Kategorie: Community

  • Wider die Scham und die Sünde

    Wider die Scham und die Sünde

    Die TV-Serie „It’s a Sin“ zeigt LIEBE IN ZEITEN VON AIDS

    Das Gegenstück zu „Queer as Folk“: Die TV-Serie „It’s a Sin“ blickt ins London der 1980er-Jahre zurück, als auch dort die schwule Szene von Aids überrollt wurde. Ein Meisterwerk, das nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern auch vom Hier und Heute.

    (Spoilerwarnung: Dieser Artikel enthält Spoiler zu der Serie „It’s a Sin“)

    Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten, um die Zukunft dieser Serie vorherzusagen: Sie wird bald zum festen kulturellen Gedächtnis der schwulen Community gehören, wie schon „Pose“ oder „Queer als Folk“. TV-Serien also, die ebenfalls queere Geschichten und die Geschichte auf eine Art und Weise erzählen, dass sie selbst bleibende Erinnerungen schaffen.

    Szene aus Episode 2 der TV-Serie Gregory, Colin, Richie, Jill and Ash (von links nach rechts) (© RED Production Company & All3Media International)
    Szene aus Episode 2 Gregory, Colin, Richie, Jill and Ash (von links nach rechts) (© RED Production Company & All3Media International)

    Queere Geschichte als TV-Serie

    Denn mit den Figuren in „It’s a Sin“ fiebert man hautnah mit. Bei ihrem Aufbruch in die Erwachsenenwelt und der Euphorie der sexuellen Befreiung und Selbsterfahrung. Man kommt ihnen in den fünf Episoden so nahe! Wir begleiten sie so intensiv durch Höhen und Tiefen, dass man sich dieser queeren Wahlfamilie fast zwangsläufig zugehörig fühlt.

    Und vor allem gelingen Russel T Davies, dem Schöpfer dieser TV-Miniserie, immer wieder Szenen und Bilder, die sich förmlich einbrennen und die Zuschauer*innen auf lange Zeit unweigerlich begleiten werden.

    Innere Widersprüche aushalten

    Auch, weil oft in einem einzigen Bild die sich überlagernden Gefühle wie Aufbegehren und Glück bis hin zu Verzweiflung, Unverständnis und Hoffnung festgehalten sind. Etwa, wenn die Eltern des partyfreudigen Fahrkartenkontrolleurs Gregory nach dessen Tod im Garten einen Scheiterhaufen errichten. Und sie dort sein Bett und alle persönlichen Gegenstände ihres Sohnes verbrennen, die Kinderfotos ebenso wie die Schnappschüsse mit seinen Freunden im fernen London. Als könnten sie damit sein Schwulsein und seine Aidserkrankung auslöschen.

    Oder Ritchie, der sich nicht getraut hatte, sein Testergebnis abzuholen, und alle Anzeichen ignorierte. Erst jetzt, da die Krankheit ausgebrochen ist, bringt er den Mut auf, sich – auf seine sehr eigene Weise – seinen engsten Freunden zu offenbaren: „Ich wollte, dass ihr es als erstes erfahrt: Ich werde leben!“

    „Ich wollte, dass ihr es als erstes erfahrt: Ich werde leben!“

    Olly Alexander (den viele als Frontman der Band Years & Years kennen dürften) legt in diesen kurzen Satz alles hinein, was seine Figur gerade an inneren Widersprüchen auszuhalten hat. Die Erleichterung, sich endlich den wichtigsten Menschen anvertrauen zu können, die Scham, sie so lange angelogen zu haben, und die Angst, dass seine Zukunft nur noch sehr kurz sein könnte. Und dann spricht da auch noch der Trotz aus ihm, sich nicht unterkriegen und nicht die Lebensfreude rauben lassen zu wollen.

    Schwule Fernsehgeschichte für ein breites Publikum

    Und weil das die Zuschauer*innen nicht unberührt lässt, wird auch diese Szene zu einem unvergesslichen Moment. Russel T Davies versteht nicht nur sein Handwerk, er weiß es vor allem auch meisterhaft einzusetzen – und das heißt für ein breites Publikum zu schreiben, ohne deshalb inhaltliche Kompromisse einzugehen.

    Schwules Leben und Lieben bewusst nicht auf HIV und Aids reduzieren

    Das war ihm auch schon mit Serien wie „Cucumber“, „A Very English Scandal“ und „Years and Years“ und vor allem natürlich mit „Queer as Folk“ gelungen. Mit letzterer Serie hatte der britische Regisseur und Drehbuchautor vor über 20 Jahren schwule Fernsehgeschichte geschrieben. Sie war so erfolgreich, dass einige Jahre später – ein international noch erfolgreicheres – US-Remake entstand.

    Davies hatte seinerzeit bewusst darauf verzichtete, HIV und Aids zu thematisieren, sondern wollte schwules Leben und Lieben feiern, ohne es zugleich durch die Krankheit zu definieren.

    Eine neue Welt im London der 80er-Jahre

    Für ihn war es nun aber an der Zeit, auch an diese Jahre zu erinnern und sich dabei zugleich auch mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. In Ritchtie, dem smarten gutaussehenden 18-Jährigen, dem sich in der schwulen Szene Londons des Jahres 1981 eine neue Welt eröffnet und der die sich ihm bietenden sexuellen Möglichkeiten ausgiebig genießt, hat Davies offenbar viel seiner eigenen Geschichte hineingepackt. Und auch Jill (Lydia West), Ritchies beste Freundin, die wie er ebenfalls Schauspiel studiert, hat eine reale Entsprechung.

    Szene aus Episode 2 der Tv-Serie Roscoe © RED Production Company & All3Media International
    Szene aus Episode 2 Roscoe © RED Production Company & All3Media International

    Jill wird Mitbewohnerin der ansonsten komplett schwulen WG, die von allen liebevoll „Pink Palace“ genannt wird. Es ist ein kleiner verschworener, bunter Haufen. Neben Ritchie gehört auch Roscoe (Omar Douglas) dazu. Er hat seiner aus Nigeria stammenden, streng religiösen Familie den Rücken gekehrt, als diese Pläne schmiedete, ihn von seiner Homosexualität „heilen“ zu wollen.

    Davies zeigt den Umgang mit der Angst vor Aids, mit Homosexualität und Homosexuellenfeindlichkeit

    Der blasse Waliser Collin (Callum Scott Howells) beginnt in London eine Ausbildung zum Herrenschneider, gilt als verklemmt und schüchtern, aber hat, wie sich im Laufe der Zeit zeigt, mehr erlebt, als seine Freund*innen ahnen.

    Rund um die Clique scharrt Russel T Davies noch eine ganze Reihe von Nebenfiguren. Unter anderem prominent besetzt mit Stephen Fry und Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“). Dadurch eröffnet sich Davies jede Menge Möglichkeiten, den Umgang mit der Angst vor Aids, mit einer Infektion, mit der eigenen Homosexualität sowie der Homosexuellenfeindlichkeit der anderen – wie auch die Reaktionen darauf – zu zeigen.

    Mehr als nur ein zeitgeschichtliches Panorama der Aids-Ära

    Diese TV-Serie mag dafür viel zu kurz erscheinen – immerhin sind es „nur“ fünf Folgen je 45 Minuten – doch Russel T Davies genügt diese Zeit für ein unglaublich breites, keineswegs nur zeitgeschichtlich Panorama. Denn „It’s a Sin“ (benannt nach dem Hit der Pet Shop Boys) fokussiert sich nicht ausschließlich auf die verheerende Auswirkung der Aidspandemie im London zwischen 1981 und 1991.

    „Ich wollte kein Drama über Sterbebetten schreiben“

    „Ich wollte kein Drama über Sterbebetten schreiben“, erklärte Davies in einem Interview, „sondern ich wollte diese Ära wieder für mich zurückgewinnen und mich mit Freude an diese Leben erinnern.“

    So geht es in „It’s a Sin“ einerseits beispielsweise um die berechtige Angst vor der Ausgrenzung – selbst durch Kolleg*innen und die Familie oder um Angst vor dem Sterben. Die Serie erzählt aber auch auf vielen verschiedenen Ebenen davon, wie Homosexuellenhass funktioniert und wirkt. Aber auch wie man sich verbünden und stärken kann. Sie zeigt, was es braucht, um die eigene Sexualität positiv annehmen und leben zu können. Und welchen Wert Freund*innenschaft und Mitmenschlichkeit haben. Und das alles mit jeder Menge Empathie und Humor.

    Szenenbild aus Episode 1 der TV-Serie „It’s a Sin“
    Szenenbild aus Episode 1 der TV-Serie „Richie“

    TV-Serie bringt Themen wie Coming-out, HIV und PrEP in die Medien

    Und so ist „It’s a Sin“ zwar eine Serie, die in einem lange zurückliegenden Jahrzehnt spielt. Aber weil sie überzeitliche Themen verhandelt, kann die Serie doch im Hier und Heute andocken. Dazu trägt bei, dass die Serienmacher*innen darauf verzichtet haben, penetrant und überdeutlich typische Alltagsgegenstände jener Ära zu platzieren.

    Großer Erfolg unter jungen Zuschauer*innen

    Breite Schulterpolster, New-Wave-Outfits und Walkman sucht man hier also fast vergebens. Das erleichtert auch dem jungen Publikum von heute, sich mit ihren Altersgenoss*innen der 80er- und 90er-Jahren zu identifizieren.

