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Jayrôme

trans* - Warum das Thema?

  1. trans* und cis - Was bedeutet das?
     
  2. Wir sagen trans*
     
  3. Eine Seite für trans* und cis Männer
     
  4. Prävention und Safer Sex
     
  5. Begriffsdschungel?!
  1. trans* und cis - Was bedeutet das?
    Vom Kreißsaal bis zur Kita, alle sind sich sicher: „Es ist ein Mädchen.“ Wenn das Kind aber irgendwann feststellt: „Stimmt nicht, in mir sieht es ganz anders aus“, dann verändert sich vieles. Wenn sich eine Person nicht oder nicht ausschließlich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert, spricht man von  trans*. Trans* Menschen, die ihr Geschlecht angleichen, wählen dafür zum Beispiel hormonelle und zum Teil medizinische Maßnahmen und/oder ändern ihren Vornamen und Personenstand. Wer trans* sagt, muss aber auch cis sagen: Von cis spricht man, wenn sich eine Person mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert.
  2. Wir sagen trans*
    Gemeinsam mit trans* Expert_innen haben wir uns bewusst für diese Variante entschieden. Das Wort mit dem Sternchen schließt als Oberbegriff  andere Begrifflichkeiten ein. Das Sternchen kann somit als Platzhalter gelesen werden, beispielsweise für *gender oder *sexuell. Wir maßen uns nicht an, für alle trans* Personen zu sprechen. Daher ist es vollkommen zu respektieren, wenn jemand für sich andere Selbstbeschreibungen wählt.
    Wir bedanken uns herzlich für die tolle und produktive Zusammenarbeit bei TrIQ e.V., TransMann e.V., Trans*Tagung München, TransIdent Münster, Hein & Fiete, Mancheck Berlin sowie vielen Einzelpersonen.
  3. Eine Seite für trans* und cis Männer
    Trans* Männer sind vielfältig, auch in ihrer sexuellen Identität. Wir wenden uns an schwule trans* Männer und trans* Männer, die Sex mit Männern haben. Dieser Unterschied ist wichtig, denn zu welcher Gruppe sich jemand zählt, bleibt jedem selbst überlassen. Im Folgenden meinen wir diese beiden Gruppen, wenn wir von trans* Männern sprechen. Trans* Männer sind Teil der schwulen Community. Welche Erfahrungen machen sie in der schwulen Szene und was können trans* Männer und cis Männer voneinander lernen? Diese Seite gibt Antworten. Wir wollen die Sichtbarkeit von trans* Männern in der schwulen Community weiter fördern und Tipps rund ums schwule Leben vermitteln: vom (Er-)Leben in der Szene bis zu Safer Sex. Darüber hinaus sprechen wir schwule cis Männer an, um ein respektvolles und trans*-sensibles Miteinander zu fördern. Denn wir sind alle Teil einer Community.
  4. Prävention und Safer Sex
    Als Präventionskampagne für schwule Männer informieren wir über schwules Leben, HIV und andere Geschlechtskrankheiten und wenden uns selbstverständlich auch an trans* Männer. Die gängigen Safer Sex-Strategien gelten somit für schwule cis und trans* Männer gleichermaßen. Was trans* Männer sonst noch beim Sex mit Männern zu beachten haben, erfahrt ihr hier.
  5. Begriffsdschungel?!
    Trans*, transgender, trans* Mann, Transition, transsexuell, Mastektomie, Transsexuellengesetz: Es gibt viele Begriffe in den trans* Communities – von alternativen Selbstbeschreibungen bis zu OP-Methoden. Aber keine Sorge: Mit einem trans* Glossar zu den wichtigsten Begriffen helfen wir weiter. Klick hier
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"lch wünsche mir von der Schwulen-Community mehr lnteresse am Thema."

Manuel, KAy und Christoph sind in der schwulen Szene unterwegs. Manuel und KAy sind trans*. Christoph datet einen trans* Mann. Wie erleben die drei die Szene, wenn es um das Thema geht? Welche Gedanken haben sie und was wünschen sie sich von der Community?

