Film Jonas: Die Schatten der Vergangenheit

Film Jonas
Jonas als Jugendlicher (Nicolas Bauwens) mit Nathan (Tommy Lee Baik)

Eine Schülerliebe endet in einer traumatischen Nacht. Christophe Charriers Film Jonas ist Thriller, Coming-out-Film und Liebesdrama zugleich. Mittendrin: Félix Maritaud, neuer Star des schwulen Kinos.

Er hat es mal wieder geschafft. Jonas ist im hohen Bogen aus dem Schwulenclub „Boys Paradise“ rausgeflogen, nur dass er diesmal sogar aufs Polizeirevier muss. Erst mit einem Typen auf der Tanzfläche knutschen, ihm dann in den Arm beißen und eine Prügelei anfangen. Nicht gerade das, was man im schwulen Nachteben als einen gelungenen Abend und gute Manieren bezeichnen würde.

Und dann wirft ihn auch noch sein Lover hochkant aus der Wohnung. Es war einfach eine Prügelei und mindestens eine Grindr-Date zu viel.

Der französische Regisseur Christophe Charrier lässt die Zuschauer_innen lange im Unklaren, was diesen durchtrainierten, tätowierten und impulsiven 33-Jährigen umtreibt.

Als Jugendlicher ist Jonas der klassische Opfertyp

Warum stalkt er über die sozialen Netzwerke und dann auch im realen Leben den jungen, offensichtlich heterosexuellen Typen namens Léo? Sexuelle Faszination zumindest scheint es nicht zu sein.

Charrier gibt immer nur ein kleines, weiteres Stückchen von Jonas‘ Geschichte preis und schafft dabei eine fast thrillerhafte, düstere Atmosphäre mit starken, auch farblich aufwendig kontrastierten Bildern.

Immer wieder springt der Film 18 Jahre zurück. Damals, 1997 im Süden Frankreichs, ist Jonas noch ein schmächtig-blasser Schüler (sehr überzeugend gespielt von Nicolas Bauwens).

Ohne Freunde, still und zurückgezogen, ein klassischer Opfertyp, der in der Klasse gemobbt wird. „Du bist der letzte Dreck“, knallt ihm ein Mitschüler ins Gesicht.

Und dann kommt dieser neue Schüler und nimmt sich selbstbewusst den Platz neben Jonas. Nathan (Tommy Lee Baik) muss die Klassenstufe wiederholen. Er ist deshalb nicht nur älter als der pflichtbewusste Jonas, sondern fasziniert allein durch sein souveränes Auftreten, seinen Charme – und eine geheimnisvolle Narbe auf seiner linken Wange.

Fasizinierende und traumatisierende erste Liebe

Nathan bringt Jonas das Rauchen bei und verführt ihn dazu, das erste Mal überhaupt den Unterricht zu schwänzen. Und so sitzen sie in der Schulsporthalle, fläzen sich auf den Turnmatten – und Jonas erlebt seinen ersten Kuss und seine erste – erwiderte – Liebe.

Dass die beiden nun erst recht zur Zielscheibe des Spotts werden, verängstigt Jonas zwar, aber Nathan weiß sich zu rächen (originell und äußerst wirkungsvoll übrigens :..).

Im Überschwang ihres Glücks bleibt nun nur noch das stadtbekannte „Boys Paradise“ zu erobern. Doch dieses Paradies bleibt für sie verschlossen: Der Türsteher weist die Teenager ab.

Film Jonas

Ab hier nimmt die Nacht einen unvorhergesehenen und fatalen Lauf.

Erst allmählich klärt sich, welches Trauma Jonas mittlerweile 18 Jahre mit sich herumschleppt, was ihn immer wieder ins „Boys Paradise“ treibt, ohne dass er dort wirklich Spaß haben könnte, und warum er von seinem mittlerweile völlig aus der Zeit gefallenen Game Boy nicht lassen kann.

Intelligent und spannend konstruiert

Christophe Charrier verschränkt die beiden Zeitebenen dramaturgisch so geschickt und intelligent miteinander, dass sich erst dadurch eine schlüssige Erzählung ergibt – die gleichermaßen Thriller, Coming-out-Geschichte und Liebesdrama mit zwei überaus überzeugenden Jonas-Darstellern ist.

Félix Maritaud, Darsteller des älteren Jonas, ist nach Rollen in „120 BPM“ und „Sauvage“ auf dem besten Weg, zum Star des zeitgenössischen schwulen Kinos (nicht nur) in Frankreich zu werden.

„Jonas“. Frankreich 2018. Buch und Regie: Christophe Charrier. Mit Félix Maritaud, Nicolas Bauwens, Tommy Lee Baik, Aure Atika. Deutsche Synchronfassung.

Vorführungen gibt es im Rahmen des Queerfilmnacht Mai. Mehr Infos und alle Kinotermine deutschlandweit auf https://queerfilmnacht.de/index.html.

Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=uIT0SkfkOYw

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