Wie wird HIV übertragen?

HIV ist relativ schwer übertragbar. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen.

Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Geschlechtsverkehr weitergegeben. Da Vaginal- und Darmschleimhaut viele HIV-Viren enthalten können, gibt es beim Vaginal- und Analverkehr auch ein Risiko für den „aktiven“ (eindringenden) Partner. Ein Übertragungsrisiko besteht auch dann, wenn nicht im Partner abgespritzt wird, nämlich über den intensiven Kontakt zwischen den Schleimhäuten von Penis und Enddarm oder Penis und Scheide.

Körperflüssigkeiten, die HIV in ansteckungsrelevanter Menge enthalten können
  • Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut
  • Blut
  • Sperma
  • Scheidenflüssigkeit
  • Muttermilch

Beim Blasen besteht ein Risiko, wenn Sperma in den Mund gelangt. Dieses Risiko ist aber sehr viel geringer als beim Analverkehr, weil die Mundschleimhaut widerstandsfähiger gegen HIV ist als andere Schleimhäute. Beim Lusttropfen ist eine HIV-Übertragung nahezu ausgeschlossen.

Andere sexuell übertragbare Infektionen erhöhen das HIV-Risiko: Durch entzündete Schleimhäute kann HIV leichter in den Körper eindringen oder hinausgelangen, und bei Entzündungen wandern zusätzliche Immunzellen ein, die HIV direkt aufnehmen und weitergeben können. Bei HIV-Infizierten enthalten entzündete Schleimhäute besonders viele HI-Viren.

Sehr riskant ist außerdem die gemeinsame Benutzung von Spritzen beim Konsum von Drogen und anderen Substanzen.

Entscheidend ist die Virusmenge

Das Risiko einer HIV-Übertragung ist erhöht, wenn sich besonders viele Viren im Blut und den Körperflüssigkeiten befinden. Das ist zum Beispiel in den ersten Wochen nach einer HIV-Infektion der Fall, weil sich das Virus dann besonders stark vermehrt.

Das Risiko ist viel geringer, wenn sich nur wenige Viren im Blut befinden, etwa wenn HIV-Medikamente die Vermehrung des Virus verhindern. Liegt die Viruslast des HIV-positiven Partners seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze und werden die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen, ist eine HIV-Übertragung beim ungeschützten Sex nahezu ausgeschlossen. Eine gut wirksame HIV-Therapie schützt damit genauso effektiv vor HIV wie Kondome, aber natürlich nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Beim Sex mit Gelegenheitspartnern empfiehlt sich weiterhin die Verwendung von Kondomen.

Aber auch, wenn die Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze liegt, führt nicht jeder ungeschützte Anal- oder Vaginalverkehr zwischen einem HIV-infizierten und einem nicht infizierten Partner automatisch zu einer Übertragung. Das Risiko einer Infektion wächst, je häufiger man ungeschützten Sex hat.

Man kann diesen Effekt mit dem Autofahren vergleichen: Je häufiger man fährt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden. Ein besonders hohes Risiko, sich zu infizieren, haben außerdem Männer, die Sex mit Männern haben, denn in dieser Bevölkerungsgruppe ist HIV in Deutschland weiter verbreitet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man Sex mit einem HIV-positiven Partner hat.

HIV wurde zwar gelegentlich auch in Urin, Kot, Speichel, Schweiß und Tränenflüssigkeit nachgewiesen, aber nur in sehr geringer Menge, die für eine Ansteckung nicht ausreicht.

Keine Infektionsgsgefahr besteht bei:
  • Küssen, Händedruck, Umarmen
  • Anhusten oder Anniesen
  • Benutzung derselben Teller, Gläser und Bestecke
  • gemeinsame Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche
  • Besuch von Schwimmbädern oder Saunen
  • Zusammenarbeiten und -wohnen mit Menschen mit HIV/Aids
  • Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV/Aids
  • Erste-Hilfe-Leistung, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden (Handschuhe, Beatmungsmaske)
  • medizinischen und kosmetischen Behandlungen (Zahnarzt, Fußpflege etc.), sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden
  • Tätowieren und Piercen, sofern unter hygienischen Bedingungen gearbeitet wird
  • Insektenstichen

HIV/Aids-Basiswissen 3: Übertragung und Schutz