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Forschung

Im Bereich HIV wird viel geforscht – zum Beispiel an einer Heilung. In nächster Zeit ist diese jedoch nicht zu erwarten. Neue Studien zu einem HIV-Impfstoff geben neue Hoffnung - doch auch hier wird’s noch dauern. In Sachen HIV-Therapie bleibt die Forschung ebenfalls am Ball, um die Medikamente noch besser zu machen.

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HIV-Heilung?

HIV heilen? Das schien lange undenkbar, ist aber ein wichtiges Ziel der Forschung – und es hat bereits erstaunliche Fortschritte gegeben.

Die Geschichte des „Berliner Patienten“

Die Geschichte des „Berliner Patienten“ Timothy Ray Brown hat 2008 für eine medizinische Sensation gesorgt. Der HIV-positive US-Amerikaner hatte wegen seiner schweren Leukämie an der Berliner Charité Stammzellen transplantiert bekommen.

 

Der behandelnde Arzt Gero Hütter verwendete dafür das Knochenmark eines Spenders, der über ein HIV-resistentes Immunsystem verfügte. Dies brachte doppelten Erfolg: Timothys Blutkrebs war geheilt und das HI-Virus konnte bei ihm seither nicht mehr nachgewiesen werden.

 

Der Fall des „Berliner Patienten“ ist nicht allgemein auf andere HIV-Positive übertragbar. Doch inzwischen konnte man auch bei einem neugeborenen HIV-positiven Baby das Virus durch eine Behandlung unmittelbar nach der Geburt eliminieren – auch dies ein Sonderfall.

 

Gentherapien: zwei interessante Ansätze

Bei der Forschung zu sogenannten Gentherapien stehen ebenfalls die Stammzellen im Mittelpunkt: Die Stammzellen von HIV-Patienten könnten im Labor so umgebaut werden, dass sie Immunzellen mit einem seltenen Gendefekt produzieren. Durch einen solchen Gendefekt ist ein winziger Teil der Menschheit bereits von Geburt an vor HIV geschützt. Wenn es gelänge, dies im Labor nachzubauen, würde eine dauerhafte Heilung von HIV in greifbare Nähe rücken.

Der Haken an der Gentherapie

Bei gentherapeutischen Ansätzen weiß man noch nichts über ihre Langzeitwirkung. Im schlimmsten Fall könnten die genveränderten Zellen irgendwann entarten und Krebs auslösen.

Gen-Schere

Bei einem weiteren Forschungsansatz wird versucht, bereits infizierte Zellen mit einer Gen-Schere von HIV zu befreien. Diese erkennt die HIV-Erbgutstränge, schneidet sie aus dem menschlichen Erbgut heraus und „klebt“ die menschlichen Genstränge wieder zusammen. Bei Mäusen hat das schon funktioniert. Zu beiden Ansätzen befindet sich die Forschung noch in einer sehr frühen Phase.

Forschung zur Therapie

Der bisher wohl größte Durchbruch in der HIV-Forschung war und ist weiterhin die Entwicklung von hochwirksamen Medikamenten, die die Virusvermehrung im Körper unterdrücken, die Krankheit Aids verhindern und Menschen mit HIV ein langes Leben ermöglichen.

Eine Übersicht zu den heute verfügbaren HIV-Medikamenten findet ihr auf aidshilfe.de.

„Ich bin der Mann, der früher einmal HIV hatte.“
Timothy Ray Brown, „Berliner Patient“

Weiterer Ansatz: Von der HIV-Therapie zur Heilung

Eine weit weniger spektakuläre Heilmethode will sich die Wirkung der heutigen HIV-Therapie zunutze machen: Bei konsequent befolgter Therapie unterdrücken die antiretroviralen Medikamente die Vermehrung von HIV vollständig.

 

Das Problem bisher: Es gibt „ruhende“ Zellen, die das Erbgut von HIV in sich tragen und eine jahrzehntelange Lebenserwartung haben – theoretisch etwa 70 Jahre.

 

Die Forscher_innen versuchen nun, diesen Zeitraum deutlich zu verkürzen, indem sie zum Beispiel ruhende Zellen aktivieren: Diese hätten als aktive Zellen eine sehr viel kürzere Lebensdauer – und könnten aufgrund der gleichzeitigen HIV-Therapie keine neuen Viren produzieren.

 

Leider hat dieser Ansatz bisher nicht funktioniert. Zudem könnte es sein, dass man neben den HIV-infizierten Immunzellen auch andere Zellen des Immunsystems „aufweckt“, die Schaden anrichten könnten.

 

Nebenwirkungsärmer könnte es sein, die ruhenden und mit HIV infizierten Zellen in einen dauerhaften Schlaf zu versetzen – sodass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. An diesem Ansatz wird nun verstärkt geforscht.

Und was ist mit der Impfung?

Bis vor wenigen Jahren schien eine Impfung gegen HIV noch völlig unrealistisch, insbesondere aufgrund der Wandlungsfähigkeit des HI-Virus.

 

Mittlerweile gibt es wieder Hoffnung. Die Forscher_innen haben aus den Rückschlägen gelernt und neue Impfstoffe entwickelt, die derzeit in Ländern des südlichen Afrikas in großen mehrjährigen Studien geprüft werden.

 

Da in Europa und Nordamerika andere Virusvarianten dominieren, sollen auch dort schon bald Impfstoffe getestet werden. 2018 – 2019 wird daher z.B. in Deutschland die Vorstudie „BRAHMS“ durchgeführt. Bei erfolgreichem Abschluss der Vorstudie soll später auch in Deutschland ein HIV-Impfstoff erprobt werden.

Entwicklung der HIV-Therapien

Seit der Einführung der Kombinationstherapie 1996 hat es in diesem Bereich zahlreiche Verbesserungen gegeben. Expert_innen sehen insbesondere vier Punkte, auf die es in der Forschung zur HIV-Therapie und der Behandlung derzeit besonders ankommt:

  • Die Wirksamkeit der Therapie lebenslang zu sichern – hier kommt es verstärkt darauf an, noch nebenwirkungsärmere Medikamente zu entwickeln
  • Therapien zu vereinfachen, damit sie leichter einzuhalten sind (zum Beispiel durch Depotspritzen, die man sich nur einmal im Monat setzen muss)
  • Die Preise der Therapien zu senken und die Behandlung allen zugänglich zu machen
  • Resistenzentwicklungen durch eine qualifizierte Therapie zu verhindern

 

Es bleibt also noch viel zu tun in der medizinischen Forschung zu HIV. Sowohl im Bereich HIV-Therapie als auch bei der Suche nach einem tatsächlichen Heilmittel bzw. einem Impfstoff.

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Wir bieten unterschiedliche Beratungsangebote an. Egal ob online, per Telefon oder im Live Chat: erfahrene und geschulte Berater*innen stehen dir bei allen Fragen rund um HIV, Geschlechtskrankheiten, Chemsex und zum psychischen Wohlbefinden zur Verfügung. Bei der Antidiskriminierungsstelle kannst du dir Hilfe suchen, wenn du aufgrund deiner HIV-Infektion Diskriminierung erfahren hast.