Lust in der kleinsten Hütte

Hier liegt man richtig, "Arschheizung inklusive"

Der winzigste SM-Raum Kölns (vielleicht sogar Deutschlands?) liegt mitten in der Szene. Master Norman ließ uns probeliegen im Sling.

Freitagnacht, Rudolfplatz. Die meisten schwulen Jungs, die hier aus der Bahn steigen, ziehen in Richtung Bermudadreieck, um ein paar Kölsch zu zischen. Dass sich über ihren Köpfen, direkt in der Etage über dem Kneipenraum, Kölns kleinstes SM-Spielzimmer befindet, in dem sich gerade mehrere Männer lustvollen Tätigkeiten hingeben, das ahnt niemand.

Wir wagen uns in die versteckte Höhle des SM-Löwen. An der Klingel kein Name, nur: „Master“. Die wahre Identität von Meister Norman und den exakten Ort müssen wir geheim halten. Kein grimmiger SM-Löwe öffnet die Tür, sondern ein freundlicher Mann in den 50ern. Ein dicker Hund begrüßt freudig schnaufend den Gast.

Der nur 15 Quadratmeter umfassende Raum in der 30 Quadratmeter-Wohnung ist ein Tempel für Kerle, die auf die härtere Gangart stehen. Und Norman ist ihr Herr, der mit ihnen und dem entsprechenden Spielzeug umzugehen weiß. Auf einem kleinen Tisch stehen – wie Monstranzen auf einem Altar – Dildos und Dongs in allen erdenklichen Größen aufgereiht. Das dickste Analspielzeug kommt auf 40 Zentimeter Länge und 12 Zentimeter Durchmesser. „Den haben bislang nur zwei geschafft“, plaudert der Hausherr aus. Dazwischen verstreut diverse Hilfsmittel wie Gel, Gummis und Handschuhe zur Sicherheit, aber auch Cockringe, Elektrospielzeug, Klemmen, Ketten, Peitschen, Knebel, Handschellen, Masken. In einer Ecke steht ein Käfig aus massivem Metall, garantiert ausbruchssicher.

„Mein Sling ist das beste Stück in der Sammlung, mit einem sehr stabilen Rahmen“, präsentiert der Sexperte stolz das größte Möbel im Raum. Wir dürfen probeliegen. Die Ledermatte ist weich und bequem, es schaukelt leicht. Der Hund guckt neugierig. Sonst muss er nämlich immer in die Küche, wenn das Herrchen mit Herren spielt. Plötzlich macht es „Klick!“ Kommen jetzt etwa die Fesseln? Warme Luft pustet von unten. „Arschheizung inklusive“, grinst Norman. Puuh…

Erst mit Ende 30 entdeckte er die Freuden der SM-Szene. Ein Hetero-Freund brachte ihn auf den Geschmack. Ein fünfstelliger Betrag ist seitdem in Normans eigenen Lustraum geflossen. „Man kann darüber ja sehr viele Leute kennenlernen, was ich zeitweise exzessiv gemacht habe“, gesteht er. „Es gab Phasen, da hatte ich zwei, drei Leute am Tag in meinem Studio.“ Sogar als gestrenger Escort hat er eine Weile gearbeitet. Inzwischen ist er aber wieder rein privat. Der Master, der zurzeit in seinem Spielzimmer wohnt, legt mehr Wert auf anspruchsvolle Sessions, bei denen alle Parteien Spaß haben. Über sein Gayromeo-Profil kommen genügend Anfragen, nicht nur aus Köln.

Und so steuern nicht alle die nächste Kneipe im Bermudadreieck an, Freitagnacht. Mancher bleibt vor einem Haus stehen, willig und bereit, sich im kleinsten SM-Raum der Stadt in den Sling zu legen…

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