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HIV am Arbeitsplatz: Eine Einführung

  1. HIV-Positive sind doch alle in Frührente?!
  2. Gibt es denn mit HIV Berufsverbote?
  3. Kann ich wegen HIV meinen Job verlieren?
  4. Die Entscheidung triffst du alleine.
  1. HIV-Positive sind doch alle in Frührente?! Von wegen. Rund zwei Drittel der Menschen mit HIV in Deutschland arbeiten. Dabei sind sie – was genau so wichtig ist – im Durchschnitt nicht häufiger krankgeschrieben als andere Arbeitnehmer_innen. Eine HIV-Infektion bedeutet nicht automatisch, dass man nicht mehr arbeiten kann oder Einschränkungen bei der Arbeitsfähigkeit hat.
  2. Gibt es denn mit HIV Berufsverbote? Stimmt nicht. Es gibt keine Berufsverbote für Menschen mit HIV. Wer HIV-positiv ist, kann also in der Pflege, in der Kinder-/Jugendarbeit oder in der Gastronomie arbeiten, und muss keine besonderen Maßnahmen beachten, die über die allgemeinen Hygienevorschriften hinausgehen.
  3. Kann ich wegen HIV meinen Job verlieren?  Leider kann das passieren. Aber das ist Unrecht! HIV ist schwer übertragbar und im Arbeitsalltag besteht kein Infektionsrisiko. Es kann aber Ängste und Vorbehalte von Kolleg_innen oder gar Vorgesetzen geben. Um diese Ängste abzubauen, kann es hilfreich sein, aufzuklären und zu informieren. Unterstützung hierbei bietet die Aidshilfe in der Nähe, der HIV-Schwerpunktarzt oder ICH WEISS WAS ICH TU von der Deutschen AIDS-Hilfe.
  4. Die Entscheidung triffst du alleine! Wenn du dich an deinem Arbeitsplatz als HIV-positiv outen willst, solltest du dich gut vorbereiten und die Frage „Sag ich’s – oder sag ich’s nicht?“ genau abwägen. Denn ein HIV-Coming-out ist nicht mehr umkehrbar. Die Antwort auf diese Frage kann nur einer geben: Du allein entscheidest, ob und wann du jemandem von deiner HIV-Infektion erzählst.
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Meine Rechte am Arbeitsplatz

HIV-positiv im Job - ein Thema mit vielen Mythen. Silke Eggers, Referetin und Expertin für Arbeitsrecht bei der Deutschen Aidshilfe stellt die rechtlichen Fakten zum Thema HIV am Arbeitsplatz dar.
Darf mich mein Arbeitgeber kündigen? Welche Gesetze schützen mich als Arbeitnehmer? Und muss ich mich überhaupt outen?
 

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Eine Entscheidungshilfe: Soll ich mich im Job outen?

Die meisten Schwulen sind ja geübt im Coming-out. Die Argumente dafür und dagegen sind bei einem ein HIV-Coming Out ähnlich. Wichtig ist, dass du deine Entscheidung freiwillig und überlegt fällst. Du kannst am besten einschätzen, wie deine Kolleg_innen damit umgehen. Ein gelungenes Coming-out als HIV-Positiver kann eine große Erleichterung sein. Aber: Es ist nicht umkehrbar.

Ist die Information erst einmal raus, bist du auf die Fairness deines Teams angewiesen. Deshalb gilt: Du allein entscheidest, ob und wann du jemandem von deiner HIV-Infektion erzählst.

Hier ein paar Fakten, die dir bei der Entscheidung helfen können:

Was bringt mir ein HIV-Coming-out?

Das Versteckspiel hat ein Ende. Egal ob du zum Arzt musst, deine Medikamente ein nimmst oder dich gerade nicht gut fühlst – du kannst offen mit deinen Kolleg_innen über die Gründe sprechen. So kannst du auch bösen Gerüchten vorbeugen.

Wer sollte Bescheid wissen?

Je weniger Menschen du ins Vertrauen ziehst, umso besser kannst du dein Coming-out steuern. Wenn du nur deinen direkten Vorgesetzten oder den Betriebsarzt einweihst, bist du relativ sicher vor Tratsch: Diese unterliegen einer Fürsorgepflicht (Vorgesetzte) beziehungsweise einer Schweigepflicht (Arzt), sie dürfen Dritten deine Diagnose nicht mitteilen. Oder du erzählst nur deinen engsten Kolleg_innen von deiner Infektion.

Wie kann ich mein Coming-out steuern?

Je mehr Menschen von deiner Infektion wissen, desto weniger hast du in der Hand, wer noch davon erfährt. Betriebsrat und Betriebsarzt unterliegen einer Schweigepflicht, aber Kollegen könnten dein Coming-out weitertratschen.

Ein weiteres Problem: Manche Vorgesetzte denken, sie müssten aufgrund ihrer Fürsorgepflicht die Belegschaft über eine HIV-Infektion informieren. Das ist falsch, da im Arbeitsalltag kein Infektionsrisiko besteht. Am besten sprichst du dieses Thema direkt an, wenn du dich gegenüber Vorgesetzten outest.

