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PrEP

Was du über die PrEP wissen solltest

  1. Die PrEP: Was ist das genau?
  2. Eine Schutzmöglichkeit mehr
  3. Wir informieren dich

1. Die PrEP: Was ist das genau?

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und bedeutet etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die PrEP schützt allerdings nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

2. Eine Schutzmöglichkeit mehr …

Kondome sind das bekannteste Mittel zum Schutz vor HIV. Sie verringern zudem das Risiko sich mit anderen Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Neben Schutz durch Therapie ist die PrEP eine weitere Schutzmöglichkeit.

3. Wir informieren dich

Die PrEP wirkt, wie Studien belegen. Und sie ist komplex. Daher ist es wichtig, sich auszukennen, bevor man(n) sich für die PrEP entscheidet. Wir informieren, was es bei einer PrEP zu beachten gilt, welche möglichen Nebenwirkungen es gibt, und wie man die PrEP beziehen kann. Weitere Infos findest du auch in unserem Wissenscenter.

Über die PrEP informieren auch Schwulenberatungen und Checkpoints, Präventionsprojekte, regionale Aidshilfen, www.aidshilfe-beratung.de sowie einzelne HIV-Schwerpunktpraxen (viele Beratungsangebote listen wir auf unserer Servicekarte auf. Ärzt_innen findest du unter www.dagnae.de/arztsuche).

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Wie wirkt die PrEP?

  1. Einleitung
  2. Schutzwirkung
  3. mögliche Nebenwirkungen

Wer sich für die PrEP entscheidet, entscheidet sich auch dafür, HIV-Medikamente zu nehmen, um HIV-negativ zu bleiben. Wie diese wirken bzw. welche Nebenwirkungen sie haben können, erfahrt ihr hier.

* siehe PROUD-Studie und IPERGAY-Studie

Studien haben gezeigt: Wenn schwule Männer täglich eine PrEP-Tablette nehmen, sind sie zuverlässig vor HIV geschützt. Das funktioniert, da das HIV-Medikament Truvada® zwei Wirkstoffe enthält, die HIV an der Vermehrung in den Körperzellen hindern. Gelangt das Virus beim Sex ohne Kondom in die Zellen von Schleimhäuten und Immunsystem, kann es sich dort nicht vermehren. Auf diese Weise kann eine HIV-Infektion verhindert werden, man bleibt – obwohl schon einzelne Körperzellen infiziert wurden - HIV-negativ.

Die Schutzwirkung der PrEP kann eingeschränkt sein, wenn man die Tabletten unzuverlässig nimmt, oder wenn die übertragenen HIV-Stämme schon gegen die Wirkstoffe in den PrEP-Tabletten resistent sind – das ist aber bisher sehr selten vorgekommen.

Die PrEP schützt vor HIV. Gegen Syphilis, Tripper, Chlamydien und andere Infektionen bietet diese Methode allerdings keinen Schutz. Hier bleiben Kondome die beste Wahl.

Derzeit ist Truvada® (und entsprechende Nachahmerpräparate) das einzige HIV-Medikament weltweit, dessen Wirksamkeit für die PrEP nachgewiesen ist und das dafür zugelassen wurde. Von einer PrEP auf eigene Faust mit anderen HIV-Medikamenten raten wir dringend ab.

Wie bei jedem anderen Medikament auch, kann es bei der Einnahme der PrEP zu Nebenwirkungen kommen. Fakt ist aber auch: Die meisten Menschen vertragen die Wirkstoffe gut. Manche klagen zeitweise über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen.

Bei dauerhafter Einnahme der PrEP-Tabletten kann allerdings die Leistungsfähigkeit der Niere sinken – die PrEP ist daher nichts für Leute mit Nierenproblemen. Die Nierenfunktion muss bei einer PrEP regelmäßig überprüft werden.

