Schwerpunkt HIV-Test (3): Test to go

Der HIV-Schnelltest an Szeneorten zieht viele Männer an, die noch nie einen Test gemacht haben. Gesundheitswissenschaftler Jochen Drewes* über schnelle Gewissheit und banges Warten.

Ein Piekser in den Finger genügt.

Herr Drewes, wie schnell geht denn der HIV-Schnelltest?

Es dauert keine halbe Stunde, bis das Ergebnis vorliegt. Aber Vorsicht: Es herrscht bei manchen die Illusion, dass man mit einem Schnelltest gleich am Tag nach einer riskanten Situation eine HIV-Infektion feststellen könnte. Das ist falsch. Ob das Virus übertragen wurde oder nicht, kann man auch hier erst nach drei Monaten sicher feststellen.

Welchen Vorteil bietet der schnelle Test dann?

Er verkürzt die Wartezeit. Beim Labortest muss man bis zu einer Woche auf das Ergebnis warten. Das ist eine psychische Belastung. Außerdem ist der Schnelltest weniger aufwändig. Man muss sich kein Blut aus der Vene ziehen lassen, es genügt ein Tropfen aus der Fingerkuppe. Deshalb ist der Test an verschiedenen Orten einsetzbar.

Wo denn zum Beispiel?

In einer schwulen Sauna, vor einen schwulen Club… Der Schnelltest macht es unter anderem leichter, Gruppen anzusprechen, die sonst schwer zu erreichen sind. Zum Beispiel Männer, die Sex mit Männern haben, aber sich nicht als schwul verstehen. Die kostet es oft Überwindung, zum Testen in eine AIDS-Hilfe oder zu einem schwulen Aufklärungsprojekt zu gehen. Stattdessen bietet man ihnen den Test dort an, wo sie sich treffen. Zum Angebot gehört dann natürlich immer auch eine ausführliche Beratung über mögliche Infektionsrisiken – vor und nach dem Test.

Und seine Nachteile?

Wie bei jedem Antikörpertest gibt es auch beim Schnelltest immer einige wenige Tests, die fälschlicherweise positiv ausfallen. Dieses falsch positive Ergebnis bekommt man beim Schnelltest direkt mitgeteilt. Es wird dann Blut für einen Bestätigungstest im Labor abgenommen. Auf das Ergebnis muss man drei bis vier Tage warten – mit entsprechender Angst, dass das positive Ergebnis bestätigt wird. Bei einem HIV-Test, der im Labor durchgeführt wird, läuft es anders als beim Schnelltest. Da wird bei einem positiven Ergebnis sofort mit derselben Blutprobe ein zweiter Test zur Bestätigung gemacht. Falsch positive Ergebnisse werden so widerlegt, ohne dass der Getestete davon erfährt.

Kann man den Schnelltest nicht auch selbst machen? Im Internet gibt es jede Menge Versandangebote.

Bei den dort angebotenen Tests dürfte es sich in der Regel um ältere Testverfahren handeln. Und bei denen sind nicht nur falsch-positive, sondern auch falsch-negative Testergebnisse möglich. Zudem erhöhen schon kleine Anwendungsfehler die Wahrscheinlichkeit, ein falsches Ergebnis zu produzieren. Außerdem ist es besser, wenn man sein möglicherweise positives Testergebnis von einem kompetenten Berater erfährt – und nicht alleine im stillen Kämmerlein.

Bei den Testwochen von ICH WEISS WAS ICH TU wurden verstärkt Schnelltests angeboten. Hat sich das gelohnt?

Ja, unbedingt. Die Mehrheit der Männer hat sich für einen Schnelltest entschieden. Für sie war das Angebot ausschlaggebend für die Teilnahme. 20 Prozent hatten vorher noch nie einen HIV-Test machen lassen.

(Interview: Philip Eicker)

* Jochen Drewes ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Freien Universität Berlin. Im Arbeitsbereich Public Health ist er zuständig für Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung. Außerdem ist er maßgeblich an der wissenschaftlichen Auswertung der Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU beteiligt.

Fotonachweis: Fotoline/photocase.com

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