Kategorie: Community

  • Charity-Abend Hamburg: Together for Hope zum Welt-Aids-Tag

    Charity-Abend Hamburg: Together for Hope zum Welt-Aids-Tag

    Wie schön war denn bitte das.

    DANKE HAMBURG

    DANKE ST.PAULI

    DIESER ABEND HAT SICH INS HERZ GRAVIERT.

    Aus einer persönlichen Erfahrung entstand eine Idee

    Zum Weltaidstag 2025 hatte Torsten Poggenpohl, der Autor des Buches „einfach!ch schwul.bipolar.positiv.“ eine Vision: Einen CharityAbend in seiner Wahlheimat Hamburg. 

    2013 – im Jahr seiner Diagnose war dies mit der einsamste Abend, welchen er je in Hamburg und in seinem Leben erlebt hat – dieses Gefühl wollte er anderen durch einen gemeinsamen Abend nehmen.

    Unterstützung aus der Community machte den Abend möglich

    Bei der Planung dieses Events musste er jedoch erleben, dass ihm mehrfach die Finanzierung für diesen Abend abhanden kam.

    Und zugleich war Aufgeben für ihn keine Option, im Gegenteil kurzerhand bat er seine Tausende Follower bei Instagram und Facebook um Unterstützung  – getreu dem Motto: „Wenn jeder einen Euro „paypalt“. – und so kam das Geld durch kleinere und größere Spenden zusammen.

    Torsten Poggenpohl (rechts) im Gespräch bei einem Charity-Abend in Hamburg, stimmungsvolle Atmosphäre mit Getränken und Publikum im Hintergrund.
    Torsten Poggenpohl (rechts) beim Charity-Abend „Together for Hope“ zum Welt-Aids-Tag in Hamburg. | Foto: © Andreas Muhme – Faces of St. Pauli
    Ein Sänger performt live auf der Bühne beim Charity-Abend „Together for Hope“ in Hamburg, mit Mikrofon und blauer Bühnenbeleuchtung im Hintergrund.
    Musikalischer Auftritt beim Charity-Abend „Together for Hope“ in Hamburg. | Foto: © Andreas Muhme – Faces of St. Pauli

    Marcel Leo Guevara Kluxen öffnete exklusiv am Ruhetag die Pforten seines TOOM PEERSTALLS – die „Häppchen“ zauberte Puk aus dem benachbarten Jolie. 

    Musik, Lesung und Spenden für die Hamburger Aidshilfe

    Während Torsten aus seinem Buch las, verzauberte der Musicalsänger Gerrit Hericks mit seiner Stimme. Die Herzen schlugen höher, während Texte und Musik perfekt aufeinander abgestimmt waren. 

    In der Pause verkauften Torsten und Gerrit fleißig Lose ans Publikum – vom CharityBären der Aidshilfe bishin zum Luxusduft oder einem Sektfrühstück für Zwei im legendären CafeGnosa gab es allerhand zu gewinnen.

    Ein Blick in die Augen des Publikums, welches gekommen war, um im Zeichen der roten Schleife Solidarität zu zeigen offenbarte: Alle fühlten sich genau am richtigen Ort – mehr geht nicht.

    Am Folgetag konnte Torsten dem Geschäftsführer der Hamburger Aidshilfe 550€ -fünfhindertfünfzig Euro – übergeben. 

    Danke Hamburg – Together for Hope – Gemeinsam. Gerade jetzt.

    Torsten Poggenpohl (rechts) steht mit einem Teilnehmer beim Charity-Abend und zeigt ein Buch sowie ein kleines Geschenk, beide lächeln in die Kamera.
    Torsten Poggenpohl (rechts) beim Charity-Abend „Together for Hope“ in Hamburg gemeinsam mit Omer Idrissa Ouedraogo (links), Geschäftsführer der Hamburger Aidshilfe. | Foto: © Privat
    Torsten Poggenpohl (rechts) liest bei einem Charity-Abend auf der Bühne, neben ihm sitzt ein weiterer Künstler, stimmungsvolle Beleuchtung im Hintergrund.
    Torsten Poggenpohl (rechts) bei der Lesung im Rahmen des Charity-Abends „Together for Hope“ in Hamburg. | Foto: © Andreas Muhme – Faces of St. Pauli

  • CSD Dresden 2026: Sichtbarkeit ist politisch – auch wenn sie nicht so genannt wird

    CSD Dresden 2026: Sichtbarkeit ist politisch – auch wenn sie nicht so genannt wird

    Als organisierender Verein des Christopher Street Day in Dresden blicken wir in diesem Jahr auf eine Situation, die von Engagement und neuen Herausforderungen geprägt ist. Der CSD ist für uns nicht nur ein Termin im Kalender, sondern ein zentraler Ausdruck unserer politischen Arbeit und unseres Einsatzes für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen.

    Unser Anspruch: politisch, sichtbar und unverzichtbar

    Seit vielen Jahren steht der CSD in Dresden für die Einforderung von Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe. Auch 2026 bleibt dieser Anspruch bestehen. In einer Zeit, in der queere Lebensrealitäten sichtbarer werden, erleben wir zugleich, dass genau diese Sichtbarkeit wieder stärker infrage gestellt wird.

    Für uns ist klar: Sichtbarkeit ist politisch. Sie macht Diskriminierung sichtbar, schafft Räume für Austausch und Solidarität und fordert Veränderungen ein. Der CSD ist genau dafür da – auf der Straße, auf Bühnen, in Gesprächen und durch gemeinsames Auftreten.

    Was die neue Bewertung konkret bedeutet

    Aktuelle Herausforderungen in der Umsetzung

    In diesem Jahr sehen wir uns mit einer veränderten rechtlichen Bewertung unserer Veranstaltungsform konfrontiert. Während die Demonstration weiterhin als politischer Ausdruck anerkannt wird, gilt das für den übrigen Teil unseres Programms – insbesondere das mehrtägige Straßenfest – plötzlich nicht mehr.

    Die zuständige Behörde bewertet diesen Teil als „überwiegend unterhaltend“ und damit nicht als Versammlung. Diese Entscheidung hat uns nicht nur überrascht – sie greift auch direkt in unsere Arbeit ein. Denn sie bedeutet konkret: Ein großer Teil dessen, was wir organisieren, verliert den rechtlichen Schutz, der für politische Versammlungen vorgesehen ist.

    Was diese Entscheidung konkret bedeutet

    Was zunächst technisch klingt, hat reale Auswirkungen. Wenn ein Teil des CSD nicht mehr als Versammlung gilt, wird er anders behandelt – rechtlich, organisatorisch und finanziell. Das betrifft strengere Auflagen, zusätzliche Anforderungen an Sicherheit und Infrastruktur sowie steigende Kosten. Gleichzeitig entsteht eine neue Unsicherheit in der Planung. Für uns als ehrenamtlich arbeitender Verein ist das eine erhebliche Belastung. Ressourcen sind begrenzt, und jede zusätzliche Anforderung bedeutet mehr Aufwand für die Menschen, die den CSD überhaupt erst möglich machen.

    Menschen beim CSD Dresden: Eine Person hält eine Regenbogenfahne in die Höhe.
    Eine Person hält beim CSD Dresden eine Regenbogenfahne hoch – ein Zeichen für queere Sichtbarkeit und Solidarität. © DAH | Bild: Renata Chueire

    Warum das Straßenfest politisch ist

    Was hier eigentlich verhandelt wird

    Im Kern geht es um eine grundlegende Frage: Was gilt als politischer Ausdruck? Ist es nur der klassische Demonstrationszug – mit Transparenten, Parolen und Bewegung? Oder gehören auch die Räume dazu, in denen Menschen sich informieren, austauschen, zuhören, sichtbar sind und gemeinsam Haltung zeigen? Der CSD war nie nur eine Demonstration. Er war immer auch ein Ort der Begegnung und der kollektiven Sichtbarkeit. Genau darin liegt seine politische Kraft. Wenn diese Formen plötzlich als „Unterhaltung“ eingeordnet werden, wird politische Realität verkürzt.

    Was auf dem Spiel steht

    Eine problematische Trennung

    Die aktuelle Bewertung folgt einer Logik, die wir kritisch sehen: Der Aufzug wird als politisch anerkannt, weil er klassisch demonstrativ ist. Das Straßenfest hingegen wird als etwas anderes behandelt – obwohl es dieselben Inhalte transportiert. Diese Trennung wirkt konstruiert. Sie orientiert sich weniger an der tatsächlichen Funktion als an äußeren Formen. Doch politische Kommunikation findet nicht nur im Demonstrieren statt. Sie entsteht auch dort, wo Menschen zusammenkommen, zuhören, diskutieren und sichtbar Haltung zeigen. Gerade beim CSD greifen diese Elemente ineinander: Menschen kommen wegen der Demonstration, bleiben für Austausch und Information und tragen die Inhalte weiter.

    Das Straßenfest ist kein „Rahmenprogramm“, sondern ein zentraler Bestandteil der politischen Aussage. Hier finden Gespräche statt, hier werden Forderungen erklärt und Menschen kommen miteinander in Kontakt.

    Politische Wirkung entsteht durch Begegnung

    Wie der CSD konkret politisch wirkt

    Der CSD ist kein starres Format, sondern ein dynamischer Prozess. Menschen kommen mit unterschiedlichen Erwartungen: Einige wollen demonstrieren, andere sich informieren oder einfach Teil einer Gemeinschaft sein. Genau diese Mischung ist gewollt – und politisch wirksam. Auf dem Gelände finden Gespräche statt, in denen Diskriminierungserfahrungen geteilt, Informationen vermittelt und gesellschaftliche Themen diskutiert werden. Diese Gespräche sind ein zentraler Bestandteil politischer Meinungsbildung.

    Viele Initiativen nutzen den CSD, um ihre Arbeit sichtbar zu machen, auf Missstände hinzuweisen und Unterstützung zu mobilisieren. Für viele Besucher*innen ist dies der erste Kontakt mit solchen Themen. Auch das Bühnenprogramm erfüllt eine politische Funktion. Beiträge greifen gesellschaftliche Entwicklungen auf, ordnen sie ein und machen sie für ein breites Publikum zugänglich.

    Warum diese Argumentation zu kurz greift

    Die behördliche Bewertung reduziert politische Kommunikation auf ein enges Verständnis von Protest. Politische Meinungsbildung entsteht aber nicht nur in klar abgegrenzten Momenten. Sie entsteht auch dort, wo Menschen ins Gespräch kommen, Inhalte vermittelt werden und Perspektiven sichtbar werden. Wer den CSD in einzelne Elemente zerlegt, verliert den Blick für diese Zusammenhänge.