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trans* Coming-out: 3 Erfahrungsberichte aus verschiedenen Perspektiven

  1. Einleitung
  2. KAy
  3. Alexander
  4. Till

Coming-out ist auch für trans* Menschen eine wichtige Erfahrung. So vielfältig trans* Biografien sind, so vielfältig sind auch die damit verbundenen Coming-out-Erlebnisse. Mit den folgenden drei Kurzreportagen wollen wir die verschiedenen Perspektiven darstellen.

„Dieses ‚anders‘ konnte ich nie benennen …“ - Inneres trans* Coming-out von KAy

Wenn man schwul ist, sind die Coming-out-Möglichkeiten vielfältiger: man kann sich ganz, teilweise oder gar nicht outen. Als trans* Person ist es etwas komplizierter.
Ich habe immer gewusst, dass ich anders bin. Dieses „anders“ konnte ich aber nie benennen, da ich damals nur „Mann“ und „Frau“ kannte.

Klar hatte ich von trans* gehört, aber was ich finden konnte war: „Ich bin im falschen Körper geboren“. Ich hatte aber kein Problem mit meinen Genitalien. Mit 30 fand ich endlich meine Identität. Vorher habe ich als Lesbe gelebt. Dieses Coming-out hatte ich schon hinter mir. Jetzt musste ich „nur“ noch ein weiteres haben! Nach neun Monaten Testosteron sah ich schon wie ein junger Kerl aus. Da hatte ich keine Wahl mehr, ob ich mich als trans* outen möchte oder nicht. Dazu kam noch, dass sich meine Sexualität erweitert hat. Bis dahin hatte ich nur Sex mit Frauen. Nun entwickelte es sich immer mehr in Richtung schwuler Sex, auch wenn ich mich als pansexuell sehe.

Da habe ich noch einmal die Wahl gehabt, mich zu outen oder nicht. Meine Familie weiß bisher nur, dass ich trans* bin. Mein Freundeskreis weiß aber Bescheid. Sie haben es im Paket mit der Transition mitbekommen. Falls ich aber irgendwann einen männlichen Partner habe, werde ich auch meiner Familie Bescheid sagen. Ich bin gespannt, wie sie reagieren werden…!

„Nach dem Coming-out leuchteten seine Augen …“ - trans* Coming-out-Erfahrungen von Alexander

Viele trans* Menschen ernten Ratlosigkeit, wenn sie sich outen. Bei mir waren es leuchtende Augen: Im Mai 2012 ging ich mit einem Freund zum „Rainbowflash“. In unserem Bekanntenkreis gibt es zahlreiche Homosexuelle und trans* Menschen, die wir bei der Veranstaltung unterstützen wollten. Da wir zum wiederholten Mal über Trans*-Identität sprachen, hielt ich den Moment für gekommen. Ich sagte meinem Freund, dass ich mich als Mann fühle und künftig Alexander genannt werden möchte, inklusive männlichem Pronomen. Er strahlte mich an und bedankte sich dafür, einer der ersten gewesen zu sein, dem gegenüber ich mich geoutet habe.

Meine Freunde gewöhnten sich schnell an die neue Situation. Weniger glatt lief es auf der Arbeit. Zwar gaben sich meine Kolleginnen und Kollegen wohlwollend. Tatsächlich aber waren alle überfordert. Mein Chef schaffte es nicht einmal, mich als Mann anzusprechen. In mehreren Gesprächen erläuterte ich ihm, wie wichtig es für trans* Menschen ist, in ihrer Identität ernst genommen zu werden. Aber da führte kein Weg rein. In der Firma arbeite ich nicht mehr.

Seit 2014 bekomme ich Testosteron gespritzt. Meine Stimme ist tiefer als die vieler anderer Männer und meine Züge werden kantiger. Wer mich sieht, lernt mich also automatisch als Alexander kennen. Das macht vieles einfacher. Das einzig Ärgerliche ist: trans* Männer sehen nach der Angleichung oft viele Jahre jünger aus als sie sind. Ich fühle mich oft nicht wie ein 30-Jähriger behandelt, sondern wie ein Studienanfänger.

