Immer mehr Schwule greifen zur Nadel, um sich Drogen und Potenzmittel zu spritzen (Slamming). Dass sie dabei auch ein hohes HIV- und Hepatitis-Risiko eingehen, ist vielen nicht klar. Höchste Zeit also, die Safer-Use-Regeln einzuüben, um die Risiken beim Spritzen zu senken. Von Florian Winkler-Ohm
Alkohol und andere Drogen gehören für viele schwule Männer seit je zu (Sex-)Partys dazu. In der letzten Zeit aber findet man an Orten, an denen Männer Sex mit Männern haben, immer häufiger auch Nadeln und Kanülen – die „traditionell“ wohl eher mit Heroinabhängigen in Verbindung gebracht werden.
Spritzen heißt jetzt Slamming
Beim Slamming spritzen sich viele Konsumierende Methamphetamin – auch bekannt als Crystal Meth, Tina, Ice oder Tweak. Die Droge wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Japan entwickelt. Im Zweiten Weltkrieg nutzten deutsche Soldaten sie massenhaft unter dem Namen Pervitin. Sie sollte wach machen und Ängste im Gefecht unterdrücken – bekannt wurde sie als „Panzerschokolade“ oder „Stuka-Tablette“.
Seit etwa zwei Jahren ist Crystal Meth in der Partyszene wieder auf dem Vormarsch – zumindest laut Medienberichten. Immer mehr konsumieren es per Spritze, also intravenös. Früher wurde es meist geraucht, geschluckt oder gezogen. Der Grund: mehr Lust, intensiverer Sex, länger „fit“ bleiben. Doch das führt oft zu tagelanger Schlaflosigkeit.
Eine Studie des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung der Uni Hamburg untersucht derzeit im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Verbreitung und Folgen von Meth-Konsum.
Crystal macht schnell abhängig. Es kann Körper und Psyche langfristig stark schädigen. Doch auch abseits der direkten Wirkungen gibt es Risiken. Die Droge senkt Schmerzgrenzen und steigert Risikobereitschaft. Das führt zu langen, harten Sessions – oft ohne Kondome. Schleimhäute werden stark belastet. So steigt das Risiko für HIV, Hepatitis und andere Infektionen.
Laut Studien sind bis zu 75 % der Crystal-Konsumenten HIV-positiv. Bei langen Sessions werden HIV-Medikamente oft vergessen. Das kann zu Resistenzen führen und eine neue Therapie nötig machen.
Wenn die Spritze günstiger als Viagra ist
Doch nicht nur bei Drogen sind vermehrt Spritzen im Spiel. Auch um eine verlässliche Potenz zu haben, injizieren sich immer mehr Schwule Mittel wie Caverject oder Androskat in den Penis-Schwellkörper; das ist mittlerweile billiger als Viagra und vergleichbare Substanzen. Die Wirkung ist eine ein- bis zweistündige Erektion – bei korrekter Handhabung und richtiger Dosierung. Bei Überdosierung und Überempfindlichkeit gegenüber den erektionsfördernden Wirkstoffen kann es zu einer schmerzhaften Dauererektion kommen. Sollte diese länger als vier Stunden anhalten, droht eine Schädigung des Penisgewebes, die unter anderem zum dauerhaften Verlust der Erektionsfähigkeit führen kann.
Doch das sind nicht die einzigen Risiken der Potenzspritzen. Da der Inhalt für bis zu drei Anwendungen reicht, werden Spritzen bei einer Sexsession nicht selten an den oder die Partner weitergegeben. Tibor Harrach, Pharmazeut und Drogenexperte, warnt eindringlich vor diesem „Needle-Sharing“: „Bei der Injektion kann es zu einer kleinen Blutung an der Einstichstelle kommen. Dadurch kann sich bei Patienten, die an einer durch Blut übertragbaren Infektionskrankheit leiden, das Risiko einer Übertragung der Infektion auf den Partner erhöhen. Insbesondere bei Hepatitis B und C reicht für eine Infektion bereits eine unsichtbar kleine Blutmenge aus.“
Teile niemals deine Spritze mit jemand anderem
Harrach fordert klare Präventionsbotschaften – so wie sie seit Jahren für Heroin-Konsumierende gelten. Der wichtigste Satz für ihn: „Teile niemals deine Spritze mit jemand anderem.“
Statt auf Anklage und moralische Verurteilung zu setzen, plädiert er für Aufklärung, Beratung und akzeptierende Ansprache der Szene.
Zudem rät er zu Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie zu regelmäßigen Tests auf Hepatitis C. Denn: Wird Hepatitis C früh erkannt, lässt sich eine Chronifizierung meist verhindern – und auch die Ansteckung weiterer Personen vermeiden.
Informationen zur Risikominimierung beim Drogengebrauch und wichtige Regeln im Umgang mit verschiedensten Substanzen findest du auf unserer Themenseite Drogen. Eine Anleitung dazu gibt es in der Broschüre „Safer Use“. Diese kannst du hier downloaden.
Harte Zeiten für Sexfilmfans. Wissenschaftler warnen vor Nebenwirkungen. Wieviel Porno ist ungesund? Machen Pornos tatsächlich impotent und abhängig? Ein Bericht über die richtige Dosis und überraschende Gemeinsamkeiten zwischen Teenagern und Häftlingen.
Schlechte Nachrichten aus Großbritannien. Nach dem Brexit droht der Sexit: Immer mehr junge Briten kriegen keinen mehr hoch, warnte die Psychotherapeutin Angela Gregory von den Nottingham University Hospitals im August 2016. Auslöser sollen ausgerechnet die Filme sein, die viele Männer erst so richtig heiß machen. Pornos – so befürchtet Angela Gregory – verursachen Impotenz, oder medizinisch korrekt: erektile Dysfunktion. Immer mehr männliche Teenager und Mitzwanziger kommen in Gregorys Praxis und klagen über Flaute im Bett, ein Leiden, das bisher erst im hohen Alter auftrat. „Inzwischen frage ich als erstes nach den Porno- und Masturbationsgewohnheiten“, erklärte Gregory auf BBC Newsbeat. „Sie können der Grund sein, warum diese jungen Männer keine Erektion aufrechterhalten können, wenn sie mit einem Partner zusammen sind.“
Porno und Pornokonsum: Wie oft wird geschaut?
Sollte an der strammen These etwas dran sein, sieht es schlecht aus für schwule Männer. Pornogucken gehört für sie zum Alltag. Das belegt eine Umfrage, die das schwule Gesundheitsmagazin FS im Sommer veröffentlicht hat, passenderweise in England. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, aber liefern Hinweise, wie selbstverständlich Schwule Pornografie konsumieren. 52 Prozent der Befragten gönnen sich mehrmals pro Woche Sexvideos. Ein knappes Drittel klickt sogar täglich auf Redtube & Co. Die allermeisten bleiben höchstens eine halbe Stunde dran. Nur 7 Prozent gucken mehr als 60 Minuten am Stück. Der größte Unterschied zur letzten Erhebung: 60 Prozent der User gucken Pornos mittlerweile auf dem Handy. 2012 war es nur ein Viertel. Das bedeutet: Pornos sind noch leichter verfügbar.