    Politische Wirkung entsteht im Zusammenspiel

    Die verschiedenen Elemente des CSD greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Politische Wirkung entsteht hier nicht punktuell, sondern als Prozess. Der CSD schafft niedrigschwellige Zugänge zu politischen Themen und erreicht Menschen, die sonst wenig Berührungspunkte mit solchen Debatten haben.

    Vielfalt als Stärke politischer Arbeit

    Politische Bewegungen sind heute vielfältig. Sie nutzen unterschiedliche Ausdrucksformen, um Menschen zu erreichen und Themen sichtbar zu machen. Diese Vielfalt ist keine Schwäche – sie ist eine Voraussetzung für erfolgreiche politische Arbeit. Der CSD verbindet klassische Protestformen mit kulturellen und sozialen Elementen. Dadurch entsteht ein Format, das unterschiedliche Menschen anspricht und einbindet. Wenn diese Vielfalt nicht als politisch anerkannt wird, wird politische Teilhabe eingeschränkt.

    Wenn Öffentlichkeit zur politischen Wirkung wird

    Die Rolle von Öffentlichkeit

    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Öffentlichkeit. Der CSD findet bewusst im öffentlichen Raum statt. Er ist sichtbar, zugänglich und offen für alle. Diese Öffentlichkeit ist entscheidend. Sie sorgt dafür, dass Themen nicht im privaten Raum bleiben, sondern Teil gesellschaftlicher Diskussion werden. Wenn Menschen den CSD wahrnehmen – sei es aktiv oder als Beobachter*innen – werden sie mit Themen konfrontiert, die sie sonst vielleicht nicht erreichen würden. Auch das ist politische Wirkung.

    Person hält ein Schild mit der Aufschrift „Pride is Protest“ bei einer Pride-Demonstration hoch.
    Ein Schild bei einer Pride-Demonstration macht deutlich: Queere Sichtbarkeit ist politischer Protest. © ink drop/stock.adobe.com

    Was auf dem Spiel steht

    Die aktuelle Bewertung betrifft daher nicht nur organisatorische Fragen. Sie berührt die Frage, wie politische Teilhabe gestaltet wird – und welche Formen davon anerkannt werden. Wenn politische Ausdrucksformen zu eng definiert werden, entsteht die Gefahr, dass wichtige Räume verloren gehen. Räume, in denen Austausch möglich ist, in denen Menschen sich vernetzen und in denen gesellschaftliche Themen sichtbar werden. Gerade für marginalisierte Gruppen sind solche Räume von besonderer Bedeutung.

    Warum wir diese Entwicklung ernst nehmen

    Wir nehmen diese Entwicklung ernst, weil sie über den Einzelfall hinausweist. Sie betrifft nicht nur den CSD Dresden, sondern auch die Frage, wie zivilgesellschaftliches Engagement insgesamt bewertet wird. Eine offene Gesellschaft braucht vielfältige Formen politischer Beteiligung. Sie braucht Räume, in denen Menschen sich einbringen können – unabhängig davon, ob sie dies in klassischen oder in neuen Formaten tun. Genau dafür steht der CSD. Und genau deshalb setzen wir uns dafür ein, dass diese Form der politischen Arbeit als solche anerkannt wird.

    Warum der CSD als politischer Raum geschützt werden muss.

    Begegnung als politischer Raum

    Für viele Besucher*innen ist der CSD einer der wenigen Orte, an denen sie sich offen zeigen können. Dieses gemeinsame Sichtbar-Sein ist nicht unpolitisch – es ist ein kollektiver Ausdruck, der auch nach außen wirkt. Begegnung schafft Gemeinschaft und politische Wirkung zugleich. Sie ermöglicht Austausch, baut Vorurteile ab und stärkt Solidarität.

    Ehrenamt unter Druck

    Der CSD Dresden wird maßgeblich durch ehrenamtliches Engagement getragen. Viele Menschen investieren Zeit und Energie, um dieses Projekt zu ermöglichen. Mehr Auflagen, mehr Kosten und mehr Unsicherheit bedeuten auch mehr Arbeit. Dieses Engagement hat Grenzen. Wenn politische Arbeit strukturell erschwert wird, gerät dieses Modell unter Druck.

    Person mit bunten Regenbogenflügeln steht beim CSD in einer Menschenmenge.
    Eine Person mit Regenbogenflügeln beim CSD – ein starkes Zeichen für Vielfalt, Sichtbarkeit und Solidarität. © DAH | Bild: Renata Chueire

    Gesellschaftliche Realität in Sachsen

    Queere Themen sind sichtbarer geworden, gleichzeitig nehmen Anfeindungen und Gegenbewegungen zu. Gerade deshalb sind Orte wie der CSD wichtig. Sie schaffen Sichtbarkeit, verbinden Menschen und machen deutlich, dass queeres Leben Teil dieser Gesellschaft ist.

    Warum Sichtbarkeit nicht neutral ist

    Sichtbarkeit ist nicht neutral. Für viele queere Menschen bedeutet sie auch, sich angreifbar zu machen und öffentlich Haltung zu zeigen. Das ist ein politischer Akt.

    Unsere Forderungen

    • Vollständige rechtliche Gleichstellung queerer Menschen
    • Konsequenter Schutz vor Diskriminierung und Gewalt
    • Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen
    • Anerkennung der gesamten CSD-Struktur als politischer Ausdruck

    Warum wir weitermachen

    Warum wir weitermachen

    Trotz aller Herausforderungen steht für uns fest: Wir machen weiter. Der CSD Dresden 2026 wird stattfinden – mit Demonstration, Programm und klarer Haltung. Denn Sichtbarkeit lässt sich nicht in „politisch“ und „nicht politisch“ aufteilen.

    Ein gemeinsamer Auftrag

    Wenn diese Räume enger werden, braucht es umso mehr Aufmerksamkeit und Solidarität. Deshalb laden wir euch ein: Informiert euch, sprecht darüber und unterstützt unsere Arbeit. Denn am Ende geht es nicht nur um eine juristische Bewertung. Es geht darum, wie sichtbar queeres Leben in Zukunft sein darf. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, dass solche Räume bestehen bleiben und gestärkt werden.

    CSD Dresden 2026

    Termine, Demo und Programm

    Der CSD Dresden 2026 lädt rund um Demonstration, politisches Straßenfest und zahlreiche Veranstaltungen zu Sichtbarkeit, Begegnung und Austausch ein. Viele Termine und Angebote findest du direkt beim Christopher Street Day Dresden e.V.

    CSD-Demozug Samstag, 06. Juni 2026 · ab 12:00 Uhr Altmarkt Dresden
  • Rastplatz Cruising Harz

    Rastplatz Cruising Harz

    „Ziegenberg“ – Mein Lieblingsparkplatz an der A36

    Ich hänge den Helm auf den Lenker und ziehe meine Handschuhe aus. Das Motorrad parkt wie gewohnt vorn in der letzten Bucht. „Ziegenberg“ ist mein Lieblingsparkplatz, hier an der A36. Zwischen dichten Wäldern und abgelegenen Seen finden sich hier im Harz Orte, an denen sich Männer begegnen – mit einer Spannung, die nur die Natur zaubern kann. Während die Metropolen mit Bars, Saunen und Clubs locken, zieht mich hierhin auch in der kalten Jahreszeit etwas Eigenes: verstohlene Blicke, ein Versprechen, und das prickelnde Gefühl, nicht zu wissen, wem ich hier draußen als nächstes begegne.

    Zwischen Verkehrsrauschen und Waldgrün: Eine Atmosphäre der Erwartung

    Leute mit ganz unterschiedlichen Geschichten: Handwerker, Pendler, Jüngere in Sportklamotten, Ältere mit neugierigen Blicken. Sie alle halten hier an. Spontan oder weil ein vertrautes Auto wieder auf dem Parkplatz steht. Zwischen Verkehrsrauschen und dem abgeschirmten Grün des kleinen Waldstücks liegt ein Hauch von Erwartung in der kühlen Luft. Ich spüre geradezu, wie jemand aus einem von innen beschlagenen Auto steigt. Ein schweifender Blick, der länger verweilt. Spannung wie zum Schneiden. Kontakt ergibt sich, wortlos. Manche bleiben kurz, andere verweilen. Die Minuten vergehen. Dann ein Moment, der sich richtig anfühlt …

    Zwei Männer stehen eng umschlungen im Wald – Symbolbild für schwules Cruisingl, Begegnungen abseits von Grindr und Dating-Apps.
    Symbolbild für schwules Cruising im Wald: Begegnung zwischen zwei Männern

    Sommer am Zankwieser Teich: Wenn Natur und Erotik ineinanderfließen

    Ich denke an den letzten Sommer: Weiter oben in den Bergen, zum Zankwieser Teich, zieht es FKK-Fans zu Sonne, See und Kontakten im Gebüsch. Der Weg durchs Unterholz macht mich erwartungsvoll. Sonnenstrahlen in den Zweigen, Schritte wie gedämpft. Am Ufer Handtücher, Körper im warmen Licht, hin und wieder einen Blick, länger als zufällig. Als würden Natur und Erotik ineinanderfließen: lauer Wind auf der Haut, die Stille des Waldes, ein Lächeln, eine Berührung im Vorbeigehen. Regeln, die jede:r hier zu kennen scheint. Auch Respekt, Raum zu lassen. Bis ein Nicken nach Nähe ruft.

    Begegnungen auf dem Rastplatz: Regeln, Respekt und Verantwortung

    Nichts garantiert. Begegnungen offen, bis sie geschehen. Auf dem Waldboden unzählige benutzte Kondome: Umgang mit Risiko ist hier Teil des Spiels. Die Abgeschiedenheit fordert aufmerksam zu sein: Handy immer dabei, die Umgebung im Blick. Wissen, was ich suche und was nicht. Wenn sich etwas komisch anfühlt, gehe ich fort. Die Begegnungen getrieben von Geilheit, eingebettet in Verantwortung. Hitze kannte kein Morgen.

