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In Beziehungen ist alles möglich!

In Beziehungen ist alles möglich? Aber sicher.

  1. Kondome & Romantik schließen sich nicht aus
  2. Wenn’s mit Safer Sex mal nicht klappt
  3. Auch Abwechslung kann sicher sein
  4. Über sexuelle Wünsche reden
  5. Wenn der Partner HIV-positiv ist oder wird
1) Kondome & Romantik schließen sich nicht aus

Im Rausch der Verliebtheit ist der Wunsch nach Verschmelzung oft so groß, dass man auf Kondome verzichtet. Verständlich, aber riskant. Darum: Vorm ungeschützten Sex lassen sich beide erstmal auf HIV und STIs testen.

2) Wenn’s mit Safer Sex mal nicht klappt

Ob eine Beziehung offen oder monogam gelebt wird: Ein Sexkontakt außerhalb der Partnerschaft ist kein Drama. Allerdings ist es eine Sache der Fairness, mit dem Partner darüber zu reden. Bis zum HIV-Test ist erstmal wieder Safer Sex ratsam.

3) Auch Abwechslung kann sicher sein

Viele schwule Paare verzichten nach einem klärenden HIV-Test auf Kondome beim gemeinsamen Sex. Außerhalb der Beziehung vögeln die meisten mit Gummi – das nennt man „ausgehandelte Sicherheit“. Bei flüchtigen Kontakten ist Safer Sex definitiv besser.

4) Über sexuelle Wünsche reden

Beziehungen verändern sich. Vielleicht stellen sich sexuelle Wünsche ein, die sich nicht mit dem Partner realisieren lassen: ein Fetisch, die Lust auf Abwechslung, anonymer Sex. Voraussetzung: ein offenes Gespräch und Safer Sex. Tabus helfen nicht.

5) Wenn der Partner HIV-positiv ist oder wird

Man spricht von „diskordanten Paaren“, wenn ein Partner HIV hat und sein Partner negativ ist. Gemeinsamer Sex ohne Gummi ist dann trotzdem möglich, sofern der Positive eine HIV-Therapie macht und seine Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt.

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Schwule Beziehung

"Ficken ohne Gummi gibt´s nur in der Beziehung"

Eigentlich wollten sie nicht heiraten. Doch um ihre gemeinsame Tochter abzusichern, gingen Thorsten (50) und Charly (52) nach 17 Jahren zum Standesamt.

Ihre Partnerschaft beschreiben sie mittlerweile als offene Beziehung, Sex mit anderen Männern ist kein Tabu. Welche Rolle dabei Vertrauen und Safer Sex spielen, erzählt Thorsten im Interview.

Eine ganze Menge schwuler Männer haben Kinder aus früheren Beziehungen mit Frauen. Bei dir ist das ein bisschen anders.

Unsere Tochter, sie ist mittlerweile sechs Jahre alt und gerade in die Schule gekommen, hat zwei schwule Väter und zwei lesbische Mütter. Zusammen sind wir eine schöne kleine Regenbogenfamilie. Wir teilen uns das Sorgerecht, und unsere Tochter lebt sowohl in unserem Haushalt als auch bei ihren Müttern.

War bei Charly der Kinderwunsch genauso groß wie bei dir?

Meine Sehnsucht nach einem eigenen Kind war sicherlich stärker. Bevor ich Charly kennenlernte, hatte ich Beziehungen mit Frauen, und zweimal wäre ich fast Vater geworden: Eine Freundin erlitt eine Fehlgeburt, ein anderes Kind starb gleich nach der Geburt. Der Wunsch, Vater zu sein, blieb jedoch tief in mir verwurzelt, auch als ich dann Charly kennengelernt und mit ihm meine erste Beziehung zu einem Mann begonnen hatte.

Hat das Vaterwerden die Beziehung zwischen dir und Charly verändert?

Natürlich, nicht zuletzt aufgrund der Verantwortung, die wir nun für unsere Tochter haben. Man geht mit einer ganz anderen Ernsthaftigkeit an bestimmte Sachen heran. Nicht, dass wir vorher leichtfertig gewesen wären. Aber wir haben das Leben in vollen Zügen genossen. Jetzt setzt man andere Prioritäten.

Welche Veränderungen hat die Elternrolle noch so mit sich gebracht?

Die einschneidendste Veränderung ist sicherlich, dass Charly und ich geheiratet haben. Früher hatten wir immer gesagt, dass wir diesen Trauschein nicht brauchen: Wir wissen auch ohne diesen amtlichen Wisch, das wir uns lieben.

Was hat euch dazu bewogen, eure Beziehung letztlich dann doch amtlich registrieren zu lassen?

Der entscheidende Impuls für die Verpartnerung kam von einer Rechtsanwältin, die uns dazu geraten hat. Wir hatten zwar alles Mögliche notariell geregelt, aber sollte ich als biologischer Vater zu Tode kommen, könnte ein konservativer Richter möglicherweise entscheiden, dass das Kind nicht bei meinem Lebenspartner, sondern beispielsweise besser bei den Großeltern aufgehoben wäre. Durch die Verpartnerung hat Charly nun wenigstens das kleine Sorgerecht und damit auch etwas in der Hand, um vor Gericht das Sorgerecht zu kämpfen.

Ihr führt eine offene Partnerschaft, habt also auch Sex mit anderen. War das von Anfang an in eurer Beziehung so?