Porno ist die natürlichste Sache der Welt
Auch Hannes aus Hamburg schaut regelmäßig und hat bisher keine gesundheitlichen Nebenwirkungen bemerkt. Im Gegenteil: „Porno ist die natürlichste Sache der Welt“, sagt der 51-Jährige. Drei- bis viermal die Woche schaut er Pornos – auf Handy oder Tablet, seltener auf DVD. „Das kann schon mal ne Stunde gehen“, berichtet Hannes. „Ich gucke sehr bewusst und genieße das.“ In seinem Lieblingsgenre treffen Männer und Frauen aufeinander. Weil mehr Männer beteiligt sind, ficken sie sich gegenseitig. „Ich habe eine Tendenz zu etwas dominanteren Videos, wo eine Person benutzt wird“, gesteht Hannes. Dabei unterscheidet der Freiberufler klar zwischen Fick und Fiktion: Echte Sexerlebnissen und Pornos sind für ihn grundverschiedene Dinge. „Natürlich sind die Pornos unterbewusst in mir drin, aber ich spiele keine Szenen nach. Wenn ich Sex habe, ist der total von der Situation und von meinem Gegenüber abhängig. Das ist oft sehr überraschend.“
Pornokonsum: Wo endet der Genuss und ab wann beginnt die pornosucht?
Auch Marcus Behrens hält Pornos für gesundheitlich unbedenklich. Der Diplom-Psychologe arbeitet unter anderem für das Mann-O-Meter, einem Berliner Informationszentrum für schwule Männer. „Pornografie und Sex sind erst einmal jedermanns Privatsache“, betont der 48-Jährige. „Wenn es für mich d’accord ist und ich niemanden schädige, dann ist das kein psychisches Problem – und es geht auch niemanden sonst etwas an.“
Bisher zumindest verursachen Pornos keinerlei Beschwerden bei den Männern, die im Mann-O-Meter um Rat fragen. Wenn sie überhaupt zur Sprache kommen, dann in Verbindung mit einer sogenannten Onlinesucht. „Einige unserer Klienten haben das Gefühl: Ich kriege den Kopf nicht mehr aus dem Rechner raus“, berichtet Marcus Behrens. „Das geht bei Facebook los und hört bei Gayromeo nicht auf.“ Die Zahl der Fälle habe aber in den vergangenen zehn Jahren nicht zugenommen – trotz Smartphone und Flatrate.
Wo endet der Genuss, und wo beginnt die Sucht? Eine klare Grenze lässt sich auch beim Pornokonsum nur schwer ziehen. „Ein mögliches Anzeichen ist, wenn ich mir ohne Pornos keinen mehr runterholen kann.“
Pornokonsum im Check: Ab wann wird Porno Sucht und schadet im Alltag?
Auch wenn es im Beratungsalltag von Marcus Behrens selten vorkommt: Porno hat das Potential zum Rauschmittel. Schon 2014 verkündete das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung: Pornovideos verändern das Gehirn. Die Wissenschaftler scannten die Gehirntätigkeit von 64 Männern und stellten fest, dass bei den Probanden, die regelmäßig Sexfilme sahen, das Belohnungssystem des Gehirns auffällig klein war. „Das könnte bedeuten, dass der regelmäßige Konsum von Pornografie das Belohnungssystem gewissermaßen ausleiert“, erläutert Studien-Autorin Simone Kühn. Die Forscher vermuten eine ähnlichen Effekt wie bei anderen Suchtmitteln: Der User muss die Dosis ständig steigern, um einen lustvollen Effekt zu erzielen.
Aber wo endet der Genuss, und wo beginnt die Sucht? Eine klare Grenze lässt sich auch beim Pornokonsum nur schwer ziehen. „Ein mögliches Anzeichen ist, wenn ich mir ohne Pornos keinen mehr runterholen kann“, sagt Marcus Behrens. Ein weiteres Indiz: Schadet mir der Spaß schon im Alltag? Riskiere ich zum Beispiel eine Abmahnung, indem ich auf dem Bürorechner Pornoseiten aufrufe? Wie bei allen Abhängigkeiten gilt auch hier: Sobald Kollegen, Freunde oder Familienmitglieder in Mitleidenschaft gezogen werden, sollte man sein Konsumverhalten unter die Lupe nehmen.
Ursache für den übermäßigen Konsum von Sexfilmen – wie auch echtem Sex – sind laut Marcus Behrens in vielen Fällen Einsamkeits- und Minderwertigkeitsgefühle. Bei schwulen Männern oft verstärkt durch Selbsthass, Fachleute sprechen dann von internalisierter Homophobie. „Die Betroffenen haben das Gefühl: Irgendwas läuft bei mir nicht richtig“, erklärt Behrens. „Dann suchen sie – bewusst oder unbewusst – nach einer Lösung und probieren verschiedene Hilfsmittel aus.“ Pornokonsum sei nur eines unter vielen. Meist wirken mehrere zusammen. „Es hängt stark davon ab, welcher Suchtstoff verfügbar ist und bei mir funktioniert“, erläutert Marcus Behrens. „Für den einen ist es Einkaufen, für den anderen Porno.“
Pornokonsum einordnen: Kein Automatismus zur Porno Sucht
Das heißt aber nun nicht, dass jeder, der Pornos guckt, in Gefahr schwebt. „Es ist sinnvoll, Menschen zu helfen, die unter ihrer Sexualität leiden“, betont Marcus Behrens, „aber gerade wenn es um Pornokonsum und Sexualität geht, heißt es immer schnell: Uiuiui, das ist entweder krank oder kriminell. Diese Moralisierung ist falsch.“ Die meisten Männer könnten ihren Pornokonsum problemlos dosieren.
Und auch die Warnung vor pornobedingter Impotenz hält der Berliner Psychologe für übertrieben – auch wenn seine britische Kollegin auf ein interessantes Phänomen hingewiesen habe: Erektionsstörung durch zu viel Fantasiesex. Den Effekt kennen Psychologen von Strafgefangenen. Auch die kriegen oft keinen hoch, wenn sie nach einer langen Haftstrafe endlich wieder mit ihrem Freund oder ihrer Freundin schlafen dürfen. Sie haben verlernt, mit einem Menschen Lust zu empfinden, den sie nicht nur sehen, sondern auch riechen, schmecken und fühlen. „Das Hirn ist dann auf Fantasie gepolt“, erklärt Marcus Behrens. „Geil ist nur noch das, was vor meinem inneren Auge abläuft – eine Art Porno, bei dem ich Regie führe.“ Die jungen Engländer stehen vermutlich vor ähnlichen Anpassungsschwierigkeiten: Sie müssen von zweidimensionalen Pornos auf dreidimensionalen Sex umschalten – mit einem Partner aus Fleisch und Blut. Aber keine Sorge, sagt Marcus Behrens: „Sexualität kann man immer wieder neu lernen.“
FAQ zu Porno und Pornokonsum
In diesem FAQ zu Porno und Pornokonsum beantworten wir häufige Fragen: Was ist Porno, ab wann wird Pornokonsum zur Pornosucht, welche Rolle spielt das Gehirn und woran merke ich, dass es mir oder meinem Alltag schadet?