    Cruising im Winter: Klare Luft, direkte Blicke, stille Gemeinschaft

    Jetzt im Winter zieht sich alles zusammen. Die Luft klarer, die Blicke direkter. Und doch: Parkplätze wie warme Inseln im frostigen Land. Auch das hat seinen Reiz. Ein Knackarsch im Lichtkegel der Autoscheinwerfer. Die beißende Kälte der frischen Luft. Das leise, aber intensivere Knirschen unter meinen Stiefeln. – Das ist auch eine stille Gemeinschaft: Männer, die sich seit Jahren kennen, wiedererkennen, meist ohne Namen, ohne zu sprechen. Im Schatten der Tannen berühre ich Fremde voller Lust. Unbekannt und doch vertraut. Wild und doch voll Respekt. Erfüllt schlendere ich zurück zum Motorrad. Ich springe über die überfrorenen Pfützen durch die nächtlichen Schatten. Leicht wie eine Feder und doch ganz geerdet und bei mir. Nichts ist laut oder grell. Ich fühle eine Tiefe auf eine stille Art, die nur das Land kennt. So ist das für mich nur hier möglich.

  • Aidshilfe bleibt Stabil

    Aidshilfe bleibt Stabil

    Porträt von Axel Schock
    Axel Schock | Fotoquelle: (c) Natalia Reich
    Porträt von Jonathan Gregory, Kampagnenleitung von IWWIT
    Jonathan Gregory, Kampagnenleitung IWWIT
    AS
    Fragen von Axel Schock
    JG
    Antworten von Jonathan Gregory

    Rückzug aus Safe Spaces: Was Rechtspopulismus für queere Menschen bedeutet

    AS

    Rechte und rechtspopulistische Ansichten finden nicht nur eine zunehmende Verbreitung in Gesellschaft und Öffentlichkeit, auch Parteien, die solches Gedankengut vertreten, gewinnen an Zuspruch. Welche politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die queere Community?

    JG

    Ich beobachte hier gleich mehrere Reaktionen. Durch den Druck, den insbesondere marginalisierte Gruppen wie queere Menschen zunehmend erleben, ziehen sich immer mehr aus ihren Safe Spaces zurück.

    Das IWWIT-Team reist insbesondere zur CSD-Saison viel durchs Land, und im letzten Jahr habe ich durch Gespräche vor Ort verstärkt mitbekommen, dass sich viele Queers immer weniger trauen, Community-Orte aufzusuchen, weil sie ihnen nicht mehr sicher erscheinen. Etwa, weil es dort immer wieder zu Vandalismus kommt oder die Besucher*innen sogar Angst haben, belästigt oder attackiert zu werden.

    Wir beobachten zudem, dass durch Sparmaßnahmen auf kommunaler wie auf Landesebene immer mehr auch queere Projekte betroffen sind. Die Folge ist, dass solche Angebote weniger werden und schließlich ganz verschwinden.

    Wenn Community-Orte verschwinden: Verlust von Vernetzung und Teilhabe

    AS

    Diese Orte sind ja nicht nur wichtig als Treffpunkt und als Safe Spaces von LGBTIQ*, sondern auch als Ankerpunkt zum Beispiel für die Arbeit von IWWIT.

    JG

    Das ist richtig. Queere Menschen haben lange dafür gekämpft, sich nicht mehr verstecken zu müssen, sondern offen und frei leben zu können. Wenn uns nun aber solche Orte verloren gehen, wird auch die Community-Arbeit schwerer. Natürlich kann man sich auch digital vernetzen und sich online austauschen. Aber es ist einfach etwas anderes, wenn man sich im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht austauschen, kennenlernen oder organisieren möchte. Wenn sich Menschen aufgrund der politischen Lage wieder zurückziehen, verlieren sie dadurch auch den Zugang zu Gemeinschaft, wie zu Kultur-, Freizeit-, und Gesundheitsangeboten.

    AS

    Das bedeutet also, dass Online-Angebote zunehmend wichtiger werden. Zum Beispiel um queeren Menschen Informationen zu Gesundheitsthemen zu vermitteln.

    JG

    Hier kommen wir zu einer anderen besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklung. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise der YouTube-Kanal von IWWIT gesperrt. Eigentümer ist bekanntlich der Google-Mutterkonzern Alphabet. Auch in Europa sind wir in eine große Abhängigkeit von US-amerikanischen Online-Plattformen geraten, die ihre ganz eigene Vorstellung von Zensur haben. Wenn Web-Inhalte nicht dem entsprechen, was die US-Regierung für richtig und wichtig erachtet, wird sehr schnell mit Löschung und Sperrung reagiert. Und das hat natürlich große Auswirkungen auf unsere Präventionsarbeit, aber auch auf die Möglichkeiten der Vernetzung.

    Förderung unter Druck: IWWIT zwischen Bewährung und politischem Gegenwind

    AS

    Wie wird es unter diesen veränderten Bedingungen in den kommenden Jahren mit der IWWIT-Kampagne weitergehen?

    JG

    Ob es mit IWWIT weitergeht, wird alle fünf Jahre entschieden. Dann nämlich, wenn die Fördergeberinnen, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, unsere Arbeit evaluieren und unser Konzept für die Zukunft prüfen.

    AS

    Und das ist euch gelungen, trotz der deutlich veränderten politischen Stimmungslage?

    JG

    Ja, und wir sind sehr froh, dass wir die Verantwortlichen von der Notwendigkeit und Wichtigkeit unserer Arbeit, aber auch von unserem Konzept für die nächsten Jahre überzeugen konnten. Wir stellen allerdings auch fest, dass IWWIT als Projekt und auch das, wofür es steht, von vielen verschiedenen Akteur*innen verstärkt hinterfragt wird – jedoch nicht auf kritisch-konstruktive, sondern eher auf eine vernichtende und abwertende Art und Weise.

    Diese Entwicklung zeigt sich auch auf politischer Ebene, etwa durch kleine oder große Anfragen von einzelnen Parteien im Bundestag. Wir hatten durchaus Sorge, ob unsere Arbeit weiter gefördert wird. Andere wichtige Projekte, gerade auch im Bereich Gesundheitsförderung, Anti-Rassismus oder LGBTIQ*-Rechte, die auf öffentliche Mittel angewiesen sind, müssen um ihre Existenz bangen. Wenn gespart werden muss, fallen solche Initiativen und Projekte oft als erstes weg, weil sie zunehmend nicht mehr für wichtig erachtet und für verzichtbar gehalten werden.

    Kürzungen treffen queere Projekte: Einzelfälle oder Systemversagen?

    AS

    In einigen Städten, etwa in Potsdam und in Halle (Saale), mussten die lokalen Aidshilfen kürzlich ihre Schulpräventionsprojekte auf Eis legen, weil die Förderung dafür nicht verlängert wurde.

    JG

    Dies sind leider keine Einzelfälle. Die tatsächlichen Summen, mit denen solche und andere Projekte von Organisationen, Vereinen und Initiativen mit öffentlichen Zuschüssen gefördert werden, sind oft gar nicht so groß, aber sie stellen einen wichtigen Teil der Gesamtfinanzierung dar. Fehlt dieses Geld, entfallen die Angebote deshalb oft komplett.

    Wenn zum Beispiel ein Kontaktcafé oder eine Beratungsstelle zwar ehrenamtlich betrieben wird, die Raummiete aber bislang wesentlich durch Fördergelder finanziert wurde, gehen mit der Streichung dieser Gelder solche Orte verloren. Damit verlieren viele Menschen – seien es queere oder solche mit Migrationsgeschichte – eine wichtige Möglichkeit, Anschluss und Teilhabe am sozialen Leben zu finden. Auch deshalb ist es wichtig, dass Aidshilfe stabil bleibt – damit uns diese Netzwerke nicht verloren gehen und dadurch all die Menschen, die sonst durchs Raster fallen. Wir müssen also nicht nur unsere Orte und Angebote, sondern auch unsere Community stärken.

    AS

    Welchen Beitrag kann IWWIT dazu leisten?

    JG

    Die Aidshilfen und IWWIT haben Präventionsarbeit und auch sexuelle Bildung immer schon als politisch betrachtet. Denn wir stehen nicht nur für Menschen mit HIV, sondern für unterschiedlichste marginalisierte Gruppen ein. Zum Beispiel für Menschen mit HIV, die vielleicht jeglichen Zugang zu Gesundheitssystemen verlieren, sollte sich die politische Lage noch weiter zuspitzen. Wir stehen auch dafür ein, dass Menschen mit Fluchterfahrungen überhaupt einen Zugang zum Gesundheitssystem erhalten.

    Wir werden deshalb unsere Präventionsarbeit mehr als bisher auch mit einer politischen Bildungsarbeit verbinden. Denn wir merken, dass das eine nicht ohne das andere geht. Wir sprechen natürlich gerne über Sexualität und Sex, und alles, was dazugehört. Wir alle wollen Liebe, wollen Räume, in denen wir uns sicher und wohlfühlen, und wir wollen von der Gesellschaft als das anerkannt und respektiert werden, was wir sind: queere Menschen. Das alles jedoch ist nicht mehr selbstverständlich.

    Wir wollen die Community nicht nur aufklären, sondern auch dazu animieren, über solche Themen zu sprechen und nicht unsichtbar zu werden: Geht raus, trefft euch, verbündet euch!

    Digital präsent bleiben – und selbst aktiv werden

    AS

    Gerade solche analogen Angebote werden ja immer weniger, wie wir bereits festgestellt haben.

    JG

    Wir haben uns für die neue Förderperiode selbst einen klaren konzeptionellen Fokus gesetzt. Wir werden versuchen, stärker als zuvor auf den verschiedenen digitalen Plattformen, die wir bereits bespielen, präsent zu sein. Eben, um mehr denn je mit Menschen in Kontakt zu treten, die wir im analogen Leben, etwa bei Veranstaltungen während der CSD-Saison, nicht oder nicht mehr erreichen. IWWIT hat deshalb auch einen eigenen TikTok-Kanal gestartet, um auf diesem Weg eine weitere, sehr junge Zielgruppe mit hineinzuholen.

    AS

    Und hast du Tipps, was jede*r einzelne dazu beitragen kann, damit nicht nur Aidshilfe stabil bleibt, sondern auch unsere Community?

    JG

    Das ist eine gute Frage. Aktivismus hat sehr viele Facetten und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, etwas zu bewirken. Du kannst mit vielen anderen gemeinsam auf einer CSD-Demo deine Rechte einfordern und für Sichtbarkeit sorgen. Du kannst einen Brief an einen Bundestagsabgeordneten oder an Verantwortliche in deiner Stadtverwaltung schreiben. Aber auch jedes einzelne Gespräch kann in deinem eigenen persönlichen Umfeld etwas ändern, allein dadurch, dass du klare Haltung zeigst.

