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Wer ist dein Typ?

Stephan (38) aus Offenbach

POSITIV?! ICH LASS MICH NICHT UNTERKRIEGEN.

Ich bin positiv und so sehe ich mein Leben, denn das Leben ist immer nur genau das, was man selber daraus macht!

Stephan ist 38 Jahre alt, wohnt in Offenbach und ist als Erzieher tätig

Mit meinen Eltern war nach dem Coming Out zwei Jahre Funkstille

Ich bin im Kasseler Umland aufgewachsen, in einem echten Kuhkaff mit vielleicht 300 Einwohnern. Dort habe ich meine Schule gemacht und schließlich auch meine Ausbildung zum Erzieher. Schon mit 13 Jahren habe ich entdeckt, dass ich schwul bin. Es gab da in der Pubertät eben die eine oder andere gleichgeschlechtliche Geschichte. Diese Fummeleien gingen auch manchmal ganz schön zur Sache – da waren schon so alle möglichen Praktiken eigentlich mit dabei. Aber man war halt nicht schwul! Das ist man nur, wenn man jemanden liebt – ab und zu ein bisschen fummeln, das ist natürlich nicht schwul. So haben wir das damals gesehen. Aber als ich dann ein wenig älter wurde, da musste ich es mir eben doch eingestehen: Okay, du bist schwul! Als ich 17 war, habe ich es auch meinen Eltern gesagt – im Streit und dabei haben wir uns so richtig zerstritten. Wir hatten für zwei Jahre gar keinen Kontakt. Es war der Wunsch meiner Oma, dass wir ihn wieder aufnehmen und uns versöhnen. Sie hat quasi auf ihrem Totenbett unsere Hände wieder zusammengelegt und ist dabei ganz zufrieden eingeschlafen. Inzwischen meine ich, dass meine Eltern alles für mich tun würden. Mein Bruder, der heute in Berlin lebt, ist übrigens ebenfalls schwul. Er ist sieben Jahre jünger – und hatte es mit dem Coming-out dann viel einfacher. Denn durch mich war das Thema ja eigentlich schon erledigt.

Mit 17 landete ich in Kassel. Für mich vom Dorf war das ja eine richtige Großstadt mit so vielen Möglichkeiten. Mit 18 entdeckte ich die schwulen Lokalitäten. Dabei werde ich nie vergessen, wie ich wirklich das erste Mal in einer Bar war. Hinter dem Tresen stand eine kreischende Tucke – und als sie mich entdeckte, rief sie: „Frischfleisch, Mädels, Frischfleisch!“, da wäre ich am liebsten gestorben! In meiner Anfangszeit habe ich sehr promisk gelebt. Die Hepatitisschutzimpfung war für mich eine Selbstverständlichkeit, aber über HIV und Aids wusste ich nicht besonders viel. Es ging zwar immer durch die Medien – aber das war für mich weit weg! Ich kannte nicht einen Einzigen, der selber infiziert war. Trotzdem habe ich zu diesem Zeitpunkt schon Kondome benutzt. Vor allem aus hygienischen Gründen. Der Arsch dient ja den unterschiedlichsten Zwecken.

Foto von Stephan

Steckbrief

38
Erzieher
Offenbach

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