Was ist Porno eigentlich?
Porno meint bewusst sexuell erregend produzierte Bilder oder Videos. Sie zeigen inszenierten Sex, sind geschnitten, ausgeleuchtet und folgen oft bestimmten Fantasien oder Klischees. Sie bilden Sexualität nur ausschnitthaft ab und sind kein realistischer Leitfaden für echten Sex.
Ist Pornokonsum grundsätzlich ungesund?
Nach heutigem Stand ist normaler Pornokonsum für viele Menschen unproblematisch. Entscheidend ist weniger, ob ich Porno schaue, sondern wie stark es mich beschäftigt: Habe ich noch Lust auf echten Kontakt, kann ich meinen Konsum steuern?
Ab wann ist man porno süchtig?
Es gibt keine fixe Zahl an Minuten oder Videos. Von problematischem Pornokonsum wird eher gesprochen, wenn mehrere Punkte zusammenkommen: Ich verliere Kontrolle über die Häufigkeit, kann ohne Porno kaum masturbieren, vernachlässige Schlaf, Arbeit, Beziehungen oder andere Interessen und leide selbst darunter.
Können Pornos das Gehirn verändern?
Studien zeigen, dass intensiver Pornokonsum mit Veränderungen im Belohnungssystem des Gehirns einhergehen kann. Ähnlich wie bei anderen Gewohnheiten kann sich das System an starke Reize gewöhnen, sodass manche Menschen immer mehr oder immer extremere Inhalte brauchen. Das bedeutet nicht automatisch Sucht, zeigt aber, dass Dosis und Kontext wichtig sind.
Was sind Warnzeichen für problematischen Pornokonsum?
Warnzeichen können sein: Ich brauche immer stärkere Reize, um mich zu erregen; ich fühle mich nach dem Schauen beschämt oder leer; ich nutze Porno vor allem gegen Einsamkeit, Stress oder Selbsthass; ich schaue trotz negativer Folgen weiter, etwa Konflikte in Beziehungen, Probleme im Job oder weniger Interesse an echten Begegnungen.
Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, zu viel Porno zu schauen?
Hilfreich kann sein, den eigenen Pornokonsum eine Zeit lang zu beobachten: Wann, wie oft, in welchen Situationen und mit welchem Gefühl davor und danach? Kleine Experimente wie pornofreie Tage, alternative Strategien gegen Stress oder bewusst mehr körperliche Nähe im realen Leben können Hinweise geben. Wenn Leidensdruck oder Kontrollverlust groß sind, ist eine Beratung oder Therapie eine gute Option.
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Hallo Klaus! Herzlichen Glückwunsch zu fünf Jahre Gay Health Chat! Was genau ist der Gay Health Chat und an wen richtet er sich?
Vielen Dank!
Der Gay Health Chat ist eine Internet-Beratung. Er funktioniert ohne Anmeldung und ist kostenlos. Er richtet sich an Schwule und an alle Männer, die Sex mit Männern haben. Dazu gehören auch trans* Männer, sowie nicht-binäre und gender non-konforme Menschen, die sich der schwulen Community zugehörig fühlen.
Warum wurde der Gay Health Chat geschaffen?
Kleine Beratungsstellen und Aidshilfen haben einfach nicht immer das Geld oder die Ressourcen, einen Online-Chat auf die Beine zu stellen. Beim Gay Health Chat stellt die Deutsche Aidshilfe die Technik zur Verfügung und sorgt für gute Qualität. Die Berater schalten sich dann aus 46 Beratungsstellen dazu: aus Österreich, Deutschland und aus der Schweiz.
Wer berät beim Gay Health Chat und wie werden die Berater geschult?
Alle, die bei uns arbeiten, haben eine Ausbildung zum HIV-/STI-Berater bei der Deutschen Aidshilfe gemacht. Und wir schulen alle regelmäßig in Onlinekommunikation, weil es ja viel schwieriger ist, beim Tippen und ohne Sichtkontakt einzuschätzen, wie es dem anderen geht. Dieses Jahr kommt noch eine Zusatzausbildung zum Ersthelfer bei psychischen Gesundheitsproblemen dazu. Unsere Berater sind alle selbst schwul oder queer und arbeiten z.B. bei schwulen Checkpoints, im IWWIT-Team oder bei Aidshilfen – eine ganz bunte Mischung.
Mit was für Fragen kommen die Menschen in den Gay Health Chat?
Meistens haben die Fragen mit Sex zu tun. Wir sind ja die Aidshilfe und kennen uns da besonders gut aus. Seit Corona gibt es aber auch immer mehr Leute, die uns anchatten, weil sie sich scheiße fühlen, einsam sind, nicht klarkommen. Denen können wir auch helfen.
Welche Themen sind den Menschen vielleicht noch nicht so bewusst, bei denen ihr aber dennoch beraten könnt?
Wir tauschen uns viel aus und haben in den letzten Jahren viel über Drogen beim Sex gelernt: Warum ist das besonders geil und welche Schritte sind nötig, wenn es nicht mehr lustig ist – da können wir inzwischen gute Hilfe anbieten. Außerdem hat jeder Berater sein Coming-Out als schwuler Mann erlebt und kann deswegen alle anderen gut verstehen, die das Thema gerade umtreibt. Wie werde ich ein selbstbewusster, mutiger Mensch in dieser Welt? Das zu vermitteln ist unser Ziel.
Im September 2021 wurde die Studie „positive stimmen 2.0“ veröffentlicht. Sie zeigt: In der Regel können Menschen mit HIV sehr gut mit ihrer Infektion leben. Dies bestätigten fast 90% der Befragten. Aber: Das Problem beim Leben mit HIV ist Diskriminierung und Stigmatisierung – auch in der schwulen Community.
Das war für uns Grund genug, die Ergebnisse der Studie dieses Jahr zu einem unserer Hauptthemen zu machen! Menschen mit HIV waren von Anfang an an dieser Befragung beteiligt. Menschen mit HIV haben andere Menschen mit HIV interviewt. Dadurch entstand eine wichtige Vertrauenssituation, damit die Befragten ihre authentischen Erfahrungen teilen konnten.
Ebenso kommen auch bei unserem neuen Video einige Menschen mit HIV selbst zu Wort! Schau es dir hier an:
Bei ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) sind Menschen mit HIV von Anfang an ein wichtiger Teil unserer Kampagne gewesen. Genau so wie authentische Bilder vom Leben mit HIV. Sie verhindern Stigmatisierung und Diskriminierung.
Wenn du uns bei unserer Arbeit unterstützen möchtest, dann teile dieses Video! Und erzähle den Menschen von einer ganz besonderen guten Nachricht: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Denn das hat die Studie auch gezeigt: Diese Nachricht hat Betroffene sehr entlastet.
Zeig dich außerdem überall solidarisch, wo Menschen mit HIV ausgegrenzt oder diskriminiert werden! Und informier dich auf iwwit.de! Hier findest du viele weitere Infos zum Leben mit HIV. Und du findest Infos dazu, wie du oder andere sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren können.
