HIV+ und nicht infektiös(?)! – Herzlich Willkommen im Jahr 2016

Stefan-SchutzTherapie
Mit dieser Aussage erklärte Stefan – auch medienwirksam – was „Schutz durch Therapie“ für ihn bedeutet. (Abbildung der IWWIT-Facebook-Bühne im Mai).

Im Mai hat ICH WEISS WAS ICH TU gemeinsam mit Rollenmodell Stefan über das Thema "Schutz durch Therapie" informiert. In den sozialen Medien gab es hierfür den ein oder anderen kritischen und auch beleidigenden Kommentar. Wir haben Stefan gefragt, was die Gründe für diese starke Ablehnung sein könnten. Hier sein persönliches Fazit:

"Seit nunmehr über drei Jahren bin ich nicht nur als ICH WEISS WAS ICH TU-Rollenmodell für das Thema „Schutz durch Therapie“ unterwegs und erkläre: Menschen, die mit HIV leben und in erfolgreicher Therapie sind, sind für ihre Sexualpartner nicht mehr infektiös. Diese Tatsache ist seit 2008 bekannt und wurde von mehreren großen internationalen Studien eindeutig bestätigt.

Deswegen verzichte ich mit meinem Partner beim Sex auf Kondome. Und mein Freund ist selbst nach fast drei Jahren Beziehung noch immer negativ. Selbstverständlich! Das gleiche gilt auch für meine Ex-Freunde, mit denen ich Sex ohne Kondom hatte. Es ist für mich als Mensch, der seit 2010 mit HIV lebt, ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass sich beim Sex mit mir niemand mit HIV infizieren kann.

Warum einige Leute – vor allem in den sozialen Netzwerken wie Facebook – einfach nicht wahrhaben wollen, dass Menschen, die mit HIV leben dank erfolgreicher Therapie nicht mehr infektiös sind, dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe:

1. Die Gewohnheit
Gerade Leute aus meiner Altersgruppe – ich bin mittlerweile 44 – sind aufgewachsen mit der Botschaft, beim Sex immer und unbedingt ein Kondom zu verwenden, um sich gegen HIV zu schützen. Viele dieser Menschen sind schlichtweg mit ihrem Wissen in den 1990er Jahren stehengeblieben und wollen einfach nicht wahrhaben, dass die Medizin mittlerweile riesige Fortschritte gemacht hat.

2. Bei HIV geht's um Sex
Wäre HIV durch anniesen übertragbar, würde jeder medizinischer Fortschritt in der Behandlung als Erfolg gefeiert. Weil es aber um Sex geht, geht es um Tabus, um Moralvorstellungen. Und Moralapostel, die mit hoch in der Luft schwingendem Zeigefinger durch die Landschaft latschen und „das ach so böse Bareback geißeln“, muten mir doch sehr aus einer anderen Zeit an.

3. Die Neider
Wie so oft im Leben gibt es Menschen, die sich freuen können, dass andere mehr Freiheiten haben und genießen. Sie selbst würden vielleicht anders handeln, aber diese Menschen denken sich:“ Hey, jeder so, wie er will.“ Es gibt aber auch die anderen, die Griesgrämigen, die neidisch und missgünstig auf alle anderen blicken, die nicht so leben, wie man selbst. Und das ist keine Frage des Alters.
Es sind größtenteils wahrscheinlich auch diese Neider, die mit einer Höllenangst vor HIV gelebt haben oder immer noch leben, und die in sämtlichen Hosen- oder Jacken- und – wie zu meiner Zeit – Hawaii-Hemdtaschen die Kondome verstauen, und wegen ihrer großen Angst vor HIV keine entspannte Sexualität genießen können. Es sind auch diese Neider, die den anderen, mit ihren „alten Geschichten“, die Sexualität madig machen wollen.

Ich habe auch zu der Hawaii-Hemd-Generation gehört mit den Kondomen in sämtlichen Taschen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute trage ich Hawaii-Hemden höchstens noch aus Nostalgie und Kondome benutze ich nur bei Gelegenheitssex, aber nicht wegen meiner HIV-Infektion, sondern ganz einfach um mich vor anderen Infektionen, wie Syphilis oder Gonorrhö zu schützen.

Wer im Gestern verharrt, kann das gerne tun, aber er geht dann eben nicht mit der Zeit. Der medizinische Fortschritt bei der Behandlung von HIV ist riesig. Wer das nicht sehen will, kann ja gerne auch behaupten die Erde sei eine Scheibe oder der Mond ein Würfel.

Allen anderen rufe ich zu: Herzlich Willkommen im Jahr 2016!"

Mehr zum Thema auf der ICH WEISS WAS ICH TU-Themenseite: https://www.iwwit.de/themen/schutz-durch-therapie

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