    Wichtig dabei ist: Achte auf dich und bleib informiert. Es geht nicht allein darum, was im Bundestag oder bei den Parteien passiert, sondern auch, was bei dir auf lokaler Ebene, direkt vor der Haustür geschieht. IWWIT und die Deutsche Aidshilfe werden weiterhin eine vertrauenswürdige Plattform sein, wo ihr Informationen zu bestimmten Fragen erhaltet.

    Was mir aber auch wichtig ist zu sagen: Wir leben in unruhigen Zeiten und die vielen schlechten Nachrichten können uns mental belasten. Deshalb: Wer sich aktivistisch engagiert und Haltung zeigt, kann dies nur, wenn er auch auf sich selbst und die eigene Gesundheit achtet, und sich auch notwendige Ruhe und Auszeiten gönnt.

    Kampagne #AidshilfeBleibtStabil: Infos, Material und Sichtbarkeit

    Die Kampagne #AidshilfeBleibtStabil der Deutschen Aidshilfe setzt ein klares Zeichen gegen Rechtspopulismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Sie macht sichtbar, warum Aidshilfe-Arbeit gerade jetzt wichtig ist: für queere Communitys, für solidarische Gesundheitsarbeit und für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind.

    Mehr zur Kampagne erfährst du auf magazin.hiv: Aidshilfe bleibt stabil.

    Die Aufkleber zur Kampagne kannst du direkt bestellen und dort einsetzen, wo Haltung sichtbar werden soll – zum Beispiel in Beratungsstellen, Community-Räumen, bei Veranstaltungen oder im Alltag. Klicke einfach auf ein Motiv, um zum jeweiligen Bestellangebot zu gelangen.

    Du brauchst jemanden zum Reden?

    Ob akut oder einfach zur Orientierung – manchmal hilft es, mit jemandem vertraulich zu sprechen.
    Nutze den Gay Health Chat – der Button rechts unten begleitet dich auf der Seite. Dort bekommst du anonym und kostenlos:

    • Persönliche Live-Beratung im Chat
    • Hilfe per Mail oder Telefon
    • Infos zu Gesundheit, Recht, Alltag und mehr

  • Monkey Dust – ein neuer Geist geht um

    Monkey Dust – ein neuer Geist geht um

    Seit einigen Jahren gerät eine Substanz stärker in den Fokus von Usern, Fachleuten und medizinischen Einrichtungen: Monkey Dust. Notfalldienste berichten von immer mehr Einsätzen im Zusammenhang mit dieser Droge – in Deutschland vor allem in Berlin und Göttingen –, obwohl Monkey Dust einen vergleichsweise kleinen Anteil an den insgesamt konsumierten Drogen darstellt. Seit 2023 steigt auch das öffentliche Interesse, was sich in vermehrten Internet-Suchanfragen äußert.

    Doch was genau ist Monkey Dust, wie und wo wird es konsumiert, und warum warnen selbst Experten, die lange auf Eigenverantwortung der User setzten, erstmals explizit vor einer Droge? Die Antworten auf diese Fragen sind komplex – doch eine Studie der Charité Berlin und des Präventionsprojekts Sidekicks, bei der User von Monkey Dust zu ihrem Konsumverhalten befragt wurden, gibt nun wichtige Hinweise.

    Was ist Monkey Dust?

    Sowohl unter Fachleuten als auch Usern ist nicht immer klar, was genau mit “Monkey Dust” eigentlich gemeint ist. Es ist ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Substanzen aus der Klasse der synthetischen Cathinone, also künstlich hergestellte stimulierende Substanzen, chemisch verwandt mit der Khat-Pflanze. Dazu gehören insbesondere MDPV oder MDPHP. Manchmal werden sie auch “Pyros” (Pyrovalerone) genannt. Weitere Varianten sind α-PHP oder α-PiHP, die als “Alpha” oder “Flex” kursieren.

    Monkey Dust wirkt stark aufputschend und kann intensive Euphorie, gesteigerte Energie, Enthemmung und erhöhte Libido auslösen. Es kann auch als rauchbare, stärkere und risikoreichere Variante von Mephedron und 3-MMC verstanden werden – ähnlich wie Crystal Meth eine rauchbare, stärkere und risikoreichere Variante von Speed ist. Es ist ein kristallines Pulver oder feines Puder, dessen Farbe von weißlich bis braun variiert. Manche Formen sollen laut Berichten nach Sperma riechen.

    Hier ist wichtig zu betonen, dass bei Monkey Dust die Rate der Fehldeklarationen und Kontaminationen hoch ist. Ohne toxikologische Analyse ist oft unklar, ob das, was als Monkey Dust verkauft wird, tatsächlich auch synthetische Cathinone sind oder andere psychoaktive Substanzen. Aufgrund unterschiedlicher Dosierung und Wirkungsdauer sind Verwechslungen besonders gefährlich.

    Illustration eines Mannes unter Einfluss von Monkey Dust mit paranoiden und halluzinatorischen Zuständen
    Künstlerische Darstellung der psychischen und körperlichen Auswirkungen von Monkey Dust, darunter Paranoia und Kontrollverlust
    | Fotoquelle: Noah Elio

    In welchen Kontexten wird Monkey Dust konsumiert?

    Monkey Dust wird – zumindest in Berlin – am häufigsten auf sogenannten “Chills” konsumiert, also Gruppensex-Partys. Somit reiht es sich ein in die Gruppe der bekannten Chemsex-Drogen GHB/GBL, Ketamin, Mephedron und Crystal Meth. Häufig konsumierende User nennen auch Clubs und Festivals als Konsumorte.

    Ein bemerkenswerter Teil der von der Charité befragten User (Frauen, Heterosexuelle) passt jedoch nicht in das Chemsex-Muster. Das deckt sich mit Berichten über den Konsum von synthetischen Cathinonen in Milieus mit Obdachlosigkeit und sozialem Prekariat, wie etwa die „Flex”-Szene in Göttingen.

    Wie wird Monkey Dust konsumiert?

    Monkey Dust wird meist geraucht, kann aber auch gesnifft, geschluckt, rektal eingeführt oder intravenös gespritzt werden. MDPHP in der “Freebase”-Variante ist jedoch nicht wasserlöslich und verklebt die Schleimhäute, womit es nicht für den nasalen oder rektalen Konsum geeignet ist. Beim Sniffen sollte beachtet werden, dass Monkey Dust trotz chemischer Verwandtschaft zu Mephedron weitaus geringer dosiert werden muss, da es deutlich stärker ist.

    Die in der Studie befragten User gaben Konsummengen bis 2000 mg pro Session an, mit einem Mittelwert von 488 mg. Diese Zahlen übersteigen die von Sidekicks angegebenen gängigen Dosierungen (5-10 mg beim Rauchen, 10-20 mg beim Sniffen, 20-40 mg beim Schlucken) bei Weitem. Eine verlässliche Dosierung ist oft nicht möglich, da Monkey Dust in ganz unterschiedlichen Konzentrationen und Reinheitsgraden vorliegen kann.

    Je nach Einnahmeform beträgt die Wirkungsdauer 2 bis 8 Stunden. Beim Rauchen tritt jedoch nach dem anfänglichen Rauschgefühl von 30 bis 40 Minuten ein starker Nachlegedrang auf. Wird dann sofort nachgelegt, addiert sich die stimulierende Wirkung, und es ergeben sich oft sehr lange Sessions. In der Studie gaben User die Dauer einer typischen Session mit bis zu 72 Stunden an, mit einem Mittelwert von etwa 20 Stunden. Bei einer solch langen Session kann sich das Risiko für unangenehme Nebenwirkungen erhöhen. Nachwirkungen wie Schlaflosigkeit und erhöhter Puls können 6 bis 12 Stunden lang andauern.

    Wie fühlt sich Monkey Dust an?

    Typische Effekte von Monkey Dust sind Stimulierung, Lust auf Sex und Enthemmung, aber auch Motivation, Wachheit, Kontaktfreudigkeit und Selbstbewusstsein. Eher negative Effekte sind ein unterdrücktes Hunger- und Durstgefühl, Halluzinationen und ein starker Nachlegedrang.

    In der Studie nannten User als Motive sowohl die Verstärkung von positiven Gefühlen als auch die Verdrängung von negativen Gefühlen. Monkey Dust löst einen euphorischen Zustand aus, steigert die sexuelle Leistung und intensiviert die Gefühle beim Sex. User berichten, dass sie durch den Konsum “supergeil” werden und der Sex “animalischer” wird. User mit häufigen Konsum gaben auch an, dass der Konsum sie Probleme, Angst und Depressionen vergessen lässt, einige benutzen Monkey Dust auch als Selbstmedikation bei ADHS.

    Was sind Neben- und Langzeitwirkungen von Monkey Dust?

    Zu den gängigen Nebenwirkungen von Monkey Dust gehören Herzrasen, hoher Blutdruck, Mundtrockenheit, Kieferkrampfen, Muskelzucken, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Angstzustände, gesteigerte Aggressivität sowie Erektionsprobleme. Bei Überdosierung können lebensgefährlicher Überhitzung und psychotische Zuständen auftreten. Sidekicks empfiehlt, bei akuten psychotischen Störungen sofort medizinische Hilfe aufzusuchen.

    Typische Nebenwirkungen beim Runterkommen sind Paranoia und Wahnvorstellungen, Schuld- und Angstgefühle sowie Konzentrations- und Erinnerungsstörungen. Körperliche Symptome sind Schlaflosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Muskelkrämpfe.

    Mit steigender Konsumdauer bzw. Konsumfrequenz werden Langzeitfolgen wie Psychosen, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Probleme, ein geschwächtes Immunsystem, starker Gewichtsverlust, Depression und sozialer Rückzug immer wahrscheinlicher.

    Die Studienteilnehmer nannten als negative Folgen Paranoia, Panik- oder Angstattacken, ein unangenehmes soziales Umfeld, wochenlange anhaltende Sinnesstörungen, starken Gewichtsverlust, Realitätsverlust, sexuelle Begegnungen mit Personen, die man nicht mochte, sowie sexualisierte Gewalt.

    Mit welchen anderen Substanzen wird Monkey Dust konsumiert?

    Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer gab an, rauchbare synthetische Cathinone in der Regel mit anderen Substanzen zu kombinieren. GHB/GBL wurde am häufigsten gleichzeitig konsumiert, gefolgt von 4-/3-MMC, Crystal Meth und (Crack-)Kokain. Als Hauptgründe für den Mischkonsum wurden genannt: Steigerung des sexuellen Lust, Intensivierung des Rausches sowie Abschwächung der Wirkung, z. B. „GHB, um den nervösen Nebenwirkungen entgegenzuwirken”.