Ein Gesangs-Powerhaus mit starken Messages: „Pink Rebell“ LEOPOLD erobert mit politischer und kämpferischer Musik seit einiger Zeit immer mehr Bühnen, Podcasts, und Fernsehshows. Nächstes großes Wunschziel: Der Eurovision Song Contest! Unser Autor Michael G. Meyer hat sich mit LEOPOLD unterhalten.
Deine Musik ist ungewöhnlich, vor allem Deine Stimme sticht sehr heraus aus dem Pop, den man sonst so kennt. Wie bist du zu Deiner ungewöhnlichen Stimme gekommen, war das viel Training und Unterricht?
Ich denke, die Tatsache, dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken. Es wird nicht erwartet, dass ein Mann auch eine höhere Stimme oder eine Frau eine tiefere Stimme haben kann. In meinem Fall ist es so, dass ich schon immer eine hohe Sprech- und Singstimme hatte, auch schon als Kind. Ich habe schon immer viel gesungen und mit meiner Stimme experimentiert und somit, bewusst und unbewusst, meine Stimme trainiert. Im Studium hatte ich auch Gesangsunterricht und so konnte sich meine Stimme weiterentwickeln.
„Dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken.“
Du wirst mit Dua Lipa, Lady Gaga und einigen anderen Stars verglichen, welche Vorbilder hast du selbst?
Musikalisch, künstlerisch, wie auch menschlich finde ich Prince, Janelle Monáe, Lady Gaga, David Bowie und Beyoncé wahnsinnig spannend und inspirierend. Gesanglich hat mich Aretha Franklin sehr geprägt.
Woher kommt der Name LEOPOLD?
Mein Großonkel und Urgroßvater väterlicher Seite hießen beide Leopold. Meine Eltern haben mir Leopold, neben zwei weiteren Namen, in Erinnerung an die beiden, als Vorname gegeben.
Der Bayerische Rundfunk hat dich mal als „Queerness-Glitzertüte“ bezeichnet – was bedeutet für dich „Queerness“?
Queerness bedeutet für mich bunt, laut und stolz zu sein, die eigene Andersartigkeit zu feiern und dafür einzustehen.
Du stammst aus Würzburg, no offense, aber das ist ja nicht gerade der queerste Ort Deutschlands. Wie bist du da groß geworden und wie bist du zur Musik gekommen?
Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg aufgewachsen. Queerness war dort natürlich nicht so präsent, wie es in einer größeren Stadt der Fall wäre. Ich habe eine tolle Familie und hatte eine sehr schöne, unbeschwerte Kindheit. Unsere Eltern haben viel für meine Geschwister und mich getan. Wir haben zu Hause immer viel und verschiedene Musik gehört. Mit ca. 8 Jahren haben mich meine Eltern bei einem Kinder- und Jugendchor im Nachbardorf angemeldet. So bin ich zur Musik in frühen Jahren gekommen.
Wie ist der private Leopold, wie trennst du Berufliches und Privates?
Schon alleine im Namen trenne ich Berufliches vom Privaten, denn Leopold ist nicht mein Erstname und ich verwende ihn nur auf der Bühne. Was das Äußere betrifft ist es so, dass ich privat eher leger herumlaufe und keine Highheels, auffallende Outfits oder Make-Up trage. Privat bin ich eher unauffällig und zuweilen auch zurückhaltend und schüchtern.
Hast du selbst schon Diskriminierungserfahrungen gemacht, etwa Hasskommentare online?
Ja, ich erhalte regelmäßig auf Social Media Hassbotschaften als Kommentare oder private Nachrichten. Auch im realen Leben werde ich häufig komisch angesehen oder öffentlicht beschimpft.
Das tut mir sehr Leid. Wie siehst du denn die Debatten in Deutschland gerade bezüglich Queerness? Zum Beispiel auch, was das Thema „trans*“ angeht, wo stehen wir da deiner Meinung nach?
In Deutschland hat sich in den letzten Jahren viel getan, auch was die Gender- und Pronomendebatte betrifft. Dennoch genießen wir als LGBTQIA+ auch hier immer noch nicht die gleichen Rechte wie cis und heterosexuelle Menschen. Außerdem erfahren wir regelmäßig Diskriminierung und Ausgrenzung. Das Selbstbestimmungsrecht, die Möglichkeit, Blut zu spenden uvm. sind alles Dinge, die teilweise schon auf den Weg gebracht wurden, aber noch nicht umgesetzt sind.
Queerness in der Popmusik ist ja stärker präsent als früher. Wie siehst du das und wo ordnest du Dich da ein?
Das ist richtig, trotzdem könnten für meinen Geschmack in der internationalen wie auch deutschen Pop-Landschaft noch mehr queere Acts stattfinden. Ich versuche über meine Musik queere Themen aus der Nische in den Mainstream zu bringen und so Leuten zugänglicher zu machen. Meine Musik selbst ist eingängig und poppig – aber mit gewissen Ecken und Kanten.
Wie gehst du öffentlich mit deinem Look und Sex-Appeal um? Was wäre Dir zu gewagt? Was ist dir wichtig, rüberzubringen?
In erster Linie geht es darum, sich wohl zu fühlen. Wenn sich etwas nicht gut für mich anfühlt oder nicht vorteilhaft ist, mache ich es nicht oder trage es nicht. Mit meinen Outfits und Performances verfolge ich eine gewisse Ästhetik und möchte nicht vulgär wirken. Es darf anecken, soll aber gleichzeitig stilvoll und glamourös sein.
Deine Outfits sind ja sicher auch sehr sorgsam ausgesucht, hast du einen bestimmten Stil?
In erster Linie suche ich Outfits aus, die mich ansprechen und von denen ich denke, dass sie mir gut stehen könnten. Ich möchte stilvoll und elegant mit den Outfits auftreten. Dabei darf es auch gerne mal ausgefallener und extravaganter sein. Ich arbeite regelmäßig mit verschiedenen, meist auch queeren Designer*innen zusammen.
„Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.“
Du warst ja in der Auswahl für den ESC, was leider nicht geklappt hat. Bist du enttäuscht oder schon drüber hinweg?
Im ersten Moment war ich natürlich schon enttäuscht – auch, weil mein Team und ich schon länger darauf hinarbeiten. Aber ich denke, es hat vielleicht dieses Jahr einfach noch nicht sein sollen. Das Gute ist ja: Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.
Was sind deine nächsten Projekte?
Für 2022 stehen wieder viele Konzerte an und ich werde auch neue Musik veröffentlichen. Außerdem wird es einige Neuerungen geben, deshalb lasst euch überraschen. 😉
Wo kann man Dich als nächstes mal live sehen? Konzerte finden ja nun endlich wieder statt!
Ich werde wieder auf Festivals und natürlich auch auf einigen CSD- bzw. Pride-Veranstaltungen auftreten, nähere Infos dazu gebe ich bald bekannt. Wer immer auf dem Laufenden bleiben und nichts verpassen möchte kann mir gerne bei Instagram, Facebook, Twitter, TikTok und YouTube folgen.
Zum ersten Mal wurde mit Max Appenroth eine offen lebende trans* Person zum Mr. Gay Germany gewählt. Wir sprachen mit Max über den Contest, über Trans*feindlichkeit in der schwulen Community und Max‘ Kampagne #ProudToBeAlive.
