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Wurst wird Weltstar – Ein Jahr nach Conchitas Sieg in Kopenhagen

„Von der Casting-Show zum Weltstar“ – so lautet der Plan der Bartträgerin Conchita Wurst. Und wie es scheint, ist der Plan zur Welteroberung der Kunstfigur, dargestellt von dem ehemaligen TV-Castingshow-Teilnehmer Tom Neuwirth, tatsächlich aufgegangen.

„Von der Casting-Show zum Weltstar“ – so lautet der Plan der Bartträgerin Conchita Wurst. Und wie es scheint, ist der Plan zur Welteroberung der Kunstfigur, dargestellt von dem ehemaligen TV-Castingshow-Teilnehmer Tom Neuwirth, tatsächlich aufgegangen. Während die einen (rechtskonservative und andere Homophobiker in Deutschland wie in Osteuropa) in Conchita den Untergang des christlichen Abendlandes sehen, feiern sie andere als „Queen of Europe“.

Angesichts der vielen, höchst offiziellen Termine mit wichtigen Köpfen der Weltpolitik gilt Conchita bereits als inoffizielle Außenministerin Österreichs. Denn einfach nur eine singende Drag Queen zu sein ist der Steiermärkerin zu wenig – auch das ist Teil ihres Karriereplans. Denn im gleichen Maße, wie sich Conchita Wurst als Entertainerin versteht und in der Modewelt mitwirbeln möchte, versteht sich auch als „Botschafterin für Akzeptanz, Toleranz und Menschenrechte“.

Wie viel bereits in dieser kurzen Zeit ihrer steilen Karriere seit dem ESC-Sieg passiert ist, lässt sich ab morgen in ihrer zeitgleich zur neuen Single erscheinenden Autobiografie nachlesen. Etwa das Treffen mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon oder ihre kämpferische Rede vor dem Europaparlament mit klarer Botschaft an die Abgeordneten: „Es ist ihr Job, sich für eine funktionierende Demokratie und gleiche Rechte für Homosexuelle einzusetzen“. Und nebenbei waren da auch noch die eine oder andere berufliche Verpflichtung einer Diva zu erledigen. Fotoshootings und Laufstegeinsätze für die großen der Modebranche. Karl Lagerfeld hat sie ebenso ins Herz geschlossen wie Vivienne Westwood. (Und beide duften, wie Conchita nebenbei bei der überfüllten Pressekonferenz verriet, übrigens genauso wie ihre Oma: nach Menthol).

Der Geist von Wonder Woman

Jean Paul Gaultier hat Conchita gar zu seiner neuen Muse erklärt und ein hymnisches Vorwort zu bilderreichen Lebensgeschichte „Ich Conchita – We are unstoppable“ beigesteuert: „Madonna hat den Körper einer Frau und den Geist eines Machos, du hast den Körper eines Mannes und den Geist von Wonder Woman“, schreibt der französische Designer. “Das Erbe der Avantgarde und der Subkultur in dir tragend, ist es dir gelungen, eine Ikone zu werden – und dazu eine Modeikone für die Ewigkeit.“

Vorerst aber will Conchita erst einmal daran arbeiten, mehr als nur eine Celebrity zu sein:
Heute Abend, beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2015 – „Unser Song für Österreich“ wird Conchita deshalb ihren neuen Song „We are unstoppable“ präsentieren, im April soll ein Album folgen. Ob es die Qualität hat, um auch langfristig die musikalische Karriere zu sichern, wird sich zeigen. Auch wenn’s dann vielleicht doch nichts mit dem Karriereziel Weltstar werden sollte, verspricht Conchita: „Ich werde immer das sagen, was ich denke und fühle.“

Auf Morddrohungen reagierte ich oft flapsig

Dass ihr dafür bisher nicht nur Ablehnung, sogar bisweilen gar blanker Hass entgegengenschlug, schien Conchita recht gelassen aufzunehmen. „Auf Morddrohungen reagierte ich oft flapsig – ‚Leute stellt euch hinten an’ – doch in Wirklichkeit geht es mir nahe“, verrät sie nun in ihrer Autobiografie.

Die allgegenwärtige Homophobie ist für Conchita allerdings eher ein Ansporn denn Einschüchterung. Wie viele andere schwule Teenager hat auch Conchita das ganze Repertoire an Beleidigungen, Häme und Ausgrenzung erleben müssen. Mit 14 Jahren ist er als Tom aus seinem Heimatdorf weggezogen. Mit 25 Jahren kehrte er als Conchita Wurst zurück, bekam die Ehrenbürgerschaft angetragen. Der örtliche Fleischer hat mittlerweile eine Conchita-Wurst-Wurst im Sortiment. „Ich wurde wie eine Königin empfangen, eine Präsidentin, ein Superstar“, erinnert sich Conchita. „Ich konnte sehen, hören, spüren und schmecken, dass die Menschen, die gekommen waren, ehrlich stolz auf mich waren, mich als Menschen anerkennen und nicht als den ‚Anderen’“. Freilich standen nicht alle 5.000 Einwohner Spalier. „Die Holzköpfe blieben zu Hause und luden ihren Frust im Internet ab.“

We are unstoppable

Die müssen nun damit leben, dass im Ortszentrum auf alle Zeit eine Ehrentafel an den berühmtem Sohn bzw. die berühmte Tochter von Bad Mitterndorf erinnert. Verewigt sind dort die längst legendären Dankesworte von Conchita nach dem Sieg in Kopenhagen: „This Night is dedicated to everyone who believes in a future of peace and freedom. You know who you are – we are unity and we are unstoppable.“

Autobiographie:
Conchita Wurst: „Ich Conchita. Meine Geschichte.“ Langen Müller Verlag, geb.. 192 Seiten
Webseite:
conchitawurst.com

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Conchita Wurst: „The Queen of Europe“

Von Axel Schock

Axel Schock, freier Autor und Journalist, schreibt seit 2010 Beiträge für aidshilfe.de und magazin.hiv.