Männer in Strumpfhosen

In „Indian Summer“ wird gelebt vor dem Sterben. Die romantische Komödie um einen HIV-positiven Balletttänzer ist zurecht ein Klassiker und jetzt wieder auf DVD erhältlich.

Tonio sieht nicht aus wie ein sterbender Schwan

„Indian Summer“ war schon einmal ein Publikumsliebling. Das war 1996, als der Film unter dem Titel „Alive and Kicking“ in den deutschen Kinos lief. Der Film war einer der ersten mit einer HIV-positiven Hauptfigur, in dem erst mal gelebt wurde, bevor die Krankheit irgendwen dahinraffte.

Tonio ist der Startänzer einer Balletttruppe und will in deren neuen Stück „Indian Summer“ seinen letzten großen Auftritt haben, bevor als sterbender Schwan seinem Ex und seinem besten Freund in den Balletrinnenhimmel folgt. Alles läuft nach diesem eher melodramatischen Plan – bis Jack auftaucht:  ein haariges, bisschen dickliches Etwas, das gerade so gar nicht in Tonios Leben passt und genau deswegen prompt darin stecken bleibt.

Wie die beiden sich ineinander verlieben, aneinander wachsen und miteinander streiten, ist immer noch ganz großes Kino, weil es so uneitel, so ehrlich und so schreiend komisch ist. Jason Flemyng, der inzwischen inzwischen ein Hollywoodstar geworden ist,  und Anthony Sher liefern als Tonio und Jack eine romantische Meisterleistung ab und der englische Meisterkomiker Bill Nighy als Tristan ist wie immer zu gut, um mit irgendjemandem verglichen zu werden.

Obwohl „Indian Summer“ fast 15 Jahre alt ist, wirkt der Film sehr heutig, weil er seine Figuren eben nicht zu Opfern macht, sondern ihr Leben feiern lässt, egal wie lange es dauert. Dabei folgt der Film eigentlich den Regeln jeder romantischen Komödie, nur dass hier Aids das Hindernis zwischen den Charakteren ist, über das sie erst mal rüber müssen, bevor sie sich lieben können.

Plötzlich und unerwartet: Jack

Und dann ist da natürlich noch der Muskulöse-Männer-in-Strumpfhosen-Faktor, wie bei allen Ballettfilmen, wobei das Ensemble sehr ansehnlich ist. Was heute normal ist, zeigte „Indian Summer“ als einer der ersten Filme überhaupt: HIV-Positive können sexy sein.

Wer „Indian Summer“ schon kennt, wird ihn wiedersehen wollen, wer ihn noch nicht kennt, sollte das schleunigst ändern.

 (Paul Schulz)

 „Indian Summer“, GB 1996, Regie: Nancy Meckler, jetzt auf DVD bei Salzgeber

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