    Sidekicks warnt, dass beim Mischkonsum Körper und Psyche stärker belastet werden. Die Wirkungen der einzelnen Substanzen können verstärkt, abgeschwächt oder zeitverzögert auftreten. Wird der Upper Monkey Dust zusammen mit einem Downer (GHB/GBL oder Alkohol) eingenommen, überdecken sich die Wirkungen gegenseitig – dies verleitet zu einem überhöhten Konsum. Mischt man Monkey Dust mit einem anderen Upper (4-/3-MMC, Crystal Meth, Speed oder Kokain), wird der Herz-Kreislauf stark belastet, was zu Überhitzung und Kreislaufkollaps führen kann.

    Wie betreibe ich Safer Use und Safer Sex?

    Nur etwa ein Drittel der Befragten gab an, beim Konsum von Monkey Dust Safer-Use-Strategien anzuwenden wie etwa „Hygiene“, „Verwendung persönlicher Utensilien“, „Dosierung abmessen“ oder „Kauf von sehr vertrauenswürdigen Personen“. Dies deutet zwar auf ein gewisses Risikobewusstsein hin, zeigt aber auch, dass die Mehrheit keine solchen Maßnahmen ergreift.

    Sidekicks empfiehlt als Safer-Use-Strategien vor dem Konsum die Nutzung von Drugchecking oder der KnowDrugs-App sowie die Bewusstmachung von eigenen Vorerkrankungen (bezüglich Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Psychosen oder Schizophrenie) und von Strategien im Umgang mit Nachlegedrang. Beim Konsum selbst wird empfohlen, anfangs nur eine kleine Menge zu testen und die Dosis genau abzumessen. Falls Angst oder Paranoia auftreten, soll der Konsum sofort beendet werden. Überhitzung ist zu vermeiden durch regelmäßige Pausen beim Sex, frische Luft und genug Trinken. Nach dem Konsum werden längere Pausen von mindestens 4 bis 6 Wochen empfohlen. Von der Verwendung von Substanzen zum Runterkommen wird abgeraten, denn diese bergen ein hohes Abhängigkeitspotential.

    Die Effekte von Monkey Dust führen zu längerem und heftigerem Sex. Dabei gehen Safer-Sex-Praktiken oft vergessen und es steigt das Infektionsrisiko mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Deshalb wird empfohlen, im Vorfeld abzuklären, welche Sexpraktiken gewollt sind und welche nicht, sowie ausreichend Safer-Sex-Utensilien bereitzulegen. Es sollte nur so viel konsumiert werden, dass man noch klar sagen kann, was man will und was nicht – und auch erkennt, wenn andere Grenzen setzen. Wie immer empfiehlt sich auch ein regelmäßiges Testen auf sexuell übertragbare Infektionen.

    Welche Wechselwirkungen mit einer HIV-Therapie bestehen?

    Zu Wechselwirkungen zwischen Monkey Dust und HIV-Medikamenten gibt es noch keine klaren Erkenntnisse. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass gewisse Medikamente wie Ritonavir die MDPV-Konzentrationen erhöhen könnten.

    Deshalb wird empfohlen, Drogen und HIV-Medikamente immer zeitlich versetzt einzunehmen, was mögliche Wechselwirkungen etwas abmildern kann. Außerdem sollten Drogen bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten immer niedriger dosiert werden. Gerade bei längeren Sessions geht die Einnahme von Medikamenten auch ganz vergessen – am besten also immer Reserve-Medikamente bei sich tragen und den Einnahmezeitpunkt einhalten.

    Wie problematisch ist der Konsum von Monkey Dust?

    In der Studie zeigten 60 % der Befragten mit häufigem Konsum und knapp 38 % mit gelegentlichem Konsum Hinweise auf einen wahrscheinlich problematischen Konsum. 75 % der Befragten mit häufigem Konsum und knapp 14 % mit gelegentlichem Konsum erreichten einen diagnostischen Schwellenwert, der auf eine wahrscheinliche Substanzabhängigkeit hindeutet.

    Etwa ein Drittel der Befragten berichtete von einem sehr starken Nachlegedrang (“manchmal bereits nach zehn Minuten”), von häufigem Kontrollverlust sowie davon, während einer typischen Session immer oder oft mehr als beabsichtigt zu konsumieren. Dagegen berichtete etwa die Hälfte nur einen leichten oder gar keinen Nachlegedrang und ein Drittel nur einen geringen oder keinen Kontrollverlust. Dies deutet darauf hin, dass die zwanghaften, mit hohem Risiko verbundenen Konsummuster, die anekdotisch berichtet werden, möglicherweise nicht universell gültig sind.

    Dennoch ist es wichtig, Risiken frühzeitig zu erkennen. Die in der Studie beobachteten Indikatoren für psychische und physische Gesundheit deuten auf eine möglicherweise erhöhte Vulnerabilität bei Personen hin, die Monkey Dust konsumieren. Ein Drittel gab an, derzeit an einer psychischen Störung zu leiden, und mehr als ein Viertel wurde positiv auf klinisch relevante Symptome von Depressionen oder Angstzuständen getestet. Diese Raten sind höher als diejenigen der Allgemeinbevölkerung.

    Was sind Motive und Strategien zur Reduzierung oder zum Aufhören?

    Über ein Drittel der Studienteilnehmer hat bisher versucht, den Konsum zu reduzieren oder ganz damit aufzuhören, weil sie sich Sorgen um die eigene körperliche und geistige Gesundheit machen. Viele fühlen sich abgeschreckt durch Erfahrungen mit Paranoia sowie mit riskantem und grenzüberschreitendem Verhalten: „Ich habe gesehen, wie Freunde innerhalb weniger Monate zu Schatten ihrer selbst wurden.“

    Dabei wurden folgende Strategien genannt: Vermeidung von Konsumkontexten (etwa Dating-Apps vom Handy löschen, Wegzug aus Berlin), vollständige Abstinenz, Aufsuchen von Therapien oder Beratungsdiensten sowie Teilnahme an Selbsthilfegruppen.

    Wer über seinen Konsum sprechen möchte oder Unterstützung sucht, wer das Gefühl hat, zu viel zu konsumieren oder sich um Freunde und Bekannte sorgt, findet Hilfe bei verschiedenen Beratungsstellen: Schwulenberatung, Mann-O-Meter, Vista , Drogennotdienst, die von Sonar organisiertem Partydrogensprechstunden oder die Sprechstunde für partydrogenassoziierte Erkrankungen der Charité.

    Wer sich für den Weg der vollständigen Abstinenz interessiert, kann unverbindlich Selbsthilfegruppen wie Narcotics Anonymous oder Crystal Meth Anonymous besuchen. Hier tauschen Betroffene ihre Erfahrungen aus und helfen sich gegenseitig, ein erfülltes Leben ohne Drogen zu führen. Gerade bei CMA finden immer mehr Monkey-Dust-User, die in Chemsex-Kontexten konsumiert haben, andere Betroffene.

    FAQ: Monkey Dust – Wirkung, Risiken und Konsum

    Was ist Monkey Dust genau, wie wirkt die Droge und warum warnen Experten zunehmend davor? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

    Was ist Monkey Dust?

    Monkey Dust ist ein Sammelbegriff für synthetische Cathinone wie MDPV oder MDPHP. Diese künstlich hergestellten Substanzen wirken stark stimulierend und sind chemisch mit der Khat-Pflanze verwandt.

    Wie wirkt Monkey Dust?

    Die Droge wirkt stark aufputschend und kann Euphorie, gesteigerte Energie, Enthemmung und erhöhte Libido auslösen. Gleichzeitig sind auch Nebenwirkungen wie Angstzustände oder Halluzinationen möglich.

    Warum gilt Monkey Dust als besonders gefährlich?

    Monkey Dust ist schwer zu dosieren und häufig verunreinigt. Der starke Nachlegedrang sowie das Risiko für Psychosen, Überhitzung und Herz-Kreislauf-Probleme machen den Konsum besonders riskant.

    Wie wird Monkey Dust konsumiert?

    Die Substanz wird meist geraucht, kann aber auch geschnupft, geschluckt, rektal oder intravenös konsumiert werden. Die Wirkung und Risiken variieren je nach Konsumform stark.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Herzrasen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Paranoia, Angstzustände und Aggressivität. In schweren Fällen kann es zu Psychosen oder lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

    Ist Monkey Dust in Deutschland verbreitet?

    Die Droge ist bislang eher selten, gewinnt jedoch zunehmend an Aufmerksamkeit. Vor allem in Städten wie Berlin berichten Notfalldienste von steigenden Einsätzen im Zusammenhang mit Monkey Dust.

    Quellen:

    https://sidekicks.berlin/monkeydust

    https://link.springer.com/article/10.1186/s12954-026-01428-8

    Hilfe & Beratung rund um Chemsex

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    Beratung und Unterstützung rund um Partydrogen und Chemsex.

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    Medizinische Beratung bei partydrogenassoziierten Erkrankungen.

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  • Wie ich lernte, mir keine Sorgen mehr zu machen und den Umweg zu lieben

    Wie ich lernte, mir keine Sorgen mehr zu machen und den Umweg zu lieben

    Route Nr. 1 – Bus / Kairo (Von einem Fremden im Bus berührt)

    Der Bus ruckelt durch den morgendlichen Verkehr. Hitze, Parfüm, Diesel, das endlose Hupen der Autos. Wir stehen uns in dem schmalen Gang zwischen den Sitzen gegenüber, eingequetscht zwischen Taschen und Ellbogen. Seine Hand hängt lässig in der Nähe seines Gürtels, fast als würde sie dort ruhen. Als der Fahrer bremst, berührt sein Handrücken meinen Schritt. Sie bleibt dort. Kein Stoß, kein Reiben, sondern eine Berührung, die Zufall sein könnte, die Kunst sein könnte. Ich halte den Blick auf das Fenster gerichtet und tue so, als würde ich die Haltestellen zählen. Das Glas wirft mein Spiegelbild zurück, unlesbar. Um uns herum plappert die Stadt, blind und laut.

    Wachsamkeit schützt mich. Wachsamkeit öffnet das Tor.

