Aktiv gegen Homophobie

„Wann hast du entschieden Hetero zu sein?” lautet das Motto der Berliner Demonstration zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. Organisiert wird sie, wie schon verschiedene ähnliche Aktionen, von einem privaten Freundeskreis. Mit dabei ist Alfonso Pantisano.

Alfonso Pantisano erklärt, wie sich jeder gegen Homophobie engagieren kann. (Foto: Julian Laidig)
Alfonso Pantisano erklärt, wie sich jeder gegen Homophobie engagieren kann. (Foto: Julian Laidig)
Alfonso, du bist innerhalb weniger Monate zu einem Experten in Sachen Queerer Aktivismus geworden. Kann man mit Aktionen wie der „Rainbow Flame“ während der Olympischen Winterspiele oder mit Demos gegen ein globales Problem wie die Homosexuellenfeindlichkeit überhaupt etwas bewirken?

Diese Frage lässt sich sehr schnell und klar beantworten: absolut ja. Wir werden dadurch keine Gesetze verändern. Aber wir können die Aufmerksamkeit auf dieses Thema erhöhen und Menschen dazu bringen, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie man sich eigentlich gegenüber Menschen verhält, die nicht so sind, wie man selbst. Wenn uns das gelingt, sind wir schon ein sehr großes Stück weitergekommen. Dann schaffen wir es auch, dahin zu kommen, dass Gesetze verändert werden und dass man Menschen so respektiert, wie sie sind.

Um ein Zeichen zu setzen, kann ich am 17. Mai an eurer Demo zum Internationalen Tag gegen Homophobie teilnehmen. Wie aber kann ich aktiv werden, wenn ich nicht in Berlin lebe?

Der erste Schritt ist: Schau in deinem Umfeld, ob du Freunde und Bekannte hast, die so denken wie du. Tut euch zusammen und überlegt, was ihr auf die Beine stellen könnt. Meldet zum Beispiel auf eurem Marktplatz eine kleine Demo an. Vielleicht malt ihr euch ein Banner, druckt Flugblätter oder besorgt euch eine Regenbogenfahne – und erzählt den Menschen, warum ihr dort seid.

Muss man die Menschen hierzulande tatsächlich noch über Homosexuelle aufklären?

Auch mit einem STOP HOMOPHOBIA-Button im Facebook-Profil kann man sich positionieren. (Foto: Enough is Enough)
Auch mit einem STOP HOMOPHOBIA-Button im Facebook-Profil kann man sich positionieren. (Foto: Enough is Enough)

Viele Menschen wissen nicht, wie es uns Schwulen und Lesben geht. Sie haben noch nie darüber nachgedacht, dass wir nicht überall unbekümmert einfach so Hand in Hand auf der Straße gehen oder uns gar in der Öffentlichkeit küssen können. Viele denken zum Beispiel, dass wir in Deutschland heiraten dürfen. Aber das ist ein Trugschluss.
Selbst viele Homosexuelle sind der Ansicht, es gäbe keinen Grund mehr zu demonstrieren, weil wir vermeintlich bereits die gleichen Rechte wie Heterosexuelle hätten. Gegen diesen Missstand, das fehlende Wissen um die wirkliche Situation, könnt ihr etwas tun. Packt eure Freunde und stellt euch auf die Straße.

Für eine solche Straßenaktion ist nicht jeder geschaffen.

Auch online kann man viel bewirken. Wechselt eure Profilbilder! Packt zum Beispiel ein Stop-Homophobia-Logo dorthin. Erkundigt euch, wo in eurer Nähe Aktionen stattfinden, ladet eure Freunde und Bekannte dazu ein oder nehmt Kontakt zu Vereinen und Organisationen auf, die ihr mit eurer Stimme unterstützen könnt.
Die Frage lautet nicht: „Kann ich etwas tun?“, sondern: „Will ich etwas tun?“ Wenn ich das mit Ja beantworte, kann jeder loslegen.

Die Menschen in der Ukraine oder in Uganda können wir mit Demonstrationen nicht direkt erreichen. Wie also können wir die Situationen dort verbessern helfen?

Es gibt verschiedenste Wege, wie auf die Politik anderer Staaten Einfluss genommen werden kann, um sie zum Beispiel zu bewegen, ein nicht akzeptables Gesetz zu überarbeiten. Die politische Diplomatie spielt hier natürlich eine zentrale Rolle. Die Politik hat die Pflicht sich mit diesen Ländern auseinanderzusetzen und mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Druck auszuüben. Und wenn das zu nichts führt, halte auch ich es mittlerweile für sinnvoll, dass Hilfsgelder eingefroren werden.

Besonders gefährlich ist die Situation für Schwule derzeit unter anderem in Uganda, Singapur, Bangladesch, Russland oder auch im Iran. Also alles sehr weit von der deutschen Lebenswirklichkeit entfernt.

Wir müssen gar nicht nach Ostafrika oder Osteuropa schauen. Auch unsere eigene Regierung hat noch Aufgaben zu erledigen. Die allererste wäre, dass alle Politiker mal wieder das Grundgesetz zur Hand nehmen und Artikel 3 lesen. Dann nämlich wüssten sie, dass alle Menschen gleich sind und wir müssten nicht mehr auf die Straße gehen, um für unsere Rechte zu demonstrieren.

Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Axel Schock

Mehr zur Demo am 17. Mai in Berlin: http://open-your-mouth.eu/index.html

Demo gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai in Berlin. (Foto: Enough is enough)
Demo gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai in Berlin. (Foto: Enough is enough)

 

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