Auch die Knochendichte kann durch die PrEP leicht sinken. Sie kehrt aber wie auch die Nierenfunktion in der Regel zu den Normalwerten zurück, wenn man die PrEP absetzt.

Wechselwirkungen mit einer hormonellen Therapie bei trans* Männern sind nicht bekannt.

Bewiesen:

Bei richtiger Einnahme wirkt die PrEP und schützt vor HIV vergleichbar gut wie Kondome.*

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PrEP - was muss beachtet werden

Was muss beachtet werden?

Die PrEP ist eine Schutzmöglichkeit für Menschen, denen es schwerfällt, Kondome zu benutzen (u.a. bei Erektionsstörungen), oder die aufgrund von Infektionsängsten überhaupt keine entspannte Sexualität erleben können. Andere wiederum wollen beim passiven Analverkehr selbst die Kontrolle über ihren Schutz haben. All diesen Männern kann die PrEP helfen, HIV-negativ zu bleiben.

Allerdings ...



Bei Schwierigkeiten mit der disziplinierten Tabletteneinnahme ist die PrEP keine geeignete Methode.

Wichtig ist zudem eine gute ärztliche Beratung und Begleitung:

  • Vor dem Start und anschließend alle drei Monate muss man einen HIV-Test machen: Wenn man schon HIV-infiziert ist oder sich trotz PrEP ansteckt (z. B., weil man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt), reichen die PrEP-Tabletten nicht zur Behandlung der HIV-Infektion aus, und die Viren können unempfindlich gegen dieses wichtige Medikament werden.
  • Ebenso sollte vor Beginn einer PrEP ein Hepatitis-B-Test gemacht bzw. der Impfschutz überprüft werden.
  • Die Nierenfunktion muss regelmäßig untersucht werden, denn die PrEP-Wirkstoffe können die Nierenleistung leicht vermindern.
  • Nicht zuletzt gehört zur PrEP, sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten und Hepatitis C checken zu lassen.
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PrEP Interview

„Seit ich die PrEP nehme, ist mein Sex viel entspannter."

Obwohl die „Pillen zum Schutz vor HIV“ nicht von den Krankenkassen bezahlt werden, sind auch bei uns immer mehr schwule Männer „auf PrEP“. Matthias*, 38, sprach mit uns über seine Erfahrungen.

Wie bist du auf die Möglichkeit der PrEP aufmerksam geworden?
In den letzten drei, vier Jahren sind einige Freunde von mir positiv geworden. Mit einem dieser Freunde habe ich dann auch viele Gespräche über HIV geführt.

Im Laufe dieser Gespräche habe ich mich dann auch zum ersten Mal näher mit der PrEP auseinandergesetzt. Ich bin seit einigen Jahren Single und sexuell sehr umtriebig, und bevor ich die PrEP genommen habe, hatte ich mich einige wenige Male ungeplant einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Hinterher bereute ich das und wurde etwas panisch. Solche Situationen wollte ich künftig gerne vermeiden. Und ich finde es ohne Gummi in manchen Situationen einfach auch netter.

War für dich gleich klar, dass du die PrEP nehmen willst?
Ich habe zunächst versucht, mich etwas schlau zu machen. Aber um ehrlich zu sein: Ich habe damals nicht viel gefunden. Ich hatte dann das Glück, dass ein Arzt in meiner Hausarztpraxis sich zufällig gut mit der PrEP auskannte.

Für mich war immer klar, dass ich die PrEP nur mit ärztlicher Begleitung nehmen würde. Die Tabletten einfach übers Internet zu bestellen und reinzuhauen, war für mich keine Option. Seit die Truvada-PrEP aber verordnungsfähig ist, konnte ich mir die Medikamente ganz korrekt von meinem Hausarzt verschreiben lassen, auch wenn der immer noch kein großer Fan der PrEP ist.

