Sexueller Missbrauch

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verursacht schwere psychische Erkrankungen. Über das Erlebte zu sprechen ist schwer. Der Weg aus der Isolation beginnt für viele in einer Selbsthilfegruppe.

Sexueller Missbrauch ist eine gravierende Erfahrung – auch deshalb, weil sich hier eigentlich positive Gefühle wie Nähe und Zärtlichkeit mit Gewalt vermischen. Als Missbrauch gilt jede sexuelle Handlung (Zungenküsse, Streicheln, Masturbieren, Ficken) zwischen Erwachsenen und Kindern unter 16 Jahren sowie Erwachsenen und Jugendlichen unter 18 Jahren, wenn ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, zum Beispiel in der Ausbildung. In den meisten Fällen sexuellen Missbrauchs kennen sich Opfer und Täter. Oft besteht sogar ein Vertrauensverhältnis. Das macht es für Außenstehende so schwer, sexuellen Missbrauch zu erkennen und zu helfen. Nur wenige Betroffene schaffen es, über das Erlebte zu sprechen. Viele schweigen – aus Scham oder Angst. Die Opfer fühlen sich oft mitschuldig, weil sie ja mit dem Täter eine Beziehung wollten – nur eben keine sexuelle.

Die Verantwortung für sexuellen Missbrauch tragen einzig und allein die Erwachsenen: Sie müssen darauf achten, dass sie die Grenzen Minderjähriger nicht verletzen. Wer fürchtet, diese Grenze zu überschreiten, findet Unterstützung auf dem Portal „Kein Täter werden“. Lange Zeit waren Fachleute überzeugt, dass man durch „Verführung“ in der Jugend homosexuell wird. Hinter solchen Theorien steckte oft Homophobie. Sexueller Missbrauch von Jungen hat mit Homosexualität genauso wenig zu tun wie die Vergewaltigung von Mädchen mit Heterosexualität. In beiden Fällen handelt es sich nicht und Sex, sondern um sexualisierte Gewalt.

Sexueller Missbrauch kann schwere psychische Erkrankungen auslösen. Häufig sind posttraumatische Belastungsstörungen und Angststörungen bis hin zu Suizidgedanken. Die Opfer haben ein tiefes Misstrauen gegenüber anderen Menschen und können nur schwer Beziehungen führen. Über sexuelle Gewalt zu reden, ist schwer. Doch Hilfe von außen ist dringend notwendig. Der Weg aus der Isolation beginnt für viele in einer Selbsthilfegruppe. Als zweiter Schritt folgt die professionelle Unterstützung. Therapeuten helfen dabei, das Geschehene zu verarbeiten. Hilfe, Informationen und Adressen von Beratungsstellen findest du auf dem Hilfeportal Sexueller Missbrauch der Bundesregierung. Du kannst auch kostenfrei und anonym beim Hilfetelefon Sexueller Missbrauch unter der Nummer 0800 22 55 530 anrufen. Die Sprechzeiten sind Montag und Mittwoch von 9–14 Uhr, Dienstag und Freitag von 16–21 Uhr und Sonntag von 15–20 Uhr. Im Kölner Beratungszentrum Rubicon gibt es eine Selbsthilfegruppe speziell für schwule Männer.