Welche Konsequenzen kann ein Coming-out haben?

Das hängt sehr von deinem Arbeitsplatz ab. Vielleicht freuen sich deine Kolleg_innen über deine Offenheit und sehen sie als Vertrauensbeweis an. Dann wirkt sich dein mutiger Schritt mit Sicherheit gut auf das Arbeitsklima aus. Es kann aber auch sein, dass sie irrationale Infektionsängste haben und sich zurückziehen. Biete ihnen Informationen über dein Leben mit HIV an, das baut Vorurteile und Ängste ab.

Kann ich wegen HIV meinen Job verlieren?

Ja, aber das ist Unrecht! Oft wird behauptet, Menschen mit HIV dürften in vermeintlich „HIV-sensiblen“ Branchen nicht arbeiten, zum Beispiel in der Pflege oder in der Gastronomie. Das stimmt nicht! HIV ist schwer übertragbar, im Arbeitsalltag besteht kein Infektionsrisiko. Daher müssen auch in den vermeintlich sensiblen Bereichen wie im Labor oder in der Küche keine besonderen Maßnahmen beachtet werden, die über allgemeine Hygienevorschriften hinausgehen. Dennoch musst du mit den Ängsten und Vorbehalten deiner Kolleg_innen umgehen. Kläre sie über HIV in den jeweiligen Arbeitsumfeldern auf. Hole dir dazu Unterstützung – bei deiner Aidshilfe, deinem HIV-Schwerpunktarzt oder bei ICH WEISS WAS ICH TU und der Deutschen AIDS-Hilfe.

Welcher Zeitpunkt ist der richtige?

Den Zeitpunkt bestimmst ganz alleine du! Bei einem HIV-Coming-out am Arbeitsplatz sind alle Reaktionen möglich. Daher ist es wichtig, dass du dich sicher fühlst und eine selbstbewusste Haltung zu deiner Infektion hast. Bedenke auch deine individuelle Arbeitssituation. Ein Coming-out in der Probezeit ist zum Beispiel problematisch, denn dann kann man dir ohne Angabe von Gründen kündigen.

In welcher Situation oute ich mich?

Dein Coming-out wird Gesprächsbedarf hervorrufen. Du solltest deine Kolleg_innen daher nicht nebenbei über deine Infektion informieren, sondern einen ruhigen Moment abwarten, in dem du aufkommende Fragen beantworten kannst. Der Rahmen ist eine Typfrage: Manche bevorzugen ein Vier-Augen-Gespräch. Aber auch eine Teamsitzung ist okay, wenn sie nicht hektisch oder hitzig verläuft.

Wer kann mir bei meinem positiven Coming-out helfen?

Ein Coming-out als HIV-Positiver kostet Kraft. Suche dir Menschen, denen du vertraust und die dich unterstützen. Das können befreundete Kolleg_innen sein, deine Familie, dein Schwerpunktarzt oder Mitarbeiter_innen der Aidshilfe. Du kannst auch beim Betriebsrat oder bei der Gewerkschaft um Unterstützung bitten.

Muss ich auf meine Firma Rücksicht nehmen?

Ein HIV-Coming-out ist erst mal deine ganz persönliche Entscheidung. Trotzdem solltest du vorher auch mögliche Konsequenzen für andere Menschen oder für deine Firma abwägen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich dein Coming-out negativ auf sie auswirkt. So könnten Kunden von deiner Infektion erfahren und mit Vorurteilen reagieren. Das solltest du mit deinen Vorgesetzten besprechen. Sie werden dankbar sein, dass du ihre Interessen mitdenkst.

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Positive und negative Beispiele aus der Arbeitswelt

  1. Marcel
  2. Sebastian
  3. Stephan
  4. Marc

Positiv-Beispiel: Marcel (25 Jahre): „Mein Chef hat cool reagiert.“

Kurz nach seiner HIV-Infektion geht es Marcel dreckig. Er muss oft zum Arzt, fehlt bei der Arbeit. Aber der Verwaltungsfachangestellte will keine Ausreden erfinden. „Ich wollte nicht, dass meine Kollegen tratschen“, erzählt er. In einer Teambesprechung des Essener Job-Centers, wo er damals arbeitet, erzählt er allen auf einmal von seiner Infektion. Die Kollegen reagieren betroffen, sind ratlos. Marcels Chef demonstriert Selbstverständlichkeit und gibt ihm damals vor den Augen aller die Hand. Marcel ist dankbar: „Mein Chef hat cool reagiert.“ Am Anfang gab es sicher Berührungsängste, aber allmählich überwanden die Kollegen ihre Befangenheit. „Und mit manch einem hat sich eine enge Freundschaft entwickelt“, freut sich Marcel.