Welche Bedenken hat er?
In letzter Zeit nehmen ja die Fälle von sexuell übertragbaren Krankheiten stark zu, und er befürchtet, dass man sich durch die PrEP einem höheren Infektionsrisiko für Geschlechtskrankheiten aussetzt. Er hatte aber auch Bedenken, weil die Langzeitwirkungen der Medikamente noch nicht wirklich einzuschätzen sind, ob sie also die Nieren und Knochen schädigen.

Haben dich diese Argumente nachdenken lassen?
Nicht wirklich. Die Nierenwerte werden ja alle drei Monate gecheckt. Wenn hier also mal Probleme auftauchen sollten, würde ich mit der PrEP auch aufhören. Und was die meisten sexuell übertragbaren Krankheiten angeht, war ich immer schon recht entspannt. Natürlich habe ich sie aber im Blick und lass mich jedes Quartal darauf checken. Das gehört für mich auf jeden Fall zu einer effektiven PrEP dazu. Und wenn mal was ist, lass ich mir die entsprechenden Antibiotika verschreiben.

Wie hast du dir deine Medikamente besorgt? Ganz regulär mit einem Privatrezept bei der Apotheke um die Ecke?
Nein, ich habe mir von einem Freund erklären lassen, wie man ein preiswerteres Nachahmerpräparat aus Indien bekommen kann, und zwar legal und auch qualitätsgesichert. Innerhalb von weniger als zwei Wochen war die Lieferung eingetroffen, mein Arzt gab mir das „Go“, und dann habe ich angefangen, die Tabletten zu nehmen.

Nimmst du PrEP dauerhaft oder anlassbezogen, das heißt, immer rechtzeitig, bevor man kondomlosen Sex hat?
Ich nehme die Medikamente dauerhaft. Wie die anlassbezogene PrEP funktioniert, habe ich nie so ganz kapiert, und das ist mir auch ein wenig zu kompliziert. Ich habe relativ häufig Sex, und da wären die Abstände und Pausen ohnehin nicht so groß. Also nehme ich die PrEP lieber regelmäßig und es ist eine Tatsache: Seit ich die PrEP nehme, ist mein Sex viel entspannter.

Wissen viele in deinem Freundeskreis, dass du die PrEP nimmst?
Ja, ich mache kein Geheimnis daraus. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche fragen nicht viel nach, andere wollten gleich ganz viele Details wissen.

Die meisten Reaktionen gibt’s allerdings auf den schwulen Datingplattformen. Da kriege ich dann auch mal „Du alte Barebackfotze“ entgegengeschleudert – und zwar nur, weil in meinem Profiltext das Wort PrEP steht. Andere hingegen schicken einem Nachrichten wie „Toll, dass du wie ich die PrEP nimmst“.

Es gibt aber vor allem sehr viele Nachfragen. Im Grunde holen die sich jetzt bei mir all die Information, die ich damals in Foren gesucht habe. Ich gebe da auch gerne Auskunft, aber ich sage ihnen auch immer, dass sie sich die Tabletten nicht einfach nur im Internet bestellen sollen.

Sollte die PrEP zum Safer-Sex-Standard bei schwulen Männern werden?
Die PrEP ist für mich ein nice to have, das Kondom hingegen ein must-have, das alle benutzen sollten. Und wenn sie darauf verzichten wollen, sollten sie eben die PrEP nehmen. Dazu allerdings ist es wichtig, dass die Leute so gut darüber informiert sind, dass sie diese Entscheidung fällen können. Und: Es ist wichtig, dass alle Seiten beleuchtet werden.

*Name geändert

Das vollständige Interview mit vielen weiteren spannenden Aspekten findest du auf unserem Blog.
 

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PrEP Einnahmeschema

Wie läuft die Einnahme?

Eine der häufigsten Fragen bei der PrEP lautet: „Wie lange muss ich die PrEP nehmen, bis ich geschützt bin?“ Die meisten Ärztinnen und Ärzte raten dazu, vier bis fünf Tage vor dem Sex je eine PrEP-Tablette zu nehmen. Wissenschaftlich ist diese Frage allerdings noch nicht völlig geklärt.

