Selbstverletzung

Sich selbst verletzen? Das können viele Menschen nicht verstehen. Aber manchmal ist es ein Ausweg, um extreme Gefühle aushalten zu können.

Ich könnte mir die Haare raufen!“, denken wir, wenn uns alles zu viel wird. Und oft tun wir das dann auch. Manchmal hilft es, sich am eigenen Körper abzureagieren. Aber manche Menschen tun das so massiv, dass sie sich dabei verletzen. Wenn sich jemand absichtlich Schmerzen oder Verletzungen zufügt, ist das ein Zeichen extrem starker innerer Spannungen. Selbstverletzendes Verhalten äußert sich zum Beispiel so:

  • Haut abpulen, Fingernägel kauen
  • Haare ausreißen
  • Verbrennungen zufügen, zum Beispiel mit einer Zigarette
  • die Haut aufschneiden, aufkratzen oder aufritzen („Ritzen“), etwa mit Messern, Rasierklingen oder Scherben
  • den Kopf gegen die Wand schlagen
  • exzessiv Alkohol, andere Drogen oder Medikamente konsumieren (dazu neigen eher Männer)

Dieses Verhalten kann ein Zeichen für verschiedene Krankheiten sein, zum Beispiel das Borderline-Syndrom, eine Form der Persönlichkeitsstörung. Negative Gefühle wie Wut oder Selbsthass sind dann so stark, dass sie am eigenen Körper abreagiert werden müssen. Fachleute sprechen hier von fehlender „Impulskontrolle“. Auch eine Depression kann selbstverletzendes Verhalten auslösen. Meist schwanken die Betroffenen zwischen extrem negativen und extrem positiven Gefühlen. In den guten Phasen können sie richtig „mitreißend“ sein. Viele Film- und Musikstars zeigen vollen Einsatz auf der Bühne und unkontrollierte Verhalten im Backstage. Aber wo ist die Grenze zwischen einer exaltierten Persönlichkeit und einer Krankheit? Ärzte sagen: Entscheidend ist der Leidensdruck. Selbst zugefügte Verletzungen sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass Hilfe von außen nötig ist.

Leicht zu heilen ist eine Persönlichkeitsstörung nicht. Aber es gibt effektive Behandlungsprogramme zum Erwerb bestimmter Fertigkeiten. Diese „Skills“ helfen dabei, eigene Impulse früher wahrzunehmen und dann auch besser zu steuern, indem man beispielsweise kaltes Wasser über die Unterarme laufen lässt oder spontan um den Block sprintet. Diese Skills werden trainiert wie beim Sport. Medikamente kommen eher selten zum Einsatz. Wenn du dir Sorgen wegen selbstverletzendem Verhalten machst – bei dir oder bei einem Freund –, kannst du dich an deinen Hausarzt wenden, an eine Beratungsstelle speziell für schwule Männer (siehe unten) oder an einen Krisendienst (Adressen und Telefonnummern bekommst du, wenn du den Namen deines Wohnorts und „Krisendienst“ googelst). Die kirchlich organisierte Telefonseelsorge ist Tag und Nacht kostenlos erreichbar, im Internet unter telefonseelsorge.de und telefonisch unter 0800/111 0 111. In Notsituationen kannst du den Notruf 112 wählen.