Trigger Warnung: In diesem Interview geht es u.a. um Trans*feindlichkeit, psychisches Wohlbefinden und Suizid.
Max, du hast mehrere Coming-outs hinter dir, magst du uns davon erzählen?
Als ich 13 war, outete ich mich als lesbisch. Es war mein erstes Coming-out. Damals fühlte es sich für mich als „Frau“ mit Männern falsch an. Irgendwann merkte ich dann, dass ich keine Frau bin und hatte ein weiteres Coming-out als trans*. Dazu auch mehr oder weniger als schwule Person, weil ich durch meine Identität und mein verändertes Erscheinungsbild Zugang zu anderen Räumen wie schwulen Bars und Saunas hatte und meine Sexualität anders leben konnte. Dann hatte ich vor zwei Jahren eine andere Art von Coming-out als nicht-binäre trans* Person. Also ich fühle mich im männlichen Spektrum wohl, bin aber deutlich mehr als „nur“ ein Mann.
Was bedeutet der Begriff „nicht-binäre Menschen“?
Nicht-binäre Menschen können sich als „sowohl männlich als auch weiblich“ oder als „weder männlich noch weiblich“ verstehen oder das zweigeschlechtliche Konstrukt gänzlich ablehnen.
Wann hast du dich während dieser Zeit in deinem Körper am wohlsten gefühlt?
Jetzt fühle ich mich sehr wohl in meinem Körper. Die Narrative, dass trans* Menschen im falschen Körper geboren sind, mag ich nicht. Ich bin im perfekten Körper geboren! Es gab nur eine Zeit, in der ich mich mit einzelnen Teilen meines Körpers nicht wohl fühlte und sie modifizieren wollte, um mich in diesem Körper 100% wohl zu fühlen. Das war vor zehn Jahren, als ich eine Operation hatte, um mir die Brüste entfernen zu lassen. Seit dem Moment ist mein Körper einfach perfekt, so wie er ist.
Was bedeutet der Begriff „Transition“?
Transition beschreibt den (medizinischen, rechtlichen, sozialen, körperlichen) Prozess von Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren, ihre Geschlechtsidentität und ihr körperliches Erleben zum Ausdruck zu bringen und anzunähern.
Wie war der Weg zur OP?
Schwierig! Fachlich kompetente Informationen zum Thema Transition zu finden ist nicht einfach. Man muss alles selbst herausfinden: Was will ich? Welche Möglichkeiten habe ich? Außerdem dauert es in Deutschland in der Regel ein bis zwei Jahre vom Antrag bei der Krankenkasse bis zur OP. Und die Anträge werden oft auch abgelehnt. Dann geht man in Berufung und wartet dann wieder auf die Bearbeitung, bis man endlich das OK bekommt. Ich hätte das psychisch und physisch nicht länger ausgehalten, weil ich die Brüste abgebunden und alles ganz platt gedrückt hatte. Das heißt, dein Brustkörper ist permanent komprimiert, du kannst nicht atmen, nicht wirklich aufrecht gehen, du hast Rückenschmerzen. Also habe ich meine Brustoperation in den USA machen lassen. Ich musste zwar selbst viel bezahlen, aber so konnte ich einen ganz schlimmen Prozess mit der Krankenkasse umgehen und schneller an mein Ziel kommen.
Was bedeutet der Begriff „cis Männer“?
Cis Männern wurde bei der Geburt das Geschlecht „männlich“ zugeschrieben und sie identifizieren sich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch damit.
Fehlen der Infrastruktur der queeren Szene Deutschlands Präventionsbotschaften und Organisationen für trans* Personen?
Absolut! Auch wenn Deutschland generell bei der Gesundheitsversorgung ein großartiges Land ist, gilt das jedoch nicht für trans* Personen, weil es viel zu wenig Wissen über unsere Körper und Bedürfnisse gibt. Selbst in den queeren Initiativen, die sich für die Gesundheitsversorgung einsetzen, muss einfach auch viel mehr getan werden, damit wir auch gesehen werden und wirklich mitagieren dürfen. Also dass nicht irgendetwas für uns von irgendwem gemacht wird, sondern dass wir es als Community selbst für uns machen dürfen.
Zum Beispiel Präventionskampagnen: Wenn keine trans* Personen mitarbeiten, wie weiß man dann, wie man die Community am Besten adressiert? Wenn auf allen Plakaten nur schwule cis Männer zu sehen sind, aber keine trans* Personen, fühle ich mich nicht angesprochen. Da muss man einfach hinschauen, wie man die Communities repräsentiert, wie man mit ihnen zusammenarbeitet, um wirklich die bestmögliche Arbeit zu machen, die auch die Bedürfnisse der Community widerspiegelt. Ich arbeite vornehmlich im Bereich der HIV-Prävention, speziell für trans* Personen, und sehe, wie viel Arbeit jetzt noch getan werden muss.
Schwul. Trans*. Teil der Szene!
Unsere Broschüre „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ bietet schwulen trans* und cis Männern, gender-nonconforming und nicht-binären Menschen, die sich der schwulen Community zugehörig fühlen unter anderem alle Infos zum respektvollen Umgang innerhalb unserer vielfältigen Szene, zu schwulem Sex sowie zum Schutz vor HIV (Safer Sex). Kurze Infos zur Trans*-History und bedeutenden Aktivist*innen sowie Links zu mehr Infos runden die Broschüre ab. Du findest sie unter iwwit.de/trans!
Max möchte sich verstärkt mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen befassen.
Wie kann deine Arbeit und die Community von deinem Sieg als Mr. Gay Germany profitieren?
Durch die gesteigerte Sichtbarkeit, die ich nun bekomme, folgen mir mehr Menschen in den sozialen Medien, oder ich werde zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Das gibt mir mehr Reichweite und wirkt sich natürlich auch auf meine Arbeit aus, weil mehr Menschen die Problematik und die schwierige Situation mitbekommen und hellhörig werden.
Was war deine Motivation, an dem Wettbewerb teilzunehmen?
In den sozialen Medien bin ich durch Zufall darüber gestolpert und habe gesehen, dass es nicht nur ein Schönheitswettbewerb ist, sondern Inhalte im Vordergrund stehen. Jede Person muss sich für ein bestimmtes Thema einsetzen und eine Kampagne dafür ins Leben rufen. Ich fand das ziemlich cool und hab mich damit auseinandergesetzt. Da ich als trans* Person immer wieder Anfeindungen aus der schwulen Community bekomme, dachte ich mir außerdem, dass ich bei so einem Contest den Leuten zeigen möchte, dass wir trans* Personen sehr wohl Teil der Community sind.
„Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.“
Du erlebst also Diskriminierung aus der schwulen Community?
