Das beste Gegenmittel: Menschen, die bei rassistischen Angriffen mutig den Mund aufmachen

Abwertung aufgrund der Hautfarbe oder Herkunft verursacht chronischen Stress. Das beste Gegenmittel: Menschen, die bei rassistischen Angriffen mutig den Mund aufmachen, und Menschen, die einem nach solchen Erlebnissen zuhören.

Rassistische Angriffe verursachen immer einen Schock. Erste Reaktion: Entsetzen. Denn für dich ist deine Hautfarbe oder Herkunft ja nichts Auffälliges, du verhältst dich ganz normal – und plötzlich steckst du in der Schublade. „No Neger. No Südländer. No Muslims.“ So was kann das Vertrauen in andere und das Selbstvertrauen erschüttern. Rassismus wirkt ähnlich wie Homophobie. Die Botschaft ist immer: Du bist anders. Du gehörst nicht dazu. Geschieht der rassistische Angriff in der Öffentlichkeit, ist die Wirkung doppelt schlimm. Denn die Umstehenden halten sich meistens raus. Das Gefühl, allein und isoliert zu sein, verletzt genauso wie der Angriff. Das Wichtigste in solch einer Situation ist soziale Unterstützung. Wie bei homophoben Attacken schafft ein mutiges Wort sofort ein gutes Gefühl: Ich bin nicht allein, sondern kann auf andere zählen.

Rassistische Erlebnisse machen Dauerstress. Die einen kommen irgendwie damit zurecht, andere werden dadurch psychisch krank. Die tiefsten Narben hinterlassen tätliche Angriffe. Die Betroffenen leiden unter Albträumen oder werden panisch, wenn sie in eine ähnliche Situation kommen. Diese „psychische Unruhe“ ist eine normale Reaktion auf ein Gewalterlebnis. Wenn die Angst wochenlang anhält und die Bilder des Angriffs ständig wiederkehren, sollte man sich Rat von Fachleuten holen. Auch Schlafstörungen oder Reizbarkeit können darauf hinweisen, dass die Psyche mehr als nur eine Schramme abbekommen hat. Mit einer Platzwunde würde man zum Arzt gehen. Die psychischen Folgen eines rassistischen Angriffs sind zwar weniger deutlich sichtbar, aber auch sie müssen behandelt werden.

Wichtig ist, dass du mit deinen Ängsten und Fragen nicht alleine bleibst: Such dir Leute, mit denen du über das Erlebte reden kannst. Je eher du deine Ohnmacht und Wut mit anderen teilst, desto weniger Schaden können sie in deiner Seele anrichten. Jede Form einer rassistischen Attacke kannst du bei der Polizei anzeigen – also nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch Pöbeleien. Anspucken gilt bereits als Körperverletzung. Der Polizeinotruf ist 110.
In vielen Städten gibt es Beratungsstellen speziell für Menschen, die mit Rassismus konfrontiert sind. Eine Liste mit Anlaufstellen in deiner Nähe findest du auf netz-gegen-nazis.de/lexikon. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät dich per E-Mail oder telefonisch unter (030) 18 555 18 65 (Montag bis Freitag 9–12 und 13–15 Uhr).