„Lust zu knutschen?“ - Wie cis Mann Till ein trans* Coming-out erlebt

Den anstrengenden Tag bei einem Bier ausklingen lassen – das war der Plan nach einer Fachtagung in Berlin. Ich saß mit einem Teilnehmer, den ich auf der Veranstaltung kennengelernt hatte, in einer Bar. Plötzlich platzte ein sehr attraktiver, sehr wütender Mann in unsere Unterhaltung hinein - offensichtlich ein Bekannter meines Gesprächspartners. Er regte sich furchtbar über das Date auf, von dem er gerade kam. „Der Idiot hat mich rausgeschmissen, weil ich trans* bin“, polterte er. „Dabei steht doch eindeutig in meinem Datingprofil, was Sache ist.“

Die Situation beruhigte sich schnell, wir verstanden uns gut und als mein Gesprächspartner eine rauchen ging, drehte sich der sexy Fremde zu mir und fragte: „Lust zu knutschen?“ Ich stehe total auf Direktheit und da ich den Typen heiß fand, landeten wir bald bei ihm zuhause. Wir haben vier Tage gevögelt, gelabert, gegessen und wieder gevögelt. Und danach waren wir ein dreiviertel Jahr ein Paar.

In der ersten Zeit hat sich mein Freund regelrecht gewundert, dass ich so gar keine Gewöhnungsphase brauchte. Seiner Erfahrung nach haben schwule cis Männer eingeübte Sexpraktiken, die sich nicht immer eins zu eins mit trans* Männern umsetzen lassen. Aber genau das machte es so schön: Wir hatten keinen Sex nach Drehbuch, sondern ließen uns aufeinander ein.  Alles war neu, alles war geil. Zwar sind wir schon lange nicht mehr zusammen, aber wir verstehen uns weiterhin blendend.

"ln einer Welt

die uns vermittelt, dass wir nicht existieren sollten, ist jedes trans* Coming-out etwas Revolutionäres."

Laverne Cox

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Manuel sexy

Schwules (Sex-)Leben - Tipps und lnfos für trans* und cis Männer

Generell gilt ...    
Ein respektvoller Umgang und gute Kommunikation sollten immer ineinanderfließen. Es sind viele Fragen erlaubt, solange sie respektvoll formuliert werden. Gegenüber einem trans* Mann bedeutet dies, bei allen Fragen seine Identität zu achten. Fragen zum „früheren Sein“ sollten nicht gleich beim ersten Austausch gestellt werden. Auch Fragen nach den Genitalien sind ein „No-Go“. Wenn ein trans* Mann auf eine Frage nicht antworten möchte, so sollte dies auch respektiert werden. Nicht jeder trans* Mann möchte ständig Aufklärungsfragen zum Thema beantworten. Im Zweifel hilft es sich zu fragen, ob die Frage wirklich einen Erkenntnisgewinn hat.

Wie vielfältig sind die Körper von trans* Männern?   
Grundsätzlich sind die Körper von trans* Männern ebenso individuell und unterschiedlich wie die Körper von cis Männern. Jeder kann selbst bestimmen, inwieweit er seinen Körper hormonell und operativ angleichen möchte. Das einzige was zählt ist, dass derjenige sich wohlfühlt.  Viele trans* Männer streben eine Angleichung an eine männliche Brust (Mastektomie) an. Es gibt trans* Männer mit einem Penoidaufbau (Nachbildung eines Penisses) oder einem „Klitpen“ (Klitorispenoid). Andere trans* Männer lassen keinerlei geschlechtsangleichenden Maßnahmen im Genitalbereich vornehmen und besitzen noch ein Front Hole (von trans* Männern gewählte Bezeichnung).

Packer

Wie drücken trans* Männer ihre Männlichkeit aus?   
Die Frage wird jeder trans* Mann für sich selbst anders beantworten. Dabei ist es gut, sich freizumachen von den Bildern, die Medien projizieren oder die seit Generationen im sozialen Umfeld vorgelebt werden. Wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben und nicht zu versuchen irgendwelchen Klischees zu entsprechen bzw. in eine Rolle zu schlüpfen, mit der man sich nicht identifizieren kann.