Die schwule Community ist eine meiner Communities und ich fühle mich da zu Hause. Teilweise erlebe ich aber Dinge wie „Du hast hier nichts zu suchen“ oder „Das ist kein „richtiger“ Mann, also kannst du nicht in der schwulen Community sein”. Vielleicht fehlt es hier ein wenig an Aufklärung: Nicht jeder muss mich attraktiv finden oder sich vorstellen, mit mir ins Bett zu gehen. Ich will auch nicht mit jedem Menschen ins Bett. Aber nur weil ich mir persönlich etwas nicht vorstellen kann, oder etwas nicht mag, heißt das nicht, dass andere das nicht mögen könnten. Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das also nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.
„Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren.“
Was würdest du diesen Leuten sagen?
Wir als trans* Personen nehmen niemandem irgendetwas weg. Ich will kein Geschlecht abschaffen. Ich möchte einfach nur mit Respekt und Würde leben dürfen, wie alle Menschen auch. Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren. Ich kann auch vieles nicht nachvollziehen. Aber das heißt nicht, es darf nicht existierten, nur weil ich es nicht verstehe. Dennoch ist dies der beste Beweis dafür, dass meine Arbeit für mehr Trans*-Sichtbarkeit immer noch gebraucht wird, und in der Tat wirken solche Kommentare für mich wie Benzin in meinem Motor. Das ist genau der Grund, warum ich mehr tue.
„Solche Kommentare wirken für mich wie Benzin in meinem Motor.“
Zurück zum Wettbewerb: Wie lief er ab?
Es ging alles relativ zügig. Ich bewarb mich Ende Oktober online, eine Woche später hatte ich mein erstes Telefoninterview. Dann musste ich in den nächsten drei Tagen eine Community-Kampagne entwickeln. Ich überlegte mir eine Kampagne und stellte sie vor. Kurze Zeit danach erfuhr ich, dass ich im Halbfinale bin. Zwischen Halbfinale und Finale muss man die Kampagne weiter aufbauen, um der Jury im Finale zu zeigen, wie man weiter daran arbeitet. Genau sechs Wochen nach dem ersten Telefonat kam dann das Finale. Die anderen Mitstreiter waren unterschiedlichen Alters und Herkunfte. Auch nicht alle waren total schlank und nur muskulös, sondern hatten einfach auch unterschiedliche Körperformen. Ich fand es schön zu sehen, dass es nicht nur um muskelbepackte cis Männer geht. Es war eine kurze intensive Zeit, aber als ich meinen Namen im Finale hörte, war das ein unbeschreiblicher Moment. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.
Worum geht es in deiner Kampagne?
Sie nennt sich #ProudToBeAlive (stolz darauf, am Leben zu sein) und befasst sich mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Denn leider ist dies ein Thema, über das wir selten sprechen. Ich möchte diese Situation auf zwei Schienen verbessern: Zum einen durch die Schaffung einer professionellen Krisenhilfestruktur für junge LSBTQIA+ in Form einer Online-Beratung parallel zu einer Telefonberatung, durch die Hilfe in akuten Situationen angeboten wird.
Und auf lange Sicht möchte ich die Sichtbarkeit von queeren Menschen in der Kinder- und Jugendliteratur erhöhen. Wenn queere Kinder und Jugendliche in Kinderbüchern sehen, dass es andere Menschen gibt, die genauso sind wie sie – wenn sie sich selbst also immer wiederfinden – bekommen sie das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Und dass man so, wie man ist, in Ordnung ist. Ich glaube, wenn sie das von klein auf mitbekommen, könnten sie ein ganz anderes Leben führen, als wenn sie allein damit zurechtkommen müssen. Anfang April kommt mein erstes trans*-empowerndes Kinderbuch auf Deutsch und Englisch heraus, es heißt „Egal was sich ändert, das Herz bleibt genau dasselbe“.
Max, viel Erfolg damit und vielen Dank für das Interview!
Trans* Männer, nicht-binäre und gender non-conforming Personen sind Teil der schwulen Szene! Erfahre jetzt mehr über unsere Kampagne „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ Klicke auf www.iwwit.de/trans!
Gay Health Chat
Du suchst jemandem zum Reden? Jemanden, der dir zuhört und eventuell Rat hat? Dann chatte mit Beratern aus der Community unter www.gayhealthchat.de!
Hinweis
Es gibt Situationen, die sind alles andere als leicht. Hier gibt es Hilfe: – Telefonseelsorge: 0800-1110111 und 0800-1110222 – Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die ersten Reaktionen nach einer HIV-Diagnose sind oft sehr unterschiedlich. Viele Menschen erleben die Nachricht zunächst als Schock und fragen sich, wie das Leben jetzt weitergeht. Genau hier setzt Buddy.hiv an: Das Projekt der Deutschen Aidshilfe vermittelt bundesweit Kontakte zu Menschen, die schon länger mit HIV leben und bei den ersten Schritten ins Leben mit HIV unterstützen können.
Unterstützung von Mensch zu Mensch
Ein Buddy ist jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, wie sich die erste Zeit nach einer Diagnose anfühlen kann. Das Angebot richtet sich an Menschen mit HIV unabhängig von Geschlecht oder Alter. Der Austausch soll Orientierung geben, Mut machen und zeigen, dass ein selbstverständliches Leben mit HIV möglich ist.
So funktioniert Buddy.hiv
Auf Buddy.hiv können Nutzer*innen einen passenden Buddy suchen, die Auswahl regional eingrenzen und dann direkt Kontakt aufnehmen. Aktuell sind mehr als 40 speziell trainierte Menschen mit HIV bundesweit im Projekt aktiv – aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und Altersgruppen.
Warum das Angebot wichtig ist
Auch wenn HIV heute gut behandelbar ist, wird ein positives Testergebnis häufig als belastend erlebt. Umso wichtiger sind Gesprächspartner*innen, die die Situation aus eigener Erfahrung kennen. IWWIT beschreibt das Buddy-Projekt deshalb als Unterstützung besonders in der ersten Phase nach der Diagnose – mit Rat, emotionalem Beistand und Austausch auf Augenhöhe.
Buddy.hiv in Zahlen
über 40 aktive Buddys bundesweit
1.001 begleitete Menschen
Begleitungen in 7 Sprachen
98 % würden das Projekt weiterempfehlen
Du brauchst jemanden zum Reden?
Ob akut oder einfach zur Orientierung – manchmal hilft es, mit jemandem vertraulich zu sprechen. Nutze den Gay Health Chat – der Button rechts unten begleitet dich auf der Seite. Dort bekommst du anonym und kostenlos:
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Auf seinem neuen Album „Boyology“ plädiert der dänische Popsänger Asbjørn für ein anderes Verständnis von Männlichkeit – und ermutigt insbesondere schwule Männer zu ihrer Verletzlichkeit zu stehen.
Bereits 1984 fragte Herbert Grönemeyer „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Nach fast vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, steht die Frage immer noch im Raum. Auch den dänischen Popsänger Asbjørn treibt sie um. So geht es bei dieser Frage letztlich doch auch um die eigene Identität als queerer Mann und ein neues Selbstverständnis von Männlichkeit.
Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal
Wie ein roter Faden zieht sich diese Auseinandersetzung durch sein neues, inzwischen drittes Album. Es ist, wie der 29-Jährige sagt, seine „Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal und den unsichtbaren Erwartungen in der Gesellschaft und an uns selbst, wie ein Mann sein oder nicht sein sollte“. Am Deutlichsten packt das Asbjørn in seinem melancholisch-nachdenklichen Song „Be Human“ in prägnante Verszeilen: “I don’t wanna be a man/ If man means power, to not empower others”. Und “I don’t wanna be a man/ If man means violence instead of showing kindness.”