    Ich habe gelernt, mit zwei Köpfen zu gehen: einem für Straßen und Fahrpläne, einem für Signale. Signale wie Augen, die verweilen, eine Gewichtsverlagerung, eine flüchtige Berührung im dunklen Raum zwischen Körpern. Man weiß nie, welches davon Gefahr ist, welches eine Einladung. Man weiß nur, wie man stillsteht, wie man atmet, ohne etwas preiszugeben.

    Einmal, vor Jahren, wurde ich von der Schule nach Hause verfolgt. Schritte hinter mir, sicher und gleichmäßig. Ich bog um Ecken, um ihn auf die Probe zu stellen; er bog ebenfalls ab. Angst, dann etwas anderes. Der Nervenkitzel, bemerkt, begehrt, verfolgt zu werden. Seitdem gehe ich mit beiden Sinnen wachsam: einer für das Risiko, einer für die Chance.

    Der Bus wird in der Nähe der Brücke langsamer. Er steigt aus, ohne sich umzudrehen. Ich warte noch eine Haltestelle und versuche, mich zu beruhigen. Mein Körper hört nicht auf mich. Ich halte meine Tasche vor mich, verstecke meine Ausbuchtung und tue so, als würde ich auf mein Handy schauen. Als ich endlich aussteige, trifft mich die Luft wie ein Geheimnis, das ich nicht verbergen kann. Ich gehe auf den Bahnhof zu, das Kribbeln unter meiner Haut ist noch immer spürbar.

    Weg Nr. 2 – Bahnhof / Kairo

    Am Bahnhof Ramses vibriert die Luft. Lautsprecher schreien Zahlen, die mir nichts sagen. Die Menschen eilen in alle Richtungen. Ich bewege mich mit ihnen, getragen von Lärm und Schwung. Kein Ticket in meiner Tasche; mein Ziel steht auf keiner Tafel.

    Die Toiletten sind halb überflutet, neonbeleuchtet, anonym. Ich stehe länger als nötig am Waschbecken und beobachte im Spiegel, wie Männer hinter mir vorbeigehen. Schnelle Blicke, noch schnellere Ausgänge. Jeder Raum hier hat einen geheimen Zweck. Ich verweile, dann gehe ich wieder hinaus und folge dem Strom zu den Bahnsteigen.

    Ich gehe weiter, vorbei am letzten Schild, vorbei an den Wachen, die Rampe hinunter, wo die Gleise beginnen. Das Licht wird spärlicher. Metall, Staub und der Geruch von Motoröl. Verlassene Waggons schlummern in der Dunkelheit, ihre Fenster zerbrochen, ihre Türen halb offen. Gestalten bewegen sich darin. Schatten, die sich am Atem erkennen. Hier verlieren Worte ihre Bedeutung. Ein Husten, eine im Dunkeln angezündete Zigarette, ein Schritt näher: Das ist Sprache genug.

    Eine Hand huscht an meiner Tasche vorbei, mein Handy verschwindet, taucht dann wieder in meiner Hand auf, noch bevor ich überhaupt nachdenken kann. Reflex, kein Mut. Die wahre Gefahr ist nicht der Diebstahl. Es ist, gesehen zu werden, beim Namen genannt zu werden. Wir alle wissen, was die Polizei tun könnte, wenn sie jetzt hereinkäme. Angst schärft alles. Der Geruch von Schweiß, der Funke der Berührung, der Hunger, der vorgibt, Liebe zu sein.

    Irgendwo in der Nähe quietscht ein Zug, ein Geräusch, das wie eine aufgebrachte Menschenmenge herabfällt. Ich schließe die Augen. Die Vibration summt durch meine Rippen und verwandelt Angst in Rhythmus. Als ich sie öffne, fühlt sich die Dunkelheit weiter an, fast sicher. Ich gehe wieder los und folge den Gleisen in Richtung einer anderen Art von Nacht.

    Weg Nr. 3 – Tiergarten / Berlin (Schutzengel der Büsche)

    Wir verließen gemeinsam das Treffen, eines von der Art, bei der man im Kreis sitzt und höflich über schwere Themen spricht. Die Sonne sank bereits, und der Himmel färbte sich in jenes sanfte Berliner Violett, das alles nostalgisch erscheinen lässt, noch bevor es überhaupt passiert ist. Er schlug einen Spaziergang vor, nichts Dramatisches, nur: „Komm, ich zeige dir etwas.“ Als wir den Tiergarten erreichten, war das Licht fast verschwunden. Bäume verschwammen zu Silhouetten. Wege verschwammen. Ich habe noch keinen Orientierungssinn, aber ich prägte mir den Winkel des schimmernden Engels auf der Siegessäule ein, wie er den dämmrigen Himmel durchschneidet.

    Das wird mir helfen, den Ort zu finden. Jeder Cruising-Treffpunkt braucht einen Schutzengel. Er sprach Arabisch, so wie Menschen es tun, wenn sie annehmen, dass man den Trost dieser Sprache braucht. Wir standen uns nicht nahe, kannten uns nicht einmal, aber er ging voraus wie jemand, der es gewohnt ist, voranzugehen. „Dieser Ort hat mich gerettet“, sagte er. „Ich habe hier meinen deutschen Mann kennengelernt.“ Er zeigte auf eine Baumgruppe, als wäre es eine historische Stätte. „Genau dort. Dort hat alles angefangen.“ Er klang nicht sentimental, sondern sachlich, als hätte der Park ihm genau das gegeben, worum er gebeten hatte.

    Als wir tiefer hineingingen, schwebten Männer zwischen den Ästen hin und her, tauchten auf und lösten sich wieder auf, als gehörten sie zur Dunkelheit. Einer trat hervor, starrte mich direkt an und sagte: „Wie viel?“ Unverblümt, träge, selbstsicher. Ich erstarrte. Mein Begleiter seufzte, genervt für mich. „Ignoriere ihn“, sagte er. „Manche Leute glauben, sie könnten dich mit einem Blick beurteilen.“

    Er zeigte mir die Stellen, an denen Männer warten, die kleinen Kreise aus plattgetretenem Gras, die Wege, die sich schlängeln und wieder zurückführen, selbst wenn man schwören könnte, geradeaus zu gehen. Es war eine Initiation. Eine einfache Art zu sagen: Auch du kannst hierher gehören.

    Als wir endlich den Rand des Parks erreichten, warf er einen Blick auf seine Uhr und sagte, er müsse gehen. Keine Telefonnummern wurden ausgetauscht. Es war nicht nötig. Dennoch hatte sich etwas verändert. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft fühlte sich Berlin nicht mehr unmöglich zu navigieren an.

    „Zwei Personen stehen eng umschlungen; eine Person legt die Arme um die Taille der anderen.“
    Begegnung zwischen zwei Menschen in inniger Umarmung. | Fotoquelle: Sven Serkis

    Weg Nr. 4 – lab.oratory / Berlin – Sexclub/Westdeutschland: Wie ich zur Nummer und zum Kompliment werde

    Das lab.oratory liegt in einer Ecke Berlins, die niemand zufällig erreicht. Man kommt nicht auf dem Weg zu einem anderen Ziel daran vorbei. Man geht dorthin, weil man es vorhat, weil eine bestimmte Art von Nacht danach verlangt. Jahrelang habe ich es gemieden. Ich rechnete mit grabschenden Händen. Ich rechnete damit, mich zu fühlen, als läge ich auf einem Untersuchungstisch und würde begutachtet. Doch eines Abends bog ich schließlich um die Ecke. Allein. Mit weniger Adrenalin und größerer Vorfreude. Das hier ist kein Park, und nichts war umsonst.

    Wir zahlten, um die Schwelle zu überschreiten. Wir übergaben unsere Kleidung einem Mann, der sie in dünne Plastiktüten warf, die wie Müll aussahen. Eine Nummer wurde mir mit dicker schwarzer Tinte auf den Arm geschrieben, grob und vorübergehend. Ich fühlte mich markiert, katalogisiert, kurzzeitig in einen Kreislauf eingeordnet, dessen Regeln ich nicht ganz verstand. Regeln haben mich nie geküsst. Aber sie zu brechen gab mir einen Kick.

    Die Beleuchtung war dunkelrot, ließ Konturen verschwimmen und Augen leuchten. Irgendwo dröhnte Techno. Ich fragte mich, warum niemand tanzte; stattdessen bewegten sich Männer in langsamen Kreisen, drifteten zwischen den Räumen hin und her und musterten jede Türöffnung wie einen Kontrollpunkt. Blicke blitzten auf und verschwanden. Manche huschten an mir vorbei, als wäre ich kein Teil ihrer Gleichung. Andere verweilten zu lange, wägten mich ab, sortierten mich ein und versuchten, mich in eine Kategorie zu stecken, die sie kannten.

    Ein Mann lächelte und sagte: „Schön behaart.“ Hier ein Kompliment. Eine kleine, harmlose Sache. Wo ich herkomme, bedeutete Behaarung nie Charme. Es bedeutete gewöhnlich, erwartet. Hier bedeutete es männlich, und männlich, wenn man es bei jemandem wie mir las, trug seine eigene Mythologie in sich. Viril. Stark. Ecken und Kanten. Ich korrigierte ihn nicht. Ich ließ das Kompliment stehen. Mir wurde klar, dass Behaarung mein erotisches Kapital in Berlin ist.

    Ich blieb länger als geplant. Zwei-für-eins-Drinks lockerten die Kanten, milderten die Kalkulationen, ließen die Kreisläufe wärmer anfühlen. Das Lab umarmte mich nicht, aber es schloss mich auch nicht aus. Es war eine Welt, die auf Bewegung, Schleifen, Blicken, Transaktionen aufgebaut war. Für eine Nacht ließ ich mich darauf ein.

    „Zwei Menschen liegen eng umschlungen auf einem Bett; sichtbar sind ihre verschränkten Beine.“
    Moment der Verbundenheit zwischen zwei Menschen | Fotoquelle: Sven Serkis

    Route Nr. 5 – Hasenheide / Berlin

    Die Hasenheide hat für mich schon immer Sinn ergeben. Vielleicht, weil das Herumstreifen hier kein Ziel ist, sondern eine Art, sich fortzubewegen. Eine Art, aufmerksam zu sein. Ich gehe durch das Haupttor und lasse meine Füße die Richtung wählen. Die Wege verzweigen sich, verengen sich, verschwinden und werden dann wieder breiter, als würden sie einem Möglichkeiten bieten, die die Stadt anderswo verweigert. Hier atme ich tiefer. Man sagt, Cruising sei anonym, aber es ist auch meditativ. Die Sinne werden geschärft. Jedes Rascheln, jede Gewichtsverlagerung, jede Pause hinter einem Baum wird zu einer kleinen Frage. Zu einer Möglichkeit. Der Park lehrt dich, ohne Worte zu lesen. Er ist einer der wenigen Orte, an denen das Verlangen keinen Regeln folgt. Keine Profiltexte, keine Filter, keine Kategorien. Nur Körper, die sich zufällig, aus Neugier, aus Instinkt entdecken. Es fühlt sich fast anarchistisch an. Begehren, offen, neu verteilt, ohne Lizenz.