    In Großbritannien hatte die Serie gerade unter jungen Zuschauer*innen einen enormen Erfolg. Und hatte einen nicht gering zu schätzenden Nebeneffekt: Themen wie Coming-out, HIV, heutige Behandlungsmöglichkeiten und PrEP wurden breit in den Medien diskutiert – und die HIV-Test-Zahlen stiegen nach der Ausstrahlung um mehr als 400 Prozent.

    Eine der eindrücklichsten und unvergesslichsten Szenen der ganzen TV-Serie hat sich Davies übrigens für den Schluss aufbewahrt. Jill trifft auf einer Hafenpromenade auf der Isle of Wight mit Ritchies Mutter zusammen. Den Freund*innen war bislang verwehrt worden, ihren Freund noch einmal zu sehen.

    Lebensbejahende Feier des queeren Selbstbewusstseins

    Nun erfährt Jill, dass Ritchie bereits gestorben ist – einsam und abgeschirmt im Schoße der Familie. Russel T Davies hat für Jill hier einen Monolog geschrieben, der es in sich hat. Er kommt einer Generalabrechnung gleich. Er formuliert vor allem aber eine der zentralen Botschaften, die Davies mit dieser TV-Serie vermitteln will. Es ist ein Plädoyer gegen die Scham und zugleich eine Anklage all jener, die Menschen dazu bringen, sich für ihre Sexualität oder für eine HIV-Infektion zu schämen.

    Ein Plädoyer gegen Scham

    Denn erst „die Scham macht das Gefühl, es verdient zu haben“, sagt Jill. Ohne die Scham wäre ein freierer Umgang mit der sexuellen Identität wie auch mit einer Infektion möglich. So aber kommt zur Scham vielleicht sogar noch die Schuld hinzu, weil man das Virus womöglich an andere weitergegeben hat.

    Das macht „It’s a Sin“ zu einem ebenbürtigen Gegenstück zu „Queer als Folk“. „It’s a Sin“ ist aber auch eine ungemein lebensbejahende Feier der Selbstermächtigung und des queeren Selbstbewusstseins.


    „It’s a Sin“ (Starzplay), Video-on-Demand bei Amazon Prime Video

    Alles zum Leben mit HIV findet ihr bei uns unter iwwit.de/leben-mit-hiv!

  • Cool bleiben, wenn’s heiß her geht. – Eine Umfrage zu Safer Sex im Cruisingclub

    Cool bleiben, wenn’s heiß her geht. – Eine Umfrage zu Safer Sex im Cruisingclub

    Safer Sex im Club
    Symbolbild

    Einfach nur zum Quatschen und Biertrinken geht wohl kaum jemand ins Lab.Oratory. In dem Berliner schwulen Sexclub geht es vor allem um das Eine und dazu lässt man, etwa bei den Naked Partys auch gleich nach dem Betreten die Klamotten fallen. Wer hier den Abend verbringt, will zur Sache kommen. Und welche Rolle spielt dabei Safer Sex? Oder besser: Welche Form des Safer Sex bevorzugen die Besucher? Schließlich gibt es neben dem Kondom mittlerweile auch die PrEP und Schutz durch Therapie, um eine HIV-Übertragung zu verhindern.

    ICH WEISS WAS ICH TU hat unter den Gästen einige unterschiedliche Stimmen zum Thema Safer Sex eingefangen, ohne Anspruch auf Repräsentativität.

     

    Dennis* (24) aus Sachsen:

    „Ich war erst einmal beim Lab. Freunde hatten mir davon erzählt und das hatte mich total neugierig und geil gemacht. Aber so richtig vorstellen, wie es da zugeht, konnte ich es mir dann doch nicht. Ich hatte Angst, dass mich das vielleicht überfordert, das alles viel zu heftig für mich ist. Und ja, ich hatte auch Bammel, hinterher mit irgendeiner Krankheit nach Hause zu fahren. Man hört ja immer wieder, wie wild die Szene ist, gerade in Berlin.

    „Ich fühlte mich dann nicht uncool oder so, nur weil ich Kondome nehme.“

    Ich war dann etwas beruhigter, als ich auf der Webseite las, wie es auf der „Naked Party“ zugeht. („Klamotten an der Garderobe abgegeben, Gummis und Gleitcreme in die Socken gesteckt und los geht’s.“, d. R.) Ich habe dann zwar auch welche gesehen, die ohne Gummi Sex hatten, aber es war doch eher die Ausnahme. Mich hat das beruhigt und ich fühlte mich dann nicht uncool oder so, nur weil ich Kondome nehme.“

     

    Marc (38) ist ein Stammbesucher des Clubs:

    „Anders als vielleicht bei Grindr oder so checkt man sich ja nicht erst lange aus.“

    „Ich komme schon seit ein paar Jahren regelmäßig hierher, weil ich genau weiß, was mich erwartet und dass ich hier Spaß haben kann. Ich habe mittlerweile fast alle verschiedenen Mottopartys durch, nur die ganz extremen Sachen nicht. Was aber auffällig ist: dass man immer häufiger auch Leute ohne Gummi vögeln sieht. Das hat sich schon verändert. Gerade in den letzten Monaten haben die Prepster (Nutzer der PrEP, d. R.) zugenommen. Gerade auch viele, die man ständig hier trifft. Ich habe kein Problem damit, mit Kondom zu ficken oder mich ficken zu lassen. Ohne Kondom aber schon. Anders als vielleicht bei Grindr oder so checkt man sich ja nicht erst lange aus. Wenn mir da einer also signalisiert, dass er ohne Gummi will, irritiert mich das. Ist einfach so. Ich weiß ja nicht, ob der die PrEP wirklich nimmt oder nur Quatsch erzählt, ohne wirklich zu checken, was er da erzählt.“

     

    Ricardo, 31, lebt seit einem Jahr in Berlin:

    Man „ist eben nicht immer ein guter, braver Junge. „

    „Ich habe eine Weile die PrEP nur am Wochenende oder so genommen, weil die Pillen so teuer waren und es so kompliziert war, an sie ranzukommen. Ich fand das sehr umständlich. Seit die Pillen jetzt preiswerter geworden sind, leiste ich mir, sie jeden Tag zu nehmen. Früher habe ich eigentlich immer darauf geachtet, Gummis zu nehmen. Aber wie es nun mal so ist: man macht Party, wirft auch mal was ein – und ist eben nicht immer ein guter, braver Junge. Bis auf nen Tripper hatte ich aber Glück. Seit ich die PrEP nehme, habe ich fast nur noch Sex ohne Kondom. Ich war überrascht, wie schnell das für mich selbstverständlich geworden ist. Mittlerweile erscheinen mir Kondome etwas oldfashioned und lästig, obwohl das natürlich gar nicht stimmt. Ich finde es ok, wenn andere weiterhin Kondome nehmen. Hauptsache, sie denken überhaupt über Safer Sex nach, bevor sie den Arsch hinhalten.“

     

    Thomas, 35, lebt schon immer in Berlin und hat vor 7 Jahren sein positives Testergebnis bekommen:

    „…wobei mir persönlich „mit“ doch lieber ist. Gerade dann, wenn man Sex in Darkrooms oder so hat.“

    „Für mich war die Nachricht, unter der Nachweisgrenze zu sein, mindestens so einschneidend wie damals das Testergebnis. Ich hatte in der Folge fast nur Sex mit anderen Positiven, vor allem auch, weil man nicht groß was erklären musste. Mit vielen dann auch ohne Gummi, wobei mir persönlich „mit“ doch lieber ist. Gerade dann, wenn man Sex in Darkrooms oder so hat. Ich hatte mal eine Syphilis und mein damaliger Arzt, aber auch zwei Freunde haben mir dann ziemlich ins Gewissen geredet, besser auf mich zu achten. Also darauf, mir nicht unnötig Geschlechtskrankheiten einzuhandeln. Das versuche ich auch möglichst umzusetzen. Das klappt sicher nicht immer, klar. Aber wenn ich ganz gezielt wohin gehe, wie ins Lab, dann bin ich auch entsprechend ausgerüstet.“

     

    Chris, 27, ist seit zwei Jahren wieder Single und besucht seitdem regelmäßig Darkroomclubs und Sexpartys:

    „Bei mir gilt immer noch: ‚Wer Ficken will, muss freundlich sein.‘ „

    „Mir ist es in letzter Zeit schon ein paar Mal passiert – nicht nur hier, sondern auch bei anderen Sexpartys – dass mich Typen einfach stehen ließen, als ich mein Gummi ausgepackt habe. Ich bin mir dann nicht sicher, wie ich darüber denken soll. Man ist ja gewohnt, auch mal nicht zu landen, aber das ist ¢ne Art, die ganz schön frustriert. Andererseits: Vielleicht ist es auch besser, dass ich mit solchen Typen gerade keinen Sex habe. Bei mir gilt immer noch: ‚Wer Ficken will, muss freundlich sein‘. Und wer sich so verhält, ist es definitiv nicht. Die wissen nicht, was sie verpasst haben und wer weiß, was ich mir so erspart habe. Ich bin zum Glück alt und selbstbewusst genug, und es sind ausreichend Männer für alle da. Aber wäre ich jetzt ein paar Jahre jünger – keine Ahnung wie ich mich da verhalten hätte?“

    * die Namen sind von der Redaktion geändert

     

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    Schutz durch Therapie
    Kondomen
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  • Ficken ist schön – deshalb einfach ficken? Was ist ficken überhaupt?