Wie kann es zu einem Date kommen?   
Die Möglichkeiten sind für trans* Männer genauso vielfältig wie für schwule cis Männer: vom Dating-Portal über das Café bis hin zum Club – Orte, wo man jemanden treffen kann, gibt es viele. Die viel wichtigere Frage lautet: Wann und wie oute ich mich? Da bietet die Online-Welt andere Möglichkeiten als das reale Leben. Wer mag und bereits selbstbewusst ist, kann sich in einem Dating-Profil als trans* outen. Das kann den Kontakt einerseits erleichtern, andererseits schützt eine solche Offenheit nicht immer vor verbalen Übergriffen.

Aber: Im Großen und Ganzen lassen sich Übergriffigkeiten online kaum vermeiden. Das kennen wohl alle User. Eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken, kann sein, das eigene Profil so gut wie möglich zu beschreiben, um den Raum für falsche Interpretationen zu verkleinern.

Wie und wann oute ich mich als trans*?
„Wie und wann sage ich, dass ich trans* bin?“ - dies ist eine Frage, die sich jeder trans* Mann vor einem Date mit einem cis Mann schon einmal gestellt hat. Eine Standardantwort darauf oder die Pflicht, sich von Anfang an zu outen, gibt es nicht! Den Zeitpunkt bestimmt jeder selbst.

Das Trans*-Sein ist nur ein Aspekt des trans* Mannes. Gerade beim Daten geht es doch zunächst um ein erstes Kennenlernen. Wenn es soweit ist, dann ist es am besten, so natürlich wie möglich darüber zu sprechen. Keinesfalls sollte es als Problem dargestellt werden, da es sonst für das Gegenüber tatsächlich zu einem werden kann.
Spätestens bevor man mit jemandem intim wird, empfiehlt es sich, mit offenen Karten zu spielen. Die Reaktionen von cis Männern auf ein Trans*-Outing können ganz unterschiedlich sein.

Grundsätzlich ist es wahrscheinlich für den cis Mann leichter, wenn er schon vor dem Date von dem Trans*-Aspekt weiß.  Zwangsoutings durch Dritte sind in jedem Fall ein echtes „No-Go“!

KAy

Kann/Muss die schwule Identität beim schwulen cis Mann „wackeln“?    
Trans* Männer sind Männer – und wenn ein cis Mann und ein trans* Mann sich verlieben bzw. Sex miteinander haben, dann sind sie genauso schwul wie zwei cis Männer oder zwei trans* Männer, die zusammen kommen. Dabei ist es völlig egal, in welcher Phase der Transition sich jemand befindet - wichtig ist es, den Menschen zu achten und dessen sexuelle und geschlechtliche Identität.

Dennoch kommt es bei einigen cis Männern vor, dass ihre schwule Identität ins „Wackeln“ gerät, wenn sie sich für einen trans* Mann interessieren. In dem Fall kann der cis Mann einmal darüber nachdenken: „Warum?“ Oftmals hat es mit seinen eigenen Vorstellungen von Männlichkeit zu tun und weniger mit dem trans* Mann, für den er sich interessiert. Der trans* Mann wird gerne als Projektionsfläche für die Identitätskrisen seines Gegenübers genutzt. In dem Sinne gilt: Männlichkeit und Schwulsein sind vielfältig und hängen nicht zwischen den Beinen.

Gibt es beim Sex mit trans* Männern etwas zu beachten?    
Verantwortungsvollen und respektvollen Sex zu haben, ist für jeden Menschen wichtig. Dabei können nach Lust und Typ auch Geschlechterrollen eine Bedeutung haben. Es sollte im Vorfeld niemandem eine sexuelle oder geschlechtliche Rolle von außen zugeschrieben werden. Leider passiert dies trans* Männern dennoch oft. So werden viele trans* Männer automatisch als passiv und/oder in der devoten Rolle gesehen. Trans* Männer können aber genauso gut einen hormonell gewachsenen Penoid, einen Aufbau haben oder Dildos nutzen. Das lässt sich am besten beim gemeinsamen Erkunden der Körper herausfinden.