Negativ-Beispiel: Sebastian*: Entlassen in der Probezeit

Sebastian* soll für seine Ausbildung zum Chemielaboranten beim Betriebsarzt einen HIV-Test machen lassen. Das ist rechtlich unzulässig, aber wer lehnt schon ab, wenn es um den Job geht? Sebastian ist ehrlich und teilt dem Betriebsarzt mit, dass er positiv ist. Kurz darauf erhält er die fristlose Kündigung: Sein Chef sieht in Sebastian eine Gefahr für die Kunden des pharmazeutischen Unternehmens – ein schwerer Fall von Diskriminierung. Sebastian geht vor Gericht und die ersten Instanzen geben dem Arbeitgeber Recht. Der Fall kommt vors Bundesarbeitsgericht. Erst nach vier Jahren fällt das endgültige Urteil: Sebastian bekommt eine finanzielle Entschädigung, die Pharmafirma hätte seine Einsatzfähigkeit sorgfältiger prüfen müssen. Doch die bittere Wahrheit bleibt: Wegen HIV kann man in Deutschland seinen Job verlieren.

*Name geändert

Positiv-Beispiel: Stephan (44 Jahre): „Offen und ehrlich von Anfang an“

Sind Kinder im Spiel, hört die Toleranz auf. Gerade bei HIV. Zu groß ist die Angst der Eltern, selbst wenn gar kein Risiko besteht. Der Berliner Erzieher hat also einiges aufs Spiel gesetzt, als er sich offen schwul und offen positiv für ICH WEISS WAS ICH TU engagierte und präsentierte. Wie die Eltern reagiert haben? Sie waren beeindruckt! Eine Mutter lobte ihn für seinen Mut. Ein Sonderfall? Vielleicht. Seine Chefin wusste schon früh Bescheid, gemeinsam haben sie in einer Versammlung alle Kollegen informiert und Fragen beantwortet. Stephans Karriere hat das Outing nicht geschadet: Heute organisiert er das Personal von rund 500 Kindergärten in Berlin. Seine Erfahrung: „Je offener und ehrlicher ich von Anfang an bin, desto weniger mache ich mich angreifbar.“

Negativ-Beispiel: Marc*: Am Boden wegen HIV

Marc* träumt vom Fliegen, will Flugbegleiter werden. Er besteht alle Tests, bekommt eine positive Bewertung, doch beim Gesundheits-Check ist Endstation. Im medizinischen Gutachten steht nur, Marc sei für den Beruf ungeeignet. Im Gespräch aber gesteht der Arzt, er habe Anweisung, HIV-Positive auszusortieren. Dieses Vorgehen ist nicht zulässig, aber Alltag in Deutschland. Dabei gibt es keinen Grund, warum Menschen mit HIV nicht Flugbegleiter werden sollten. Nach europäischem Recht entscheidet allein der individuelle Gesundheitszustand, ob jemand fit für den Flieger ist. Bei einer gut funktionierenden Therapie spricht in der Regel nichts dagegen. Marc hat das nicht geholfen. Er muss beim nächsten Einstellungstest lügen – oder seinen Traum begraben.

*Name geändert

Mehr zum Thema HIV in der Luftfahrt

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HIV-Positiven sind erwerbstätig

HIV ist

kein Kündigungsgrund

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Ein Chef erzählt

Offen positiv am Arbeitsplatz? Das sollte in schwulen Szene-Betrieben kein Problem sein. Oder doch? Karl-Heinz Feil ist skeptisch. Der 50-Jährige leitet die Kölner Phoenix Sauna. Seit den frühen 90ern gilt dort: „PositHIV Welcome“, regelmäßig ist die Aidshilfe mit Infoveranstaltungen zu Gast. Trotzdem warnt Karl-Heinz im Interview vor einem unbedachten Coming-out im Job.
Ein Gespräch über Bewerbungsgespräche, Auswahlkriterien und hohe Hygiene-Standards.

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Bist du schon mal benachteiligt worden?

Wir lassen dich nicht allein!

Das Coming-Out als HIV-Positiver ist nicht so gelaufen, wie gedacht? Durch Kolleg_innen oder Vorgesetzte kommt es zu klaren Benachteiligungen oder offener Diskriminierung? Dann kannst du dich an die Kontaktstelle gegen HIV-bedingte Diskriminierung der Deutschen AIDS-Hilfe wenden.

Kerstin Mörsch

Telefon: 030/69008767 (Montag, Dienstag und Freitag von 09:00 bis 15:00 Uhr)

E-Mail: gegendiskriminierung@dah.aidshilfe.de

Hier erhältst du Hilfe und Unterstützung, wenn du aufgrund deiner HIV-Infektion diskriminiert wirst. Dabei ist es ganz egal, wo du die Diskriminierung erfahren hast – ob am Arbeitsplatz, bei Behörden, in der ambulanten Behandlung oder im Krankenhaus.

Die Beratungsstelle informiert über Beschwerdemöglichkeiten, unterstützt dich bei individuellen Entscheidungen und begleitet dich im Beschwerdeverfahren. Dabei arbeitet die Kontaktstelle mit den Aidshilfen in den Regionen eng zusammen.

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