    Ficken ist schön – deshalb einfach ficken? Was ist ficken überhaupt?

    Viele Typen wollen einfach ficken – aber was steckt dahinter? Der Text fragt: Was ist ficken eigentlich für dich – nur Körperkontakt oder auch Nähe, Vertrauen und Verantwortung? „Ficken ist schön“, wenn alle wirklich Bock haben, Grenzen respektiert werden und Schutz selbstverständlich ist. Statt nur „Ficken.“ zu denken, geht es darum, offen über Wünsche, Risiken und Safer Sex zu reden, damit Lust und Sicherheit zusammenpassen. So zeigt der Artikel: Ficken ist schön, wenn wir bewusst entscheiden, wie wir leben, lieben und eben auch ficken wollen.

    Intimer Moment zwischen zwei Männern – Lust, Nähe, Vertrauen und Verantwortung beim Sex.
    Ficken ist schön, wenn Nähe, Vertrauen und Schutz zusammenpassen.
    Quelle: Sven Serkis

    Was ist „ficken“ überhaupt?

    Viele reden darüber, manche wollen einfach ficken, andere suchen mehr. Aber was ist ficken für dich persönlich – nur schneller Sex oder auch Nähe, Vertrauen und Verantwortung? Wenn wir „Ficken.“ sagen, klingt das oft hart und direkt. Dahinter steckt aber mehr: Gefühle, Grenzen, Lust und die Frage, wie wir miteinander umgehen. Ficken ist schön, wenn alle wirklich Bock haben und klar ist, was läuft.

    Einfach ficken und trotzdem aufeinander achten

    „Einfach ficken“ heißt nicht, dass dir alles egal sein muss. Gerade unter schwulen Männern geht es auch um Schutz vor HIV und anderen STIs. Viele wollen frei und selbstbestimmt leben – Sex, Dates, offene Beziehung, One-Night-Stands. Gleichzeitig wollen sie gesund bleiben. Genau da wird es spannend: Wie kannst du einfach ficken und trotzdem gut auf dich und andere achten?

    Und hier kommen unsere Rollenmodelle ins Spiel: Drei Jungs, drei Strategien und jede geht anders mit Beziehung, Kondomen und HIV-Schutz um.

    Drei Männer. Drei Perspektiven.

    Unsere Rollenmodelle Christian, Stephan und Harry im Gespräch über Beziehungen und Schutz vor HIV.

    Treueschwüre? Offene Beziehung? Innerhalb der Beziehung ohne Kondom? Die Jungs von ICH WEISS WAS ICH TU gehen mit dem Thema Beziehung und Schutz vor HIV ganz verschieden um. Ein Gespräch mit Christian, Stephan und Harry.

    Christian, Stephan und Harry von ICH WEISS WAS ICH TU
    Von links: Christian, Stephan und Harry

    Die meisten Schwulen schützen sich vor HIV – wählen dabei aber ganz verschiedene Strategien. Harry macht außerhalb der Beziehung nur Safer Sex – um mit seinem Freund auf Kondome zu verzichten. Stephan hat es genau so gehalten und sich dabei mit HIV infiziert. Und Christian sehnt sich nach der großen Liebe à la Hollywood. Bis es soweit ist, benutzt er auf jeden Fall Kondome.

    Wir haben Christian, Harry und Stephan miteinander ins Gespräch gebracht. Übrigens: Nachdem Christian und Stephan vor einiger Zeit umgezogen sind, leben alle drei in Berlin.

    Das Gespräch

    Herzlichen Glückwunsch, Stephan, du hast gerade geheiratet. Sind die wilden Zeiten jetzt vorbei?
    S Stephan
    Nein! Es wird sich absolut nichts ändern.
    Warum habt ihr dann geheiratet?
    S Stephan
    Wir wollten uns gegenseitig absichern. Ich bin HIV-positiv, er hat schwere Probleme mit der Leber. Wenn einer von uns mal im Krankenhaus liegt, soll der andere Auskunft bekommen. Und ich könnte unsere Wohnung alleine nicht halten.
    Aber Gefühle sind auch im Spiel?
    S Stephan
    (lacht) Wir lieben uns sehr! Aber jeder hat seine Freiheiten. Und wenn wir zusammen in die Szene gehen, um Sex zu haben, passen wir aufeinander auf.
    Christian, ist dir das sehr fremd?
    C Christian
    Das mit der offenen Beziehung ist einfach nicht meins.
    Dein Slogan ist ja „Ich glaube an die große Liebe“. Was heißt das für dich?
    C Christian
    Meine Vorstellung ist wohl von diesen ganzen Hollywoodfilmen beeinflusst: Man liebt sich, ist glücklich und möchte alles miteinander teilen … Vielleicht ist das ein bisschen unrealistisch, aber ich wünsche es mir so.
    Hast du gerade eine Beziehung?
    C Christian
    Die letzte ist vor ein paar Monaten vorbei gegangen, nach anderthalb Jahren.
    Treueprobleme?
    C Christian
    Nein! Er hat mich in einigen sehr wichtigen Fragen belogen.
    S Stephan
    Siehst du, genau sowas will ich nicht mehr. Ich bin dafür, immer gleich mit offenen Karten zu spielen und sich nicht zu verbiegen. Unehrlichkeit war auch der Grund, warum ich mich infiziert habe. Mein Ex und ich hatten ausgemacht: Ja, wir gehen auch fremdvögeln, aber außerhalb der Beziehung nur mit Gummi, innerhalb verzichten wir drauf. Das Ergebnis: beide positiv.
    C Christian
    (erschrocken) Nein!
    Harry, du hast – wie viele schwule Paare – mit deinem Freund die gleiche Vereinbarung. Wie geht’s dir, wenn du hörst, dass Stephan sich so infiziert hat?
    H Harry
    Das kann natürlich schon nervös machen. Aber ich kann mir meine Beziehung anders nicht vorstellen. Ich möchte es so und fühle mich dabei wohl. Absolute Sicherheit ist eine Illusion, und es gibt ja auch viele Paare, bei denen dieses Modell gut funktioniert. Für mich und meinen Freund war auch von Anfang an klar, dass wir eine offene Beziehung wollten. Alles andere ist uns zu kompliziert.
    C Christian
    Aber warum? Warum kannst du dir das andere nicht vorstellen?
    H Harry
    Ficken ist schön! Und neue Männer kennen zu lernen ist ja auch immer ein kleines Abenteuer.
    Ist es für euch schwierig, so ein Beziehungsmodell zu leben?
    H Harry
    Einfach ist ja bedauerlicherweise gar nichts. Aber ich würde es auch nicht als kompliziert bezeichnen. Es gab ein, zwei kleine Unfälle. Einmal hat mir auf einer Sexparty jemand in den Mund abgespritzt.
    Wie seid ihr damit umgegangen?
    H Harry
    Wir haben darüber gesprochen. Sowas ist natürlich immer eine doofe Situation. Aber letztlich ist es dann ein gutes Gefühl: Man weiß, dass man diese offene und ehrliche Beziehung weiterhin miteinander führt.
    Stephan, bereust du, dass du dieses Beziehungsmodell gewählt hast, weil du dich so infiziert hast?
    S Stephan
    Ich würde es garantiert noch einmal genau so machen! Obwohl ich weiß, wie scheiße das ist, HIV zu haben. Bei mir gingen die negativen Auswirkungen von HIV ja gleich nach der Infektion los, ich habe ziemlich viele Schwierigkeiten mit Nebenwirkungen und resistenten Viren.
    Christian, hattet ihr in eurer Beziehung Safer Sex?
    C Christian
    Ja, bis auf ein, zwei Male am Anfang. Das war ziemlich unvorsichtig, ohne vorher einen Test zu machen. Aber es ist zum Glück alles gut gegangen. Danach haben wir dann nur noch Safer Sex gemacht.
    Wie würdest du die Sache bei einer längeren Beziehung regeln?
    C Christian
    Ich weiß es nicht genau. Es kommt halt immer auf den Menschen an, den man kennen lernt. Ob man das Vertrauen zu ihm hat.
    Stephan, wie haltet ihr es denn jetzt mit dem Safer Sex?
    S Stephan
    Wir haben selten zusammen Sex. Aber wenn, dann ist es Safer Sex, denn er ist negativ. Meine Viruslast liegt zwar unter der Nachweisgrenze, so dass die Infektionsgefahr nicht so hoch ist. Aber bei ihm passe ich extrem auf.

    Infos zum Thema Infektionsgefahr unter HIV-Therapie gibt es im Bereich Safer Sex FAQ unter „Kann ein HIV-Positiver tatsächlich auch nicht ansteckend sein?“

    C Christian
    Und wieso habt ihr selten Sex?
    S Stephan
    Selten zusammen und selten so, dass was passieren könnte. Wir sind beide sehr gerne passiv. Deswegen haben wir meistens einen Dritten dabei oder gehen sexuell getrennte Wege. Zwei Dosen aufeinander – das klappert. (lacht)

    FAQ – „Was ist ficken“ – Lust, Schutz & Beziehungen

    Was bedeutet ficken, wie funktioniert Safer Sex und was gilt in offenen Beziehungen? Antworten auf häufige Fragen zu Sex, Schutz und Grenzen.