Das hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt, und wir haben dabei verschiedene Phasen durchlebt. Als Charly und ich zusammenkamen, war ich noch damit beschäftigt, mich erst einmal als schwuler Mann zu finden. In meinen vorhergehenden Beziehungen mit Frauen war für mich Treue immer absolut wichtig. Charly hätte sicherlich gerne auch weiterhin ab und an mit anderen Männern Sex gehabt, aber er hat aus Liebe zu mir darauf verzichtet. In der ersten Phase des Verliebsteins ist man zudem so erfüllt voneinander, dass man das auch gar nicht braucht.

Für dich war damals die Idee, Sex außerhalb der Beziehung zu haben, also völlig unvorstellbar?

Für mich war dieses Modell einer offenen Beziehung noch etwas völlig Neues und auch immer mit großen Verlustängsten verbunden. Ich war ja, was die schwule Welt angeht, noch ziemlich unerfahren. Ich fühlte mich anfangs auch etwas überfordert, als ich bei meinen neu gewonnenen schwulen Freunden und Bekannten mitkriegte, dass dort einige das Modell „offene Beziehung“ leben.

Wie sah das dann konkret aus?

Wir hatten in dieser Phase Sex gemeinsam mit anderen. Das lag wahrscheinlich vor allem an mir, weil ich doch mehr der Klammertyp bin. Die Sache hat sich dann eigentlich fließend weiterentwickelt, stets verbunden mit viel Kommunikation. Ich hatte immer das große Bedürfnis, mich mit Charly darüber auszutauschen.

Führt ihr heute eine erklärtermaßen offene Beziehung?

Für uns wäre es unvorstellbar, dass einer von uns beiden sagt: „Tschüß Schatz, ich geh mal kurz ficken.“ Auch eine Nebenbeziehung, wie ich es bei verschiedenen Kumpels schon erlebt habe, käme für uns nicht in Frage. Uns ist beiden bewusst, dass Sex mit anderen Männern, ohne dass der eigene Partner dabei ist, immer die Gefahr birgt, dass man sich vielleicht in einen anderen verlieben könnte.

Wie gestaltet sich dann euer Sexleben außerhalb der Beziehung?

Es haben sich da verschiedene Varianten herausgebildet. Wir treffen uns zum Beispiel mit einem oder mehreren Typen im privaten Rahmen, um miteinander Sex zu haben. Sonst besuchen wir gemeinsam entsprechende schwule Locations. Dort geht jeder seiner Wege und hat seinen Spaß. Zwischendurch treffen wir uns immer wieder mal an der Theke. Mir ist es dabei wichtig, dass ich immer ein Stück weit Zugriff auf Charly habe, dass wir zum Beispiel Sichtkontakt und so die Möglichkeit haben, uns und an zu versichern, dass es dem anderen gut geht, oder signalisieren zu können, dass einer lieber gehen möchte.

Habt ihr auch Absprachen dazu getroffen, was beim Sex mit anderen geht und was nicht?

Wir haben eigentlich beide von Anfang an die Safer-Sex-Regeln sehr genau beachtet. Durch das Kind sind wir da sogar noch vorsichtiger geworden. Nicht, dass wir vorher lax gewesen wären, aber nun möchte ich noch weniger das Risiko eingehen, mich zu infizieren. Das heißt, dass wir keine riskanten Sexpraktiken mit anderen machen würden und dass wir zum Beispiel auch keine Drogen nehmen. Und Ficken ohne Gummi gibt’s nur innerhalb unserer Beziehung.

Nun schützt ein Gummi zwar gegen vieles, aber leider nicht gegen alles. Habt ihr euch auch schon mal draußen in der freien Wildbahn andere sexuell übertragbare Krankheiten eingefangen?

Tripper haben wir uns beide schon geholt. Das war’s dann aber glücklicherweise auch schon. Aber wir wissen, dass man nie ganz zum Beispiel gegen Syphilis oder Hepatitis gefeit ist. Deshalb lassen uns wir uns auch regelmäßig testen.

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Paarberatung: Kommunikation kann man lernen

Es sagt sich so leicht: Man muss über alles offen reden. Viele Beziehungen scheitern an der Bereitschaft, sich mit dem Partner und seinen Bedürfnissen wirklich auseinanderzusetzen – vor allem, wenn diese sich im Laufe der Zeit verändern. Oft hilft da ein Blick von außen. In vielen schwulen Beratungszentren gibt es für solche Fälle spezielle Angebote, zum Beispiel bei Mann-O-Meter in Berlin. Ein Interview mit Psychologen Marcus Behrens über seine Erfahrungen in der Paarberatung.

Was sind die häufigsten Fragen in der Paar-Beratung?

Deiner Erfahrung nach: Wird in Partnerschaften ausreichend oft über Safer Sex geredet?

Wird in frischen Beziehungen eher auf Kondome verzichtet?

Woran liegt das?

Welche Beziehung leben die meisten Paare, die zu dir kommen – monogam oder offen oder irgendwas dazwischen?

Wie kommunizieren sie das untereinander?

Im Fall von Monogamie – wird das einmal beschlossen und danach nie wieder thematisiert?

Kann man diese wichtige Paar-Kommunikation lernen – worauf muss man achten?

Aus welchen Gründen gehen Beziehungen in die Brüche?

Wie kannst Du Paaren helfen?

Welche Fragen beschäftigen diskordante Paare, wenn also einer HIV-positiv ist, der andere negativ?

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