ALLES KANN Bi+ SEIN.
PDF öffnenBi+
Was bedeutet Bi+?
Bi+ ist ein Überbegriff für Menschen, Identitäten und Lebensrealitäten, bei denen sich Gefühle oder Anziehung auf Menschen mehr als eines Geschlechts richten.
Das Plus macht sichtbar, dass unter diesem Begriff viele unterschiedliche Selbstbezeichnungen zusammenkommen, wie etwa Bi+, pan oder queer.
Das Bi+ wird in Bi+ Selbstdefinitionen als Anziehung zu mehr als einem Geschlecht verstanden. Bereits das Bisexual Manifesto von 1990 wandte sich gegen binäre Vorstellungen von Bisexualität und Geschlecht.
Eine bekannte Definition von Robyn Ochs
„Ich nenne mich bisexuell, weil ich anerkenne, dass ich mich potenziell zu Menschen mehr als eines Geschlechts hingezogen fühlen kann, sei es sexuell und/oder romantisch. Nicht unbedingt zum gleichen Zeitpunkt, auf die gleiche Art und Weise oder in der gleichen Intensität.“
Gefühle, Verhalten und Selbstbezeichnung können zusammenpassen, müssen es aber nicht. Menschen können sich zu verschiedenen Geschlechtern hingezogen fühlen, ohne entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben oder ein Bi+ Label zu verwenden.
Auch eine hetero- oder homo-gelesene Beziehung verändert die Identität nicht. Romantische und sexuelle Anziehung können sich zudem unterscheiden – etwa bei einer panromantischen und asexuellen Person.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
GESCHICHTE
Sichtbarkeit & Selbstorganisation
Bi+ Geschichte wurde lange übersehen.
Bi+ Personen haben queere, feministische und antirassistische Bewegungen von Anfang an mitgeprägt. Ihre Beiträge wurden jedoch häufig als schwul oder lesbisch eingeordnet. Diese Timeline macht einige dieser Bi+ Spuren sichtbar.
Eigene Gruppen entstehen
In Deutschland entstehen seit den 1970er und 80er Jahren verstärkt eigene Bi+ Gruppen. Damit entstehen neue Räume für Austausch, Selbsthilfe und Sichtbarkeit.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
COMMUNITY
COMMUNITY(S)
Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Bi+ Räume
Zwischen Räumen
Zugehörigkeit ist nicht immer selbstverständlich.
Bi+ Personen bewegen sich häufig zwischen verschiedenen gesellschaftlichen und queeren Räumen, ohne sich dort selbstverständlich zugehörig zu fühlen. Auch in queeren Räumen können sie Ausgrenzung erfahren oder das Gefühl haben, nicht queer genug zu sein. Weil eine Bi+ Identität häufig nicht sichtbar ist und Menschen monosexuell eingeordnet werden, erleben viele wiederkehrende Coming-outs und müssen ihre Identität immer wieder neu benennen.
Eigene Bi+ Räume
Austausch, Zugehörigkeit und Empowerment.
Eigene Bi+ Räume schaffen Austausch, ohne diese Erfahrungen zunächst erklären zu müssen. Begegnungen mit anderen Bi+ Personen können helfen, die eigene Identität einzuordnen, Zugehörigkeit zu erleben und Isolation entgegenzuwirken. Sie sind damit Orte für Community, Selbstanerkennung und Empowerment.
Teil queerer Communities
Nicht nur mitgemeint, sondern ausdrücklich angesprochen.
Bi+ Personen sind zugleich selbstverständlicher Teil queerer Communities. Explizite Bi+ Ansprache kann Zugänge schaffen, besonders für Menschen, die nicht geoutet sind, in hetero-gelesenen Beziehungen leben oder sich in allgemeinen queeren Angeboten nicht wiederfinden. Queere Räume werden inklusiver, wenn Bi+ Personen nicht nur mitgemeint, sondern ausdrücklich angesprochen und ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten anerkannt werden.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
SPRACHE
SPRACHE IST MACHT
Worte können einengen. Worte können sichtbar machen.
Sprache beeinflusst, was gesellschaftlich anerkannt wird.