    Was ist ficken überhaupt?

    Wenn wir von „ficken“ sprechen, meinen wir Sex zwischen Menschen, die wirklich Bock aufeinander haben – mit gegenseitigem Respekt und klarer Zustimmung. Hinter der Frage „was ist ficken“ steckt mehr als nur ein körperlicher Akt: Nähe, Grenzen, Vertrauen und manchmal auch Liebe.

    Ist „einfach ficken“ ohne Gefühle etwas Schlechtes?

    Nein, einfach ficken ist nicht automatisch schlecht. Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen, worum es geht: kein Beziehungsversprechen, aber ehrlicher Umgang, Schutz und Respekt. Problematisch wird es erst, wenn jemand mehr erwartet oder sich aus Druck auf etwas einlässt, das er gar nicht will.

    Wie kann ich einfach ficken und mich trotzdem vor HIV schützen?

    Ficken ist schön, wenn Lust und Schutz zusammenpassen. Du kannst dich z.B. mit Kondomen, PrEP und regelmäßigen Tests vor HIV schützen. Sprich vorher kurz darüber, was euch wichtig ist. So bleibt es nicht nur „Ficken.“, sondern ein verantwortungsvoller Umgang miteinander.

    Passt ficken in eine feste Beziehung – auch mit anderen?

    Das kommt auf eure Vereinbarungen an. Manche Paare sind monogam, andere haben eine offene Beziehung. Wichtig ist, dass ihr ehrlich besprecht, was okay ist: einfach ficken mit anderen, nur gemeinsam, nur mit Kondom usw. Klare Regeln schützen eure Beziehung und eure Gesundheit.

    Wie spreche ich mein Date auf Schutz und HIV an, ohne die Stimmung zu killen?

    Kurz, direkt und entspannt. Zum Beispiel: „Ich steh auf ficken, aber mit Schutz – wie machst du das?“ oder „Lass uns vorher kurz über Safer Sex reden.“ Viele finden es eher attraktiv, wenn jemand Verantwortung übernimmt. So zeigt ihr: Ficken ist schön, aber ihr achtet aufeinander.

  • Kondome sind heute out? Unsinn! (Enrico)

    Kondome sind heute out? Unsinn! (Enrico)

    Safer Sex 3.0: Kondome sind wohl die bekannteste Safer Sex-Methode, um sich vor HIV zu schützen. Viele schwule Männer setzen auch heute erfolgreich auf das Gummi. Einer von ihnen ist Enrico, 36, aus Leipzig. Hier erzählt er, wie er mit dem Thema Safer Sex umgeht und weshalb er nach wie vor am liebsten auf das Kondom zurückgreift.

    Im Rahmen von „Safer Sex 3.0“ erzählen im IWWIT-Blog verschiedene schwule Männer, wie sie sich vor HIV schützen, ob mit Kondom, PrEP oder Schutz durch Therapie. Wir bestärken jeden, der sich vor HIV schützen möchte, sich die für ihn beste Safer Sex-Methode zu wählen.

    „Meinen ersten schwulen Sex hatte ich mit 17. Meinen Freund hatte ich damals über eine Chiffreanzeige kennengelernt und wir haben uns überhaupt keine Gedanken über Safer Sex gemacht. Von HIV und den Infektionsrisiken hatte ich erst etwas mitbekommen, als ich ein paar Monate später aus der Provinz nach Erfurt gezogen bin. Mit meinem damaligen Freund habe ich dann auch einen HIV-Test gemacht. Wir waren beide negativ und beschlossen, in der Beziehung auf Kondome zu verzichten. Wir waren jung, blind vor Liebe und glaubten an die absolute Treue. Abgesehen davon kannten wir auch niemanden, der HIV-positiv war.

    Treue als Schutz? Enrico sieht das heute anders

    Das Virus war damals eine völlig abstrakte Gefahr. Die Beziehung ging ein knappes Jahr und ich musste am Ende dann feststellen, dass mein Partner mich betrogen und er sich diverse Geschlechtskrankheiten eingefangen hatte. Das hat mich ziemlich durcheinandergerüttelt, denn das naive Vertrauen, das einem in einer Partnerschaft nichts passieren kann, war erschüttert.

    „Beim Autofahren lege ich den Sicherheitsgurt an, ohne groß nachzudenken. Genauso ist es bei mir mit dem Kondom.“

    Für mich war damit klar, dass ich nunmehr immer Kondome benutze. Für mich gehören Kondome deshalb seitdem zum Sex einfach dazu. Ich bin, wenn man so will, damit groß geworden und habe das so verinnerlicht. Das ist wie beim Autofahren. Man legt den Sicherheitsgurt an, ohne noch groß darüber nachzudenken. Man macht es einfach.

    ln der Beziehung: Ohne Kondom ein schöneres Gefühl

    Die Ausnahme ist meine Beziehung. Ich bin seit fünf Jahren wieder in einer Partnerschaft und da lassen wir das Kondom tatsächlich weg. Man hört ja immer wieder, dass Sex ohne Kondom wie ein Befreiungsschlag sei und man ohne ganz anders empfindet. Innerhalb der Partnerschaft beschert der Sex ohne Kondom tatsächlich ein intensiveres Gefühl von Nähe – allerdings weniger auf der körperlichen denn auf der seelischen Ebene.

    Wenn wir uns jemanden dazu holen oder wir außerhalb der Beziehung mit anderen Sex haben, sind Kondome aber für uns selbstverständlich. Ich habe immer Kondome zuhause und griffbereit, und wenn sie benötigt werden, sind das ein, zwei geübte Handbewegungen. Dadurch gibt es auch keine unangenehme Unterbrechung und die sexuelle Spannung und Atmosphäre wird deshalb in diesem Moment auch nicht gestört. Im Zweifelsfalle muss mein passiver Partner, der dann vielleicht schon ganz entspannt vor mir liegt, gar nicht mitbekommen, wie ich mir das Gummi überziehe. Dass wir eines benutzen, kläre ich ohnehin immer schon im Vorfeld. Man muss also gar nicht mehr groß darüber reden.

    Die beste Form des Safer Sex für mich

    „Für mich spricht viel für das Kondom. Z.B. senke ich so auch mein Risiko mich mit anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken.“

    Für mich persönlich sind Kondome die beste Form des Safer Sex: Sie sind einfach zu handhaben, sie sind immer und überall verfügbar und sie haben keine Nebenwirkungen – außer man hat eine Latexallergie. Und selbst da gibt es inzwischen latexfreie Alternativen. Für mich sind aber auch noch zwei andere Dinge von Bedeutung: Ich kann genau sehen, wie ich mich schütze. Wenn ich mit jemanden Sex habe, der HIV-positiv, aber nicht mehr infektiös ist, muss ich ihm vertrauen, um das Gummi weglassen zu können. Zum anderen senkt das Kondom auch das Risiko sich andere sexuell übertragbare Krankheiten einzufangen.

    „Und trotzdem: Ein regelmäßige Checks gehören für mich dazu.“

    Und gleichzeitig weiß ich, dass ich mir natürlich auch durch Oralverkehr beispielsweise einen Tripper einfangen kann. Deshalb lasse ich mich auch regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen. Auf HIV sowieso. Das gehört für mich einfach dazu.

    Für Enrico, 36, ist das Kondom nicht out. Ganz im Gegenteil.

    Und die PrEP? Für Enrico eher nichts

    „Die PrEP wäre mir zu aufwendig!“

    Eine PrEP zum Beispiel senkt das Risiko, andere Geschlechtskrankheiten zu bekommen, nicht. Aber sie kommt für mich auch aus anderen Gründen nicht in Frage: Die Medikamente zu beschaffen, die Arzttermine und Blutkontrollen, die notwendig sind, ganz abgesehen vom Kostenfaktor – das ist mir alles zu aufwendig.

    Klar gibt es in der Szene inzwischen immer mehr PrEP-User. Mir ist aber noch nie passiert, dass ein Sexdate geplatzt wäre, weil ich so „konservativ“ bin und auf Kondome bestehe – und nicht selbst auch die PrEP nehme. Im Gegenteil, ich bekomme häufig ein eher positives Feedback und die Leute finden es gut, dass ich mir Gedanken zu Safer Sex gemacht habe und mich bewusst schützen möchte.“

    Mehr Infos gibt’s auf www.iwwit.de!

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  • Queeres Leben nach einem Jahr Pandemie: “Wir sind systemrelevant”

    Queeres Leben nach einem Jahr Pandemie: “Wir sind systemrelevant”

    Covid-19 bestimmt seit mittlerweile mehr als einem Jahr unseren Alltag und verändert subkukturelle Räume und Safer Spaces. Wie sieht queeres Leben während der Pandemie in Deutschland aus? Eine Zwischenbilanz.

    Nichts beschäftigt uns seit letztem Jahr so sehr wie die Corona-Pandemie und die darauf folgenden Einschränkungen. Ob Lockdown Light, Wellenbrecher-Lockdown oder Harter Lockdown, fest steht, dass Einrichtungen des öffentlichen Lebens seither als Gesundheitsrisiko gelten, darunter auch Safe Spaces für queere Menschen. Die Be­trei­be­r*in­nen von Darkrooms, Bars oder Clubs haben mit kurzer Unterbrechung seither quasi Berufsverbot, die Mitarbeiter*innen sind in Kurzarbeit oder ohne Aufträge. 