Felix

Welche Sexpraktiken sind möglich?    
Von Kuschelsex, über Oral- und Analverkehr bis hin zu BDSM ist mit trans* Männern alles möglich, was schwuler Sex beinhaltet. Einfach auf Entdeckungstour gehen. Gemacht wird, was gefällt. So einfach ist das.

Worauf muss an schwulen Sex-Orten geachtet werden?

Darkroom
Mitunter kann es sein, dass trans* Männer vor einer Transition keinen Zugang zum Darkroom erhalten. Um solche unangenehmen Situationen vor Ort zu vermeiden, empfiehlt es sich im Zweifel vorab beim Betreiber der Location nachzufragen, welche Politik sie im Umgang mit trans* Kunden pflegen. Auch nach der Transition kann es noch Mut erfordern, den Darkroom zu betreten. Wenn man dann erstmal drin ist, kann Blasen zunächst eine Option sein, um sich mit diesem neuen Ort und schwulem Sex vertraut zu machen. So muss man sich nicht gleich als trans* outen. Seine Hand schützend vor den Schritt/den Packer zu legen, kann dabei helfen, unerwünschte Berührungen zu vermeiden und seine trans* Identität nicht sofort offenlegen zu müssen. Dieses „Sich-Verstecken-Müssen“ veranlasst einige trans* Männer jedoch dazu, Darkrooms nicht zu nutzen. Eine offenere Trans*-Welcome-Politik seitens der Clubbetreiber und cis Männer wäre hier wünschenswert.

Cruising an öffentlichen Orten
Was für den Darkroom gilt, gilt grundsätzlich auch für Cruising-Areas – nur ohne Türpolitik. Vielleicht kann  Blasen zunächst helfen, sich mit Ort und Situation vertraut zu machen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass man beim Cruisen auf sich allein gelassen ist. Sollte es zu Übergriffen kommen, ist es eher schwierig, Verbündete zu finden. Hier liegt der Vorteil einer Cruising-Bar mit Darkroom.
 

Schwule Saunen
Vor dem Besuch einer schwulen Sauna empfiehlt es sich, die Politik der Betreiber in Bezug auf trans* Kunden abzuklären, die zum Beispiel Narben am Oberkörper haben oder keinen Penisaufbau. Durch einen Anruf beim Management kann man zwar nicht ausschließen, an intolerante Sauna-Gäste zu geraten, aber immerhin kann man abklären, ob das Sauna-Personal im Hinblick auf trans* Kunden sensibilisiert ist und ggf. Partei für trans* Kunden ergreift, sollte es zu unschönen Auseinandersetzungen mit anderen Gästen kommen.

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3 Ebenen

Die Transition

Transition meint die Angleichung von trans* Personen an ihr tatsächliches Geschlecht. Etwas salopp meint es: nach außen sichtbar machen, was nach innen schon lange klar ist. Die Transition ist in der Regel ein jahrelanger Prozess – der für die trans* Person sehr herausfordernd sein kann. Im Folgenden werden die drei typischen Ebenen kurz skizziert

  1. Soziale Transition
  2. Medizinische Transition
  3. Rechtliche Transition
  1. Soziale Transition: Vom trans* Coming-out bis zum Erscheinen in der Öffentlichkeit
    Coming-out als trans* Person – wie geht das? Ob als Kind, als Jugendliche_r oder Erwachsene_r, der Mensch stellt irgendwann für sich fest: „Irgendwas stimmt nicht mit mir, alle halten mich für ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘, aber ich weiß es besser.“ Dieses innere Coming-Out ist oft nicht leicht, weil Vorbilder fehlen, kaum ein Kinder- oder Schulbuch davon erzählt, und nur wenige Rollenmodelle da sind. Kommt ein Mensch dann dahinter („ich bin trans*“), steht meist das äußere Coming-Out an, nämlich anderen Menschen davon zu berichten, was los ist: in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Schule… Das Feedback daraufhin ist in der Regel unterschiedlich. Auf eine positive Erfahrung kann immer auch ein negatives Erleben durch Abwertung, nicht ernst genommen werden oder auch leider durch Diskriminierung folgen …

