Tipps und Hilfestellungen: Wenn der Pornokonsum problematisch wird …

Young man is watching pornography on laptop and masturbating.
Porno- oder Sexgewohnheiten werden erst dann zum Problem, wenn sie deinen Alltag und dein soziales Umfeld stark beeinträchtigen: den Partner, die Freunde, die Arbeitskollegen.

Pornografie ist eine uralte Kulturtechnik. Aber noch nie war sie so leicht zu haben wie heute. Dank W-LAN und Smartphone muss kein Schwuler mehr ins schmuddelige Bahnhofskino, wenn er Sexfilme sehen will. Das ist geil. Nun stellt sich die Frage: Wie viel Porno tut uns gut?

Checkliste: Wie viel Porno ist zu viel?
„Das ist die falsche Frage“, sagte Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie an der Hamburger Uniklinik. Entscheidend ist nicht, wie häufig ein Mann masturbiert, sondern wie sehr es ihn stört. „Wenn der Patient nicht unter seinem Verlangen leidet, sollte man als Arzt auch keine Diagnose stellen“, betont Briken in der Süddeutschen Zeitung. Porno- oder Sexgewohnheiten werden erst dann zum Problem, wenn sie deinen Alltag und dein soziales Umfeld stark beeinträchtigen: den Partner, die Freunde, die Arbeitskollegen. Aber wo genau verläuft die Grenze? Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Die folgenden Fragen können dir helfen, deinen Pornokonsum auf den Prüfstand stellen:

  • Ohne Porno bekomme ich nur noch selten einen hoch.
  • Ich gucke auch am Büro-Rechner öfter mal einen Porno.
  • Ich komme öfter zu spät zur Arbeit, weil ich davor die ganze Nacht am Rechner war.
  • Wenn ich Stress oder Langeweile habe, lenke ich mich mit einem Porno ab.
  • Ich kümmere mich nicht mehr um mein Hobby. Alles dreht sich nur noch um Sexualität.
  • Mein Smartphone liegt immer neben meinem Bett. Ich will nicht verpassen, falls mich bei Gayromeo ein netter Kerl anschreibt.
  • Vor dem Ficken muss ich mir erst einmal ordentlich einen antütern – um dann Sex zu haben, den ich hinterher furchtbar finde.

Zu viel Porno: So kontrollierst du deinen Konsum
Ehrlich machen.
Das Schwierige an Sucht ist: Sie verletzt das Ego. Denn sie bedeutet: Ich habe die Kontrolle verloren. Und das gestehen sich gerade Männer nur ungerne ein. Das Leugnen der Probleme ist Teil der Krankheit.

Logbuch führen. Überprüfe einmal, wann du wie lange Pornos guckst. Notiere es am besten über einen längeren Zeitraum in einem Logbuch. Diese Aufmerksamkeit führt häufig schon zu ersten Verbesserungen. Denn dann fragst du dich automatisch: Muss ich jetzt unbedingt gucken, oder halte ich noch länger ohne aus?

Ziele festlegen. Entwickle einen persönlichen Ausstiegsplan, um Pornos und Sex so zu genießen, dass sie nicht mehr deine ganze Zeit und Energie fressen. Wichtig ist dabei:

  • Wann fange ich mit dem Verzicht an?
  • Wie schnell reduziere ich meinen Konsum?
  • Was ist erlaubt? Was nicht? Klare Grenzen sind sehr wichtig.
  • Will ich völlig abstinent sein, oder sind Ausnahmen drin („Samstags ein Porno ist okay“)? Bei Suchtverhalten sind Ausnahmen heikel. Denn sie erfordern extreme Disziplin.

Mit Rückfällen rechnen. Zu jeder Suchttherapie gehören Rückfälle. Du musst lernen, mit diesen Enttäuschungen umzugehen und danach neu anzusetzen.