    In der Krise schränken auch viele Hilfseinrichtungen ihr Angebot ein oder bieten ihre Beratungsgespräche nun lediglich online oder telefonisch an. Die Fachstelle für queere Geflüchtete der Schwulenberatung Berlin geht dabei anders vor. Hans Kalben ist Sozialpädagoge und seit 2015 Teamleiter der Fachstelle. “Die Hürden für digitale Termine sind für unsere Zielgruppe oftmals zu hoch”, sagt Kalben. Zwar arbeite Kalben mittlerweile häufiger aus dem Homeoffice, ein großer Teil der Beratungsgespräche finde aber noch immer vor Ort statt: “Viele Geflüchtete haben kein Endgerät oder W-Lan oder finden in der Gemeinschaftsunterkunft einfach keine Privatsphäre.”

    In der Krise schränken viele Hilfseinrichtungen ihr Angebot ein.

    Vor Ausbruch der Pandemie fand jeden Dienstag und Freitag ein Treffen im Café Kuchus in Berlin-Kreuzberg statt, zu dem sich niemand anmelden musste. Zwar kommuniziere die Beratungsstelle aktuell, dass die Treffen coronabedingt ausfallen, inoffiziel stehen aber immer Mitarbeitende für Beratungsgespräche bereit: “Wir haben die Erfahrung gemacht, dass trotzdem immer viele Menschen kommen, die Hilfe brauchen.” Seit letztem März gebe es einen verstärkten Bedarf an Beratungsgesprächen und das obwohl weniger Menschen neu in Deutschland ankommen als vor Ausbruch der Krise. “Menschen, die schon länger illegalisiert im Land leben und die sich sonst mit Sexarbeit oder anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen über Wasser halten, haben verstärk Hilfe in Anspruch genommen”, sagt Kalben. Durch den Lockdown sei ein Asylverfahren für viele dieser Menschen die letzte Chance. 

    Negative Asylbescheide und Abschiebungen trotz Corona

    Was Kalben und seinem Team seit einem Jahr immer wieder schwerfalle, sei die richtige Kommunikation der Corona-Schutzmaßnahmen. “Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften haben gar nicht die Möglichkeit sich zu schützen oder alle Corona-Hygienemaßnahmen einzuhalten”, sagt er. Belastend sei auch die Sorge, Geflüchtete in den Beratungsgesprächen mit Covid-19 zu infizieren. Um dies zu verhindern, arbeite die Beratungsstelle mit Spuckschutztrennwänden, Aerosolgeräten, Masken und Abstandsregeln: “Es ist eine tägliche Herausforderung, bestmöglich zu beraten und gesundheitliche Risiken dabei zu vermeiden.” 

    Abschiebungen finden weiterhin statt, obwohl sich die Situation in vielen Herkunftsländern der Geflüchteten dramatisch verschlechterte.

    Trotz Lockdown und Krisenlage laufe die Arbeit in den Behörden und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weiter. So erhalten Geflüchtete trotz Pandemie, laut Kalben, weiterhin negative Asylbescheide ohne dass die Fristen dabei der besonderen Situation angepasst seien. Selbst Abschiebungen finden weiterhin statt, obwohl sich die Situation in vielen Herkunftsländern der Geflüchteten dramatisch verschlechterte. “Ein Asylverfahren ist immer schwierig, die Pandemie macht es aber noch komplizierter, alle Fristen pünktlich einzuhalten”, sagt Kalben.

    Aufgrund des weltweiten Gesundheitsnotstandes gab es in Krankenhäusern immer wieder die Anweisung, planbare Operationen zu verschieben. Betroffen waren davon auch geschlechtsangleichende Operationen bei trans Menschen, die, sofern es dabei nicht um die Behandlung von Komplikationen ging, nicht als medizinisch notwendig galten. Krankenhäuser arbeiten seit mehr als einem Jahr am Limit, weshalb Kundgebungen und Pride-Paraden mittlerweile online statt auf der Straße veranstaltet werden. DJ-Sets queerer Clubs finden derzeit nur noch als Livestream statt. 

    Digitales Queeres Leben

    Das Pornfilmfestival Berlin, das engen Körperkontakt eigentlich voraussetzt, fand letztes Jahr lediglich vor einer kleinen Anzahl von Gästen statt. “Es war teilweise frustrierend an einem Festival zu arbeiten, das nicht so werden kann und darf, wie man es sich eigentlich wünscht”, sagt Kuratorin Paulita Pappel. Die wenigen Tickets, die es zur Verfügung gab, waren nach kurzer Zeit ausverkauft. “Das war bei der reduzierten Anzahl an Kinoplätzen aber auch nicht schwer”, sagt Paulita Pappel. Neben ihrer Tätigkeit für das Festival besitzt sie die Online-Plattform „Lustery, auf der privat gefilmte Videos von Paaren zu sehen sind. Während viele Pornoproduktionen aufgrund des Lockdowns gestoppt wurden, stellte sich die Plattform als pandemiesicheres Modell heraus: “Wir haben während der Krise mehr Einreichungen erhalten und hatten eine größere Anzahl an Zuschauer*innen.” 

    Durch den Verlust vieler Veranstaltungen sorgt die Pandemie dafür, dass die Sichtbarkeit queeren Lebens in deutschen Städten seit mehr als einem Jahr stark eingeschränkt ist. Die Einweihungsfeier eines Projekts in Mainz fiel der Pandemie zum Opfer. Die Eröffnung des queeren Wohnprojekts Queer im Quatier, das letzten Februar in der Mainzer Neustadt eröffnet wurde, fiel auf den Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland. Joachim Schulte, 67, plante das Wohnprojekt in den letzten Jahren und musste die Einweihungsparty auf Zoom veranstalten. Kurz vor der Pandemie bezogen 32 queere Menschen unterschiedlichen Alters 21 Wohnungen in Mainz. Das Wohnprojekt, das als Safe Space gedacht war, funktioniere während der Krise aber nur sehr eingeschränkt. “Wir hätten uns alle in der Einstiegsphase des Projekts gerne besser kennengelernt”, sagt Schulte.

    Grafik von 6 Personen, die eine Corona-Maske tragen, wobei jede Person in einer Farbe der Regenbogenfahne eingefärbt ist.

    Likes und ein “Yaas” statt Umarmungen und Küsse

    So treffe man sich derzeit meist am Müllcontainer oder wenn jemand vom Einkaufen komme. Das Herzstück des Wohnprojekts könne aufgrund der geltenden Hygienemaßnahmen aktuell nicht genutzt werden: “Die Gemeinschaftswohnung, die wir als Treffpunkt für alle nutzen wollten, steht leer.” Da viele Bewohner*innen  zur Risikogruppe gehören, sei man besonders vorsichtig: “Im Sommer haben wir uns zwar auf Abstand im Park getroffen, dabei konnten wir uns aber nicht wirklich kennenlernen.” Abseits der Zoom-Konferenzen plane die Gruppe aber kleinere coronakonforme Aktionen. So backen manche Bewohner*innen Kuchen, legen ihn in die Gemeinschaftswohnung und geben allen Bescheid, dass sie sich nacheinander ein Stück abholen können. All die verpasste Zeit zusammen, wolle man nach der Krise nachholen. “Es herrscht große Enttäuschung, dass wir die Gemeinschaft nur begrenzt genießen können.”

    Im Corona-Jahr 2020 gab es nur wenige Gelegenheit sich als queere Gemeinschaft zusammenzufinden und sichtbar zu sein. Dragqueen Pansy aus Berlin arbeitet mittlerweile im Impfzentrum und verlegt ihre Drag-Shows ins Netz. Umarmungen und Küsse wurden zu Likes und einem “Yaas” in den Kommentarspalten. Zwar zogen vereinzelt kleinere Demonstrationen wie der “Dyke March” in Berlin durch die Straßen, dabei sollten jedoch alle wenn möglich auf den Mindestabstand achten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Selbst das zweite Jahr der Pandemie scheint von Lockdowns bestimmt, Großveranstaltungen sind noch immer in weiter Ferne. 

    Abseits privater Wohnräume

    Abseits privater Wohnräume gibt es also seit Ausbruch der Krise nur wenig Gelegenheiten, sich in queeren Einrichtungen zu treffen. Zwar wurden bereits viele Wirtschaftshilfen verabschiedet, viele Betriebe und Menschen, die diese besuchen, leiden nach einem Jahr Pandemie und Dauerlockdown aber an den Folgen der Krise. Lokale mit Darkrooms sind mit kurzen Unterbrechungen im Sommer letzten Jahres deutschlandweit geschlossen. Thomas Pfizenmaier, der die Fetisch- und Cruising-Bar New Action in Berlin-Schöneberg und eine weitere Fetischbar in Hamburg betreibt, fand zwischen den Lockdowns eine andere Möglichkeit, Umsatz für seinen Betrieb zu generieren. Gleich nachdem seine Bar nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durfte, beantrage Pfizenmaier eine Nutzungserlaubnis zur Außengastronomie. 

