Selbstverständlich positiv!?

Für den einen ist es selbstverständlich, HIV-positiv zu sein und mitten im Leben zu stehen. Für den anderen ist es das nicht immer. HIV-Medikamente, die Szene, der Freundeskreis, die eigene Psyche und viele weitere Faktoren können positiven wie negativen Einfluss auf das Leben mit HIV haben. Was es heute heißt, mit HIV zu leben, zeigt unsere Aktionsseite - nicht nur für HIV-Positive.

Leben mit HIV heute

Leben mit HIV – anders als viele (immer noch) glauben

Nicht aus der gleichen Tasse trinken? HIV-Positive sind doch alles Schlampen? Mit HIV wird man nicht alt? Diesen Vorurteilen und Mythen begegnet man oftmals auch noch heute. Doch mit der Realität hat das wenig zu tun. Wir wollen zeigen, was das Leben mit HIV heute bedeutet. Denn ein gutes und langes Leben mit HIV ist möglich.

Wer HIV hat, kann ein fast „normales“ Leben führen, aber …

… natürlich hat es Vorteile, HIV-negativ zu bleiben. Die Infektion hat zwar – zu Recht – ihren Schrecken verloren und wird als chronische Krankheit angesehen. Eine HIV-Therapie bedeutet aber auch, ein Leben lang Medikamente zu nehmen und regelmäßige Untersuchungen zu haben. Auch erfahren viele HIV-Positive noch immer Diskriminierung und Ausgrenzung im Leben.

Selbstverständlich positiv!?

„Mit HIV komm ich klar. Mit Ablehnung nicht.“ Dieses Statement der Welt-AIDS-Tags-Kampagne 2016 bringt die heutigen Herausforderungen im Alltag mit HIV auf den Punkt: Immer noch erfahren zu viele HIV-Positive Ausgrenzung, sie werden beleidigt oder müssen sich mit Vorurteilen herumschlagen.

Nicht zuletzt deshalb haben wir diese Seite umgesetzt. Wenn wir es schaffen, die Stigmatisierung abzubauen, können HIV-Positive auch „selbstverständlich positiv“ leben.

Erste Schritte ins „positive“ Leben: Das Buddy-Projekt

Die ersten Reaktionen nach einer HIV-Diagnose sind vielfältig und oftmals wird sich die Frage gestellt: „Wie geht’s weiter?“ Dann ist es gut, jemanden zu kennen, mit dem man offen über alles sprechen kann – und der zudem genau weiß, wovon man spricht.

Das „Projekt Sprungbrett“ der Deutschen AIDS-Hilfe hilft weiter: Unter www.sprungbrett.hiv können sich neu diagnostizierte HIV-Positive bundesweit einen Buddy suchen, d.h. einen Menschen, der schon länger mit der Infektion lebt und sie bei den ersten Schritten ins „positive“ Leben begleiten kann.

Kampagnenvideo

"Leben mit HIV bedeutet für mich ..." In der CSD-Saison 2016 haben wir euch gebeten, diesen Satz mit euren Vorstellungen zu ergänzen. Dabei hat sich gezeigt, dass es immer noch viele Vorurteile und falsche Vorstellungen zu diesem Thema gibt. 

Holger, Florian Prakash, René und Vlad sind HIV-positiv. Sie erzählen im Clip, wie das Leben mit HIV heute wirklich ist.

Mein HIV-Coming-out: eine Mutmach-Geschichte

Vlad hat HIV, sein Freund Stephan ist negativ. Was bedeutet das für ihre Beziehung? Wir haben mit Vlad gesprochen und seinen Bericht aufgeschrieben.

Wie gut, dass meine Freundin Surya eine Katze hat. Sonst hätte ich meinen Freund nicht kennengelernt. Surya hatte mich gebeten, das Tier während ihres Urlaubs zu füttern. Ich lag in ihrer Wohnung auf dem Sofa, hatte keine Lust auf gar nichts und tat, was wohl die meisten Schwulen in dieser Situation tun: Romeo einschalten und schauen, ob es in der Gegend sexy Typen gibt. Stephan gefiel mir sofort und nach ein paar Messages bat ich ihn, mit mir essen zu gehen.

Schon am nächsten Abend besuchte ich ihn und nach einer Weile lagen wir uns knutschend in den Armen. Irgendwann fiel mir ein, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Meine Tabletten! Für einen HIV-Positiven, der seine Therapie ernst nimmt, gibt es kaum eine unangenehmere Situation. Stephan ging davon aus, dass ich bleibe, aber das war unmöglich. Gegen Mitternacht zog ich mich an und fuhr nachhause.

Ich habe meistens kein Problem damit, über meinen HIV-Status zu sprechen. Bei Sexdates tue ich das oft und wundere mich eher darüber, wie viele Männer blank ficken wollen, ohne diese Frage zu klären. Bei Stephan zögerte ich, denn das war kein Sexdate. – Ich wollte mehr von diesem Mann.

Doch wenn ich mehr wollte, dann war Ehrlichkeit umso wichtiger. Also kratzte ich meinen Mut zusammen und hielt beim dritten Treffen die Tablettendose hoch: „Deshalb konnte ich letztens nicht bei dir übernachten.“ Mir war schlecht vor Angst und ich zitterte am ganzen Körper. Und Stephan? Er nahm mich in den Arm und sagte: „Das ändert gar nichts.“ Normalerweise fange ich in emotionalen Situationen an zu flennen. Auch das war mit Stephan anders. Ich habe mich in seiner Nähe von Anfang an stark gefühlt.

In unserer Beziehung spielt HIV seitdem keine große Rolle. Wir haben sogar Sex ohne Kondom. Das Risiko ist dabei für Stephan verschwindend gering, weil meine Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und ich das alle drei Monate überprüfen lasse. Es gibt nur eine Frage, mit der Stephan meine Infektion gelegentlich thematisiert: „Vlad, hast du deine Tabletten genommen?“

Weitere Infos

In unserem Wissenscenter findest du einen eigenen Bereich für Leben mit HIV. Wir bilden dort verschiedene Aspekte ab, von Sexualität mit HIV, der Frage nach dem Coming Out, Erfahrungen mit Diskriminierung und Ausgrenzung - bis hin zu Vernetzung und Engagement.

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