Hypersexualität – eine echte Krankheit?
Die Sucht nach Pornos ist es aber oft nicht alleine. Meist mischen sich verschiedene Arten von Suchtverhalten: Häufiges Pornogucken. Zwanghaftes Masturbieren. Viele Sexdates, die nach dem Sex ein schales Gefühl hinterlassen, oft in Verbindung mit anderen Suchtstoffen wie Alkohol, Poppers oder Methamphetaminen. Die große Gemeinsamkeit: Die betroffenen Männer empfinden ihr Sexleben als Belastung. Die medizinische Diagnose lautet Hypersexualität. Studien schätzen, dass bis zu sechs Prozent der Bevölkerung phasenweise an ihr leiden. Drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Aber das Phänomen ist umstritten. Bisher hat die Weltgesundheitsorganisation die Hypersexualität noch nicht in ihren Katalog der Impulskontrollstörungen (ICD) aufgenommen. Deshalb übernehmen Krankenkassen nicht immer die Behandlungskosten.

Selbsthilfe: die anonymen Sexsüchtigen
Selbsthilfegruppen sind eine gute Unterstützung bei allen Suchtproblemen. Die Besucher teilen ihre Erfahrungen und unterstützen sich gegenseitig dabei „sexuell nüchtern“ zu werden. Das Gute daran: Die ehrenamtlich organisierten Meetings kosten nichts, und es gibt sie in allen Metropolen. Eher schwierig: Die Gruppen sind autonom. Mit welchen Methoden sie arbeiten und ob sie Schwule herzlich aufnehmen, weiß man vorher nicht. Einfach hingehen und ausprobieren, ob es passt.

Die meisten Angebote basieren auf den zwölf Grundsätzen der Anonymen Alkoholiker. Der wichtigste lautet: Nichts dringt nach draußen! Die Teilnehmer können ganz offen sprechen. Ein weiteres Prinzip ist das Vertrauen auf „eine höhere Macht“. Mit diesem transzendenten, oft religiös verstandenen Ansatz solltest du etwas anfangen können. Hier findest du weitere Selbsthilfe-Informationen:

Vorsicht vor Scharlatanen
Pornografie ist ein moralisch explosives Thema. Einige Hilfsangebote in Sachen Pornosucht führen geradewegs zu Organisationen wie dem DIJG. Das hält Homosexualität per se für eine psychische Krankheit und verspricht, nicht nur deine Pornosucht, sondern auch deine Homosexualität zu kurieren. Das ist pseudo-wissenschaftlicher Humbug, der psychische Probleme sogar noch verstärken kann.

Therapiemöglichkeiten bei Porno- oder Sexsucht
Pornos und Sex sind so geil, dass sie – ähnlich wie Drogen – einen Kick verleihen. In seltenen Fällen führen sie zu Abhängigkeit. Dann sollte man sie so behandeln wie andere Abhängigkeiten auch. Medikamente werden selten eingesetzt. Besonders erfolgsversprechend sind Psychotherapien. Dabei gibt es mehrere Behandlungsphasen.

Kontrolle zurückgewinnen. Am Anfang steht meist eine praxisorientiere Verhaltenstherapie. Patient und Therapeut besprechen, wie dieser seinen Sex- oder Pornokonsum besser steuern kann. Die Maßnahmen sind oft simpel, zum Beispiel indem der User eine Filter-Software installiert, die seine Lieblingsseiten im Netz stoppt.

Alternativen finden. Der Patient lernt zudem, anders auf negative Gefühle wie Angst oder Einsamkeit zu reagieren. Sport ist ein bewährter „Ersatzstoff“. Entlastend sind auch Atem- und Achtsamkeitsübungen.

Ursachen ergründen. Eine Psychotherapie zieht sich oft über Jahre hin, dafür sind die Erfolgsaussichten gut. Die Patienten finden dabei heraus, wie sich problematische Verhaltensmuster aus der eigenen Lebensgeschichte erklären lassen – und wie man gut mit ihnen leben kann.

Psychotherapeutische Unterstützung bei Porno- oder Sexsucht:

  • Bundesweit: Einen auf Sexualität spezialisierten Therapeuten in deiner Nähe findest du über die Website der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW): www.dgsmtw.de
  • Hannover: Sexualmedizinisches Kompetenzzentrum: www.smk-hannover.de
  • Hamburg: Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie: www.uke.de
  • Berlin: Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité: www.sexualmedizin.charite.de
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