Sprache beeinflusst, was gesellschaftlich anerkannt wird. Wenn Bi+ nicht benannt wird, werden sexuelle und romantische Identitäten monosexistisch verengt. Begriffe wie Bi+-Erasure und Bi+Feindlichkeit machen strukturelle Diskriminierung benennbar und Selbstbezeichnungen können identitätsstiftend sein. Der Überbegriff Bi+ wirkt einer Verengung auf Sexualität entgegen und macht romantische Identitäten sowie diverse Selbstbezeichnungen sichtbar, besonders relevant angesichts der Hypersexualisierung und Fetischisierung von Bi+ Personen.
Inklusive Sprache erweitert, statt festzulegen.
Bi+ und queer-inklusive Sprache vermeidet binäre Formulierungen wie die beiden Geschlechter und spricht etwa von Menschen verschiedener Geschlechter. Auch kann sich nicht entscheiden oder wechselt die Seite reproduzieren monosexuelle Vorstellungen. Entscheidend ist, Selbstbezeichnungen ernst zu nehmen und Identitäten nicht von außen zuzuschreiben.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
GESUNDHEIT
PRÄVENTION & GESUNDHEIT
Gute Versorgung denkt Körper, Psyche, Schutz und Selbstbestimmung zusammen.
Bi+ sensible Prävention und Versorgung müssen sexuelle und psychische Gesundheit sowie Diskriminierungsschutz zusammendenken. Belastungen entstehen nicht durch die Bi+ Identität, sondern durch Bi+Feindlichkeit, Minderheitenstress, fehlende Anerkennung und Gewalt. Prävention soll Risiken reduzieren und selbstbestimmte, lustvolle und informierte Sexualität ermöglichen.
PSYCHISCHE GESUNDHEIT & VERSORGUNG
Anerkennung ist Teil guter Versorgung.
Studien zeigen bei Bi+ Personen höhere psychische Belastungen als bei hetero, schwulen und lesbischen* Personen. Internalisierte Bi+Feindlichkeit, also die Übernahme gesellschaftlicher Abwertungen ins eigene Selbstbild, kann diese verstärken. Werden Bi+ Identitäten im Gesundheitswesen infrage gestellt, kann dies Vertrauen und den Zugang zu Hilfe beeinträchtigen. Bi+ affirmative Angebote müssen deshalb spezifische Erfahrungen anerkennen.
SEXUELLE GESUNDHEIT & VERSORGUNGSLÜCKEN
Prävention orientiert sich an Praktiken, nicht an Zuschreibungen.
Bi+ inklusive HIV- und STI-Prävention orientiert sich an konkreten Praktiken und Schutzbedarfen statt an vermuteten Identitäten. Der Begriff MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) beschreibt Verhalten, ersetzt aber keine ausdrückliche Ansprache von Bi+ Männern und maskulinen Personen. Bi+ Frauen und genderqueere Personen finden zugleich seltener niedrigschwellige und kostenreduzierte Testangebote.
Prävention umfasst etwa HIV/STI, Safer Sex, PrEP und PEP sowie Substanzkonsum und Safer Use. Sie sollte unterschiedliche Lebensweisen berücksichtigen, ohne bestimmte Praktiken zu werten oder Bi+ Personen als besonders risikobereit darzustellen.
INFORMATION & BERATUNG
Angebote müssen nicht nur queer, sondern auch Bi+ sensibel sein.
Bundesweit bieten u.a. Aidshilfen und Gesundheitsämter Beratung und Tests an. In Berlin gibt es z.B. Checkpoint BLN, die Berliner Aids-Hilfe und Safer Sex Berlin. Die vom Land Berlin geförderte Fachstelle Bi+ (BiBerlin e.V.) berät Bi+ Personen und Angehörige psychosozial und ist bundesweit die einzige geförderte Bi+ Anlaufstelle. Das zeigt auch die Versorgungslücke, denn nicht jedes queer adressierte Angebot ist auch Bi+ sensibel.
ALLIES & ALLYSHIP
Verantwortung darf nicht allein bei Bi+ Personen liegen.