    Kaffee und Kuchen statt Fetisch und Sex

    „Mein Lebenspartner hat sich dann in die Küche gestellt und Kuchen gebacken“, sagt er. Er wolle nicht auf Spenden setzen und so servierte er zwischenzeitlich in seinem Pop-Up-Café “Corinna” tagsüber Kaffee und Kuchen, obwohl die Fetischbar sonst immer nur nachts geöffnet war. Eine Zwischenlösung für den Sommer, die aber nicht mehr viel mit Fetisch, Darkroom oder Sex zu tun hat. Da die beantragten Coronahilfen lediglich für betriebliche Kosten genutzt werden dürfen, lebe er als Barbetreiber schon seit März von seinen Ersparnissen: „Ich brauche mittlerweile seit fast einem Jahr meine selbstersparte Rente auf.“ Derzeit denke er aber noch nicht ans Aufgeben, obwohl die Verluste immer größer werden und seine Ver­mie­te­r*in­nen ihm anscheinend nicht entgegenkommen: „In Hamburg gab es während der Krise sogar eine Mieterhöhung.“ 

    „Ich brauche mittlerweile seit fast einem Jahr meine selbstersparte Rente auf.“

    Pfizenmaier denkt, dass sich viele schwule Männer während der Pandemie Schutzräume im Privaten suchen. Dort werden aber, anders als im New Action, weder Namen, Meldeadressen oder Ankunfts- und Ausgangszeit vermerkt. „Wenn sich zig Männer über Online-Plattformen zu Hause verabreden und etwas passiert, kann dieses potentielle Infektionsgeschehen weder kontrolliert noch nachverfolgt werden.“

    „Wir sind systemrelevant für den Erhalt schwuler Kultur, Lebensformen und alternativer familiärer Verhältnisse.”

    Zumindest aktuell geht Pfizenmaier davon aus, dass das “New Action” nach der Krise wieder für seine Kunden öffnen wird. „Ich hoffe, dass sich die schwule Community nach der Pandemie darauf besinnt, wer ihnen über das Jahr hinweg die Stange gehalten hat“, sagt er. Seine Bar sei nicht einfach nur ein gastronomischer Betrieb, sondern diene wie alle anderen queeren Lokale als wichtiger Schutzraum für schwule Subkulturen: „Wir sind systemrelevant für den Erhalt schwuler Kultur, Lebensformen und alternativer familiärer Verhältnisse.”

    Eine Einwegmaske in Herzform auf rotem Hintergrund. Daneben 6 Personen, wobei jede Person in einer Farbe des Regenbogens dargestellt ist.

    IWWIT ist für euch da! 

    Auch die queere Szene ist von der Coronavirus-Pandemie betroffen, sei es durch mögliche Einsamkeit in der Isolation oder durch finanzielle Schwierigkeiten.

    Doch wir lassen euch nicht hängen! Deswegen haben wir unsere Kampagne #WirFürQueer ins Leben gerufen: Ihr seid nicht allein! Wir helfen uns gegenseitig! Gemeinsam schaffen wir es durch diese harten Zeiten! Mehr Infos findet ihr auf iwwit.de/wir-fuer-queer.

    Auf gayhealthchat.de beraten wir dich zudem täglich zwischen 17 und 20 Uhr – schnell, vertraulich und kostenlos.

  • „Seid ihr nackt beim Sex?“ – Erfahrungen eines schwulen cis Mannes mit einem trans* Partner

    „Seid ihr nackt beim Sex?“ – Erfahrungen eines schwulen cis Mannes mit einem trans* Partner

    Wie zwei Männer eine Partnerschaft führen und Sex haben, ist scheinbar klar. Aber wenn einer trans* ist, tauchen beim anderen manchmal eine Menge Fragen auf. Till (32) kennt das Kopfkino vieler schwuler cis Männer, wenn es um trans* Männer geht. Zwei seiner Ex-Boyfriends sind trans*. Hier erzählt der Wahl-Hamburger, wie seine Freunde reagiert haben und was er aus den Beziehungen mitgenommen hat.

    Till, zwei deiner Ex-Freunde sind trans*. Hat sich dein Selbstverständnis als schwuler Mann durch diese Beziehungen geändert?
    Nein. Wieso? Wir sind Männer, die sich begehrt und einander geliebt haben. Schwuler geht’s nicht.

    Gab es manchmal blöde Reaktionen, wenn ihr draußen unterwegs wart?
    Auf der Straße eigentlich nie. Da wir beide jeweils bruchlos als Männer gelesen wurden, haben wir – wenn überhaupt – nur homofeindliche Sprüche abbekommen. So wie sie andere schwule Paare auch zu hören bekommen.

    Wie haben deine Freunde auf das Coming-out deines jeweiligen Partners reagiert?
    Zunächst mal ist wichtig zu wissen: Nicht alle meine Freunde wussten, dass mein Partner trans* ist. Selbst sehr gute Freunde von mir wissen es zum Teil bis heute nicht. Andere haben es erst nach Monaten mitbekommen.

    Warum?
    Weil meine Ex-Freunde selbst entscheiden, mit wem sie ihre Transitionsgeschichte teilen – und wann. Das führte zum Teil dazu, dass die Freunde, die dann Bescheid wussten, mit Unverständnis reagiert haben. Sie hätten sich die Offenheit meiner Ex-Freunde gleich gewünscht. Bei hetero Freundinnen habe ich leicht gegenhalten können und gesagt „Du hast mir doch auch nicht erzählt, wie lang der Schwanz deines Freundes ist! “ Bei meinen schwulen Freunden war das nicht so einfach, da herrscht ein sehr offenes Gesprächsklima (lacht). Wenn ich dann gesagt habe: „Das ist nicht euer Business!“ musste ich eben aushalten, der blöde Spießer zu sein. Das ist nicht meine Lieblingsrolle, aber es war mir wichtig – aus Respekt vor meinem Geliebten.

    Würdest du sagen, dass es Unterschiede zwischen einem schwulen und einem trans* Coming-out gibt?
    Ja, darüber musste ich mir erst klar werden: schwul Sein bezieht sich in der Regel auf die Sexualität und trans* Sein immer auf das Geschlecht. Wir sprechen also von unterschiedlichen Aspekten. Meinen Partnern und mir war es wichtig, als schwule Männer „out and proud“ zu sein. Auch meine beiden Partner hatten also ein schwules Coming-out und gingen mit ihrer Sexualität offen um. Leider habe ich manchmal erlebt wie schwule Männer, die sich als trans* geoutet haben und dann erfahren mussten, dass ihr Geschlecht und damit auch ihre schwule Identität in Frage gestellt wurden.

    Kannst du das genauer erklären?
    Wenn mein damaliger Partner sich als trans* geoutet hat, wurde seine Männlichkeit oft in Frage gestellt – von denselben Leuten, die ihn vorher schlicht als Mann wahrgenommen haben. Was vorher eindeutig  und klar war, führte dann zu dummen Fragen wie „Fühlt ihr euch wirklich als schwules Paar?“ oder „Wie sieht das bei dir untenrum aus?“

    Wie bist Du als Partner mit solchen Fragen umgegangen?
    Das kam ganz darauf an. Wenn ich das Gefühl hatte, die Frage soll meinen Freund bloßstellen, habe ich meistens eine ebenso intime und übergriffige Gegenfrage gestellt. Auf die entsetzte Reaktion meines Gegenübers konnte ich so knurren „Siehst du, das geht dich gar nix an!“ Wenn die Fragen aber respektvoll gestellt wurden und ehrliches Interesse dahinter stand, hab ich klar gemacht, dass ihre Fragen sehr intim sind und ich Ihnen nichts so persönliches von meinem Freund erzählen werde. Aber ich habe angeboten allgemein über trans* Menschen zu sprechen und versucht auf diesem Weg ihre Fragen zu klären. Manchmal, wenn ich zu genervt von den immer gleichen Fragen war, hab ich aber schon mal schnippisch gesagt: „Google einfach!“

    Woher kamen deiner Meinung nach die dummen Fragen?
    Zunächst mal glauben immer noch viele Menschen, zwischen den Beinen festmachen zu müssen und können, wer ein Mann ist – und wer nicht. Dabei wissen alle, dass so vieles dazu gehört, ein ganzer Mann zu sein! Für viele Schwule kommt dazu, dass in ihrem sexuellen Verlangen der Schwanz des Partners sehr im Focus steht. Die Vorstellung, dass hier etwas anders sein könnte, als sie es gewohnt sind, verunsichert manche. Das habe ich bei einem sehr guten Freund von mir gemerkt, der meinen Ex unglaublich heiß fand. Er war irgendwann so irritiert, dass er mich einmal ernsthaft gefragt hat: „Sag mal, wenn ihr Sex habt – seid ihr dann nackt?“ Da wurde mir erst klar, welches Kopfkino bei ihm abläuft.

    Wo lag sein Problem?
    Viele Schwule fühlen sich wohl in ihrer Komfortzone bedroht, wenn sie glauben, dass ihre  ihre „klassische“ Vorstellung von schwulem Sex nicht mehr gelten. Dabei kann Sex so geil sein, wenn man sich immer wieder neu auf den anderen einlässt! Das gilt für alle Schwulen, egal ob cis oder trans*. Am geilsten wird es – nach meiner Erfahrung –, wenn wir beide in jedem Moment gemeinsam und achtsam herausfinden, was uns gerade scharf und glücklich macht.

    Wie war dein erstes Mal mit einem trans* Mann? Habt ihr vorher ausgehandelt, was passiert?
    Für mich war es eher ein Spüren, Fühlen und Tun als ein Reden. Die Situation war auch so gut, dass ich keine Zeit hatte, mir einen Kopf zu machen. Wir haben vier Tage durchgevögelt und immer nur kurz aufgehört, um Essen zu fassen.

