Körper-Stress

Schwule stehen auf Männerkörper. Und die werden überall präsentiert, zum Beispiel in Anzeigen, in Filmen oder auf CSDs. Das ist nicht nur geil anzuschauen, sondern verursacht manchmal auch Stress. Denn in Wirklichkeit sind unsere Körper viel unterschiedlicher, als der letzte Sixpack uns glauben macht.

Würdest du auf dem CSD dein T-Shirt ausziehen? Nein? Warum nicht? Weil du es nicht nötig hast, mit Muskeln zu prahlen? Oder weil du dich zu dick findest?
Die Oben-ohne-Frage ist super, um deinen „Body Stress“-Faktor zu testen. Warum zerbrichst du dir eigentlich den Kopf darüber, wie andere deinen Körper finden? Die Antwort: Weil es dir offenbar wichtig ist. Und wie ein Männerbody auszusehen hat, machen uns nicht zuletzt auch die Medien vor: Da sieht man Kerle mit bärenstarken Muskeln oder knabenhafte Typen mit schmalen Hüften – mehr scheint es oft nicht zu geben.

Leider können diese „Idealbilder“ Stress verursachen, weil sie mit der Wirklichkeit nur wenig zu tun haben. Männerkörper sind weitaus vielfältiger, als sie uns vorgeführt werden: Wir sind groß und klein, dick und dünn, straff und schlaff, behaart und unbehaart. Trotzdem streben viele schwule Männer ein Einheitsbild an: Sie formen ihren Körper mit Diäten, Rasierern, Medikamenten und Operationen.
Laut einer britischen Studie von 2011 macht sich fast die Hälfte der schwulen und bisexuellen Männer Sorgen wegen ihres Aussehens. Die Ursachen sind unklar. Ein Faktor könnte sein: Schwule werden mitunter diskriminiert. Mit ihrem fitten Körper wollen sie zeigen, dass sie „richtige“ Männer sind.

Es spricht nichts dagegen, Sport zu treiben und auf die Ernährung zu achten. Das richtige Maß ist entscheidend. Manche schießen über das Ziel hinaus. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie viel Sport und Diät gesund sind – und wann die Fitness-Vorstellungen den sowieso vorhandenen Stress noch steigern. „Body Stress“ ist keine Krankheit, sondern nur einer von vielen Einflussfaktoren, die auf die psychische Gesundheit wirken. Professionellen Rat solltest du dir ein, wenn du meinst, für einen perfekten Körper medizinische Präparate wie Appetitzügler oder Muskelaufbaustoffe nehmen zu müssen. In vielen Städten gibt es Beratungsangebote speziell für schwule Männer.