Allyship heißt, Selbstbezeichnungen ernst zu nehmen, Bi+feindlichen Aussagen zu widersprechen und Menschen nicht zu outen. Die Verantwortung dafür darf nicht allein bei Bi+ Personen liegen.
Bi+ Perspektiven sollten in Texten, Veranstaltungen, Gremien, Kampagnen und Awareness-Konzepten ausdrücklich benannt werden. Homosexuell ist kein Sammelbegriff für alle queeren Menschen. Einladungen können deutlich machen, dass Bi+ Personen und ihre Beziehungspersonen aller Geschlechter willkommen sind. Dazu gehört, Bi+ Perspektiven aktiv einzubeziehen und Bi+ Räume zu unterstützen. Intersektionalität ist zentral: Überschneidungen etwa mit Rassismus, TIN-Feindlichkeit oder Ableismus schaffen zusätzliche Barrieren.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
ZAHLEN
Was Studien zeigen – und was oft unsichtbar bleibt.
Anziehung im Bi+ Spektrum
Rund 20 % der Gesamtbevölkerung in Deutschland berichten von Anziehung im Bi+ Spektrum.
Zahlen & Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
UNSICHTBAR?
Wenn Bi+ unsichtbar gemacht wird
Bi+ Lebensrealitäten werden häufig übersehen, geleugnet oder anderen Gruppen zugerechnet.
Bi+ Erasure
Diese Unsichtbarmachung wird Bi+ Erasure genannt. Kenji Yoshino beschreibt dies als strukturelles Phänomen. Sie zeigt sich, wenn Bi+ Perspektiven in Medien, Forschung oder Geschichtsschreibung fehlen.
Bi+ Feindlichkeit
Bi+ Erasure ist eine Form von Bi+ Feindlichkeit. Dazu gehören diskriminierende Vorstellungen und Strukturen ebenso wie Abwertung, Ausgrenzung, Sexualisierung, Fetischisierung und Gewalt.
Stereotype Bilder
Bi+ Frauen und weiblich gelesene Personen werden häufig hypersexualisiert und fetischisiert. Bi+ Männern wird ihre Identität besonders oft abgesprochen; sie gelten etwa als heimlich schwul, unentschlossen oder gesundheitliches Risiko.
Monosexismus
Bi+ Lebensrealitäten stellen den vorherrschenden Monosexismus in Frage: die gesellschaftlich imaginierte Norm, Menschen fühlten sich nur zu einem einzigen Geschlecht hingezogen.
Bi+ Erasure wird (un)bewusst in der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft wie auch in queeren Communities reproduziert. Sie zeigt sich auch, wenn Menschen anhand ihrer Beziehungspersonen monosexuell eingeordnet werden.
Informationen: Carolin Reiß, Fachstelle Bi+ bei BiBerlin e.V.
STEREOTYPEN
Klischee auf der einen Seite.
Fakt auf der anderen.
Über Bi+ kursieren viele Vorstellungen, die wenig mit den tatsächlichen Lebensrealitäten zu tun haben. Dreh die Karten um.
FAQ
Häufige Fragen
Kurz beantwortet: häufige Fragen zu Bi+ Identitäten, Labels und Anziehung.
Nein. Häufige Selbstbezeichnungen sind Bi+ (Anziehung zu mehr als einem Geschlecht), pan (unabhängig von Geschlecht), omni (alle Geschlechter), ply/poly (mehrere, nicht alle) oder queer (außerhalb hetero/cis-geschlechtlicher Normen) oder kein Label.
Nein. Anziehung zu verschiedenen Gendern kann unterschiedlich stark sein, sich unterschiedlich anfühlen und sich im Laufe des Lebens verändern.
Ja. Weder Erfahrungen noch eine aktuelle Beziehung bestimmen die Identität. Bi+ Personen können auch langjährige monogame Beziehungen führen.
Ja. Trans und nicht-binäre Menschen können selbst Bi+ sein und von Bi+ Personen begehrt werden (siehe Definition).
Bi+ zum Mitnehmen
Die wichtigsten Informationen rund um Bi+, Sichtbarkeit, Community und Gesundheit kompakt zusammengefasst. Das BICONIC PDF kannst du kostenlos herunterladen.
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