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Da geht was: Schwule Fußballer in der Offensive - ein Videobeweis

Auf den ersten schwulen Profifußballer muss die Welt noch warten. In den Amateurligen gibt es sie schon: Schwule Fußballer, die sich in die Offensive getraut haben – mit Erfolg. Ein Videobeweis aus Elmenhorst

Coming-out ist aufm Platz: Tony Quindt

Schwule und Fußball – das passt einfach nicht zusammen. Diesen Gegensatz hat zuletzt noch einmal Sepp Blatter höchstpersönlich betont: Der 74-jährige Präsident des Fußballweltverbandes FIFA empfahl schwulen Spielern und Fans, sich bei der WM 2022 sexuell zurückzuhalten. Denn im Gastgeberland Katar werden homosexuelle Handlungen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.

Und doch besteht Hoffnung: Schon seit Jahren macht sich DFB-Boss Theo Zwanziger, 65, gegen Homophobie stark. Und mit dem anstehenden Generationswechsel in den Fußballgremien dürfte die Akzeptanz steigen. Denn in den unteren Spielklassen tut sich was.

Ein gutes Beispiel sind die Bremer Sportstudenten Niko Schleicher und Dino Bernabeo. Für ihre Bachelorarbeit haben sie nachgeforscht, wie offen die deutschen Amateurligen für schwule und lesbische Aktive sind. Ihre Erkenntnisse haben sie in einem 11-Minuten-Video zusammengefasst, das online abrufbar ist.

DFB-Chef Theo Zwanziger im Video

Das Resümee: „Die Verbände stehen noch am Anfang des langen Weges zu mehr Akzeptanz.“ Nur 6 von 21 Landesverbänden des DFB haben überhaupt auf die Anfrage der beiden reagiert. „Das Thema ist nicht so drängend zu behandeln, wie Gewalt auf den Sportplätzen oder Fragen der Integration“, entschuldigte sich beispielsweise Rainer Lehmann vom Fußballverband Niederrhein.

Immerhin: Das Thema wird langsam ernst genommen. Beim Verband Mittelrhein, zuständig für die Fußballclubs in der Homo-Hochburg Köln, gibt es sogar einen Berater, der Unterstützung beim Coming-out anbietet.

Das Abschlussarbeitsvideo der beiden Bremer weckt Hoffnungen. Das liegt auch am Hauptprotagonisten Tony Quindt. Der 24-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Elmenhorst ist begeisterter Fußballer und spielt – wie fast alle Männer des 1000-Seelen-Dorfs – im örtlichen Kreisligaklub SIG Elmenhorst. „Rosa Fußballschuhe, Ohrring links. Offen bedient Tony Quindt gängige Klischees“, formulieren Schleicher und Bernabeo. „So viel Mut ist bei Amateuren selten, aber bei Profis immer noch undenkbar.“

Auch Tony Quindt hat sein Schwulsein lange verheimlicht. Den SIG-Kameraden hat er von einer Freundin erzählt, die es nicht gab. „Immer wenn ich die Mannschaft getroffen habe, musste ich diese Rolle spielen“, erzählt der junge Russlanddeutsche. „Das hat mich richtig unter Druck gesetzt.“

Modisches Statement: Tonys Fußballschuhe

Doch Tony war selbstbewusst genug, dem Versteckspiel ein Ende zu bereiten. Zur Vereinsfeier brachte er vor zwei Jahren einfach seinen Freund mit. Die Sportsfreunde reagierten überraschend offen: „Alle haben das sofort akzeptiert, keiner verhält sich seitdem anders zu mir“, erzählte Tony Zeit Online. „Auch in der Dusche guckt keiner betreten weg.“

Der größte Vorteil des Coming-outs: Endlich ist Tony wirklich ein Teil seiner Mannschaft, voll akzeptiert mit seiner gesamten Persönlichkeit. „Jetzt fühle ich mich wohl“, sagt Tony im Video, „mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

Das Beispiel stimmt zuversichtlich. Allerdings gesteht Tonys Teamkollege Ulf Stuhlmacher: „Es war am nächsten Tag schon das Thema Nummer eins. Viele hätten das nicht gedacht und waren perplex.“ Dirk Schulz, ein anderer SIG-Spieler dagegen kann im Umgang mit Tony auch nach dem Coming-out keinen Unterschied feststellen. Mit einer Ausnahme: „Die Schwulenwitze lassen wir jetzt weg.“

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