Dauer-PrEP

Zuverlässig vor HIV schützt die tägliche Einnahme einer Tablette Truvada (oder wirkstoffgleiches Nachahmerpräparat). Empfohlen wird, die Tabletten immer zur selben Zeit (z. B. um 20 Uhr) und zusammen mit einem Snack einzunehmen.

Wenn man mal eine oder zwei Tabletten in der Woche vergisst, ist das aber kein Drama.

Die meisten Ärztinnen und Ärzte gehen davon aus, dass ein zuverlässiger Schutz vor HIV nach vier bis fünf Tagen erreicht ist.

Eine Variante ist die „Urlaubs-PrEP“: Hierbei fängt man vier bis fünf Tage vorher mit der täglichen PrEP an, macht den Urlaub über weiter und hört zwei Tage nach dem Urlaubsende damit auf (Einnahme immer im 24-Stunden-Abstand).

„Anlassbezogene PrEP“

Hierbei nimmt man die Tabletten nur einige Tage ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty oder eines Dates. Für diese Form ist das Medikament in Deutschland aber nicht zugelassen.
Zudem ist die Datenlage zur Wirksamkeit bei dieser Einnahmeform derzeit noch unsicher.

Wer sie trotzdem machen und sein Risiko dabei so gering wie möglich halten will, kann vier bis fünf Tage vor der Party mit der täglichen Einnahme anfangen und dann so weitermachen, wie bei der „Urlaubs-PrEP“ beschrieben (s.o.).

Ein Einnahmeschema bei dem man erst 24 bis spätestens zwei Stunden vor dem Sex mit zwei Tabletten auf einmal anfängt halten viele für sehr unsicher.

Ganz gleich für welche Form man sich entscheidet, eine ärztliche Begleitung ist immer notwendig.

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PrEP Bezugsquellen

Wo gibt's die PrEP?

Ärzt_innen können die PrEP verschreiben, allerdings derzeit nur auf Privatrezept. Das heißt: Die Kosten für Tabletten muss man selbst tragen. Für die notwendigen ärztlichen Untersuchungen können Kosten anfallen.

Ab  Anfang Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit die PrEP für rund 50 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in zunächst 7 deutschen Großstädten zu bekommen. Das entspricht der Menge für eine vier-wöchige Dauer-PrEP.
 

Dazu brauchst Du ein Privatrezept, auf dem Dein Arzt folgendes verordnen muss:

"PrEP Emtricitabin / Tenofovirdisoproxil
Hexal 200mg / 245mg Filmtabletten
28 Stück zur Verblisterung"

Mit diesem Rezept gehst Du in eine der teilnehmenden Apotheken.
Nach ca. 2-3 Tagen kommt das Präparat in Deiner Apotheke an und Du kannst es dort abholen. In der Apotheke wird Dir zudem alles Wichtige zur PrEP erklärt.

Bestellungen aus dem Ausland

Die Bestellung günstigerer Nachahmerpräparate aus dem Ausland ist bei uns nicht erlaubt. Einige PrEP-Nutzer lassen sich deshalb von Freunden in England z.B. indische Generika für rund 60 Euro pro Monatsration bestellen (das ist in England legal) oder kaufen im Urlaub (z.B. in Thailand) Tabletten. Drei Monatspackungen dürfen für den persönlichen Bedarf im Reisegepäck nach Deutschland mitgebracht werden.

Weitere Infos und ärztliche Begleitung

Für die notwendige Begleitung einer solchen PrEP stehen einige Ärzt_innen zur Verfügung (Infos z. B. im PlanetRomeo-Club PrEP-Info-DE). Infos gibt es auch unter www.prep.jetzt und ihrer Facebook-Gruppe.

Auf Englisch informieren www.prepster.info und www.iwantprepnow.co.uk.

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