    Während der Pandemie wurden diese Wege über Nacht zu Tanzflächen. Musik, versteckt in Rucksäcken, Fremde, die im Dunkeln schwanken, die Stadt, die so tut, als würde sie es nicht bemerken. Während die Clubs geschlossen blieben, blieben die Queers in Bewegung und erfanden Freude im Unterholz. Die Zeitungen nannten es eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Moralische Panik blühte schneller auf als das Frühlingsgras. Doch die Polizei hat nie verstanden, dass wir keine Ordnung brachen. Wir bauten eine neue auf.

    An diesem grauen Tag sehe ich eine Gestalt, die halb im Schatten, halb im Licht steht. Ein Nicken. Eine Pause. Wir bewegen uns aufeinander zu, als hätten wir das schon einmal in einem anderen Leben getan. Keine Fragen, keine Namen. Nur Wärme, Atem, Druck, mein Herzschlag an seinen Rippen. Der Orgasmus kommt leise, wie ein Blatt, das einen Ast hinuntergleitet. Wir lösen uns langsam voneinander. Er lächelt, sanft. Ich flüstere „Auf Wiedersehen“. Er flüstert es zurück.

    Jeder Liebhaber war nur auf der Durchreise. Jeder Durchgang hinterließ einen Samen.

    Ich gehe weiter, bis die Bäume lichter werden und die Stadt wiederkehrt. Mein Atem verlangsamt sich. Mein Körper fühlt sich leichter an, nicht weil etwas passiert ist, sondern weil es hätte passieren können. Cruising ist nicht nur Sex. Es ist das Betreten eines Ortes, an dem sich das Verlangen nicht entschuldigt. Ein Ort, an dem man sich anders bewegt, anders denkt, anders atmet. Ich trete aus dem Tor, mit diesem Rhythmus noch immer in mir.

    Englisches Original

    Dieser Artikel ist eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Die englische Originalversion ist im Cruising Guide von IWWIT nachzulesen.

    Cruising Guide Originalversion & PDF
  • Ausfahrt bei Verlangen: Rastplatz Cruising im Harz

    Ausfahrt bei Verlangen: Rastplatz Cruising im Harz

    Ich hänge den Helm auf den Lenker und ziehe meine Handschuhe aus. Das Motorrad parkt wie gewohnt vorn in der letzten Bucht. „Ziegenberg“ ist mein Lieblingsparkplatz, hier an der A36. Zwischen dichten Wäldern und abgelegenen Seen finden sich hier im Harz Orte für Rastplatz Cruising, an denen sich Männer begegnen – mit einer Spannung, die nur die Natur zaubern kann.

    Während die Metropolen mit Bars, Saunen und Clubs locken, zieht mich hierhin auch in der kalten Jahreszeit etwas Eigenes: verstohlene Blicke, ein Versprechen, und das prickelnde Gefühl, nicht zu wissen, wem ich hier draußen als nächstes begegne.

    Begegnungen am Rand der Straße

    Leute mit ganz unterschiedlichen Geschichten: Handwerker, Pendler, Jüngere in Sportklamotten, Ältere mit neugierigen Blicken. Sie alle halten hier an. Spontan oder weil ein vertrautes Auto wieder auf dem Parkplatz steht.

    Zwischen Verkehrsrauschen und dem abgeschirmten Grün des kleinen Waldstücks liegt ein Hauch von Erwartung in der kühlen Luft. Ich spüre geradezu, wie jemand aus einem von innen beschlagenen Auto steigt. Ein schweifender Blick, der länger verweilt. Spannung wie zum Schneiden. Kontakt ergibt sich, wortlos. Manche bleiben kurz, andere verweilen.

    Die Minuten vergehen. Dann ein Moment, der sich richtig anfühlt …

    Rastplatz Cruising zwischen See, Wald und stillen Signalen

    Ich denke an den letzten Sommer: Weiter oben in den Bergen, zum Zankwieser Teich, zieht es FKK-Fans zu Sonne, See und Kontakten im Gebüsch. Der Weg durchs Unterholz macht mich erwartungsvoll. Sonnenstrahlen in den Zweigen, Schritte wie gedämpft. Am Ufer Handtücher, Körper im warmen Licht, hin und wieder einen Blick, länger als zufällig.

    Als würden Natur und Erotik ineinanderfließen: lauer Wind auf der Haut, die Stille des Waldes, ein Lächeln, eine Berührung im Vorbeigehen. Regeln, die jede:r hier zu kennen scheint. Auch Respekt, Raum zu lassen. Bis ein Nicken nach Nähe ruft. Nichts garantiert. Begegnungen offen, bis sie geschehen.

    Mann auf einem Waldweg an einem abgelegenen Cruising-Ort
    Abgelegener Weg als Cruising-Ort im Grünen | Fotoquelle: Sven Serkis
    Drei Männer bei einer Cruising-Szene im Wald, zwei Personen umarmen sich, während eine weitere Person kniet und zu einem Mann aufblickt.
    Drei Männer bei einer intimen Cruising-Szene im Wald | Fotoquelle: Sven Serkis

    Rastplatz Cruising zwischen Lust, Risiko und Verantwortung

    Auf dem Waldboden unzählige benutzte Kondome: Umgang mit Risiko ist hier Teil des Spiels. Die Abgeschiedenheit fordert aufmerksam zu sein: Handy immer dabei, die Umgebung im Blick. Wissen, was ich suche und was nicht. Wenn sich etwas komisch anfühlt, gehe ich fort.

    Die Begegnungen getrieben von Geilheit, eingebettet in Verantwortung. Hitze kannte kein Morgen.

    Rastplatz Cruising im Winterlicht

    Jetzt im Winter zieht sich alles zusammen. Die Luft klarer, die Blicke direkter. Und doch: Parkplätze wie warme Inseln im frostigen Land. Auch das hat seinen Reiz. Ein Knackarsch im Lichtkegel der Autoscheinwerfer. Die beißende Kälte der frischen Luft. Das leise, aber intensivere Knirschen unter meinen Stiefeln.

    – Das ist auch eine stille Gemeinschaft: Männer, die sich seit Jahren kennen, wiedererkennen, meist ohne Namen, ohne zu sprechen.

    Im Schatten der Tannen berühre ich Fremde voller Lust. Unbekannt und doch vertraut. Wild und doch voll Respekt.

    Erfüllt schlendere ich zurück zum Motorrad. Ich springe über die überfrorenen Pfützen durch die nächtlichen Schatten. Leicht wie eine Feder und doch ganz geerdet und bei mir. Nichts ist laut oder grell. Ich fühle eine Tiefe auf eine stille Art, die nur das Land kennt. So ist das für mich nur hier möglich.

    Aus dem Cruising Guide

    Dieser Beitrag stammt aus dem IWWIT Cruising Guide

    Der Text ist dem Cruising Guide von IWWIT entnommen. Dort findest du weitere Informationen, Perspektiven und Hinweise rund um das Thema Cruising.

    Mehr dazu Cruising bei IWWIT Infos, Hintergründe und der komplette Guide als PDF
  • Monkey Dust

    Monkey Dust

    Ein Affen-Emoji im Dating-Profil wirkt harmlos. Doch in der schwulen Dating-Szene steht es inzwischen oft für Monkey Dust – eine kaum erforschte, hochpotente Substanz, die vor allem im Kontext von Chemsex auftaucht.

    In einem sehr persönlichen Text schildert Jeff Mannes im Magazin SIEGESSÄULE, wie er bei einem Date erstmals damit konfrontiert wird. Die Begegnung beginnt vertraut: Chat, Anziehung, Sex.

    Doch dann verändert sich etwas. Ein seltsamer Geruch, ein ungutes Gefühl – und die Erkenntnis, dass sein Gegenüber heimlich Monkey Dust konsumiert hat. Nicht der Konsum selbst ist der Bruch, sondern das Schweigen darüber.

    Was folgt, ist keine Moralpredigt, sondern ein Nachdenken über Grenzen, Verantwortung und fehlendes Wissen. Monate später erfährt der Autor, dass der Mann gestorben ist. Zu jung. Zu plötzlich. Monkey Dust soll eine Rolle beim Tod gespielt haben – aber abschließend geklärt ist es nicht.

    Was ist Monkey Dust? Wirkung, Risiken und fehlende Forschung

    Monkey Dust ist kein klar definierter Stoff. Meist handelt es sich um sehr starke synthetische Cathinone, die schnell wirken und ebenso schnell außer Kontrolle geraten können. Menschen berichten von intensiver Lust, Euphorie und Enthemmung – aber auch von Angst, Paranoia, Kontrollverlust und tagelangen Wachphasen. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse gibt es kaum. Gerade das macht die Substanz so tückisch.

    Der Text zeigt: In der queeren Community wird über Monkey Dust viel gesprochen – aber oft hinter vorgehaltener Hand. Aus Angst vor Stigma. Aus Unsicherheit. Aus fehlender Aufklärung. Dabei braucht es genau das Gegenteil: ehrliche Gespräche, Wissen, Transparenz und Solidarität. Nicht, um zu verurteilen – sondern um Risiken sichtbar zu machen und Schaden zu minimieren.

    Wenn Aufklärung fehlt, wird Monkey Dust unberechenbar

    Was Monkey Dust besonders gefährlich macht, ist nicht nur seine starke Wirkung, sondern vor allem das fehlende Wissen darüber. Beratungsstellen wie Sidekicks.Berlin berichten, dass die Substanz schnell zu Kontrollverlust führen kann – über Menge, Dauer und eigene Grenzen. Menschen erzählen von intensiven Wachphasen, Angstzuständen, Paranoia und massiven psychischen Krisen. Gleichzeitig ist kaum gesichert, was langfristig im Körper passiert. Verlässliche Studien fehlen bislang fast vollständig.

    Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Beim Drug-Checking in Berlin wurde Monkey Dust in Proben nachgewiesen, die als andere Substanzen verkauft wurden. Das bedeutet, dass Menschen eine Droge konsumieren können, ohne es zu wissen. Ungewollte Wirkungen, Überdosierungen und gefährliche Wechselwirkungen werden dadurch wahrscheinlicher.