Das Albumcover von „Boyology“ von Asbjørn. (Artwork by Max Binski)
Mit wehmütig klingendem Falsett singt Asbjørn von verlogenen, veralteten und toxischen Vorstellungen der Männlichkeit. So fragt er schließlich zu fragen: „Can I just be human? / Can I just be me?“ Einfach sich selbst sein, sich auch Verletzlichkeit zuzugestehen, ist eine der Messages, die Asbjørn in klugen und zugleich tanzbaren Pop verpackt hat. Ebenso wie die Botschaft: vor allem an sich selbst glauben und sich nicht zu verstellen, auch wenn’s um Liebesdinge geht.
Ein gesungenes „Ihr könnt mich mal…“ an seine alte Plattenfirma
Der in der Nähe von Aarhus aufgewachsene Sänger, Musiker und Produzent scheint aus eigener Erfahrung zu sprechen. Gleich mehrere Songs erzählen von zerbrochenen Beziehungen sowie gleichzeitig von der Angst vor festen Bindungen. „Remember my Name“ ist einer davon, auch dies ein sehr emotionaler, von elektronischen Beats getriebener Track. Die Verszeilen „Rember my name, the boy that got away“ kann als Nachricht an einen Ex verstanden werden, der von der Trennung kalt erwischt wurde. Für Asbjørn hat der Song aber auch noch eine ganz andere, sehr persönliche Lesart. Genaugenommen ist er ein „Ich schaff’s auch ohne euch“-Gruß an seine alte Plattenfirma. Allerdings war das Material, das er in seiner Wahlheimat Berlin für sein dritten Album erarbeitet hatte, dieser nicht kommerziell genug.
„Ich war zutiefst verletzt vom Zynismus der Branche“, gesteht Asbjørn. Deshalb verzog er sich in ein Sommerhaus in Dänemark, „wo ich das Meer anschreien konnte, um den letzten Rest meiner Resilienz zu entfachen und ihnen das Gegenteil zu beweisen.“
Inspiriert von Lyykie Li, Robyn und anderen großen Künstler*innen
In den elf Songs von „Boylogica“ zeigt Asbjørn, was er von seinen musikalischen Vorbildern wie Lyykie Li, Timbaland, Robyn und Missy Elliott gelernt hat. Vor allem aber zeigt er, dass auch in dancefloor- und radiotauglichen Liedern eine intime und intensive Auseinandersetzung möglich ist – mit den eigenen und mit gesellschaftlichen Erwartungen an zwischenmenschliche Bindungen und vermeintlich geschlechtertypisches Verhalten.
„wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“
Asbjørn über seine „The Boyology Series“ auf Youtube
Asbjørn glaubte diese Erwartungen längst überwunden zu haben, aber musste dann zu seiner eigenen Überraschung feststellen, dass er seinen Liebesschmerz „auf diese super stereotypische Art und Weise unterdrückte“. Für ihn war diese Erkenntnis ein Ausschlag für dieses Album. Und dass es ihm in Sachen Liebe zu Männern zieht, steht bei ihm außer Zweifel. Seine Videos, wie auch jene zu den beiden ersten Alben, sind unmissverständlich und offenherzig. Aus dem neuen Album hat Asbjørn drei Songs ausgewählt und dazu Videos produziert, die sich, wie er selbst sagt, „wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“ anfühlen sollen. Diese „The Boyology Series“ ist auf YouTube zu sehen.
Sex im Alter: Zwischen Veränderung, Nähe und neuer Lust
Sex hört nicht auf, nur weil wir älter werden – im Gegenteil. Viele Menschen erleben mit den Jahren eine neue Qualität von Intimität und Lust. Doch „Sex im Alter“ ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, besonders wenn es um schwule Männer geht.
Mit dem Älterwerden verändert sich einiges: Der Körper reagiert anders, die Libido kann schwanken, und manchmal stehen gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Gleichzeitig gewinnt emotionale Nähe an Bedeutung. Statt Leistungsdruck stehen Achtsamkeit, Vertrauen und neue Erfahrungen im Mittelpunkt.
Auch gesellschaftlich gibt es Nachholbedarf: Sexualität älterer Menschen – insbesondere schwuler Männer – wird oft übersehen. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen.
Offenheit und Lebensfreude auch jenseits der 60
Körperliche Veränderungen
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt – insbesondere der Testosteronspiegel sinkt. Das kann Auswirkungen auf die Libido, die Erektionsfähigkeit und die sexuelle Leistungsfähigkeit haben. Diese körperlichen Veränderungen sind vollkommen normal und gehören zum natürlichen Älterwerden dazu.
Trotzdem bleibt Sex im Alter für viele Männer erfüllend – häufig sogar intensiver, weil der Fokus sich verschiebt: weniger auf Leistung, mehr auf Nähe, Achtsamkeit und bewussten Genuss. Wer die Signale seines Körpers erkennt und akzeptiert, kann seine Sexualität im Alter gesund und selbstbewusst leben. Bei Bedarf können auch ärztliche Beratung oder unterstützende Hilfsmittel helfen, Unsicherheiten abzubauen.
Sexuelle Gesundheit im Alter
Sex im Alter ist nicht nur möglich, sondern kann auch gesundheitlich von Vorteil sein. Studien zeigen, dass regelmäßige sexuelle Aktivität positive Effekte auf Kreislauf, Immunsystem und seelisches Wohlbefinden haben kann. Auch die Prostata profitiert – regelmäßige Ejakulationen können laut manchen Untersuchungen das Risiko für Prostatabeschwerden verringern.
Gleichzeitig können hormonelle Veränderungen oder chronische Erkrankungen Herausforderungen mit sich bringen. Wichtig ist deshalb ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper und die Bereitschaft, über Probleme zu sprechen. Auch sexuell übertragbare Krankheiten werden im Alter oft unterschätzt – regelmäßige Tests und Schutz sind ebenso relevant wie in jüngeren Jahren.
Psychologische Aspekte von Sex im Alter
Sex im Alter ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine Herausforderung und Chance zugleich. Viele Männer kämpfen mit Unsicherheiten, etwa durch körperliche Veränderungen, nachlassende Potenz oder gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie „männlich“ oder „leistungsfähig“ Sexualität sein sollte.
Das Selbstbild spielt dabei eine zentrale Rolle. Wer sich selbst akzeptiert und liebevoll mit dem eigenen Körper umgeht, kann auch Intimität wieder neu erleben – frei von Druck oder Erwartungen. Gerade im Alter entstehen oft tiefere, ehrliche Verbindungen, weil viele Männer ihre Bedürfnisse besser kennen und offener damit umgehen. Sexualität im Alter bedeutet nicht Rückzug, sondern oft einen neuen Zugang zu Nähe, Lust und Selbstbewusstsein.