    Wir sprechen hier über deine ganz persönlichen Erfahrungen. Was nimmst du aus den beiden Beziehungen mit?
    Oh, jede Menge! Vor allem dankbar zu sein für viele wundervolle Erlebnisse, so wie bei allen meinen Ex-Freunden, und für sehr vieles, sehr Persönliches … Meine Sexualität ist nicht mehr so genitalfixiert. Es geht so viel! Ich habe nicht nur Mund, Schwanz und Arschloch, sondern auch Arme, Beine, Kniekehlen. Der ganze Körper ist etwas sehr Sexuelles. Entscheidend ist, dass sich die Beteiligten aufeinander einlassen. Seit ich gemerkt habe, dass das Lange nicht immer ins Runde muss, habe ich auch besseren Sex mit cis Männern. (lacht)

    Till-Cis-Partnerschaft
    Zwei Ex-Partner von Till sind trans* Männer. Hier erzählt er von seinen Erfahrungen.
  • Noch mehr von Escorts, Strichern und Jungs, die anschaffen gehen (Teil 2 von 2)

    Noch mehr von Escorts, Strichern und Jungs, die anschaffen gehen (Teil 2 von 2)

    Am Dienstag, 8. April haben wir euch in einem ersten Teil von den vielfältigen Gründen berichtet, warum Männer käuflichen Sex anbieten und welche Arbeitsbedingungen es gibt. Im heutigen zweiten Teil informiert Manuel Hurschmann, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter beim Stricherprojekt „Nachtfalke“ der Essener Aidshilfe, einführend über Armutsprostitution. Diesen Aspekt werden wir in den kommenden Woche noch einmal aufführlicher thematisieren.

    Sex4Cash:
    Sex4Cash: ‚Lieber gehe ich anschaffen, als das ich einen Bruch machen muss.‘ (Foto: Fotolia)

    Bei der anderen Seite beim käuflichen Sex – der Armutsprostitution – werden auch die Angebote unserer Einrichtung „Nachtfalke“ besonders häufig in Anspruch genommen: Da sind die ohne geregelten Aufenthaltsstatus in Deutschland. Sie haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen und für sie gibt es nur wenige Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Oder Männer mit einer Suchtproblematik: So sagte mal einer zu mir „lieber gehe ich anschaffen, als das ich einen Bruch machen muss“ – hier wird der verkaufte Sex zu einer legalen Alternative der Geldbeschaffung. Dann sind da diejenigen, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben und sich für einen Schlafplatz prostituieren. Im Bereich der sogenannten Armutsprostitution treffen wir oft die Menschen an, die mit ihren Problemlagen durch alle Netze fallen – entweder weil sie aufgrund ihrer Herkunft keinen Anspruch darauf haben oder weil sie in bestehende Angebote nicht rein passen. Letzteres ist besonders oft dann der Fall, wenn sich Problemlagen wie eine Sucht und eine psychische Erkrankung addieren. Und wer auf der Straße lebt, für den ist es oft naheliegender anschaffen zu gehen, als morgens um acht Uhr mit perfekt ausgefüllten Antragsformularen beim JobCenter vorzusprechen und Sozialleistungen zu beantragen. Angebahnt wird vielfach in Kneipen oder auf der Straße, wobei nicht immer der Anbieter den ersten Schritt macht und potenzielle Kunden anspricht, sondern auch mal umgekehrt. So kann es dann auch mal zu Missverständnissen kommen, wenn jemanden Geld angeboten wird, obwohl er gar kein Sex für Geld anbietet. Die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich der Prostitution sind in der Regel mäßig bis schlecht, der Sex findet nur im Idealfall in den vier Wänden einer Wohnung oder eines Hotelzimmers

    Auch eine Motivation: 'Ich habe Spass am Sex, warum sollte ich nicht auch Geld damit verdienen?'
    Auch eine Motivation: ‚Ich habe Spass am Sex, warum sollte ich nicht auch Geld damit verdienen?‘ (Foto: Fotolia)

    statt, ansonsten passiert es auf dem Klo einer Stricherkneipe, im Auto oder sonst wo. Sexarbeit kann folglich mit schlechten Arbeitsbedingungen einhergehen und aus einem Mangel an geeigneten Alternativen erfolgen – was übrigens auch auf viele andere Arbeitsfelder zutrifft.

    Neben dem Geldverdienen gibt noch ganz andere Anreize, käuflichen Sex anzubieten. Zunächst bedeutet für viele Sexarbeit einen Zugewinn an Selbstwert. Es gibt auch Anbieter, die sich ihre homosexuellen Gefühlsanteile nicht eingestehen können und dann sagen: „Das mache ich gegen Geld, das ist was anderes.“ Andere hingegen sagen: „Lieber gehe ich in Deutschland anschaffen, als dass ich in meinem Heimatland aufgrund meiner Homosexualität diskriminiert werde.“ Aber auch Aussagen wie „Ich habe Spaß am Sex, warum sollte ich nicht auch Geld damit verdienen?“ stellen Motive dar. Zu dem Statement eines jungen Mannes „Ich habe keinen Spaß mehr am Sex, wenn ich nicht dafür bezahlt werde“ kann man natürlich die ein oder andere kritische Frage stellen, genauso sollte man sich aber auch überlegen, ob man nicht Menschen kennt, die sagen, dass sie niemals Sexualität genussvoll erleben könnten, wenn Geld im Spiel ist.

    Wir wünschen uns vor allem, dass den Anbietern von käuflichem Sex mit Respekt begegnet wird – ganz gleich aus welchen Gründen sie Sex 4 Cash anbieten.

  • Von Escorts, Strichern und Jungs, die anschaffen gehen – Einblicke in eine (ziemlich) unbekannte Szene

    Von Escorts, Strichern und Jungs, die anschaffen gehen – Einblicke in eine (ziemlich) unbekannte Szene

    Manuel Hurschmann ist Diplom-Sozialpädagoge und leitet das Stricherprojekt „Nachtfalke“ der Essener Aidshilfe. Er erzählt uns von den vielfältigen Gründen, warum Männer käuflichen Sex anbieten sowie von den Arbeitsbedingungen der Anbieter, die sehr unterschiedlich sein können.

    Sex4Cash findet nicht immer im Bett oder in einer Wohnung statt. (Foto: Fotolia)
    Sex4Cash findet nicht immer im Bett oder in einer Wohnung statt. (Foto: Fotolia)

    Wenn es darum geht, dass sich Menschen prostituieren, reagieren viele mit Gefühlen, wie Befangenheit und Ablehnung. Dass es aber auch ein anerkannter Beruf ist, vergessen viele – auch wenn sicherlich nicht jeder Anbieter diese Möglichkeit für sich nutzt. Und genauso wie bei jedem anderen Beruf auch, gibt es eine Vielzahl von höchst individuellen Motiven, die einen Mann dazu bewegen, in der Sexarbeit tätig zu werden. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass auch jeder Anbieter den käuflichen Sex zu seinem Beruf erklärt. Denn es gibt viele, die darin nur eine Form der Überlebensstrategie sehen oder es als Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Lebenssituation definieren. Es wird also deutlich, dass es sich beim Thema käuflicher Sex um ein breites Spektrum handelt, das ich nachfolgend darzustellen versuche.

    Der wohl häufigste Ort der Anbahnung ist das Internet. Hierfür braucht es allerdings zwei Voraussetzungen, die erst einmal simpel klingen: Den Zugang zum Netz und die Fähigkeit zur schriftlichen Kommunikation. In einigen Fällen übernehmen aber auch andere die Kommunikation mit dem Kunden, das ist zum Beispiel der Fall, wenn in einer Agentur gearbeitet wird. Manche Agenturen funktionieren wie ein Bordell und haben eigene Zimmer, andere besuchen ihre Kunden nur im Hotel beziehungsweise zuhause. Wer dort arbeitet, macht das schon recht professionell und eher auch regelmäßig.

    Bei den sogenannten Gelegenheitsprostituierten ist das – wie der Name schon sagt – weniger der Fall. Sie nutzen entweder ihr normales User-Profil auf den blauen Seiten oder haben ein Escortprofil, reagieren auf Anfragen von Kunden oder schreiben selber welche an. Sie nutzen das oft, um sich etwas dazu zu verdienen. Das so verdiente Geld wird für vielfältige Zwecke genutzt: das reicht vom Kauf von Suchtmitteln, geht über das Anschaffen der neuesten Designerklamotte und geht bis hin zur Optimierung des BAföG.

    Prostitution ist in Deutschland legal. (Foto: Fotolia)
    Prostitution ist in Deutschland legal. (Foto: Fotolia)

    Und natürlich gibt es eine Vielzahl von sehr professionell arbeitenden Anbietern, die sich nie als Stricher, sondern immer als Escort bezeichnen würden und nicht an eine Agentur angebunden sind. Einige sind haupt- andere nebenberuflich tätig. Sie verfügen in der Regel ebenfalls über ein entsprechendes „Anbahnungs-Profil“. Unter ihnen findet man auch oft Anbieter im fortgeschrittenen Alter. Gerade die älteren Anbieter spezialisieren sich häufig auf spezifische Sexpraktiken. Manche bezeichnen genau das als ihren Traumberuf. Sie arbeiten entweder in eigenen Studios oder suchen die Kunden zuhause beziehungsweise im Hotel auf. Professionalisierung kann soweit reichen, die eigene Steuernummer in seinem Profiltext anzugeben. Ein professioneller Escort zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr genaue Vorstellungen vom Umfang und den Grenzen seiner Angebote hat – eben das, was eine echte Dienstleistung ausmacht.

