Gott verhüte!

Eigentlich haben sich die jungen Mitarbeiter im britischen Außenministerium einer typisch englischen Tradition bedient, als sie vor einigen Wochen zusammen saßen und ein Brainstorming zum Thema „Der ideale Papst-Besuch“ durchführten. Nur hätte das Ganze vielleicht nicht an die Öffentlichkeit kommen dürfen …

Es muss eine lustige Sitzung gewesen sein. Die Mitarbeiter des Außenministeriums ließen in ihre Gedanken zum Papstbesuch eine gehörige Portion schwarzen Humor und befreiende Respektlosigkeit gegenüber Obrigkeiten einfließen.

Doch dann passierte, was nicht hätte passieren dürfen: Irgendjemand spielte die Ergebnisse vom Flipchart der Presse zu. Und damit wurde das so genannte „Kondom-Memo“ am vergangenen Wochenende beinahe ein politischer Skandal. Schließlich enthielt es unter anderem den Vorschlag, den Papst Verhüterlis verteilen zu lassen.

Papst Benedikt XVI. wird für September auf der Insel erwartet, und die Nerven liegen derzeit blank. Die Missbrauchs- und Prügelfälle durch Geistliche in Irland wie Deutschland haben die katholische Kirche in ihre größte Krise gestürzt. Das heftige Kopfschütteln der britischen Bevölkerung verstärkte sich noch, als Benedikt kürzlich die britische Regierung attackierte. Die will nämlich Frauen sowie Schwule und Lesben am Arbeitsplatz per Gesetz vor Diskriminierung schützen.

In diesem Klima hatten die Ministeriumsmitarbeiter ihr Memo mit durchaus interessanten Vorschlägen verfasst: Es solle eine neue Kondommarke geben, die den Namen des Kirchenoberhauptes trägt. Er möge außerdem bei seinem Besuch eine gleichgeschlechtliche Ehe segnen und eine Abtreibungsklinik eröffnen. Diverse Bischöfe sollten entlassen und ein Notruftelefon für von Priestern missbrauchte Kinder vom Papst eingerichtet werden.

Ganz England lachte, die Mitarbeiter fingen sich eine Verwarnung und Versetzung ein, und London entschuldigte sich offiziell gegenüber Vatikanstadt. Von dort ließ man vermelden, dass man sich nicht äußern werde – wegen der guten Beziehungen. Am Reiseplan des derzeit viel kritisierten Heiligen Vaters ändert sich also nichts.

Das wird zumindest Susan Boyle freuen. Das Gesangstalent der Castingshow „Britain’s got talent“ darf für Benedetto im September singen, und es wird wohl ihre grandiose Interpretation von „I dreamed a dream“ sein.

Auch Martin Luther King, auf dessen berühmte Rede sich der Titel bezieht, hatte einst einen Traum von einem Leben ohne Diskriminierung. Der Traum der Verfasser des Kondom-Memos von einer Kirchenleitung, die in der Realität ankommt, wird aber wohl noch lange ein Traum bleiben.

(cs)

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