„Menschenrechte gelten nicht für Schwule“

In vielen Staaten Afrikas existieren sexuelle Minderheiten offiziell nicht, Homosexualität steht aber trotzdem unter Strafe. Die Folge: Keine HIV-Prävention und -Beratung für diese stark betroffene Gruppe. Das hat verheerende Folgen.

Schwules Postkartenmotiv der Aids & Rights Alliance of Southern Africa

„Sie haben Menschenrechte – solange sie nicht schwul sind.“ So beginnt Felicita Hikuam ihren Vortrag auf der Welt-Aids-Konferenz in Wien. Mit dieser sarkastischen Bemerkung illustriert die Aktivistin der Aids & Rights Alliance of Southern Africa (ARASA) eine verbreitete Einstellung: In vielen Staaten Afrikas existieren keine sexuellen Minderheiten – zumindest nicht offiziell.

Trotzdem steht Homosexualität in 38 afrikanischen Ländern unter Strafe, die Konsequenzen reichen von Freiheitsentzug bis zum Todesurteil. Und sie sind mit dieser Politik bei weitem nicht isoliert: Homosexuelle würden in 80 Ländern der Erde kriminalisiert, erläuterte Dr. Yves Souteyrand von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei seinem Besuch auf der Konferenz in Wien.

Diese homophobe Politik verstößt nicht nur gegen Menschenrechte, sondern verhindert gleichzeitig die Eindämmung von HIV und Aids. Felicita Hikuam präsentierte in Wien erschreckende Schätzungen einer Studie: Demnach sind im südlichen Afrika rund 35 Prozent der schwulen und bisexuellen Männer HIV-positiv, zumindest wenn man die sexuell besonders aktive Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren betrachtet.

„Es gibt eine weltweite HIV-Epidemie unter schwulen und bisexuellen Männern“, betont deshalb Dr. Dirk Sander, Schwulenreferent der Deutschen AIDS-Hilfe. „Politiker müssen endlich die gesundheitlichen Probleme dieser Zielgruppe zur Kenntnis nehmen und geeignete Programme zu ihrer Lösung finanzieren.“

In den wenigsten Staaten Afrikas gibt es spezielle Beratungs-und Testangebote für diese besonders gefährdeten Menschen. Im Gegenteil: Durch die staatliche Unterdrückung werden schwule und bisexuelle Männer abgeschreckt, sich an die Gesundheitseinrichtungen zu wenden. Tun sie es doch, verschleiern sie die möglichen Ursachen ihrer HIV-Infektion. „Soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und sogar Kriminalisierung haben bisher die Schaffung einer soliden epidemiologischen Wissensbasis verhindert“, beklagte Yves Souteyrand.

„Die ohnehin schon verletzliche Gruppe wurde durch die jüngsten Äußerungen von Regierungsbeamten noch weiter in den Untergrund getrieben“, kritisiert Felicita Hikuam.

Ein aktuelles Beispiel: Malawi. Der südostafrikanische Staat geriet in die Schlagzeilen, als dort im Frühjahr zwei Männer zu 14 Jahren Haft verurteilt wurden, nur weil sie gemeinsam Verlobung gefeiert hatten. Erst nachdem sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon persönlich für die Verurteilten eingesetzt hatte, sprach Präsident Bingu wa Mutharika eine Begnadigung aus.

„Wenn Menschenrechte erst gelten, nachdem der UN-Generalsekretär eingegriffen hat, ist eine wirksame HIV-Prävention noch in weiter Ferne“, meint Dirk Sander. Und fügt hinzu: „Hier werden auf verbrecherische Weise, sexuelle Minderheiten systematisch verfolgt und sogar getötet. Von Wien muss ein Geist ausgehen, der diese Zustände für alle Zeiten stoppt!“

(Philip Eicker)

Aids & Rights Alliance of Southern Africa

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