    Trotzdem wird in der queeren Community oft nur leise über Monkey Dust gesprochen. Aus Angst vor Stigmatisierung, aus Unsicherheit oder weil Erfahrungen schwer einzuordnen sind. Projekte wie Sidekicks.Berlin oder Checkpoint BLN setzen deshalb auf Aufklärung statt Verurteilung. Eine akzeptierende, nicht moralisierende Haltung ist entscheidend – ohne die realen Risiken auszublenden.

    Ehrliche Gespräche, transparente Informationen und solidarische Unterstützung können Leben schützen. Denn solange Wissen fehlt und Konsum unsichtbar bleibt, bleibt Monkey Dust eine Substanz, die schwer einschätzbar ist – und genau das macht sie so gefährlich.

    Monkey Dust: Häufige Fragen und Antworten

    Monkey Dust taucht zunehmend im Kontext von Chemsex auf, ist aber kaum erforscht und schwer einschätzbar. Hier findest du Antworten auf häufige Fragen zu Wirkung, Risiken und warum Aufklärung so wichtig ist.

    Was ist Monkey Dust genau?

    Monkey Dust ist kein eindeutig definierter Stoff. Meist handelt es sich um sehr starke synthetische Cathinone, die schnell wirken und mit hohem Risiko verbunden sind. Zusammensetzung und Dosierung können stark variieren.

    Warum gilt Monkey Dust als besonders gefährlich?

    Die Substanz wirkt oft unberechenbar. Menschen berichten von Kontrollverlust, Angstzuständen, Paranoia, Schlaflosigkeit über mehrere Tage und psychischen Krisen. Verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen bislang weitgehend.

    Welche Rolle spielt Monkey Dust im Chemsex-Kontext?

    Monkey Dust wird teilweise im Rahmen von Chemsex konsumiert, um Lust, Enthemmung oder Ausdauer zu steigern. Besonders riskant wird es, wenn Konsum nicht offen kommuniziert wird oder mehrere Substanzen kombiniert werden.

    Warum ist fehlende Aufklärung ein großes Problem?

    Unwissen über Wirkung, Dosierung und Risiken erhöht die Gefahr von Überdosierungen und schweren Nebenwirkungen. Zudem wurde Monkey Dust teils in Proben gefunden, die als andere Substanzen verkauft wurden – Konsum kann also auch ungewollt passieren.

    Wie kann man Risiken im Umgang mit Monkey Dust reduzieren?

    Offene Gespräche, ehrliche Absprachen und fundierte Informationen sind zentral. Eine akzeptierende, nicht verurteilende Haltung hilft, Risiken sichtbar zu machen und Menschen frühzeitig zu unterstützen.

  • Paragraph 175

    Paragraph 175

    Was ist Paragraph 175?

    Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs war über 123 Jahre lang Gesetz in Deutschland (von 1871/1872 bis 10. Juni 1994). Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe und ermöglichte damit die staatliche Verfolgung schwuler und bisexueller Männer.

    Im Volksmund wurden Männer, die nach diesem Gesetz verfolgt oder verurteilt wurden, oft „175er“ genannt – also nach dem Paragrafen, der ihre Liebe kriminalisierte.

    Warum entstand der Paragraph 175?

    Als das Deutsche Reich 1871 entstand, übernahm es aus älteren Rechtsordnungen eine Strafnorm, die als „widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern definiert wurde. Damit behandelte der Staat einvernehmliche homosexuelle Beziehungen als Verbrechen.

    Solche Regelungen gab es damals in vielen europäischen Ländern – sie waren Ausdruck einer weit verbreiteten Vorstellung, gleichgeschlechtliche Liebe sei „widernatürlich“ oder „unsittlich“.

    Paragraph 175 im historischen Überblick

    Zeitleiste

    Wichtige Stationen auf einen Blick.

    1949–1969

    Bundesrepublik Deutschland

    Die verschärfte NS-Fassung blieb bestehen. Einvernehmlicher Sex zwischen Männern blieb strafbar. Zehntausende Ermittlungsverfahren und Verurteilungen.

    1969

    Erste Reform

    Teilweise Entkriminalisierung in der BRD. Straffreiheit nur ab 21 Jahren. Weiterhin rechtliche Ungleichbehandlung.

    1973

    Weitere Lockerung des Paragraph 175

    Absenkung des Schutzalters auf 18 Jahre. Annäherung an heterosexuelle Altersgrenzen. § 175 blieb dennoch bestehen.

    1994

    Endgültige Abschaffung des Paragraph 175

    Streichung des § 175 aus dem Strafgesetzbuch. Ende einer über 120 Jahre bestehenden Sonderstrafnorm.

    ab 2002

    Aufarbeitung und Rehabilitierung

    Juristische Rehabilitierung der Verurteilten begann. Anerkennung staatlichen Unrechts. Erinnerung bleibt Teil queerer Geschichte.

    1871

    Einführung des Paragraph 175

    • Einführung mit dem Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs.
    • „Widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern wurde strafbar.
    • Homosexuelle Männer galten offiziell als Straftäter.
    1871–1918

    Kaiserreich

    • Der § 175 blieb unverändert bestehen.
    • Strafverfolgung war Teil staatlicher Moral- und Ordnungspolitik.
    • Reformforderungen blieben ohne Wirkung.
    1918–1933

    Weimarer Republik

    • Der § 175 blieb trotz gesellschaftlicher Liberalisierung bestehen.
    • Mehrere Reformversuche scheiterten.
    • Aktivist*innen forderten die Abschaffung, ohne Erfolg.
    1935–1945

    Nationalsozialismus und Verschärfung

    • Massive Verschärfung des § 175 unter dem NS-Regime.
    • Strafbarkeit wurde auf alle „unzüchtigen“ Handlungen zwischen Männern ausgeweitet.
    • Weite Auslegung ermöglichte systematische Verfolgung.
    • Verhaftungen, Haftstrafen und Deportationen in Konzentrationslager.
    • Kennzeichnung der Betroffenen mit dem rosa Winkel.
    1945–1949

    Nachkriegszeit

    • Der § 175 blieb weiterhin gültig.
    • Die NS-Verschärfung wurde nicht aufgehoben.
    • Verfolgung homosexueller Männer setzte sich fort.
    1950er–1968

    Entwicklung in der DDR

    • Der § 175 wurde in den 1950er Jahren kaum noch angewendet.
    • 1968 weitgehende Streichung aus dem Strafrecht.
    • Nur sexuelle Handlungen mit Jugendlichen blieben reguliert.
    1949–1969

    Bundesrepublik Deutschland

    • Die verschärfte NS-Fassung blieb bestehen.
    • Einvernehmlicher Sex zwischen Männern blieb strafbar.
    • Zehntausende Ermittlungsverfahren und Verurteilungen.
    1969

    Erste Reform

    • Teilweise Entkriminalisierung in der BRD.
    • Straffreiheit nur ab 21 Jahren.
    • Weiterhin rechtliche Ungleichbehandlung.
    1973

    Weitere Lockerung des Paragraph 175

    • Absenkung des Schutzalters auf 18 Jahre.
    • Annäherung an heterosexuelle Altersgrenzen.
    • § 175 blieb dennoch bestehen.
    1994

    Endgültige Abschaffung des Paragraph 175

    • Streichung des § 175 aus dem Strafgesetzbuch.
    • Ende einer über 120 Jahre bestehenden Sonderstrafnorm.
    ab 2002

    Aufarbeitung und Rehabilitierung

    • Juristische Rehabilitierung der Verurteilten begann.
    • Anerkennung staatlichen Unrechts.
    • Erinnerung bleibt Teil queerer Geschichte.

    Gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung

    • § 175 war nicht nur ein juristisches Gesetz, sondern zentraler Ausdruck gesellschaftlicher Homophobie in Deutschland über viele Generationen.
    • Er prägte das Leben und die Freiheit schwuler Männer massiv: von Diskriminierung über Stigmatisierung bis zu Gefängnis und Verfolgung.

    Der Begriff „175er“ und der lange Kampf gegen diese Norm stehen deshalb nicht nur für rechtliche Unterdrückung, sondern auch für den langwierigen politischen und gesellschaftlichen Kampf um Anerkennung, Sichtbarkeit und Menschenrechte homosexueller Menschen in Deutschland.

    Häufige Fragen zum Paragraph 175

    Der Paragraph 175 gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Rechtsgeschichte. Hier beantworten wir zentrale Fragen zum Gesetz, seiner Anwendung und seiner Bedeutung bis heute.

    Was war der Paragraph 175?

    Der Paragraph 175 war ein Abschnitt im deutschen Strafgesetzbuch, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Er galt von 1871 bis 1994 und kriminalisierte homosexuelle Männer über mehr als ein Jahrhundert.

    Warum wurde der Paragraph 175 eingeführt?

    Der Paragraph 175 wurde 1871 im Deutschen Reich eingeführt. Er beruhte auf moralischen und gesellschaftlichen Vorstellungen der Zeit, die gleichgeschlechtliche Liebe als „widernatürlich“ oder „unsittlich“ betrachteten.

    Wie wurde der Paragraph 175 im Nationalsozialismus angewendet?

    Unter dem NS-Regime wurde der Paragraph 175 1935 massiv verschärft. Die Strafbarkeit wurde ausgeweitet, sodass bereits geringste Handlungen verfolgt werden konnten. Zehntausende Männer wurden verhaftet, verurteilt oder in Konzentrationslager deportiert.

    Galt der Paragraph 175 nach 1945 weiter?

    Ja. Nach dem Ende des Nationalsozialismus blieb der Paragraph 175 in beiden deutschen Staaten zunächst bestehen. Während er in der DDR später weitgehend abgeschafft wurde, galt in der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit sogar die verschärfte NS-Fassung weiter.

    Wurden die Betroffenen rehabilitiert?

    Die juristische Rehabilitierung der nach Paragraph 175 verurteilten Männer begann erst ab 2002. Eine umfassende Anerkennung des erlittenen Unrechts erfolgte damit sehr spät.

    Warum ist der Paragraph 175 heute noch relevant?

    Der Paragraph 175 steht symbolisch für staatliche Diskriminierung und Verfolgung queerer Menschen. Seine Geschichte zeigt, wie Gesetze Menschenrechte verletzen können – und warum rechtliche Gleichstellung und Erinnerung so wichtig sind.