Wann kommt die Heilung?

Heilung ist eines der großen Themen der aktuell stattfindenen 20. Welt-Aids-Konferenz in Melbourne. Nachdem beim berühmten „Mississippi-Baby“ nun doch wieder HI-Viren nachweisbar sind, changierte die Stimmung der Veranstaltungen zum Thema zwischen konstruktiver Ernüchterung und fleißigem Optimismus. Ein dänischer Wissenschaftler hat nun bedeutsame Studien-Ergebnisse vorgestellt.

Welt-Aids-Konferenz-2014
Heilungsforscher in Melbourne. Ganz rechts: Ole Schmeltz Søgaard. (Foto: Holger Wicht)
Aktuell kommt doch noch Begeisterung auf: Der dänische Forscher Ole Schmeltz Søgaard von der Universität Aarhus stellte eine neue Studie zur “Shock and kill”-Strategie vor. Es ist offenbar erstmal gelungen, einige HIV-Reservoire im Körper zu leeren.

Von dieser Strategie versprechen sich viele Forscher besonders viel. Die Preisfrage: Welche Substanz kann „Schläferzellen“ aufwecken, in denen HIV über Jahre und Jahrzehnte im Körper überdauern kann? Das ist so wichtig, weil sich HIV von dort aus wieder vermehren kann, wenn man die bereits verfügbaren HIV-Medikamente absetzt.

Neue Erkenntnisse zu „Shock and kill“
Gelingt es, die Zellen aus dem Dornröschen-Schlaf zu holen, wird mit den Zellen auch das HI-Virus aktiviert, das darin schlummert. Die bereits verfügbaren HIV-Medikamente würden dabei die Vermehrung des Virus im Körper verhindern. Die Schläferzellen jedoch würden nach der Aktivierung eines natürlichen Todes sterben oder vom Immunsystem beseitig werden, das sie nun als infiziert erkennen würde.

Das dänische Forscher-Team gab HIV-Patienten mit einer gut wirksamen HIV-Therapie in einwöchigen Abständen dreimal das Krebsmedikament Romidepsin. Die gute Nachricht: Nach den Behandlungen stieg die Viruslast der Patienten kurzfristig erheblich an – für die Forscher ein Zeichen dafür, dass HIV aus den Reservoiren freigesetzt und damit unschädlich gemacht wurde. Ein kleiner Durchbruch. Die schlechte Nachricht: Auch nach dieser Prozedur gab es noch HI-Viren in schlafenden Zellen.
Das Problem ist das folgende: Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Zellen, die HIV-Reservoire bilden. Es sind noch nicht einmal alle Zellen bekannt, die man aktivieren müsste.

Kommen „kombinierte Heilmittel“?
Schmeltz Søgaard folgert, dass die getestete Substanz ein Baustein der Heilung werden könnte, aber alleine nicht ausreichen wird. Nach seiner Einschätzung wird die Heilung möglicherweise nur durch eine Kombination verschiedener Ansätze möglich werden. Der HIV-Community ist das Prinzip wohlvertraut: Nach den Kombinationstherapien und der „kombinierten Prävention“ wären das dann die „kombinierten Heilmittel“.

Nach den Sensationen (Berlin-Patient, Mississippi-Baby) folgen nun also die Mühen der Ebene. Dass es voran geht, zeigt diese Studie. Es bleibt dabei: Die Heilung könnte in absehbarer Zeit greifbar werden. Nur hängen die süßesten Früchte halt ziemlich hoch.

 

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