere ich schon daran und kann mich nicht gleich auf was Neues stürzen. Jedenfalls halte ich nichts von so halbherzigen Sachen, nur weil man vielleicht gerade nicht alleine sein will. Dann lasse ich es lieber so, wie es ist. Das Problem bei der Sache ist, dass es halt selten bei beiden gleichermaßen passt. Viele wollen auch nur ficken oder suchen sich immer das Geilste. Aber wenn es dann mal wieder so weit sein sollte, kommt für mich keine offene Beziehung infrage. Auch dann kann ich mir nicht vorstellen, auf Safer Sex zu verzichten. Ich würde es von daher schon gut finden, wenn jemand Safer Sex für sich in seinem Leben installiert hat. Ich kenne ja nicht die Vorgeschichte dieses Menschen, und mit Vertrauen und Glauben, das ist eben immer so eine Sache.


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37
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