    Mit dem äußeren Coming-Out wird nach außen sichtbar gemacht, was nach innen meist schon klar ist, unterstützt zum Beispiel durch andere („geschlechtstypische“) Kleidung, anderes Auftreten, Accessoires wie Basecaps, Binder (Stoff am Oberkörper, der den Brustbereich flacher erscheinen lässt) oder Packer (von der Socke bis zum Dildo, alles was nach „etwas in der Hose“ aussieht). Im öffentlichen Raum ändert sich einiges für die trans* Person: von der Anrede mit dem neuen Vornamen (oder auch eben nicht), über Blicke auf der Straße oder im Job bis hin zum Aufsuchen einer öffentlichen Toilette und damit verbundenen möglichen Anfeindungen.

  2. Medizinische Transition: Von Testo bis zu geschlechtsangleichenden OPs
    Wer krankenversichert ist, bekommt die Kosten für Hormone und geschlechtsangleichende Operationen von den Krankenkassen übernommen. Die Auflagen bis zur Bewilligung sind aber hoch: ein Jahr begleitende Psychotherapie bis zur Gewährung von Hormonen, eineinhalb Jahre bis zur Übernahme  von OPs (z.B. die Mastektomie, d.h. der Schaffung einer männlichen Brust, die Hysterektomie (Gebärmutterentfernung), dem Klitpen oder ein Penoid-Aufbau). Mit der Diagnose F.64.0. der begleitenden Psychotherapie, wird bescheinigt, „transsexuell“ zu sein.

    Mit dem verschreibungspflichtigen Testosteron (z.B. als Gel, dass täglich aufgetragen wird, oder als Spritze, die je nach Testosteron-Präparat etwa alle 14 Tage oder alle drei Monate gegeben wird), verändert sich der Körper: die Stimme wird tiefer inkl. Stimmbruch, Bartwuchs kommt, Muskulatur und Fett verteilen sich um.

    In Beratungsstellen von und für trans* Menschen gibt es mehr Informationen: wie man eine gute Begleittherapie findet, wie die Hormone wirken oder auch wo es kompetente Operateur_innen gibt sowie Antworten auf alle medizinischen Fragen.

  3. Rechtliche Transition: … auf zum neuen Vornamen
    Den Vornamen zu ändern von Susanne zu Michael und den Personenstand im staatlichen Melderegister zu ändern von „W“ (wie weiblich) zu „M“ (wie männlich) oder umgekehrt – beides ist in Deutschland seit 1981 durch das Transsexuellengesetz (TSG) möglich. Es steht bei Menschenrechts- und Trans*-Organisationen mächtig in der Kritik, denn: der Weg zum neuen Vornamen ist zu lange (bis zu eineinhalb Jahre), zu teuer (bis zu ein paar tausend Euro), läuft nur über das örtliche Amtsgericht und umfasst nicht ein sondern gleich zwei Begutachtungen meist durch Psychotherapeut_innen, die vom Gericht beauftragt werden.

    In Regionen, wo es keine große Auswahl trans*-freundlicher Begutachter_innen gibt, kommt es immer mal wieder vor, dass der trans* Mann oder die trans* Frau das Portemonnaie, den Gürtel oder die Strümpfe herzeigen muss, um zu überprüfen, ob die Person „männlich“ oder „weiblich“ genug seien. Klingt absurd? Ist es auch! Im Anschluss an das Gerichtsverfahren wird der neue Vorname rechtskräftig, und alle wichtigen Dokumente müssen geändert werden - ob Führerschein, Zeugnisse oder Personalausweis. Erst seit 2011 ist keine Sterilisation mehr erforderlich, um den Personenstand zu ändern, da das Bundesverfassungsgericht diese OP endlich als Eingriff in die körperliche Unversehrtheit von trans* Menschen erachtet hat.

