Uganda: Ausgegrenzt, geächtet und strafrechtlich verfolgt!

Proteste gegen das Gesetz hier in New York, Foto: riekhavoc @Flickr
Proteste gegen das Gesetz hier in New York, Foto: riekhavoc @Flickr
Viele Länder in Afrika sind durch ihre intolerante, gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) gerichteten Einstellungen und Politiken bekannt. Uganda hebt sich durch negative Schlagzeilen ganz besonders hervor. Gemäß Artikel 31 des Grundgesetztes sind gleichgeschlechtliche Handlungen verboten. Ein verschärfendes Gesetz zur Bekämpfung der Homosexualität wurde durch den Parlamentarier David Bahati eingebracht und soll demnächst durch das Parlament verabschiedet werden. Durch internationalen Druck konnte die geforderte Todesstrafe  für gleichgeschlechtlichen Verkehr abgewendet werden.  Autor Peter Wiessner beleuchtet die derzeitige Situation in dem Land.

Im Fokus: die Rolle der Kirchen und der Einfluss des Exports schwulenfeindlicher Vorstellungen durch fanatische Fundamentalchristen aus den USA. Diese bisweilen als „Sex Tourismus der amerikanischen Evangelikalen“ bezeichnete Einflussnahme hat zu einer Kultur der Intoleranz in Uganda beigetragen und längst die Funktion eines Stellvertreterkrieges angenommen. Geld klingelt zuhauf in den Kassen ugandischer Kirchen: je schriller die angeschlagenen schwulenfeindlichen Töne, desto reichlicher fließt das Spendengeld der religiösen Rechten aus den USA.

Mitte Juni 2012 ging der anglikanische Archebischof Orombe in den Ruhestand. Er hat sich als Baumeister millionenteurer Kirchenbauten in der Hauptstadt Kampala einen Namen gemacht. Woher das Geld kommt, weiß niemand so recht. Transparenz kennt man in diesen Kreisen nicht. Viele leben in Uganda von weniger als einem US Dollar pro Tag. Der Archebischof hat seine Macht durch gute Kontakte in Washington und die Aquise von Spendengeldern für kirchliche HIV-Projekte erlangt. Seine gegen LGBT gerichteten Predigten und seine Vision von einer schwulenfreien Welt hat dabei vor allem bei der religiösen Rechten in den USA gutes Gehör gefunden, die diese Vorstellungen zuhause nicht ungeschützt öffentlich äußern können. Je schriller der schwulenfeindliche Ton der dabei angeschlagen wird, desto höher die durch christliche Geschäftsleute und Politiker fließenden Geldbeträge. Die Dokumentation „Call Me Kuchu“ von Katherine Fairfax Wright and Malika Zouhali-Worrall beleuchtet die gegenseitige „win-win“ Situation der Verbindung amerikanischer Kirchen mit religiösen Kräften in Uganda und setzt dabei dem ermordeten, offen schwul lebenden Aktivisten David Kato ein Denkmal.

Gegenwehr aus der ugandischen Gesellschaft gibt es in diesem Kampf der Kulturen kaum: zwar wurde der evangelikale Führer Scott Lively aus den USA wegen seiner Rolle in Bezug auf den Kampf für eine verschärfte Kriminalisierung von Schwulen und Lesben in Uganda vor kurzen des Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt, aber was nützen schon symbolische Akte wie diese, wenn die Aussaat des Hasses in Uganda selbst auf fruchtbaren Boden fällt, die Kirchen davon profitieren, diese Profitgier kaum hinterfragt und ethisch-humanitäre Fragen nicht gestellt werden?

Homosexualität ist keine Frage der Menschenrechte in Uganda, denn sie ist illegal

„Homosexualität ist keine Frage der Menschenrechte in Uganda, denn sie ist illegal“ so der Parlamentarier David Bahati und insistiert darauf, dass Uganda stramm stehen müsse, um den Kräften, welche die Rechte von LGBT einforderten, etwas zu entgegnen. Dass durch ihn eingebrachte Gesetz, zielt darauf ab, die Bewerbung, Rekrutierung und die Finanzierung von gleichgeschlechtlichen Ehen zu verbieten.

Auch wenn das Gesetz noch nicht verabschiedet ist, zeigt es erste Wirkungen: vor wenigen Tagen hat der ugandische Minister für Ethik und Integrität, angekündigt, dass die Regierung 38 NGOs verbieten wolle, welche den Aktivitäten von LGBT gegenüber freundlich gesinnt seien. Der Regierung war das Protokoll eines Treffens von NGOs zugespielt worden, das zum Ziel hatte, eine Strategie des Umgangs mit dem verschärften Gesetz zu überlegen. Der Minister bezeichnet die Aktivisten als Störenfriede, sie förderten eine negative Kultur, die im Gegensatz zur Gesetzgebung in Uganda stünde. Er freue sich über Liste, der an dem Treffen anwesenden NGOs, weil er jetzt endlich die Information habe, die er brauche, um die Homosexualität in Uganda zu bekämpfen.

Die Kultur der Ächtung, Kriminalisierung und Einschüchterung hat Auswirkungen

Die Kultur der Ächtung, der Kriminalisierung und Einschüchterung von LGBT in Uganda hat erhebliche Auswirkungen, unter anderem auch auf den Zugang zu Behandlung und Präventionsmöglichkeiten. Seit der Einführung des Anti-Schwulengesetzes in 2009 nehmen weniger schwule Männer die öffentlichen Gesundheitsdienste wahr, das Gesetzt verpflichtet das medizinische Personal Informationen über die sexuelle Identität ihrer Patienten an die Polizei weiterzugeben. Das Pflegepersonal hat Angst Schwule zu behandeln, weil rechtliche Konsequenzen gefürchtet werden. Es gibt Berichte das schwulen Männern in Krankenhäusern die Behandlung verweigert wurde. Angst, Diskriminierung und Stigmatisierung sind offensichtlich an der Tagesordnung.

Um dieser Situation abzuhelfen haben Aktivisten im Mai 2012 die erste Klinik für LGBT eröffnet. Der Bischof und Schwulenaktivist Christopher Senyonjo eröffnete die Klinik mit einem Gottesdienst: „Homosexuelle und Heterosexuelle sind vor Gott gleich“, sagte er in seiner Predigt.

Gut, dass es auch unter Kirchenleuten ein paar Aufrechte gibt, die sich an der Verbreitung von Fehlinformation und Intoleranz nicht beteiligen.

Dass es aber eine extra Klinik für LBGT braucht, um möglicher Diskriminierung zu entgehen, muss nachdenklich stimmen.

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