ICH WEISS WAS ICH TU

Sexualität im Alter

Karl, Julio, Jean-Claude und Karl sind zwischen 60 und 66 Jahre jung. Sie erzählen, wie sie auch im fortgeschrittenen Alter Sex haben, was ihre Wünsche und was dabei Herausforderungen sind. Egal ob in einer Beziehung, als Single oder beim bezahlten Fick. Denn auch im Alter kann Sex sehr vielfältig sein.

„Mit dem Partner“

Kurt (62) aus Zeitz

Ich lebe seit acht Jahren mit meinem Partner zusammen. Vor vier Jahren haben wir geheiratet. Viele Paare schlafen nach einer solchen Zeit nur noch im gleichen Bett, aber es passiert nichts mehr. Bei uns dagegen schon. Wir haben regelmäßig Sex miteinander, aber auch mit anderen Männern – manchmal gemeinsam, manchmal jeder für sich. Das gibt unserem Sexleben die nötige Würze. Ob das Männer sind, die wir im Netz, im Park, im Sexkino oder mal auf der Klappe treffen, das ist egal.

 

Wenn wir jemanden zu uns einladen, erwarten wir aber mehr, als einfach hinzulegen und das Loch hinzuhalten. Zum Sex gehört für uns Küssen, Zärtlichkeit, Lecken und Rimmen sowie geiles Blasen.

Als Single

„Jeder wird mal alt. Zumindest wenn er Glück hat!“

Julio (66) aus Köln

Warum so viele Schwule ein Problem damit haben, älter zu werden, ist mir ein Rätsel. Vielleicht liegt es daran, dass sie so schwanzgesteuert sind und glauben, irgendwann keine Typen mehr abzukriegen.

 

Ich habe nach wie vor Sex und empfinde ihn als viel intensiver als in meiner Jugend. Ein Grund dafür ist, dass bei mir die Sympathie entscheidet. Ein weiterer ist, dass ich auf Männer mit Erfahrung stehe.

 

Manchmal suche ich aber auch den Kick: Ich fliege regelmäßig zum FKK nach Gran Canaria. In den Dünen von Maspalomas fühle ich mich frei und genieße es, dass es anderen genauso geht. Das Alter spielt dort keine so große Rolle.

 

In Bars gehe ich schon lange nicht mehr. Da stehen nur Giraffen: erst langen Hals machen, und schaut man hin, stecken sie den Kopf in den Sand. Die Szene ist leider an dem ganzen Jugendwahn kaputt gegangen. Einfach mal in den Spiegel schauen, Jungs! Und ehrlich zu sich selbst sein! Jeder wird mal alt. Zumindest wenn er Glück hat!

Gegen Geld

Jean-Claude (66) aus Karlsruhe

Als ich so jung war wie die Männer, die ich schön und anziehend finde, galt Homosexualität noch als krank und widerwärtig. Ich musste mit extremen Einschränkungen leben. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass ich mich so nach Jüngeren sehne.

 

Ich empfinde es als wunderbar, wenn ein junger Mann neben mir liegt und ich ihm die Liebe geben kann, die mir damals gefehlt hat. Außerdem erfrischt es mich, von Jüngeren umgeben zu sein, und ich werde sexuell gefordert. Mit Männern meines Alters habe ich keinen Sex. Meine Sexpartner sind maximal 40 Jahre alt.

 

Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ihnen für ihre Zärtlichkeit und die Zeit, die sie mit mir verbringen, etwas zustecke.

 

Einen professionellen Callboy habe ich aber noch nie bestellt. Das wäre mir viel zu geschäftsmäßig. Ich brauche das Gefühl, gemocht zu werden.

Kaum noch Sex

„Lieber habe ich dann gar keinen Sex.“

 

Karl (60) aus Dillenburg

Jeder hat bestimmte Vorstellungen von einem potenziellen Sexpartner. Ich selbst stehe optisch auf jüngere, sportliche Männer. Aber auch zwischenmenschlich muss es passen. Das macht es mir nahezu unmöglich, sexuell aktiv zu bleiben.

 

Denn für meine Zielgruppe bin ich ein alter Sack, und ich lebe in einem echten Kaff. Käuflicher Sex kommt für mich nicht infrage, weil mir die schnelle gefühllose Nummer nicht liegt. Und meine Erwartungen zurückschrauben? Lieber habe ich dann gar keinen Sex.

 

Ich habe mein Leben lang Sport getrieben, und das sieht man auch. Ich habe als Fitnesstrainer gearbeitet, fahre Mountainbike, habe den Himalaya überquert.

 

Der Verzicht auf Sex bedeutet aber nicht, dass ich frustriert wäre. Ich habe vor allem jüngere Freunde. Außerdem ist mir ein bisschen Erotik durchaus geblieben: Ich bin leidenschaftlicher Ringer und treffe mich häufig mit Männern zum Zweikampf.

PREP-Engpass: Das kannst du tun

Akzeptanz in der Szene

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Darkroom-Charaktere: Der Wels

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