Klatsch 2.0: Positivschlagzeilen

Der Blogger Perez Hilton behauptete letzte Woche Dienstag, Lindsay Lohans Vater hätte getwittert, seine Tochter sei HIV-infiziert. Michael Lohan sagt, das sei frei erfunden. Die Geschichte einer Klatsch-Meldung. 

Lindsay Lohan (Foto: Universal Music)

Promiblogger Perez Hilton hatte es mal wieder geschafft. „Lindsay Lohan has Aids?????“ lautete die Überschrift über einer kurzen exklusiven „Meldung“. Sie verbreitete sich Dienstag letzter Woche innerhalb weniger Stunden rund um die Welt. Inhalt: Der Vater der Schauspielerin und Sängerin habe auf seinem Twitter-Account geschrieben, es sei nun Zeit, seine Leser die Wahrheit über seine Tochter erfahren  zu lassen. Die 23-Jährige sei schon mehrere Jahre HIV-positiv. 

Es passte ins Bild: Laut Lindsay versucht ihr Vater Michael Lohan schon lange auf dubiosen Wegen, Kontrolle über ihr Geld und ihre Karriere zu erlangen und hat zu diesem Zweck schon mehrfach Stories über sie an die Yellow Press verkauft. Darin lässt er verlauten, sie sei drogen- und alkoholabhänig. Das Vater-Tochter Verhältnis als angespannt zu beschreiben, wäre eine Untertreibung.

Erst am Montag war in der Wohnung, die Lindsay Lohan zusammen mit ihrer 16jährigen Schwester in L.A. bewohnt, die Polizei aufgetaucht. Papa Lohan hatte sie dorthin geschickt, angeblich um zu verhindern, dass seinem jüngeren Kind von seinem älteren weiter geschadet werde. Doch die Gesetzeshüter mussten unverrichteter Dinge abziehen, es war alles in Ordnung.

Kaum zwölf Stunden später per Twitter die Meldung vom HIV-Status der Tochter. Ein schnöder Racheakt eines bösen Vaters. Oder etwa nicht?

Der Beschuldigte bestreitet, die von Perez Hilton zitierte Nachricht geschrieben zu haben. Hilton hält einen Screenshot des Twitter-Accounts dagegen, den er zusammen mit der Erstmeldung auf seiner Website www.perezhilton.com am Dienstag veröffentlicht hat.

Michael Lohan behauptete einen Tag später, Perez Hilton hätte seinen Twitter-Account gehackt und den Tweed über seine Tochter dort selbst eingestellt. Er würde seinem Kind so etwas nie antun. Vater Lohan will Anzeige wegen Betrugs und Verleumdung gegen Hilton erstatten. 

"Meldung" auf der Seite des Klatschbloggers Perez Hilton

Die, über deren Gesundheitszustand da spekuliert wird, äußert sich nicht konkret: „Mein Vater hat in den Medien schon mehrfach Lügen über mich verbreitet und wird vermutlich auch nicht damit aufhören. Kein Kommentar.“ 

Klatsch-Junkies jubeln: „Sie leugnet es nicht!“ Medienexperten sagen: Richtig und gut so. Um die Behauptung komplett zu überlegen, bliebe ihr nichts anderes übrig, als ihren HIV Status zu veröffentlichen. Und der geht niemanden etwas an. 

Das wirklich Interessante an der widerlichen kleinen Internet-Schlammschlacht sind die medialen Reaktionen darauf. Da wäre erstens die Wortwahl: Alle Print- und selbst die allermeisten Allesfresser-Online-Medien schrieben nicht „Aids“ bei Hilton ab, sondern übersetzten Lohans angeblichen Zustand immerhin korrekt in „HIV-positiv“. Zweitens glaubt die Geschichte kaum jemand, Lindsay Lohan wird allgemein für ihren Vater bedauert. Aber auch der gilt dem meisten eher als Opfer: Innerhalb weniger Tage wurde Perez Hilton allgemein als der eigentlich Schuldige ausgemacht.  

„Wäre es nicht so schwierig ein Twitter-Account zu haken, ich würde jetzt einfach schreiben, dass sich Hilton diese Meldung selbst ins Netz gestellt hat“, spekuliert ein amerikanischer Medien-Blogger. 

Michael Lohan wird versuchen, genau das zu beweisen. Die Krux: Wenige Minuten nach dem Auftauchen des fraglichen Tweeds war dieser auch schon wieder verschwunden. Das einzige Indiz, dass es ihn überhaupt gab, sind die Screenshots, die Hilton veröffentlicht hat. Ein Schelm, wer die Rechtslage im Web 2.0 jetzt schwierig findet. 

„Ich höre heute sicherlich noch von Lindsay oder ihrer Mutter,“ spekulierte Hilton noch am Dienstag. Vielleicht meldet sich jetzt erstmal die amerikanische Staatsanwaltschaft bei ihm. 

(Paul Schulz)

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