Offene Gespräche, Nähe und Gemeinschaft im Alter
Partnerschaft und Beziehung
Mit zunehmendem Alter verändert sich oft auch die Dynamik in Partnerschaften und damit die Sexualität. Viele Paare erleben weniger sexuelle Aktivität, dafür aber eine tiefere Form der Intimität. Gespräche über Wünsche, Grenzen und neue Bedürfnisse gewinnen an Bedeutung.
Sex im Alter muss nicht wie früher aussehen. Für manche Paare heißt das: mehr Zärtlichkeit, mehr Achtsamkeit, weniger Leistungsdruck. Für andere kann es bedeuten, neue Impulse zuzulassen oder über lange Tabus hinwegzukommen. Gerade langjährige Beziehungen profitieren von ehrlicher Kommunikation und dem Mut, Dinge neu zu entdecken.
Gesellschaftliche Sichtweisen
In unserer Gesellschaft ist Sex im Alter noch immer ein Tabuthema – besonders, wenn es um schwule Männer geht. Ältere Körper gelten oft als asexuell, unsichtbar oder nicht mehr begehrenswert. Diese Vorurteile können sich tief ins Selbstbild einschreiben und dazu führen, dass Männer sich für ihre sexuellen Wünsche schämen oder sie unterdrücken. Dabei ist das Bedürfnis nach Nähe, Lust und Intimität keine Frage des Alters. Im Gegenteil: Viele Männer entdecken gerade in späteren Lebensjahren neue Facetten ihrer Sexualität. Umso wichtiger ist es, dass diese Erfahrungen gesehen und anerkannt werden. Sex im Alter verdient Sichtbarkeit, Respekt und einen selbstverständlichen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung.
Praktische Tipps für erfüllten Sex im Alter
Sex im Alter darf sich verändern und darf auch neu entdeckt werden. Wer offen bleibt und sich auf die eigenen Bedürfnisse einlässt, kann viel erleben. Kleine Hilfsmittel wie Gleitgel, Potenzmittel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch eine entspannte Atmosphäre, Zeit und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle. Ebenso wichtig ist Kommunikation: Offen über Wünsche, Ängste oder Grenzen zu sprechen, schafft Nähe, vor allem in neuen Beziehungen. Wer Unsicherheiten verspürt, kann sich auch medizinische oder therapeutische Unterstützung holen.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Wer alt ist, hat keinen Sex. Von wegen! Vielleicht verschieben sich die Prioritäten und Kuscheln wird wichtiger als ein geiler Fick, aber Sex spielt auch in der Generation 60plus eine Rolle, wie diese vier schwulen Männer beispielhaft berichten.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Sex mit dem Partner
K
Kurt (62)
aus Zeitz
Ich lebe seit acht Jahren mit meinem Partner zusammen. Vor vier Jahren haben wir geheiratet. Viele Paare schlafen nach einer solchen Zeit nur noch im gleichen Bett, aber es passiert nichts mehr. Bei uns dagegen schon.
Wir haben regelmäßig Sex miteinander, aber auch mit anderen Männern – manchmal gemeinsam, manchmal jeder für sich. Das gibt unserem Sexleben die nötige Würze.
„Wenn wir jemanden zu uns einladen, erwarten wir aber mehr, als einfach hinzulegen und das Loch hinzuhalten. Zum Sex gehört für uns Küssen, Zärtlichkeit, Lecken und Rimmen sowie geiles Blasen.“
Sex als Single
J
Julio (66)
aus Köln
Warum so viele Schwule ein Problem damit haben, älter zu werden, ist mir ein Rätsel. Ich habe nach wie vor Sex und empfinde ihn als viel intensiver als in meiner Jugend.
Manchmal suche ich aber auch den Kick: Ich fliege regelmäßig zum FKK nach Gran Canaria. In den Dünen von Maspalomas fühle ich mich frei und genieße es, dass es anderen genauso geht.
„In Bars gehe ich schon lange nicht mehr. Da stehen nur Giraffen: erst langen Hals machen, und schaut man hin, stecken sie den Kopf in den Sand.“
Sex gegen Geld
JC
Jean-Claude (66)
aus Karlsruhe
Als ich so jung war wie die Männer, die ich schön und anziehend finde, galt Homosexualität noch als krank und widerwärtig. Ich empfinde es als wunderbar, wenn ein junger Mann neben mir liegt und ich ihm die Liebe geben kann, die mir damals gefehlt hat.
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ihnen für ihre Zärtlichkeit und die Zeit, die sie mit mir verbringen, etwas zustecke.
„Einen professionellen Callboy habe ich aber noch nie bestellt. Das wäre mir viel zu geschäftsmäßig. Ich brauche das Gefühl, gemocht zu werden.“
Kaum noch Sex
K
Karl (60)
aus Dillenburg
Jeder hat bestimmte Vorstellungen von einem potenziellen Sexpartner. Ich selbst stehe optisch auf jüngere, sportliche Männer. Aber auch zwischenmenschlich muss es passen. Das macht es mir nahezu unmöglich, sexuell aktiv zu bleiben.
Denn für meine Zielgruppe bin ich ein alter Sack, und ich lebe in einem echten Kaff. Käuflicher Sex kommt für mich nicht infrage.
„Der Verzicht auf Sex bedeutet aber nicht, dass ich frustriert wäre. Ich habe vor allem jüngere Freunde. Außerdem ist mir ein bisschen Erotik durchaus geblieben: Ich bin leidenschaftlicher Ringer.“
FAQ: Häufige Fragen zu Sex im Alter
Ist Sex im Alter noch gesund?
Ja. Studien zeigen, dass regelmäßiger Sex im Alter sich positiv auf Herz-Kreislauf, Hormone und psychisches Wohlbefinden auswirken kann. Auch die Prostata profitiert von sexueller Aktivität.
Wie oft haben Männer im Alter noch Sex?
Das ist sehr individuell. Manche haben mehr Lust als früher, andere weniger. Wichtig ist nicht die Häufigkeit, sondern dass Sexualität im Alter den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Gibt es Hilfsmittel für erfüllten Sex im Alter?
Ja. Potenzmittel, Gleitgel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch Beratung durch Ärzt*innen oder Sexualtherapie kann helfen.
Was tun bei Erektionsproblemen im Alter?
Erektionsprobleme sind im Alter häufig. Offene Gespräche mit dem Partner und ärztliche Hilfe können Entlastung bringen. Medikamente oder andere Hilfsmittel sind heute gut verträglich.
Wie verändert sich Sexualität in langjährigen Beziehungen?
Viele Paare erleben weniger Sex, dafür aber tiefere Intimität. Kommunikation über Wünsche und Offenheit für Neues sind entscheidend, um auch im Alter Nähe zu erleben.
Warum wird über Sex im Alter so wenig gesprochen?
Sexualität im Alter wird gesellschaftlich oft tabuisiert. Besonders schwule Männer erleben im Alter Unsichtbarkeit oder Vorurteile. Erfahrungsberichte helfen, das zu ändern.
Wie verändert sich das Lustempfinden im Alter?
Lust kann mit dem Alter intensiver, langsamer oder auch bewusster werden. Körperliche Veränderungen beeinflussen das Empfinden – aber nicht die Fähigkeit, Lust zu spüren.
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