    Es gibt aber auch noch eine andere Seite beim käuflichen Sex: die Armutsprostitution. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag, in den kommenden Tagen.

  • trans* Coming-out-Erfahrungen: Drei Berichte aus verschiedenen Perspektiven

    trans* Coming-out-Erfahrungen: Drei Berichte aus verschiedenen Perspektiven

    Coming-out ist auch für trans* Menschen eine wichtige Erfahrung. So vielfältig trans* Biografien sind, so vielfältig sind auch die damit verbundenen Coming-out-Erlebnisse. Mit den folgenden drei Kurzreportagen wollen wir die verschiedenen Perspektiven darstellen.

    „Dieses ‚anders‘ konnte ich nie benennen …“

    Inneres trans* Coming-out von KAy

    Wenn man schwul ist, sind die Coming-out-Möglichkeiten vielfältiger: man kann sich ganz, teilweise oder gar nicht outen. Als trans* Person ist es etwas komplizierter. Ich habe immer gewusst, dass ich anders bin. Dieses „anders“ konnte ich aber nie benennen, da ich damals nur „Mann“ und „Frau“ kannte.

    Klar hatte ich von trans* gehört, aber was ich finden konnte war: „Ich bin im falschen Körper geboren“. Ich hatte aber kein Problem mit meinen Genitalien. Mit 30 fand ich endlich meine Identität. Vorher habe ich als Lesbe gelebt. Dieses Coming-out hatte ich schon hinter mir. Jetzt musste ich „nur“ noch ein weiteres haben! Nach neun Monaten Testosteron sah ich schon wie ein junger Kerl aus. Da hatte ich keine Wahl mehr, ob ich mich als trans* outen möchte oder nicht. Dazu kam noch, dass sich meine Sexualität erweitert hat. Bis dahin hatte ich nur Sex mit Frauen. Nun entwickelte es sich immer mehr in Richtung schwuler Sex, auch wenn ich mich als pansexuell sehe.

    Da habe ich noch einmal die Wahl gehabt, mich zu outen oder nicht. Meine Familie weiß bisher nur, dass ich trans* bin. Mein Freundeskreis weiß aber Bescheid. Sie haben es im Paket mit der Transition mitbekommen. Falls ich aber irgendwann einen männlichen Partner habe, werde ich auch meiner Familie Bescheid sagen. Ich bin gespannt, wie sie reagieren werden…!

    Till
    Till: ‚Ich stehe total auf Direktheit und da ich den Typen heiß fand, landeten wir bald bei ihm zuhause.‘

    „Lust zu knutschen?“

    Wie cis Mann Till ein trans* Coming-out erlebt

    Den anstrengenden Tag bei einem Bier ausklingen lassen – das war der Plan nach einer Fachtagung in Berlin. Ich saß mit einem Teilnehmer, den ich auf der Veranstaltung kennengelernt hatte, in einer Bar. Plötzlich platzte ein sehr attraktiver, sehr wütender Mann in unsere Unterhaltung hinein – offensichtlich ein Bekannter meines Gesprächspartners. Er regte sich furchtbar über das Date auf, von dem er gerade kam. „Der Idiot hat mich rausgeschmissen, weil ich trans* bin“, polterte er. „Dabei steht doch eindeutig in meinem Datingprofil, was Sache ist.“

    Die Situation beruhigte sich schnell, wir verstanden uns gut und als mein Gesprächspartnereine rauchen ging, drehte sich der sexy Fremde zu mir und fragte: „Lust zu knutschen?“ Ich stehe total auf Direktheit und da ich den Typen heiß fand, landeten wir bald bei ihm zuhause. Wir haben vier Tage gevögelt, gelabert, gegessen und wieder gevögelt. Und danach waren wir ein dreiviertel Jahr ein Paar.

    Von „cis“ spricht man, wenn sich eine Person mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert.

    In der ersten Zeit hat sich mein Freund regelrecht gewundert, dass ich so gar keine Gewöhnungsphase brauchte. Seiner Erfahrung nach haben schwule cis Männer eingeübte Sexpraktiken, die sich nicht immer eins zu eins mit trans* Männern umsetzen lassen. Aber genau das machte es so schön: Wir hatten keinen Sex nach Drehbuch, sondern ließen uns aufeinander ein.  Alles war neu, alles war geil. Zwar sind wir schon lange nicht mehr zusammen, aber wir verstehen uns weiterhin blendend.

    „Nach dem Coming-out leuchteten seine Augen … “

    trans* Coming-out-Erfahrungen von Alexander

    Viele trans* Menschen ernten Ratlosigkeit, wenn sie sich gegenüber nahestehenden Personen outen. Bei mir waren es ein breites Lächeln, leuchtende Augen und Dankbarkeit. Und das kam so: Im Mai 2012 ging ich mit einem Freund durch die Hamburger Innenstadt zum Rainbowflash. In unserem bunten Bekanntenkreis gibt es zahlreiche Homosexuelle und trans* Menschen, die wir bei dieser Veranstaltung unterstützen wollten. Da wir zum wiederholten Mal über Transidentität sprachen, hielt ich den Moment für gekommen. Ich sagte meinem Freund, dass ich mich als Mann fühle und künftig Alexander genannt werden möchte, inklusive männlichem Pronomen. Er strahlte mich an und bedankte sich dafür, einer der ersten gewesen zu sein, dem ich meine Transidentität offenbarte.

    Zitat

    Vielleicht habe ich mir unbewusst jemanden ausgesucht, der ganz sicher emphatisch und offen reagieren würde. Vielleicht verlief mein trans* Coming-out aber auch deshalb so harmonisch, weil nicht Vater, Mutter oder Geschwister die ersten waren, denen ich von meiner Transidentität erzählte. Meine Freunde jedenfalls gewöhnten sich schnell an die neue Situation.

    Kollegen komplett überfordert
    Weniger glatt verlief mein Coming-out auf der Arbeit. Meine Kolleginnen und Kollegen waren gescheite und verständige Leute, überwiegend Ingenieure. Bloß hatte keiner von denen mit Lebenswirklichkeiten zu tun, die so weit von den eigenen abwichen. Zwar gaben sich alle wohlwollend. Auch mein Chef sicherte mir seine Unterstützung zu. Tatsächlich aber waren meine Kollegen komplett überfordert. Mein Chef schaffte es nicht einmal, mich als Mann anzusprechen. In mehreren Gesprächen erläuterte ich ihm, wie wichtig es für trans* Menschen ist, in ihrer Identität ernst genommen zu werden. Aber da führte kein Weg rein. In der Firma arbeite ich nicht mehr.

    Quasi ein Geburtstag
    Seit einiger Zeit fällt es anderen Menschen leichter, in mir das Geschlecht zu sehen, mit dem ich mich identifiziere. Eine gewisse Rolle spielen dabei das Testosteron und meine Operationen. Meine erste Spritze bekam ich vor ziemlich genau drei Jahren. Letzten Samstag war quasi mein dritter Geburtstag. 2015 ließ ich mir dann die Brust angleichen und die Gebärmutter entfernen. Meine Stimme ist tiefer als die vieler anderer Männer und meine Züge werden kantiger. Wer mich noch nicht kennt, lernt mich also automatisch als Alexander kennen. Auch Mitarbeiterinnen in Behörden oder Klamottenverkäufer reagieren nicht mehr verkrampft. Das einzig Ärgerliche ist: Viele trans* Männer sehen nach der Angleichung zehn Jahre jünger aus als sie sind. Ich fühle mich oft nicht wie ein 30-Jähriger behandelt, sondern wie ein Studienanfänger.

    Großartige Reaktion
    Während ich mich in Alltagssituationen nicht mehr erklären muss, gilt für Flirts das Gegenteil. Ich muss mir jedes Mal die Frage stellen: Sage ich es ihm und warte ab, wie er reagiert? Und wann sage ich es? Wirklich toll war die Reaktion eines Mannes, den ich in einer Münchener Bar kennen gelernt habe. Wir hatten immer wieder Blickkontakt und ich hätte es mir übel genommen, ihn nicht anzusprechen. Also bin ich hin und wir haben uns super verstanden. Ich erzählte, dass ich eine Transtagung besucht habe. Meine eigene Transidentität thematisierte ich vorerst nicht. Erst als wir uns näher kamen, weihte ich ihn ein. Er erwiderte, dass er das schon geahnt habe – und wir machten da weiter, wo wir stehen geblieben waren.

    Irritationen
    Manchmal habe ich den richtigen Moment schlicht verpasst. Es zerstört ja doch immer ein wenig von der Atmosphäre, wenn man unterbricht und sagt: Du, ich bin übrigens trans. Einmal kam ein Typ, den ich rasend attraktiv fand, so schnell zur Sache, dass mir keine Zeit zum Outen blieb. Er war nach dem Griff in meinen Schritt sichtlich irritiert. Wir haben noch ein paar Sätze gewechselt, dann ist er „mal eine rauchen“ gegangen. Das fand ich zwar schade, aber ich muss das akzeptieren.

    KAy: ‚Mit 30 fand ich endlich meine Identität.‘