    Du willst mehr wissen? Hier geht's zu weiterführenden Informationen.

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Lets talk about

trans* und Safer Sex

Die Körper von trans* Männern sind vielfältig. Der Sex, den sie mit anderen Männern haben, ist es auch. Da gibt es nur wenige Unterschiede zum cis Schwulen. Der Schutz vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten ist für trans* wie cis Schwule daher grundsätzlich gleich: Auf den Seiten zu Safer Sex, Schutz durch Therapie, PEP und PrEP gibt’s alle wichtigen Infos. Folgendes ist zusätzlich gut zu wissen:

Aktiv! Passiv! Ficken als trans* Mann
Auch trans* Männer ficken aktiv. Dabei ist es egal, ob der Schwanz hormonell gewachsen (vergrößerte Klitoris) ist, es sich um einen chirurgischen Klitpen (Klitorispenoid) oder eine Phalloplastik handelt oder ob ein Strap-on gekauft wurde: Das Kondom ist dabei die einfachste Möglichkeit, sich vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen. Alternativ kann auch ein Femidom benutzt werden. Das Femidom gilt momentan als die sicherste Option für diejenigen, die sich mittels Metaidioplastik (eine Art der Genitalchirurgie) einen Klitorispeniod schaffen lassen.

Es sollte nie das gleiche Kondom vom Anus zum Front Hole (von vielen trans* Männern gewählte Bezeichnung) benutzt werden, da Bakterien des Rektums dort Infektionen verursachen können.

Sollten sich passive trans* Männer über das Front Hole ficken lassen, dann schützt auch hier das Kondom: Vor HIV, anderen Geschlechtskrankheiten oder ungewollter Schwangerschaft. Selbst wenn Testosteron eingenommen wird, können trans* Männer grundsätzlich fruchtbar bleiben (solange Gebärmutter und Eierstöcke nicht entfernt wurden; siehe Hysterektomie mit Adnexektomie).

In der Phase der medizinischen Angleichung
Durch die Langzeitbehandlung mit Testosteron vergrößert bzw. verlängert sich die Klitoris bei den meisten trans* Männern beträchtlich. Einige trans* Männer lassen sich die Klitoris zu einem Klitorispenoid aufbauen. Für den Zeitraum des Heilungsprozesses sind Infektionen hier grundsätzlich leichter möglich. Das gilt für alle Infektionen - einschließlich HIV, andere Geschlechtskrankheiten und Pilze. Daher ist es besonders sinnvoll, in dem Bereich auf Verletzungen zu achten.

Auch bei der Entfernung der Brustdrüsen und der Schaffung einer männlichen Brust (Mastektomie) ist es ratsam, während des Heilungsprozesses auf mögliche Verletzungen zu achten, da Bakterien und Viren dort leichter eindringen können.

Trans* Männer können bei einer Testosteronbehandlung erhöhte Leberwerte haben. Falls sie sich für eine PrEP entscheiden oder eine PEP benötigen, ist es sinnvoll, den behandelnden Arzt zu fragen, inwieweit diese Methoden für sie in Frage kommen.

Ein abschließendes Wort …
Wenn es um Sex und Sexpraktiken geht, ist es wichtig, einen selbstbestimmten und selbstbewussten Umgang mit der eigenen Sexualität zu finden, Grenzen aufzuzeigen und zu achten und auch mal „Nein“ zu sagen. Dies gilt übrigens für trans* Männer genauso wie für cis Männer.

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf 'Transmen: Trans Health Matters', welches von Terrence Higgins Trust publiziert wurde.

Detaillierte Erklärungen zu den hier genannten Begriffen findest Du in unserem trans* Glossar.

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Beratungsstellen von und für trans* Menschen

Du hast Fragen zum Coming-Out, zum neuen Vornamen, zu medizinische Möglichkeiten oder willst wissen, was du tun kannst bei Diskriminierungserfahrungen? Hier findest du Anlaufstellen: